Beiträge von Katla

    Ui, nee, ich hab schon immer Bücher abgebrochen. Solange es noch Bücher gibt, die ich lesen will (davon wird es immer mehr geben, als ich im Leben schaffe :-( ) ...


    Ja, young adult ist eh nicht mein Ding. Ehrlich gesagt hatte ich Cassandra Clare (Clockwork Prince) mal im Flugzeug gelesen, weil es in dem Flughafen-Shop absolut nix Vertretbares gab, und auch wenn ich mich schämen sollte, fand ich das wirklich sehr amüsant und spannend. Da klappt das zum Beispiel mit der angedeuteten, konfliktreichen Liebe zwischen den mystischen Jungs super gut.

    Mehr ertrage ich von ihr aber auch nicht ...


    Dazu fällt mir ein, dass ich mal einen guten Artikel darüber gelesen habe, warum Mädchen und junge Frauen so viel schwule Erotik im Fantasy/Steampunk-Kontext schreiben. Ich meine, 99% der schwulen online Slash Fiction wäre von Mädels. Blöderweise hab ich die Begründung vergessen, danach muss ich nochmal suchen. Aber Elendhaven fällt da auch zielgenau rein.


    So, jetzt gehe ich zum Coffee-Tasting in unserem Unit Markt (wo man die Verpackung / Gläser für alle Waren selbst mitbringen muss. Deren Öko-Espresso aus Peru ergibt so ziemlich den besten Cappuchino, den ich je getrunken habe). [Cof]

    The Monster of Elendhaven.jpg


    Jennifer Giesbrecht: The Monster of Elendhaven

    Tor Books, New York 2019

    159 S. (96 in meiner pdf-Version)

    Genre: Dark Fantasy / Horror


    Überraschenderweise hatte ich die selben Krämpfe wie Royston Vasey bei seinen Kurzgeschichtsbänden hier beim aktuellen Roman 2019/20. Keine Ahnung mehr, wie lange ich nach Relevantem gegoogelt oder wie viele Bücher ich angelesen hatte, aber dies war das vierte oder fünfte, das ich ernsthaft versuchte, zu lesen. Und wenn ich nicht gern die Challenge beenden würde, hätte ich dies auch abgebrochen. Zwei Bücher hatte ich für diese Kategorie bestellt (und gern gelesen), dann aber gemerkt, dass sie aus 2018 waren ...


    Giesbrecht – trotz des Names eine englischsprachige Autorin – legte hiermit ihr Romandebüt vor. Das Cover ist hübsch, der Plot klang spannend, die ersten Seiten ebenfalls. Tor hat ja nun auch nicht so schlechte Sachen … fast hätte ich das Buch gekauft, fand dann aber ein kostenloses pdf online und war so dreist, das zu nutzen. (Dazu: Ich habe schon Paperbacks von vielen guten Büchern gekauft, nachdem ich ein kostenloses pdf durchgelesen hatte, einfach weil ich für Leistung auch zahlen will.)


    Plot:

    Zwei Männer treffen aufeinander, was fatale Folgen hat – für die Stadt, und für sie selbst:

    Johann ist eine Art Frankensteins Monster (impliziert), der nicht genau weiß, wer er ist oder woher er kommt. Er ist ein Mörder aus Leidenschaft, und kann selbst nicht sterben – alle Verletzungen heilen magisch.

    Florian Leikenbloom gehört zu einer der ältesten Familien von Elendhaven, diese wurde jedoch als eine gesehen, die ein ‚Magierkind‘ aufzieht und während der Pest wird ihnen Hilfe versagt. Dadurch sterben alle bis auf Florian, der durch die Pest auch seine über alles geliebte Zwillingsschwester Flora verlor. Florian selbst ist allerdings tatsächlich ein Zauberer/Magier, er verfügt über Telekinese und kann Substanz seinem Willen unterwerfen, Leute wie Marionetten bewegen.

    Florian erdenkt nun einen semi-magischen Racheplan, der die Bewohner von Elendhaven ausrotten soll, und dabei findet Johanns Blut Verwendung …


    Das Intro und das Extro sind recht elliptisch und – für das Genre – harsch erzählt, haben durchaus ein paar gore-Momente und klangen als Unterhaltung sehr gut. Dieser Tonfall ändert sich aber schnell, nachdem Giesbrecht die beiden aufeinandertreffen lässt und sie beginnt, szenischer zu schreiben, dies macht ca. 90% des Buches aus. Dieser überwiegende Mittelteil hat nahezu keine sinnvolle Handlung (außer der zusammengefassten und dem Eintreffen einer Mage-Huntress) und klingt wie die allerschlimmste Slash Fanfiction.

