Robert N. Bloch: Eine Bildergalerie vergessener Phantasten: Autorenlexikon der deutschsprachigen Phantastik 1880-1950

  • von Robert N. Bloch gibt es etwas Neues:

    Eine Bildergalerie vergessener Phantasten: Autorenlexikon der deutschsprachigen Phantastik 1880-1950 Hardcover im größeren Format , zweispaltig gesetzt, 343 S., Hardcover, mit vielen Umschlagabbildungen, zu beziehen über Amazon für 52,43€ (ein seltsamer Preis)


    phantastik-literatur.de/index.php?attachment/3410/


    »Das Phantastische öffnet Türen zu verdeckten, schwer sichtbaren oder unsichtbaren Aspekten, den „Nachtseiten der Natur“ (ein Ausdruck von Catherine Crowe). Aber auch wer sich für Genderstereotype, die Vorgeschichte des Faschismus, das Makabre, die subversiven Gefühle der „anständigen Gesellschaft“ oder auch die Rhetoriken des Imaginativen interessiert, wird hier Texte entdecken, die die Augen für ganz Unbekanntes öffnen. Wer über das Phantastische forschen will, kann mit diesem Band über Zufallsfunde hinaus ein Gefühl für den schieren Umfang des Genres gewinnen, und die Konzentration auf die anglo-amerikanische Genre-Literatur vermeiden bzw. überwinden. Auch das ist gar nichts Geringes, und ich wünsche diesem Buch auch schon deshalb viele Leserinnen und Leser.« (aus dem Vorwort von Marco Frenschkowski)

  • Ich bin gespannt!


    Das Buch ist als Ergänzung zum Lexikon der phantastischen Literatur (Zondergeld, Wiedenstried) gedacht. In diesem vermisst man ja tatsächlich (schon fast schmerzlich) Namen wie Watzlik, Mordtmann oder Madsack: Leute, deren Werk unübersehbar phantastisch geprägt ist bzw. fast nur daraus besteht (Madsack). Zudem tauchen im Inhalt erwartungsgemäß diejenigen auf, deren Geschichten Robert N. Bloch schon vor Jahren zu Tage förderte, sei es mit seinen Privatdrucken, sei es mit dem Suhrkamp-Band Jenseits der Träume oder auch auf den Seiten von Arcana. So gehe ich davon aus, dass hier mehr als nur eine Lücke gefüllt wird.


    Natürlich dürfte die Auswahl Debatten entfachen. Namen wie Johannes Richard zur Megede oder Hans Friedrich Blunck hätte ich gerne auch weiterhin gesehen. Namentlich Blunck erscheint mir als das nördliche Gegenstück zu Watzlik. Er hätte beispielhaft als Vertreter einer ausgesprochen folkloristischen Phantastik – und als 3. Reich-Autor – aufgeführt werden können. Doch das sind die typischen Geschmacksfragen.


    Erfreulich, dass Bloch in seiner Einführung am Begriff der Neoromantik festhält. Eine gängige Sammelbezeichnung in der Sekundärliteratur um 1900 (die neben dem Phantastischen freilich auch Mystik oder Symbolismus beinhaltete). Marco Frenschkowski dröselt in seinem Vorwort weiter auf. Da werden Subgenres wie Okkult-Roman, Spiritismus-Satire oder okkulte Detektiv-Erzählung genannt. Hier fallen Stichwörter, die Gelegenheit geben, mal wieder über literarische Vorlieben nachzudenken und sie zu verorten.


    Nicht zuletzt soll mir das Lexikon jene Forschungsarbeit von Bloch u. a. ersetzen, die mir so unangenehm entwunden wurde … Ich verweise auf die Dokumentation in diesem Forum: Das ist hart, liebe Stadtbibliothek.

  • Toll! Das Lexikon ist auf Rang 1 in der Amazon Ranking Liste in der Rubrik:

    "Bestseller in Literaturkritik - Horror & Übernatürliches"


    Es konnte endlich "Das Heißluftfritteuse Rezeptbuch für Anfänger" von Platz 1 verdrängen.


    Herzlichen Glückwunsch

  • Das war eine reine Kostenentscheidung. Wenn du über Amazon publizierst, musst du nicht in finanzielle Vorleistung gehen. Druck und Vertrieb erfolgt über Amazon, man hat dann keine weitere Arbeit mehr. Wenn das doch recht umfangreiche und illustrierte Buch bei einem Verlag erschienen wäre, hätte der Preis sicherlich viel höher gelegen.

  • Freue mich auch schon drauf und habe das Buch gerade bestellt.

    Ein großer Vorteil der Publikation über Amazon ist natürlich auch, dass es das Buch nicht nur in limitierter Auflage gibt, sondern es auch längerfristig käuflich erwerblich und damit zugänglich ist.

  • Sehr informativ. Die Sprache ist nicht zu trocken. Es gibt keine verschachtelte Sätze mit ausländicshen Wörtern (wie bei Zondergeld).Ich sammle Informationen über deutsche Fantasten alter Zeit schon lange. Herr Bloch konte trotzdem sogar bei bekannten Namen eine schöne Zugabe servieren.

    Die Inhalte werden knapp und präzise dargestellt.

    Die Preisleistung stimmt mehr als genau.

    Dahinter steckt eine gewaltige mehrjährige Arbeit. Und allein Internet hilft hier nicht.

  • Mein Exemplar kam letzte Woche an und ich habe schon intensiv darin gestöbert – dazu lädt der Band nämlich sehr ein.


    Der größte Nutzen dürften in der Präsentation unbekannter AutorInnen liegen. Herr Bloch hat darüber hinaus ein Händchen für prägnante Inhaltsangaben. Dies ist gerade in einigen (fast) unerreichbaren Fällen hilfreich. Auch benennt er klipp und klar nicht besonders hochwertige oder gar misslungene Texte.


    Seine Einschätzungen von Leuten, von denen man meinte, es sei schon alles gesagt, sind nicht weniger interessant. Gewisse Einträge, etwa zu Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, überrunden diejenigen aus dem Lexikon der Phantastischen Literatur deutlich. Auch H. H. Ewers oder Leo Perutz finden hier entsprechend großzügigen Raum, indem ihre wichtigsten Werke inhaltlich vorgestellt werden.


    Dadurch, dass Berühmtheiten neben völligen Obskuranten stehen, ergibt sich letztendlich auch ein neuer Blick auf die deutschsprachige Phantastik (oder Neoromantik, wie Bloch schreibt). Für die künftige Forschung könnte vielleicht die Herausforderung entwachsen, die zu Unrecht vergessenen oder ignorierten Texte stärker zu gewichten. Ein Beispiel wäre hier Leonhard Stein, ein Name, den Bloch schon vor Jahren wieder zu Tage förderte. Die drei 1918 erschienenen Bücher von Stein zählt er „zum Formvollendetsten, das die deutschsprachige Phantastik hervorgebracht“ habe. Und in der Richtung ließe sich gewiss noch die eine oder andere Perle auftun. Robert Blochs Bildergalerie vergessener Phantasten. Autorenlexikon der deutschsprachigen Phantastik 1880 – 1950 bietet sich jedenfalls für diese Schatzsuche an!

  • Das äußerst verdienstvolle Werk habe ich mit großem Genuss und Gewinn in den letzten Tagen durchgearbeitet und bereits einige Fernleihen aufgegeben, da die meisten der enthaltenen Bücher antiquarisch nicht erhältlich sind.