Beiträge von Katla

    Erik R. Andara Ja, danke, coole Sache!

    Ich finde auch diese pay what you can -Option richtig klasse, das werd ich möglicherweise nutzen, ich hab mich buchbudgetmäßig = budgetmäßig in letzter Zeit etwas übernommen. :D Bei solchen Aktionen bleibe ich auch fair, ist ja auch nicht toll, wenn man dann einen Dollar überweist.

    Ihr bringt mich um - mein Exemplar ist immer noch auf dem Postweg. ;(;(;(


    Das klingt nach einem so perfekten Buch, ich hoffe, meine Erwartungshaltung macht mir nicht die Lektüre kaputt. Aber es passt perfekt zu Folk Horror Themen in rumänischem Metal, den ich gerade wieder viel höre (Malokarpatan).


    Mammut:* Lieben Dank für den Link, das ist ja eine wunderschöne Rezension.

    Sar-Sargoth [Ber]



    Um noch etwas zum Thema hinzuzufügen: lief vor einigen Monaten auch bei uns im finnischen TV: eine wirklich schöne Dokumentation zu Papa Doc Duvalier. Passenderweise innerhalb einer Serienmörder-Reihe: Evolution Of Evil E01: Papa Doc Duvalier. Das kritische Biopic ist auch unter phantastischem Aspekt äußerst interessant und, wie ich finde, sowohl charismatisch gespielt wie auch ästhetisch toll in Szene gesetzt. Interviews mit Opfern und Augenzeugen.


    Der Brillenträger auf dem Buchcover oben ist selbstverständlich niemand anderes als der Chef der Zombie-Tonton Macoutes selbst. Duvalier war vor seiner Terrorherrschaft (bzw. einem diabetesbedingten Hirnschaden) ein aufgeklärter, empathischer Landarzt, später verkehrte er diese Rolle als selbsternannter 'Bokor' allerdings ins extrem Negative.




    John Cussans: Undead Uprising. Haiti, Horror and the Zombie Complex

    Strange Attractor Books, London 2016

    ca. 400 S. illustriert

    Knapp € 30,- über den Verlag bzw. Bookdepository

    Homepage mit spannenden Infos


    Haiti ist zwefellos ein Ort der Extreme: Armut, Ausbeutung, Naturkatastrophen, eine - unverschuldet - gescheiterte Revolution, die die Insel politisch unabhängig machte und sie gleichzeitig quasi vom Rest der Welt abschnitt. Es ist aber auch ein Ort, an dem das Übernatürliche mit dem Alltäglichen tatsächlich zusammenzufallen scheint: Im Vodunglaube fahren Götter in die Gläubigen, reiten sie wie Pferde und leben durch sie ihre speziellen Vorlieben aus; Zombifizierung ist ein sozialpolitisches Korrektiv, das bis heute nicht vollständig geklärt werden konnte (-> Davis: The Serpent and the Rainbow) und es existiert eine ausgesprochen innovative, kritische Kunst- und Literaturszene, die oft sich aus Folk Traditions speist und spekulative Momente aufweist (-> Etwidge Danticat: Krik? Krak!). Und nicht zu vergessen die Terrorherrschaft der Duvaliers, Papa und Baby Doc, deren folternde Miliz angeblich aus Zombies bestand.


    Das Zombiemotiv hat sich seit Night of the LIving Dead von diesen Wurzeln gelöst und wurde in den späten 70ern ein Vehikel für Sozial- und Konsumkritik (wenn man die späteren Virus-/Action-Varianten des Popcornhorrors ausnimmt). John Cussans verbindet den haitianischen Ursprung der Untoten mit politischer Kulturkritik und der 'Angst vor dem schwarzen Mann' - wie er auf seiner Homepage sagt: "My book explores the uses of Haiti as a locus for Euro-American fears about African culture, religion and revolutionary excess in the Americas, and their sublimation into popular horror tropes."


    Ich habe mir einige Texte von Cussans angeschaut und bin wirklich schwer begeistert, das ist innovative Kulturkritik, die nichts mit anbiedernder PC:ness zu tun hat und sich nicht selbst exhibitioniert. Vor langer Zeit hatte ich extensiv zu Haiti, Vodun und realen 'Zombies' recherchiert und die lokale postmoderne Kultur bewundert - das Buch werde ich mir näxte Woche (Gehaltzahlung : D) zulegen und bin sehr gespannt, was sich in den letzten 20 Jahren bei diesem Thema getan hat.


