Beiträge von Felix

    Ah, das ist ein sehr einfach gehaltenes Faksimile. Ich habe ein paar Bücher von diesem Print on Demand-Unternehmen, das ich ungerne Verlag nennen möchte. Papier und Bindung sind gut, ansonsten kommt es eben auf den Scan der Vorlage an, denn es gibt keine wie auch immer gerartete redaktionelle Arbeit. Deshalb ist es wie ein Glücksspiel, manches ist wunderbar lesbar, anderes verwischt einfach bis zur Unlesbarkeit. Die Titel der Bücher werden ofenbar mit einer Schrifterkennungssoftware erstellt, ohne dass nochmal jemand drüberschaut. Das erzeugt dann ziemliche Stilblüten und macht die Bücher über Suchmaschinen unauffindbar.

    Ich hab es auch gerade ausgepackt. Was für eine toll aufgemachte Neuausgabe! Ein schön gestaltetes Hardcover im Design der KOVD-Bücher, ein Schuber im Goblin-Press-Layout und dann dieser Brief, der in Büdingen wohl zu lange im Hochwasser gelegen hat. Die Idee, das Papier dafür tatsächlich anzufeuchten, um es wieder trocknen zu lassen, muss ein großer Spaß gewesen sein, allein die Umsetzung für die gesamte Auflage aber eine Menge Arbeit.

    Ich eröffne mal einen weiteren Thread, damit wir hier über Haggards "Sie" reden können und dort andere Lost World, Lost Race-Romane zusammentragen und ggf. kommentieren können. Dann bleibt die Diskussion übersichtlicher.

    Das hört sich doch gut an! Beschäftigst du dich in deiner Geschichte denn mit dem Thema "Lost Race" oder "Lost World"? Und war das der Grund, dass du dieses Buch ausgewählt hast? Ich habe es schon länger im Regal stehen und war froh, dass nun ein Anlass bestand, es endlich auch einmal zu lesen.

    Nein, die Geschichte geht in eine ganz andere Richtung, und eigentlich wollte ich diesen Platz einem (vorgeblichen) archäologischen Fund aus den südamerikanischen Hochkulturen widmen. Aber als ich bei den Recherchen schnell merkte, dass dieser Fund doch nicht so existierte wie in meiner Erinnerung und es sowieso phantastischer werden musste, um diese Lücke zu füllen, kam mir Kôr gerade recht. Mehr möchte ich dazu erstmal nicht sagen, zumal die Geschichte nicht fertig ist und sich in den Korrekturduchläufen noch viel ändern kann.


    Abgeneigt bin ich ganz und gar nicht, etwas in die Richtung "Lost World" zu schreiben; lost Race vermutlich eher nicht, ist aber nicht ausgeschlossen. Ein knappes Konzept liegt schon länger in der Schublade, ist aber weder ausgereift, noch steht es auf der Liste.


    Unabhängig davon hatte ich mir eigentlich eine kleine "Lost World"-Lesereihe hatte für das letzte Jahr zusammengelegt, die ich aber aus irgendwelchen Gründen immer weiter hinausschob und für die mir gerade leider die Zeit fehlt. Wird aber nachgeholt, sobald ich das Gefühl habe, mal zügig mehrere Romane hintereinander weglesen zu können. Wenn du hier einen Tipp hast, abseits von Doyle natrlich, dann gerne her damit (aber vielleicht in einem eigenen Thread dafür).


    Mir "Sie" vorzunehmen, war eher Zufall. Ich suchte einen relativ kurzen und damit für mich aktuell schaffbaren kurzen Klassiker der Phantastik, den ich noch nicht kannte und auch nicht als gedrucktes Buch besitze. Auf der Suche danach habe ich mich dann eher zufällig an Haggards Werk erinnert und einfach blind die Gelegenheit genutzt.