    Nach dem düsteren, blutigen Anfang nennt Johann seinen Arbeitgeber nun flirtend, süßlich-sarkastisch „my little buttercup“ <X und die zwei nesteln sich ungeschickt-lasziv an den Jackenknöpfen rum, irgendwann wird mal nach einem epischen Kampf zart geküsst und ansonsten passiert mit diesem dummen Rumgetease gar nichts. Der Schwarzmagier und das Monster verhalten sich wie bekloppte Teenies auf dem Pausenhof, alle Andeutungen auf Trauer, Verlust, Faszination und evt. auch Verliebtheit werden nicht im Plot ausgeführt und sind letztlich komplett irrelevant. Sowas geht einmal - Anne Rices Interview - und dann müsste man halt sehen, dem einen neuen Dreh zu geben.


    Die Sprache ist grauenhaft simpel, die Dialoge platt und peinlich. Die beiden Figuren, die eigentlich sehr unterschiedlich sein sollten (das schließe ich aus den Bemühungen der Autorin eingangs, denen irgendwas aufsehenerregendes Spezielles zu verleihen), sind so schablonenhaft identisch, dass ich sie bis zur letzten Seite verwechselt habe.


    Die ganze Handlung und das Ende sind absolut vorhersehbar, ohne Twists und Überraschungen; wobei die Florians magische Kräfte passend an- und abgeschaltet erscheinen, wenn er mal hilflos, mal mächtig wirken soll. Totaler Humbug, und – um es noch mal zu sagen – dieses dumme Rumgeflirte hat mir echt den Rest gegeben. Genau wie diese jugendverträglichen ‚Age 12‘ Fanfictionerotik, die auch nur teasen kann, ohne zu liefern. (Dabei gibt es sehr vereinzelt auch ausgesprochen gute Slash Fiction online, auch im Porn-Bereich, z.B. bei LotR zwischen Uruk Hai bzw. Elben und Orcs, wo auch durchaus psychologische / genre-relevante Konflikte durch explizitem Sex auserzählt werden.)


    Um den Roman wohl etwas exotischer zu machen, finden sich dänische, deutsche und norwegische Begriffe wildgemixt (Herr, Nord Sea etc. und ich hätte da durchaus Elendhavn draus gemacht), aber das Setting ist halt dadurch auch nicht interessanter, als es eben beschrieben wird.


    Tor wirbt mit der Rezension eines jungen Bibliothekars: Burrowed between the bones are hints of commentary on climate change and environmental exploitation, racism, homophobia, privilege and power, and capitalism. This isn’t a novella about social justice issues, but like any good work of speculative fiction, it fully embraces and eagerly examines the larger social context of which it is a part.

    Naja … man muss aber die Kirche echt noch im Dorf lassen. Dass Elendhaven mit Öl reich wurde, zwei Männer flirten, es Ausbeutende und Ausgebeutete gibt, rechtfertigt keine Behauptung, hier würde subtil irgendwelche relevante Sozialpolitik vermittelt. Und Klimawandel … give me a fucking break!!


    Okay, Fazit: 1 Punkt. So ziemlich das schlechteste, das ich seit 20 Jahren in Gänze gelesen habe. Den Punkt dafür, dass dies der Erstling einer jungen Autorin ist. (Eine, die ihr Geld seit Jahren mit Game-Sznerarios verdient – was übrigens alles erklärt. Leider las ich das erst im Nachhinein.)


    Homepage der Autorin

    -> dort Vorstellung des Romans

    Ihr Halunken! ^^


    Dieses Jahr wollte ich - wenn überhaupt - nur zur See verreisen, und keineswegs ins Binnenland. Aber nach euren Geschichten zu den Geschichten (unterhaltsamer, als einige Bücher, die ich gekauft habe!), sehe ich mich gezwungen, mir auch ein Zimmer zu reservieren ... oder ist bei diesem Reiseveranstalter etwa bereits alles ausgebucht?

