Beiträge von Katla

    Zurück zum Start, die Entscheidung:

    Zitat


    Wir sprechen uns im Namen der Künstler:innen gegen die kommerzielle Verwendung generativer KI aus.

    Ich wüsste nicht, warum diejenigen, die für Schreibende und Künstler einstehen - also für die Opfer der Problematik - irgendwie als Täter dargestellt werden sollten.
    Zudem ist weder jemand, der schreibt, noch jemand, der Bücher verlegt oder Kunst machen will, gezwungen, generative KI einzusetzen. Die Entscheidung, es zu tun, hat stark negative Folgen für Unbeteiligte. Ideelle wie finanzielle Folgen. Es ist nicht ganz einzusehen, warum slopper nun die Leidtragenden sein sollen. Die handeln ja ohne Not.


    Es ist klar, dass es bei einer Entscheidung, die es nicht 100% der Kunden oder Besucher recht macht (und wie ginge das schon?), geteilte Reaktionen gibt. Diskussionen sind ja Zeichen einer lebendigen Kultur, das wird ja auch hier im Forum immer wieder betont und gelebt. Und wenn man nun eine Entscheidung trifft, um Schutzbedürftige zu schützen und einige finden das aus Gründen nicht gut, dann teilt sich vielleicht ein kleiner Teil der Szene ab. Anderseits kann sich auch ein Teil abteilen, der abgeturnt ist von der Möglichkeit, immer mehr KI-generierte Produkte in der Hand zu haben, wenn sie auf eine Literaturveranstaltung gehen. Diese Gruppe entscheidet das vielleicht für sich, ohne Sammelstatements. Sodass diese Entscheidung nicht mal öffentlich würde.

    In den sozialen Medien (FB, insta, BlueSky/BookSky und internationalen Foren) wird jedenfalls der Unmut über das Gespamme mit Slop, die für Autoren und andere Kreative immer schwierigen VÖ-Bedingungen usw. jedenfalls merklich schärfer, expliziter und konsequenter. Das ist eine Entwicklung tatsächlich der vergangenen Wochen. Dazu kommen Urteile, in denen KI-Betreiber unterlegen sind.

    Nicht die Entscheidung des Marburg Cons ist letztlich radikal, sondern die Nutzung von generativer KI. Irgendjemand wird immer irgendetwas an irgendeiner Entscheidung nicht gut finden und irgendeine Veranstaltung meiden oder aber sogar gerade etwas daran begrüßen und erst recht / zum ersten Mal hingehen.

    Altes geht, Neues kommt, das ist ja auch das Prinzip von gen.-KI-Befürworten, ich sehe da hinsichtlich der Marburger Entscheidung wirklich gar kein Problem - für keine der beiden Seiten.

    Mammut Ich hab ja nicht gesagt, dass Amazon vorher keinen Beschiss betrieb, sondern, dass neuerdings durch generative AI und die nur dadurch mögliche Überschwemmung des Marktes ein enormes Problem geschaffen wurde, das offensichtlich nicht mehr nur klassische Verlage und Autoren, sondern jetzt auch self publisher interessieren sollte. Die - bzw. eine Anzahl von ihnen - das Problem ja letztlich erst geschaffen hatten.

    Dieselbe Überflutung führt seit wenigen Jahren ja auch dazu, dass Verlage und Magazine nicht mehr öffentlich ausschreiben (da hattest du sogar mal meinen Link zu Clarksworld geteilt, also siehst du ja das Problem) oder aber eine autorenunfreundliche Einreichungsgebühr verlangen, also 'pay to play'. Autoren sollten bezahlt werden, allermindestens mit einem freien Belegexemplar, wenn nicht mit Honorar - und nicht selbst zahlen.

    Ein Problem schließt das andere nicht aus und Big A hat darüberhinaus ja noch viele weitere Problempunkte, die mit den Themen dieses Faden nix zu tun haben.

    SimonG und Erik R. Andara Ja, genau. In dem Buch von Adam Becker wird das auch genau so belegt, mit einem Rechercheaufwand und persönlich erworbenen Insiderinfos, die wirklich ganz enorm überzeugend sind. Zu dem Skript gehört auch das Beharren auf "Qualität" - "noch sind die Ergebnisse nicht mit organisch geschaffenen vergleichbar, aber in einem Jahr ...", dabei geht das ja vollkommen am Problem vorbei.

