Beiträge von Felix

    Das Konzept finde ich toll. Den ersten Band fand ich aber etwas durchwachsen, den zweiten habe ich offenbar verpasst und im Bahnhofsbuchhandel liegt schon Band 3 aus. Mein Highlight aus Band 1 war Skinwalker. Hier hoffe ich auf eine anschließende Veröffentlichung in einem Sammelband.

    Mein Berufsleben wird bislang durch KI an keiner Stelle erleichtert, sondern in vielerlei Hinsicht herausgefordert und erschwert, was wiederum Zeit und Kraft in hohem Maße frisst, die dann für anderes fehlen. Deshalb bin ich von dem Thema auch zunehmend genervt, halte mich im Privaten mittlerweile aus entsprechenden Diskussionen raus und konzentriere mich lieber auf andere Themen.

    Eine Erkenntnis der letzten Monate ist, dass pauschalisierende Versuche, den Einsatz von KI zu begrenzen oder zu verbieten, sehr schnell an ihre Grenzen gelangen – das ist beim wissenschaftlichen Schreiben nicht anders als bei künstlerischen Prozessen –, weil es neben einem bewussten Einsatz von KI ja auch noch einen unbewussten gibt. Kaum jemand überblickt doch aktuell genau, in welchen Tools wo KI bereits eingesetzt wird und wo (noch) nicht. Das wiederum macht differenzierte Regelungen notwendig, die nicht jeden unter Generalverdacht stellen. Doch solche Regelungen sind nicht einfach mal niedergeschrieben, sondern das Ergebnis langer – kraft- und zeitraubender – Diskussionen, die niemandem Freude machen, und egal, wie man die Sache schließlich regelt, alles hat Vor- und Nachteile. Auch blinde Flecken sind wohl nicht auszuschließen.

    Im Grund bin ich bei Jörg: Wer einen Con organisiert, bestimmt die Regeln, und alle können ihre eigenen Konsequenzen daraus ziehen. Mir zumindest in ein Con lieber, auf dem KI-Erzeugnisse möglichst wenig Raum einnehmen, als einer, bei dem die Verkaufstische durch KI-Erzeugnisse geflutet werden. Das hat mit meinen persönlichen Interessen und meinem eigenen Verständnis von Kunst und Literatur zu tun.

    Aber: Einem MarburgCon ohne zum Beispiel die Bücher der Goblin Press, bei deren Erstellung KI nur sehr randseiitig zum Einsatz kommt, würde etwas Entscheidendes fehlen. Auch Bücher, für die neben anderen Wegen auch mit Hilfe von KI recherchiert wurde, die aber ansonsten KI-frei geschrieben wurden, finde ich nicht bedenklich. Und diese Liste könnte ich noch lange weiterführen.

    Ist halt alles leider nicht so einfach.

    Lieber Nils, vielen Dank für deine Eindrücke, die so gut geschrieben sind, dass sie mir zwischenzeitlich doch wieder Lust auf das Buch machen. Aber nein, insgesamt ist das wohl überhaupt nichts für mich.

    Hat schon jemand von euch weitergelesen?

    Ich bin mittlerweile durch. Wobei „mittlerweile“ ja eher ein Scherz ist, so wenig, wie ich in letzter Zeit zum Lesen gekommen bin.

    Felix Woitkowski – A/EX SEMINE/GERMINE AD CULTURA/CULTUM
    Ist halt von mir. Manchmal gelingt es mir aber, auch neue Geschichten einfach nochmal beinahe als Leser zu lesen. Hier hat es geklappt, und ich nehme das einfach mal als gutes Zeichen. Mir war es zumindest eine echte Freude, mal eine Geschichte in einer historischen Variante der Stadt spielen lassen, in der ich wohne: Göttingen. Ich hoffe, euch gefällt mein Garn.

    Thomas Backus – Das hexenversuchte Hinterland
    Auch wenn die Geschichte in der Gegenwart spielt, verfolgt Gus einen ganz ähnlichen Ansatz wie ich. Irgendwie scheinen in diesem Buch sowieso Universitäten eine große Rolle zu spielen. Da kommt viel Lokalkolorit und in diesem Fall noch eine Prise Brüder Grimm. Die Versatzstücke für sich genommen sind alle stark, doch insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Geschichte noch etwas zu sehr Stückwerk ist und ihr noch die eine oder andere Überarbeitungsrunde gutgetan hätte. Aber vielleicht war ich auch einfach nicht in der richtigen Stimmung dafür.

    Silke Brandt – Die Spur der Steine und des Eisens
    Auf Katlas Beitrag habe ich mich ziemlich gefreut und nach er reiht sich für mich nahtlos in die Reihen der anderen beiden längeren oder sogar langen Beiträge des Bandes ein: Auch Jörg und Rainer sprengen Grenzen und greifen nach Größerem. Diese „Spur“ ist aber eine ganz eigenständige. Wie auch an anderer Stelle listet Katla ihre Quellen im Anschluss auf die Geschichte auf. Das allein ist mir schon sehr sympathisch. In der eigentlichen Geschichte ist dann aber auch spürbar, wie sehr sie recherchiert hat. Ähnliches kenne ich z.B. von Michael Marrak. Hinzu kommen zwei Zeitebenen, die sich tatsächlich und wohltuend stilistisch unterscheiden, ohne dass eine der beiden aufgesetzt klingt. Und zuletzt mochte ich, dass Bram Stoker in der Geschichte ähnlich schlecht wegkommt, wie es auch hier im Forum immer mal wieder anklingt. Insgesamt hatte ich eine richtig gute Lesezeit mit der Geschichte, und doch hatte ich bisweilen den Eindruck, dass ein Quäntchen zu sehr kontrolliert daher kommt und ihr etwas mehr chaotischer Wahnsinn oder etwas wahnsinnig Chaotisches gut getan hätte, um von einer sehr guten zu einer wirklich grandiosen Geschichte zu werden.