    Axel, vielen Dank für deinen Beitrag. Dadurch hast du es tatsächlich geschafft, mir nach meinem negativen Leseeindruck interessante Seiten des Werkes aufzuzueigen. Gerade in deinen Ausführungen zu "Totenkult und Wiedergeburt" berücksichtigst du Aspekte, die ich bisher nicht so klar gesehen und entsprechend auch nicht in meinen obigen Leseeindruck mit aufgenommen habe. Die von dir genannten Aspekte gehen ja auch einher mit der räumlichen Anordnung der Ereignisse: Es gibt ja nicht nur den Weg aus dem zivilisierten Europa durch das wilde Afrika zu den letzten lebendigen Überresten der Hochkultur, sondern gerade ab dem Zeitpunkt, an dem der Seereise betreten wird, scheint die Räumlichkeit ähnlich einer Zielscheibe eher ringförmig angelegt zu sein: Das Meer liegt um den Kontinent, der umschließt die Sumpflandschaft, die umschließt den Lebensraum der Stämme ... Erst im Zentrum liegt das kulturelle/okkulte/mythische Zentrum, in dem ewiger Tod und ewiges Leben zusammenfallen.


    Auf alle Falle hat das Lesen und die Diskussion hier dazu geführt, dass die Lektüre bei mir nachgewirkt hat und die antike Stadt Kôr eine kleinen Platz in der Geschichte, an der ich aktuell schreibe, erhalten hat.


    Was ich noch interessieren würde, wie würdest du das Buch in Haggards Werk einordnen? Ist es eher typisch/ungewöhnlich und geht es deiner Meinung nach zu seinen besseren oder schlechteren Romanen?


    Edit: Tippfehler.

    Wie ich gerade über einen Newsletter erfahrne habe, organisieren Joela Jacobs und Nike Thurn zum 100. Todestag von Oskar Panizzaeine digitale Vortragsreihe geben. Weil das Porgramm nicht uninteressant klingt, setze ich es hier mal komplett rein. mehr Informationen gibt es auf der Website: https://panizza.arizona.edu/

    Zitat
    „Entweder müßte ihm ein Scheiterhaufen oder ein Denkmal errichtet werden“
    Theodor Fontane

    Oskar Panizza (1853-1921) war einer der kontroversesten Autoren seiner Generation. Bereits zu seinen Lebzeiten ebenso bewundert wie umkämpft – international steckbrieflich gesucht, zensiert, angeklagt und inhaftiert –, provozierten seine Texte über seinen Tod hinaus: Nachlassverwalter verschlossen sie vor der Öffentlichkeit, Nationalsozialisten instrumentalisierten sie, Gerichte verboten sie, teils bis in die 1990er Jahre hinein. Die breite öffentliche Anerkennung, die prominente Fürsprecher wie Kurt Tucholsky, Karl Kraus und Lion Feuchtwanger, Walter Benjamin, George Grosz und Heiner Müller prophezeiten oder forderten, blieb jedoch aus. Stattdessen verstellt seine scharfzüngige Kritik an Kirche, Staat und Gesellschaft oft bis heute den Blick auf das ästhetische Potential seines Werks, das auch 100 Jahre später nichts an Relevanz und Diskussionsbedarf eingebüßt hat. Die digitale Ringvorlesung samt Begleitprogramm mit Beiträgen von internationalen Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Künstler*innen präsentiert neue Blicke auf Panizzas kontroverse „Klassiker“ – wie Das Liebeskonzil oder Ein scandalöser Fall – und rückt bislang kaum beachtete Texte in den Fokus.


    PROGRAMM

    15. April 2021, 18:30 Uhr MESZ

    Wir haben die feinsten Narren!” Genie und Irrsinn bei Oskar

    • PD Dr. Thomas Röske, Oskar Panizzas späte Zeichnungen aus der „Irrenanstalt“
    • Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach, Das rothe Haus von Oskar Panizza: Ambivalenzen zur „Irrenanstalt”
    • Moderation: Dr. Nike Thurn