    Das ist schon fast ein BlauePille/RotePille-Problem und zeigt mal wieder, dass SF zu allem taugt, aber nicht zur Warnung.

    Mammut 2018 gab es ja die aktuelle Art / Verwendung generativer AI noch gar nicht, das sagt also im gegebenen Kontext nichts aus. Und ich wäre gelinde gesagt vorsichtig, quantitative Studien dieser Größe mit dem gegebenen akademischen Hintergrund zu ignorieren.

    Vader-Roth Das habt ihr sehr schön formuliert und ich begrüße den Schritt ganz außerordentlich.
    Cons, Festivals und Ähnliches (wie auch das Verlegen, Kunstschaffen etc.) bedeuten einen oft exorbitanten Aufwand, Zeit und Energie, zumal sehr vieles eherenamtlich oder unter Einsatz privater finanzieller Mittel organisiert wird.

    Kultur ist Kommunikation, ein sozialer Akt und damit gesellschaftsstiftend. Es geht also gar nicht darum, ob errechete 'Werke' gut sind oder nicht. Es geht darum, dass sie vorgeben, Kultur zu sein, das aber nicht sind - und damit kein sozialer Akt, keine sinnvolle Kommunikation, sondern zesetzend. Getrieben von Milliardären, die freie Kultur und individuelle Persönlichkeit ganz explizit verabscheuen.

    Dem sollte kein Platz an Orten gegeben werden, an denen Kultur eben als sozialer Akt, als Kommunikation und gesellschaftsstiftend - hier auch im Sinne einer engagierten Szene - gelebt wird. Wenn jemand zu faul ist, ein Buch zu schreiben, sich mit Betalesern und Lektoren auseinanderzusetzen, nichts lernen will oder seine Fähigkeiten trainieren, gut. Aber dann sollten diese Leute nicht auch noch von der Zeit und der Arbeit jener profitieren, die sie mit der Verwendung von AI bereits einmal beklaut haben.

    Cons und Festivals sind ja genau der Ort, an dem z.B. Schreibende Kunstschaffende treffen können, und das bedeutet ggfs, Anwerben von Illustratoren. Das Problem bei AI-Generiertem ist ja dagegen, dass Leute Autor und Maler sein wollen, aber nichts dafür tun, um das auch faktisch Realität werden zu lassen.

    Jedenfalls ist es interessant, dass u.a. die Französische Revolution die Macht von Kirche und Königen brach und die Kultur in die Hände der Allgemeinheit gab. Seit dem frühen MA lag ja die Macht über Inhalt und meist auch Form/Medium in den Händen des Klerus und dem extrem reichen Adel. Die Revolution, die beides zumindest größtenteils beendete, versteht man gemeinhin als Demokratisierungsprozess. Und damit als Fortschritt.

    Lustigerweise führen nun Faulheit und eine kindliche Faszination am Knopfdruck, der bunte Bilder bringt, zu einer genauen Umkehrung: Wir Kulturschaffende verlieren die Kontrolle über Inhalte und Formen (AI sind ja nicht politisch neutral, egal, wie gern die Tech Bros das behaupten) und sorgen damit dafür, dass eine Handvoll Leute noch reicher und mächtiger werden, als sie es eh schon waren. Man könnte die momentane Entwicklung als Umkehrung der Französischen Revolution sehen, und keinen stört es, weil wir - anders als damals - nun ein paar bunte Bilder und 1000 Fantasyromane in einer Minute von denen bekommen.

    Ganz interessant ist eine neue quantitative Studie, die für den Zeitraum 2023-2026 Marketentwicklungen auf Amazon hinsichtlich AI-generierter Publikationen analysierte, u. a. allgemeine Verkaufszahlen im Verhältnis zu individuellen Gewinnen. Beachtet wurden eBooks wie auch Druckwerke.

    Während bislang nur beklagt wurde, dass große wie kleine Verlage durch AI Slop kaputtgemacht werden, sieht diese aktuelle Studie - mWn nach zum ersten Mal - self publisher bei Amazon als die Hauptleidtragenden. Bis zur Möglichkeit, dass diese Veröffentlichungsform durch die AI-induzierte Marktverwässerung wegbrechen wird.
    BuchMarkt.de vom 5.8.2026

    cherDie pauschale Verteufelung von jeglicher Verwendung von KI hat was von Inquisition.