    K. R. Sanders – nachts, wenn die Träume kommen
    Ein im Vergleich mit anderen Geschichten kleiner aber famoser, stellenweise wunderbar poetischer, eigenwillig verträumter Abschluss, dessen konsequentes Ende zwar für meinen Geschmack etwas zu schnell wegerzählt ist, das mir aber genau richtig erscheint, um ein solches Buch zu beschließen.

    Was in meinen Kommentaren bislang keinen Platz hatte: Jörg Kleudgens Illustrationen sind einfach stimmungsvoll, treffend und großartig. Vor allem diejenigen Bilder, in denen der vereinzelte Mensch im Angesicht der Welt winzig klein zu verschwinden droht, gefallen mir enorm.

    Sammelt es bitte nicht. Sondern lest dieses Buch!

    Rainer Zuch – Der Tempel des Wurms

    Rainer gehört für mich seit seinem „Planet des dunklen Horizonts“ zu einem der ganz Großen (Alten :*). Mit entsprechend großen Erwartungen bin ich an diese Novelle herangegangen. Rainer zieht hier inhaltlich alle Register, verneigt sich dabei vor klassischen Vorbildern, fügt genügend eigene und auch aktuelle Perspektiven hinzu, und zeigt wieder mal die Fähigkeit, dies alles stilsicher präsentieren zu können. Das alles spricht für die hohe Qualität der Geschichte. Und doch bin ich mehrfach aus der Geschichte geflogen, statt immer tiefer einzusteigen, so wie ich es noch von meiner „Planet“-Lektüre in Erinnerung habe. Ich habe etwas darüber nachgedacht, woran das liegen mag, und ich vermute, dass u.a. für mich als Leser die konzeptionelle Entscheidung, die Erzählung der in der Vergangenheit liegenden Ereignisse immer wieder durch kurze, kommentierende Gegenwartssequenzen zu unterbrechen, keine gute war. Es ist ja nicht ungewöhnlich (siehe auch meinen eigenen Beitrag), Figuren, die in der Vergangenheit Schlimmes/Grausames/etc. erlebt haben, auftreten und sie ihre Geschichte erzählen zu lassen. Zugleich ist es aber auch immer ein Wagnis. Denn dadurch ist ja schon bekannt, dass es nicht zum Äußersten gehen kann. Aber in „Der Tempel des Wurms“ wird mir persönlich die eigentliche Handlung zu häufig unterbrochen und mir dabei der Hinweis – uns geht es vergleichsweise gut – zu häufig vor Augen geführt. Zugleich konnte mich die Geschichte gerade dann im letzten Drittel packen, als die Unterbrechungen zurückgingen. Insgesamt habe ich den Eindruck und das ist jetzt sowohl Meckern auf einem sehr hohen Niveau, dass das, was hier erzählt werden soll, eigentlich noch mehr Platz benötigt. Und so hoffe ich insgeheim, dass Rainer sich der Geschichte nocheinmal annimmt und mich, uns an anderer Stelle noch einmal länger und intensiver auf eine einsame Insel zum Tempel des Wurms führt.


    Edit: plöde Tippfehler.

    Einleitung – Rainer Zuch
    Schon im „Necronocmicon“ war Rainers Einleitung ein unerwartet informativer, wirklich gut lesbarer Sachtext, der viel zusammenfügte, was ich schon kannte, und es um für mich neue Aspekte ergänzte. Dasselbe ist Rainer auch hier gelungen. Hut ab! Dahinter steckt ohne Frage viel Arbeit, die sich aber gelohnt hat.

    Der Letzte aus dem Geschlecht derer von Junzt – Jörg Kleudgen
    Die Geschichte habe ich schon vor Drucklegung lesen dürfen und bin beeindruckt von dem ebenso waghalsigen wie gelungenen Unterfangen, eine so facettenreiche Familiengeschichte auf so wenig Raum unterzubringen. Auch wenn hier bisher das Ende eher kritisch gesehen wird, mag ich es persönlich besonders. Und auch dass Jörg hier stärker als sonst auf Fantasy-Pfaden wandelt, fügt sich für mich gut ein.

    Verstopfung – Jan Gardemann
    Hier geht es mir wie Elmar. Die grundsätzliche Idee fand ich gut, aber die Geschichte konnte mich leider nicht packen. Das kann aber auch einfach an mir liegen. Aktuell steige ich relativ schnell aus, wenn ich keinen schnellen Zugang dazu finde, und deshalb ist es immer möglich, dass ich etwas verkenne.

    Der Tempel des Wurms – Rainer Zuch
    Hieran lese ich gerade noch ...

    Das Notizbuch – Simon Gottwald
    Der kürzeste Beitrag bislang und für mich ein kleines Highlight. Simon erfindet zwar nicht das Rad neu, aber fügt Bekanntes kongenial zu einer eigenen atmosphärischen Geschichte zusammen, die mich gepackt und gefesselt hat.