    29. April 2021, 18:30 Uhr MESZ

    Das Bild machte Halt.” Medien und Figürlichkeit bei Oskar Panizza

    • Dr. Elena Meilicke, Fotografie und „Pseudizität“: Paranoia als Medien-Wissen in Oskar Panizzas Imperjalja (1903/4)
    • Prof. Dr. Dietmar Schmidt, Ende der Vorstellung: Zu Panizzas Wachsfigurenkabinett
    • Moderation: Asst. Prof. Dr. Joela Jacobs


    13. Mai 2021, 18:30 Uhr MESZ

    Podiumsdiskussion: „Einer der abenteuerlichsten Kampfhähne, der geradeaus auf das Confisciert-werden auszugehen scheint.“ Von den Schwierigkeiten, Oskar Panizza zu drucken

    • Joachim Bessing
    • Dr. Ute Kröger
    • Moritz Müller-Schwefe
    • Dr. Peter Staengle
    • Moderation: Florian Sendtner


    27. Mai 2021, 18:30 Uhr MESZ

    „Das ist Dein kategorischer Imperativ. Handle, wie Dir Dein Dämon vorschreibt.” Mystik, Spiritismus und Okkultismus bei Oskar Panizza

    • Manuel Förderer, Pix, Pax und die Refugien des Zorns: Oskar Panizza im Kontext von Moderne, Spiritismus und Okkultismus
    • Dr. des. Birgit Ziener, Dämonie als Erkenntnis-, Blasphemie als Bildungsprogramm: Oskar Panizzas literarisches Weltverhältnis
    • Moderation: Prof. Dr. Waldmar Fromm


    10. Juni 2021, 18:30 Uhr MESZ

    „Einteilung der Menschenbagage! Wo fang ich nur an?” (Nicht)Menschliches und (Anders)Artiges bei Oskar Panizza

    • PD Dr. Claudia Lieb, Konkurrenz im „Kampf ums Dasein“: Oskar Panizzas Darwin-Rezeption
    • Prof. Dr. Damir Smiljanić, Ein Satiriker mit Biss: Oskar Panizzas neokynischer Blick auf die menschliche Natur
    • Moderation: Marcel Winter


    17. Juni 2021, 18:30 Uhr MESZ

    YouTube-Premiere I: Das Liebeskonzil

    • Regie: Hans Schröck


    24. Juni 2021, 18:30 Uhr MESZ

    „…um so prachtvoller entwickelt sich der pathologische Keim” – Krankheit und Gesundheit bei Oskar Panizza

    • Dr. Gal Hertz, The Pathological Desire for Health: Panizza’s Love Council and Wilhelmine Normalcy
    • Prof. Dr. Peter Jelavich, Pan(dem)izza: Panizza lesen in der Pandemie
    • Moderation: PD Dr. Anja Schonlau


    1. Juli 2021, 18:30 Uhr MESZ

    YouTube-Premiere II: Das Liebeskonzil

    • Regie: Birgit Franz


    8. Juli 2021, 18:30 Uhr MESZ

    „… als Teufelsfrauenzimmer an den Pranger gestellt” – Fallgeschichten bei Oskar Panizza

    • Dr. Dr. Magdalena Gronau, Verkehrte Welten: Panizzas Erzählungen als Fallgeschichten
    • Bastian Lasse, „Enfin c’est tout ce que vous voudrez!” Ein Stimmen-Kaleidoskop in Panizzas Ein scandalöser Fall
    • Moderation: Dr. Anja Ketterl


    22. Juli 2021, 18:30 Uhr MESZ

    „…es besteht die höchste Wahrscheinlichkeit, daß wir auf dem Monde sind.” Fabulieren und Pathologisieren bei Oskar Panizza

    • Dr. Thomas Hardtke, Christus in psicho-patologischer Beleuchtung: Pathographisches Schreiben um 1900
    • Dr. Sophia Könemann, Oskar Panizza fabuliert: Die Erzählungen Eine Mondgeschichte und Der Corsetten-Fritz
    • Moderation: Prof. Dr. Bettina Bannasch


    28. September 2021, 18:30 Uhr MESZ

    Panizzas Todestag

    Abschlussveranstaltung

    Was mich betrifft, so lese ich den Haggard – aber auch Doyles Lost World, welches zu meinen Lieblingsbüchern zählt – recht gerne. Das heißt nicht, dass ich die aus heutiger Sicht negativen Elemente schätze. Aber ich stoße mich auch nicht an ihnen, denn schließlich kann ich ja einordnen, vor welchem Hintergrund ein Buch wie Sie entstanden ist. Begriffe wie "Fremdheit" "Abenteuer" oder "Wildnis" standen noch nicht unbedingt zur Diskussion, sondern erweckten und erfüllten Erwartungen, die sich mittlerweile eben gewandelt haben.