    Es gibt ja Analysen von (Kinder)Psychologen, ehemaligen AI-Entwicklern, die also beteiligt waren und dann in den Bereich der Ethik gewechselt sind und es gibt ebenso Analysen von Marktentwicklungen, die allesamt vollkommen rational sind. Deine Aussage kann ich daher nicht nachvollziehen. Sie ist ja rein emotional formuliert. Hier bei Interesse zwei gute Fach- bzw Sachbücher:

    - Kate Crawford: Der Atlas der KI, C. H. Beck Verlag. (Atlas of AI: Power, Politics, and the Planetary Costs of Artificial Intelligence)
    Crawford ist Wissenschaftlerin im Data Research-Bereich (u. a. bei Microsoft) und Recht, sie ist nebenher Publizistin.
    und
    - Adam Becker: More Everything Forever : AI Overlords, Space Empires, and Silicon Valley's Crusade to Control the Fate of Humanity. Hachette. (MWn bislang nicht auf Deutsch, es ist extrem gründlich recherchiert und der Titel ist iroisch-pulpig.)
    Becker ist Astrophysiker und Journalist.

    Ich sehe Fortschritt bei AI nur in der Medizin und ganz vor allem auf dem Schlachtfeld, im Krieg. Absolut nicht im künsterischen Bereich, und die Probleme multiplizieren sich nur. (siehe aktuell Claude & Co und die geschredderten Bücher).

    Der Fortschrittsgedanke bei AI hat religiöse Züge angenommen und nützt nur denen, die damit Geld machen (und Leute wie uns alle hier hassen und verachten). Jeder kann sich von jungen Künstlern und Kunststudent*innen Bildernutzung erwerben, das geht schon für € 20,-, das Argument, man müsse AI nehmen, ist vollkommene Augenwischerei.

    Das Forum hier plant übrigens auch ein Statement in die Richtung, das muss nur noch sauber formuliert werden.

    Hm, ohne spoilern zu wollen, das „Monster“ ist sehr sicher nicht was man erwarten würde. Von daher war sogar gerade der Aspekt recht erfrischend.

    Ich hätte kein Problem mit Spoilern (kann man ja verdecken), hatte auch einige Rezis gelesen bzw. eine ausführlich-analytische Vid-rezi gesehen. Es scheint mir von den Infos (die nicht zutreffen müssen, klar) her eher eine Art 'Alien in an empty Ikea warehouse' zu sein. Also vom Konzept her, egal als was sich das Monster dann herausstellt und sei es nur Halluzination. Das wäre nicht, was ich mir davon erhoffte.

    Ich passe nun doch, zumindest was den Einsatz meiner Kinofreikarte angeht. Liminal space und seltsames Monster canceln sich doch gegenseitig aus (mit einer physischen Bedrohung hatte ich nicht gerechnet). Schade, das Konzept schien erst frisch, jetzt bin ich nicht mehr sicher. Es ist bei meinem streaming service bereits angekündigt, aber wenn jetzt noch ein Hickhack mit Fassungen dazukommt .... meh.

    Danke, lieber Nils , eine spannend zu lesende Rezension, und ein Buch, das man sich sparen kann (aus vielerlei Gründen). Schade, denn einige interessante Fragen / Ansätze hat es ja wohl.

    Und Hallo!, den kleinen Racker, der da um die Ecke lugt, kenne ich doch. [Cof] Passt super! Schönen Gruß von mir.

    Uff, Escape ist echt fürchterlich. Außer, dass die Protas Tierköpfe haben, finde ich hier keinen Deut Interessantes, es ist eine sehr ärgerliche 08/15 Bumbum-haudrauf-Sprücheklopf-Geschichte, die Pathos an der falschen Stelle zeigt (schmachtende Fuchs-Ehefrau in der Heimat) und - zumindest soweit ich ab der Hälfte nichts Entscheidendes geskippt habe - wird das an keine Stelle gebrochen. Statt irgendwelchen spannenden Dialogen bekommt man billige Phrasen, die aus amerikanischen Kriegsfilmen der s/w-Ära entlehnt sein könnten. Mag an mir liegen, aber Ironie finde ich darin nicht.