    [Gho]

    Den Erfolg habe ich auch gelernt, allein am Kreativen zu messen.

    Und das ist eben das Schöne, dass dies irgendwie (finanziell) möglich ist, wie sähe sonst die Phantastiklandschaft aus? :*


    Ich werde mir den Band mal vorbestellen, der ist einfach zu schön, allein als Buch zum Anschauen; die Auswahl klingt extrem attraktiv. Und eine gute Übersetzung sollte die Lesefreude nicht schmälern (im Gegenteil!), auch wenn ich eigentlich nur Originale lese, so ich die Sprache halbwegs verstehe.

    Auch wenn dein Urteil letztendlich gar nicht so gut ausfällt, klingt das Buch mMn immer noch extrem interessant. Ist jedenfalls gleich mal auf meiner Liste gelandet.

    Hallo dear Goblin,


    das freut mich sehr, und wäre selbstverständlich auch auf dein Urteil gespannt.


    Ja, ich sehe Peaks Prosa, die Geschichten von Könemann oder Samuels - nur zum Beispiel - auch als eingenständige, alternative Stimmen. Als das, was Autoren selbst wichtig ist, zu schreiben, jenseits von den Anforderungen großer Verlage. Das ist eben ein Einblick in eine ganz persönliche, sehr dezidiert schräge (Horror/Weird) Welt, und dafür bin ich auch mal bereit, über ein paar Fomulierungen oder Story-Entwicklungen zu stolpern - die ja auch gut & gerne Geschmackssache sind. Unterstützenswert auf jeden Fall, das täte mir ums Geld auch nie leid.

    Erik R. Andara Das Buch sieht jedenfalls wunderschön aus, ich hoffe, es wird ein Erfolg.


    Von den Autoren auf dem Cover kenne ich (sollte ich jetzt sagen "peinlicherweise"?) keinen: Sind die alle fremdsprachig, wonach sich deine Vorstellung hier anhört, oder ist das ein Mix? Einige Namen könnten ja auch auf deutschsprachige Herkunft deuten.

    Inzwischen hab ich ein paar Geschichten in der Originalversion gelesen, und finde die bisher ganz gut: keine billigen Imitate soweit, unterhaltsam, gute Mischung recht verschiedener Autoren.


    Nicht unbedingt so hochspannend, dass ich es in einem Rutsch durchlesen möchte bzw. nicht mehr aus der Hand legen könnte, aber soweit alle ein, zwei Wochen ein paar Texte werde ich wohl beibehalten.


    Tobias Könemann: Das Schwarze Holz. Erzählungen

    Pandämonium Verlag, Norderstedt 2017

    Mit s/w Illustrationen des Autors, 114 S.


    Die Sammlung wird beworben als „der verkohlte Scheiterhaufen des Fortschrittsoptimismus“ – was mich zum Kauf veranlasste. Um es vorab zu sagen: das klingt zwar super, aber ganz so harsch, heftig, nihilistisch ist das Buch nicht. Zweifelsohne sind es aber düster-pessimistische Geschichten mit einem angenehm altmodischen Stil: einem Hauch Expressionismus und typischen Settings der 1890er-1930er, vom Tonfall und den Figuren irgendwo zwischen Kubin und Mark Samuels. Die Texte hätten teils ein, zwei Editingschritte mehr vertragen können, auch wird oft eine Erwartung geweckt, die dann – zumindest wenn man schon einiges im Horror gelesen hat – untererfüllt wird.


    Der kleine Band ist sehr schön aufgemacht, die Illustrationen haben mir wirklich ganz außerordentlich gut gefallen (auch wenn sie an zwei Stellen sehr ungünstig platziert sind und die Pointen der Geschichten spoilern!). Könemann scheint – wenn ich von seiner Webpräsenz ausgehe – auch in erster Linie Maler zu sein. Zwischen den Kurzgeschichten sind kleine Gedichte abgedruckt, was ich – selbst als Nicht-Lyrikfan – eine tolle Idee finde, weil die einzelnen Texte so besser wirken können.

    Schwerpunkt bilden düster-unheimliche Geschichten und Legenden bzw. eine Mischung aus Body- und Folk-Horror, wobei Könemann sich nicht an Bestehendes anlehnt (z.B. „Eine zweite Haut“ und „Ewige Landschaften“), dabei durchaus gruselig sind.