    Eine solche Einordnung habe ich ja auch für mich vorgenommen. Gewünscht hätte ich mir hierzu aber zum Beispiel – wie so oft – ein Nachwort, indem das Werk in seinen Entstehungszeitraum eingeordnet worden wäre.


    Hast du denn bereits "Sie" gelesen? Oder wir machen einfach mal einen eigenen Haggard-Thread auf. Um dessen Werke schleiche ich nämlich schon länger herum, denn ich kann eigentlich (phantastischen) Abenteuerromanen seiner Zeit viel Gutes abgewinnen. Deshalb ich mir ja jetzt auch "Sie" vorgenommen. Deshalb wäre ich sehr an deinen LEseeindrücken interessiert.

    Das ist eine echt abgedrehte Serie, bei der ich mir die Ganze zeit über nicht sicher war, ob ich fasziniert weiterschauen oder doch abbrechen sollte. Auf jeden fall einen Blick wert, aber sicherlich nicht für jeden etwas.

    Welche wären das?

    Oha, gut, dass du nachfragst. Offenbar habe ich, obwohl ich für meinen Beitrag nochmal das Datum der Erstveröffentlichung recherchiert habe, das Buch insgeheim doch unter dem Datum der Übersetzung von 1926 abgespeichert. Den von dir zitierten Satz habe ich eshalb wohl vorschnell geschrieben. Daran ist aber gut ersichtlich, wo meine persönlichen Probleme bei der Lektüre lagen. Mir kamen alle Versatzstücke aus anderen Texten bekannt vor. Manche sind davon natürlich älter, so z.B, die Sache mit dem Herausgeber des Reisebereichts, was ja spätestens seit der Romantik vielfach genutzt wurde, andere habe ich wohl aus späteren Werken (Bücher, Filme, Hörspiele), die ich aber vor"Sie" rezipiert habe, wiedererkannt. Eigenständiges blieb dann für mich nicht viel übrig. Das ist das aber wohl eher Problem meiner Lesereihenfolge und kann nicht Haggard und "Sie" vorgeworfen werden. Für mich ist es einfach erstaunlich, wie absolut generisch der Text ist, und das lässt sich natürlich auch umdeuten, wie erfolgreich literarhistorisch ist. Mit dieser Einschätzung ging dann für mich aber leider auch eher eine mittelprächtige Lesezeit einher.

    Vielleicht seht ihr das aber anders? Wenn ch euch jetzt nicht ganz vergrault habe, würde ich mich über eure Meinungen echt freuen. Vielleicht habe ich auch einfach nicht den Clou von "Sie" erkannt und zäh ist das schmale Buch ja auch auf keinen Fall.

    So ist es, aber

    Gehört mMn auch definitiv dazu. "Southern Reach" ist im Prinzip eine Mischung aus "Picknick am Wegesrand" und "Die Schnecke am Hang"... und außerdem noch absolut brillant.

    So ist es, aber wenn du keinen Zugang gfunden hast, muss es vielleicht auch nicht in den Artikel ... Deine Sammlung ist ja auch so schon enorm.


    Und ich merke gerade, dass ich mir tatsächlich mal Mevlidos Träume vornehmen sollte.

    Vielen Dank für die tolle Vorstellung der Bücher. Das Spiel habe ich einige Zeit gespielt, habe aber von den Romanen letztlich die Finger gelassen weil sie mir zu sehr nach seelenlosen Franchiseprodukten aussahen.