    Dr. John Cussans ist ein britisches Multitalent, das sowohl in der strengwissenschaftlichen Kulturtheorie bzw. anthropologischen Feldforschung wie auch in der anarchistisch-unabhängigen bildenden Kunst / Projektarbeit zu Hause ist. Immer gebrochen durch das Bewusstsein seines 'spectator's gaze', gelingt es ihm, indigene Kulturen aus einer verständigen Innensicht zu behandeln, ohne seine eigenen Wurzeln zu negieren bzw. seine Kultur zu projizieren. Er ist mit dem Haitianischen Videoprojekt Tele Geto (bei dem Jugendliche die Folgen des Erdbebens von 2010 dokumentierten), wie auch mit traditionellen Riten & politischen Aktionen der nordamerikanischen First Nation eng verbunden. Seine Herangehensweise ist - möglicherweise ähnlich wie die Kulturtheorien Mark Fischers - Kapitalismuskritik, Dekolonisierung und De-Zivilisierung (i.e. Kritik am Massenkonsum / global economy).

    Sein aktuelles Projekt: The Skullcracker Suite - Homepage mit Photos, Essays und Videos hier.

    mir ging es darum, dass sich eine über die Zeit stattfindende kompositorische Verfeinerung feststellen lässt, in die sich "Undula" als früheres Werk durchaus einfügt.

    ?§" Ah, alles klar! Mit dem "Sanatorium" hast du in der Erwähnung zufällig einfach meine Lieblingsgeschichte erwischt (nicht nur von Schulz, sondern unter meinen Top 10 überhaupt),


    Also, falls jemand hier Interesse an der verlinkten Geschichte hat, sie aber wegen der Fremdsprache nicht oder nur sehr ungern lesen möchte: das sind nur drei Seiten, die bin ich gern bereit, zu übersetzen. Allerdings kann ich nur versprechen, dass sie dann gut lesbar ist, nicht, dass man sie genauso genießen kann wie die Englische Fassung.

    ( Martin Cell 71 )

    "Das Sanatorium zur Sanduhr" sind recht fragmentarisch geraten, sprunghaft halt,

    Ich verstehe gut, was du meinst, sehe es aber etwas anders. Das "Sanatorium" hat zwar überraschende Entwicklungen (der 'Wachhund' z.B.) und spielt mit Raum-/Zeitdimensionen (ist der Vater un/tot im Bett oder betreibt er einen Laden? etc.), aber alles wirkt unter surrealistischem Gesichtspunkt wie aus einem Guß und absolut folgerichtig, bzw. auch mit nachvollziehbaren Konsequenzen für den Erzähler.

    In dieser Geschichte sehe ich den roten Faden nicht, da werden Motive und Themen angrissen und nicht mehr aufgegriffen (die Frau z.B.). Das meinte ich mit "sprunghaft".


    Tendenziell hast du sicher Recht, was die Verwendung gerade dieser Figur angeht, v.a. weil es vor allen Veröffentlichungen geschah. Sehr interessante Sache, auch dass die Literaturexerten oder - historiker nun auch andere Quellen nach Schulz' Werken absuchen. Vielleicht können wir in 10 Jahren eine Sammlung in den Händen halten, zu wünschen wäre es.

    Zitat

    Once more there will be silence, and the old lamp will sweeten its boredom with a sleepy hiss.

    Allein deswegen muss man die Geschichte schon lieben.


    Sie klingt - trotz einem etwas sprunghaften Plot - tatsächlich sehr nach Schulz, allerdings: wer weiß, wieviel Schreibkultur auch anderer, uns heute völlig unbekannter Autoren, in den Verfolgungen und dem Krieg verlorengingen.


    Eduard Sam Lieben Dank nochmal fürs ausgraben!

    Susanne Herzlichen Dank für den Artikel, den ich beim Hören der wdr-Sendung gelesen habe, und der einen ähnlichen Tonfall anschlägt. Ich frage mich gerade, ob das Zufall ist, oder ob sich die deutsche Platonow-Rezeption so extrem von der internationalen unterscheidet.


    Zitat

    SZ: "Die glückliche Moskwa", wenige Jahre nach "Dshan" abgeschlossen, erzählt von einer Waise, die sich in Ermangelung eines Namens nach der Stadt Moskau benennt, von der Hoffnung auf den Sozialismus beseelt ist, als Fallschirmspringerin ausgebildet wird, bei der Arbeit an der Moskauer Metro ein Bein verliert, verschiedene Männer liebt und schließlich erkennt, dass sie sich nicht binden kann, weil die Liebe zu einem Einzelnen mit der Liebe zum Sozialismus, also: zu allen Menschen, nicht in Einklang zu bringen ist.