    Von den Uniformen und den klischeehaften Mimiken / Positionierungen her ist der Held eine Fusion aus Amis und sowjets, die Bösen sind die historischen deutschen nazis. Das funzt so zur Zeit ja auch nicht mehr in Gänze, wenn man die USA und russland betrachtet. Man könnte sogar sagen, das sei ein gefährliches Statement zur Zeit, da es russischen Trollfarmen gleich die historischen mit den aktuellen Positionen auf völlig widersinnige Weise vermischt bzw. umbesetzt.

    Ich lasse mich wirklich gern korrigieren, sollte ich das alles massiv missverstanden haben (das kann immer passieren!), aber ich glaube, das ist einfach Pulp ohne doppelten Boden. Tiergesichter und sehr schön (und realistisch) gezeichnete Ruinen / Kriegsschauplätze helfen da leider nicht. Ja, schade - die Zeichnungen sind nämlich wirklich toll.

    Da hab ich € 25,- in den Sand gesetzt, das werde ich an den Phantastikbuchladen verschenken oder in einer Bibliohek aussetzen.

    Es gibt eine lobende, sehr ausführliche Rezension von Thomas Harbach im Reisswolf #66, S. 19-27.
    Freier Download hier. Die Druckversion kann auch via p.machinery bestellt werden, Link hier.

    Thomas Harbachs Fazit:
    Jörg Kleudgen hat die einzelnen Geschichten mit teilweise doppelseitigen Zeichnungen illustriert. Die Innenillustrationen geben die einzelnen Stimmungen der Geschichten sehr gut wieder, sodass Text und Bild eine intensive Einheit bilden.
    Wie schon das »Necronomicon« präsentiert »Friedrich Wilhelm von Junzts unaussprechliche Kulte« eine Handvoll überdurchschnittlicher, von Lovecrafts literarischem Schatten bestimmter stimmungsvoller Gruselgeschichten, die deutlich mehr Wert auf gute gezeichnete Charaktere, eine morbide Atmosphäre und kosmische Zusammenhänge legen als auf grotesken und damit auch platten Horror.
    Dass es sich bei dem von der Goblin Press herausgegebenen Buch auch optisch um ein eindrucksvolles Werk handelt, muss nicht extra betont werden. Neben dem Reiseführer durch Yuggoth aus dem Arkham Verlag und dem schon angesprochenen »Necronomicon« ein weiteres Highlight.

    Earthdivers
    Text: Stephen Graham Jones
    Illustrationen: Davide Gianfelice und Riccardo Burchielli

    IDW Publishing, USA 2025
    Omnibus Edition mit allen 18 Episoden: S. 488
    Verlagsseite hier.

    Ich hab zu spät gesehen, dass unsere Bibliothek die drei Bände führt, aber die beiden alten Comicladen-Herren wollen ja auch leben ... habe also die Omnibus-Edition (Cover links) dort bestellt, und € 39,- für den Umfang ist ja wirklich preiswert (mit den Einzelbänden wäre ich um € 100,- rausgekommen).

    Bei den Good Indians bin ich jetzt im ersten Drittel und habe schon mal begonnen Jones' Werk nach den etwas ernsteren Erzählungen zu durchzukämmen, diese Reihe scheint mir sehr in die Richtung zu gehen. Ich bin sehr gespannt, außer seiner Art, Geschichten zu erzählen und überhaupt zu schreiben, die mich absolut faszinieren, kommen hier verschiedene Epochen (Zeitreisen) vor, unter anderem die Eiszeit, was nicht nur spannend ist, sondern bestimmt auch tolle Bilder bringt. (Ich hätte das Cover ganz rechts bevorzugt, aber unter einem ebenfalls tollen politisch/historischen Aspekt funktioniert der Omnibus-Band auch.

    Bin schon sehr gespannt, wie sich sein Stil in der Kürze von Sprechblasen gestaltet - wird bestimmt klasse! Bin jedenfalls extrem angefixt, auch wenn ich die unflapsige Variante bei ihm lieber lese, ist das insgesamt eine tolle Entdeckung. Besser spät als nie.