    @Karla

    Gehört Vandermeers "Southern Reach" nicht auch in diese Reihe? Zumindest ich kann die Bücher und auch den einen Film nicht ohne das "Picknick am Wegesrand" denken? Oder konzentrierst du dich primär auf die russischen Erzählungen? So oder so, auf alle Fälle ist das ein hochinteressantes Thema.

    Als phantastischer Abenteuerroman par excellence hat Henry Rider Haggards "Sie" (1886) nicht nur den Abenteuerfilm massiv beeinflusst, sondern gilt auch auch als ein Urahn der heutigen Fantasyliteratur. Gelesen hab ich die Ausgabe aus dem Benu-Verlag, die ein Neudruck von "Die Herrin des Todes. Abenteuerroman aus dem dunkelsten Afrika" in der Übersetzung von Georg Schröder-Stettin darstellt, 1926 erschienen in der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt Berlin.


    Der Klappentext

    Zitat

    Durch die geheimnisvolle Inschrift auf einer alten Scherbe inspiriert begibt sich der junge Leo Vincey zusammen mit seinem väterlichen Freund Horace Holly auf die Suche nach der geheimnisvollen Königin einer längst als untergegangen gewähnten Kultur im Innersten Afrikas. Unwegsames Gelände überquerend dringen sie tief in unerforschte Gebiete ein, müssen schier unvorstellbare Hindernisse überwinden und entkommen mehrere Male mit knapper Not dem Tode. In der verlassenen Totenstadt von Kor, dem Überbleibsel einer Zivilisation, die schon lange vor der Blüte des Alten Ägyptens untergegangen ist, begegnen sie schließlich der ebenso schönen wie grausamen Königin Ayesha, die in Leo Vincey ihren Geliebten aus einem weit zurückliegenden Leben wieder zu erkennen glaubt. Von der schönen »Herrin des Todes« unwiderstehlich angezogen, werden die Helden in ein lebensgefährliches Abenteuer verstrickt.


    Der Klappentext gibt genau den Inhalt wieder und weckt Erinnerungen an zahlreiche ähnlich gelagerte Romane und Filme. Das tut aber nicht nur der Klappentext, sondern der gesamte Roman selbst. Ich bin mir sicher, ihn bisher nicht gelesen und auch keine Verfilmung gesehen zu haben, und doch erschien er mir so generisch und dadurch absolut vorhersehbar, dass ich immer wieder die Lektüre verwundert unterbrochen habe. In dieser Hinsicht ist es ein wirklich bemerkenswertes literarisches Kleinod.

    Stil und Übersetzung sind ganz ordentlich gealtert und lassen sich flüssig weglesen, wenn man einmal von der sehr theatral und stets etwas pathetisch geratetenen Dialogen absieht. Diese sind aber vielleicht genau der Grund, warum ausgerechnet dieses Buch so häufig verfilmt wurde.

    Die Reise nach Afrika und die Begegenungen der Europäer mit gegenwärtigen und schier unsterblichen Einheimischen gerät natürlich eurozentristisch, rassistisch, sexistisch ... Auch deutlicher Antisemitismus findet sich in den Äußerungen verschiedener Figuren. Alle dies ist aber nicht untypisch für die Entstehungszeit und nimmt auch keine überraschenden Ausmaße an. Entsprechend sind natürlich alle einheimischen Wilde, die, sobald die elterlichen Aufpasser einmal nicht vor Ort sind, nach Krieg und Menschenfleisch dürsten. Die Natur wird als durch und durch Fremd beschriebe, die Fauna bis zum Monsterhorror verschkrecklicht. Aber wenn Krokodil und Löwe miteinander um Leben und Tod kämpfen, dann könnten es sch dabei auch genauso gut um T-Rex und Triceratops handeln Deshalb hat es mich auch wenig verwundert, als ich las, dass "Sie" zum "Lost Race"-Genre gezählt wird, eine Begrifflichkeit, die natürlich in Analoge zur "Lost World" gebildet wurde.