    Oh, wie spannend. Das genau ist nämlich die Figurenkonzeption des Kindes in der Baugrube. Dort allerdings zynisch gezeichnet, offenbart die menschenverachtende Ideologie in all ihrer Tragik.


    Zitat

    SZ: Vier verzweifelte Briefe an Maxim Gorki zeigen sein Bemühen, sich immerhin als Schriftsteller zu behaupten.

    Da hat Gorki ja mal etwas Gutes getan. Ansonsten ist dies selbstverständlich eine unglaublich bittere Ironie, denn die Baugrube nimmt Stalins Version des 'Tod durch Arbeit' 1:1 vorweg, während Gorki die Propaganda für den Weißmeer-Ostsee-Kanal leitete und sich immer wieder gern in GULAGs einladen ließ, um über den Nutzen solcher Zwangsarbeit zu schreiben. Offenbar nicht unter Zwang, sondern aus Überzeugung.

    insofern auf der Sachebene nicht falsch, als dass Platonow Kommunist war - und wie so viele andere Menschen seinerzeit ein Opfer des Stalinismus

    Das ist sicher richtig, er wurde aber auch offensichtlich Zeuge, wie die Idee und die Umsetzung immer stärker auseinanderklafften und im Terror endeten, was tragisch gewesen sein muss. Die Einleitung klingt nur so (allerdings auch große Teile der Sendung), als ob die Baugrube als Lobeshymne konzipiert war und nur zufällig heute als Kritik gelesen werden kann, was nun sicher nicht so ist.


    Interessante Sendung, erinnert mich auch an das, was du über das deutsche Feuilleton und die Phantastik gesagt hast. Alles klingt, als sei Platonow ein weitbekannter Autor auf Curriculum-Niveau für die Oberstufe, den man jetzt mal endlich vom Podest stürzen müsse. Eine eher schlecht als recht verpackte Kritik am Sowjetsystem (oder sogar am Kommunismus selbst) , zu der man lieber Bertholt Brecht benutzt hätte, der im Alleingang daran Schuld trägt, dass in Deutschland bis heute die Verbrechen der GULAGs verharmlost oder sogar negiert werden.


    Sehr spannend, ganz herzlichen Dank nochmal! [Cof]:*

    Um zwei Ecken dank Nils Radio-Hinweis gestern entdeckt: Ein sehr spannendes, persönliches und aufschlussreiches Interview mit Platonows englischem Übersetzer, Robert Chandler. Dieser ist so begeistert von der Baugrube, dass er den Roman zwei Mal übersetzte (einmal mit mehr Zeit & Rescourcen - das nenne ich Leidenschaft!).


    Daraus geht auch hervor, dass Platonow eng mit Vasily Grossman befreundet war, dessen furchtbar-wunderschönes Buch A Writer at War: Vasily Grossman with the Red Army 1941-1945 (transl. Vinogradova / Beevor) mich mit einer unendlichen Bewunderung für das journalistische Werk des Autors zurückgelassen hat, und das seitdem zu meinen Lieblingsbüchern zählt.

    Zitat

    wdr: "Der Schriftsteller Andrej Platonow wollte nichts als ein ehrlicher Kommunist sein, der die Wirklichkeit beschreibt."

    Nils Oh wow, ganz, ganz lieben Dank, da werde ich gleich mal - über dem zweiten Frühstück - reinhören. :*


    Obwohl ich alles andere als ein Platonov-Kenner bin, wundere ich mich aber ob der Aussage da ganz außerordentlich. Hat da jemand den Zug verpasst? ; -) Plantanov war nur anfangs ein Bewunderer des kommunistischen Regimes, das änderte sich zu so harter Kritik, dass von seinen Schriften nahezu alles (v.a. die Romane) indiziert bzw. nicht gedruckt wurde.


    Ich hatte das grad nochmal nachgeschaut und ein sehr spannendes Interview mit seinem englischen Übersetzer gefunden, ich verlinke das mal im Foundation Pit-Thead, ist ganz sicher auch was für dich.

    Erik R. Andara Ah ja, limitierte Auflagen verfolge ich sonst nicht, und hätte hier erwartet, dass sie eine TB-/eBook-Ausgabe auch bereits ankündigen, wenn das geplant ist. So dachte ich, dass sie es bei dem Special belassen, aber sehr vermutlich hast du recht.


    Sogar der Verlag selbst versendet die paperbacks portofrei.