    Im Einzelnen:

    „Anastasia“: Hat sehr schöne Bilder (Stichwort: malerischer Verfall / Ekel), aber den schwächsten Plot. Folgt man der Geschichte assoziativ, ohne Erwartungen, funktioniert sie etwas besser, als Einstieg vllt. etwas ungünstig.


    „Im Schatten des Sturms“: Schönes Intro, aber eine sehr schwache Story, die mehr über die Erwartung als die 'delivery' läuft. Bzw. wird mit der wilden Sturmszene, sich eigenartig verhaltenden Personen / dräuendem Grusel eine hohe Erwartung geweckt (Sleepy Hollow meets Rosemary‘s Baby), die dann eine a) schwache und b) fast alberne (Nicht)Auflösung erfährt. Schwächste Story insgesamt.


    „Die drei Boten“: Eine moralische Parabel, die ein bisschen Druiden-/ Green Man-Feeling hat, und im Grunde ein Statement gegen Intoleranz und evt. religiöse/monotheistische Gewalt ist. Nehme ich nicht so richtig als Kurzgeschichte wahr.


    „Der Studiosus“: Hier kommt mehr Stimmung auf, das sind interessante Charaktere (erinnerte mich anfangs an Schuld & Sühne) mit spannenden Konflikten. Vom Ende hätte ich mir mehr erwartet, aber die Entwicklung dahin gefiel mir gut.


    „Nebukadnezar“: Eine Pointengeschichte, die psychologisch interessant aufgezogen ist und zwei extrem unterschiedliche Settings kontrastiert. Für mich aber erst durch die Endszene interessant, davor zu märchenhaft (ich musste ein bisschen an Lovecrafts „The White Ship“ denken, bei dem das Märchenhaft-Verträumte ebenfalls abrupt harsch gebrochen wird).


    „Eine zweite Haut“: Gefällt mir ausgesprochen gut, kommt als eine (originale / nicht übernommene) Legende bzw. Folk-Horror daher und entwickelt sich stringent und spannend – aber nicht vorhersehbar – in Richtung Verfall / Ekel / Body-Horror. Toll gemacht, sehr geheimnisvoll.


    „Ewige Landschaften“. Auch diese Geschichte habe ich wirklich gern gelesen. Ein Wandern zwischen den Spiegeln, Nahtoderlebnis, Halluzination oder wirklich eine mystische parallele Dimension, die mit Themen um Isolation / Verlassensein, einer extrem negativen Interpretation des „Lebens als Kreislauf“ oder der Idee einer nicht-chronologische Zeit spielt. Machte auf mich – im positiven Sinne – einen klassisch surrealistischen Eindruck, auch wenn der Stil dafür vllt. zu altmodisch ist.


    Fazit: Irgendwo zw. 4 und 7 Punkten. (8-9 für die letzten beiden und durchweg 9 für die düster-schönen „Ekel“-Szenen querbeet durchs Buch.)


    Auch wenn ich viel zu nölen habe, kann ich den schmalen Band dennoch empfehlen, weil er eine eigenständige Stimme / Bilderwelt hat, und mit seinem traditionellen Stil niemanden bewusst imitiert - alles klingt ganz natürlich, individuell und unforciert.


    p.s. Cheddar Goblin

    Ich muss dir mit Samuels Recht geben: die private, politische Haltung liest man nicht heraus, und ich habe Written in Darkness wirklich mit Interesse und in einer tollen Stimmung gelesen. Er schreibt so original 1920-50er, dass ich jedes Mal zusammengezuckt bin, wenn LED und google erwähnt wird. Das war ein guter Tipp, Danke!

    Buchtitel nenne ich hier bewusst keine, denn das führt zu Kopien.

    Hallo Ernst, ja, hrhr, das hatte ich mir schon gedacht, das Problem sehe ich absolut ein.

    Ich weiß, es ist schwierig mit mir.

    Naaah, das würde ich noch lange nicht unter 'schwierig' verbuchen. Solange es dich das Nachfragen nicht nervt, ist doch gut.

    Lukianenko ist ein guter Startpunkt.

    [Nerdine] Das hilft super, damit kann ich was anfangen, vielen Dank - zumal ich sagen würde, der ist eh nicht gut zu kopieren. ;-)