    Die "verlorene Rasse", auf die die Reisenden im Zentrum dieser Wildnis treffen, besteht hier in einer einzigen Frau, die die Jahtausende überdauert, gewaltsam über die nur noch dahin vegetierenden Stämme gebietet und auf die Wiedergeburt ihres Geliebten wartet. Eben dieses erkennt sie ... oh Wunder! ... in einer der Hauptfiguren wieder. Dummerweise hat sich der neu Angebetete jedoch gerade in einem barbarischem Kussritual verehelicht und dadurch seine große Liebe gefunden. Wie gesagt: Die Handlung ist kein Stück überraschend und folgt den Konventionen zahlreicher Vorbilder. Da darf es nicht einmal daran fehlen, dass der Reisebericht natürlich von einem Herausgeber an die Öffentlichkeit gebracht wird, der für die Wahrheit birgt und dennoch die Sonderbarkeit und Exotik rühmt.

    Wie gesagt, das ist alles so generisch, als wollte Haggard den typischsten aller phantastischen Reiseromane schreiben – oder aber, als habe sich ein ganzes (Sub-)Genre daran ausgerichtet. Ob das empfehlenswert ist? Vielleicht für alle, die ein echtes historisches Interesse an der Entwicklung der Phantastischen Literatur haben.


    Edit: Tippfehler.

    Arthur Gordon Wolf hat vor längerer Zeit schon auf einen späteren Band dieser Reihe aufmerksam gemacht, allerdings noch unter "fremdsprachige Literatur". Zwischenzeitlich sind aber die ersten vier englischsprachigen Bände auch auf deutsch bei Luzifer erschienen und der fünfte ist angekündigt. Grund genug, einen eigenen Thread für die ganze Reihe aufzumachen, zumal ich vor habe, nach dem ersten Band auch weiterzulesen.


    Aufgrund des Umfangs hat Luzifer den ersten und zwieten englischsprachigen Band gesplittet. Das könnte das Lesen erleichtern, sind die Hardcover doch ziemliche Backsteine, treibt aber auch den Preis unweigerlich in die Höhe. Seitdem ich aber Vater bin, komme ich, wenn überhaupt, nur noch einhändig zum Lesen, weil der andere Arm und die andere Hand zugleich immer auch ein (schlafendes) Kind halten müssen. Ich habe deshalb alle guten Vorsätze über Bord geworfen und mir einen eBook-Reader gekauft, dann als aller erstes zum ersten Band gegriffen und bin mittlerweile - etwas von mir selbst erstaunt - mit beiden ersten deutschsprachigen Halbbänden durch.


    Zunächst einmal: "Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal" hat Längen, vor allem zu Beginn, und ich habe wirklich mit in den ersten hundert Seiten mehrmals mit mir gerungen, abzubrechen oder doch weiterzulesen, so sehr hat mich die Detailverliebtheit der Beschreibung zwischenzeitlich ermüdet. Zum Glück bessert sich das, der Roman nimmt Fahrt auf, weist ein wunderbar großes Repertoire angenehm lebendiger und differenzierter Figuren auf, lebt von Dialogen, Seltsamkeiten des Lebens zur Kolonialzeit in Nordamerika und einer großen Prise düsterer Exotik. Vordergründig als historischer Kriminalroman getarnt, mischt Robert McCammon eine vielzahl von Genres wild durcheinander: Kriminalroman, Historischer Roman, Schauerroman, Abenteuerroman, Western. Dadurch zehrt er in bestem Sinne und in einem sehr modernem Gewand von einer Zeit, in der Genres noch nicht so festgeschrieben waren wie heute, und phantastische Literatur stärker von der realen Fremde zehrte und umgekehrt. Dass das alles zumindest den Eindruck macht, ausgiebigst recherchiert zu sein, und dabei (bis auf die anfänglichen Längen) in einer stilistisch gefälligen, dramaturgisch wohl komponierten Weise dargereicht wird, führt dazu, dass Reihe und Autor eine echte Entdeckung für mich sind. Trotz Kind auf dem Arm (Wenn sie nur wüsste ...).