Beiträge von Felix

    Danke für deine Eindrücke!

    Highlight

    Wow, das freut mich sehr! Wirklich! [Nerdine]

    Dass die Geschichte hätte länger sein können, habe ich jetzt ein zweites Mal gehört und überlegt, ob das möglich gewesen wäre. Ich glaube, ich hätte dann konkreter werden müssen mit dem, was lauert (ich bleib hier aus Spoiler-Gründen mal möglichst diffus), und ich vermute, dass das eher etwas zerstört, als etwas bewirkt hätte. Deshalb nehme ich deinen Wunsch als Kompliment. Und wenn das nicht reicht: Längers von mir steht nach langer Zeit mal wieder in den Startlöchern.

    Danke, das schaue ich mir gerne an! Ich sehe schon Gründe, warum man Interesse an diesem Universum haben kann, auch ohne den toten Lovecraft in Unbehagen setzen zu wollen. Aber ich kenne, wie gesagt, auch nicht die Debatte und verkürze hier das, was du sagen willst, vermutlich auch deshalb einfach zu schnell. Wäre das nicht mal etwas für eine Fanzine-/Print-Debatte, in der Autor:innen, Herausgeber:innen etc. auch mal abseits des Social-Media-Schnell-Schnells den Raum bekämen, ihre Positionen ausführlich darzustellen.

    Gegen Young Adult/All Age/Jugendbuch habe ich gar nichts. Bei mir war es eher das Zusammenkommen mehrer Aspekte. Urban Fantasy ist nicht meins und auch New York lässt mich relativ kalt.

    Der Lovecraft-Vergleich ist für manche schwarze*n Autor*innen übrigens genau deswegen gewünscht, weil es ihm selbst wohl nicht so behagt hätte. Aber allgemein gebe ich Dir recht, dass dieses Problem im Genre viel zu selten thematisiert und entsprechend ausgeschildert wird.

    Echt, der ist gewünscht? hast du oder hat jemand von euch eine Quelle dazu? Das finde ich echt interessant.


    Ich finde in dieesem Fall aber einfach, dass der Lovacraft-Bezug - nach 300 Seiten – einfach nicht ausreichend vorhanden ist, dass dmait geworben werden sollte. Auch zu Borges sehe ich leider keinen Bezug. Aber nun gut, war einfach nicht mein Buch. Gibt Schlimmeres.

    Definitiv ein ungewöhnliches Buch. Ich habe es gestern Abend mit auf den Balkon genommen und dachte, ich könnte es mal dazwischenschieben. Keine gute Idee! Wie wenig ich die erste Geschichte verstanden hatte, bemerkte ich erst, als ich schon mitten in der zweiten steckte. Dann habe ich von vorne begonnen.

    "Tiere des Exodus" ist ein dünnes Buch, aber eines, dass zum langsamen und aufmerksamen Lesen zwingt. Das liegt weniger am Stil, sondern am Inhalt und der Komposition der melancholischen und im besten Sinne seltsamen Geschichten. Und gerade in dieser Langsamkeit wächst das Buch enorm.

    MARIO ALBERTI /ANTOINE CHARREYRON: The Wall

    Film- und actionreise Comicumsetzung einer Geschichte, die eigentlich verfilmt werden sollte und Mad Max-, Garten Eden- und Zombie-Plots kreuzt. Die Idee ist gut, aber schnell durcherzählt. Der Rest ist hollywoodreife Action. Nicht schlecht, aber auch kein großer Wurf.

    N. K. Jemisin

    Die Wächterinnen von New York


    Tropen Verlag

    Aus dem Amerikanischen von Benjamin Mildner

    1. Auflage 2022, 544 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag

    ISBN: 978-3-608-50018-9


    Klappentext (laut Verlagswebsite):


    Verlagslink: https://www.klett-cotta.de/buc…/452630#buch_beschreibung


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    Von diesem Buch hatte ich vorab schon so viel Gutes gehört, dass ich voller Freude mit dem Gefühl heranging, eine der interessantesten Neuerscheinungen des Jahres vor mir zu haben. Die Handlung ist groß und filmreif angelegt. Dabei weicht das Figurenrepertoire – wie wohl für N. K. Jemisin typisch (?) – in einer ganz natürlichen Weise vom klassischen geschlechterstereotypen Einheitsbrei ab. Und auch die phantastische Wendung des realen New Yorks gefällt mir. Anders als Neil Gaiman in seinem Werbespruch würde ich dabei aber nicht auf Lovecraft1 und Borges verweisen, sondern Neil Gaimans "American Gods" und Ben Aaronovitchs "Die Flüsse von London". Der Roman ist Urban Fantasy, durch und durch, kein kosmischer Horror, kein magischer Realismus. Er ist er eindeutig für ein Young Adult-Publikum geschrieben. Und er spielt nicht einfach in New York, sondern richtet sich explizit an Leser:innen, für die diese Stadt ein Sehnsuchtsort ist. Damit falle ich leider ziemlich aus der anvisierten Zielgruppe und das habe ich von Seite zu Seite mehr gemerkt und bedauert. Hinzu kommt, dass der Roman – wie viele aktuelle Romane – viel zu lang ist für das, was er erzählen möchte. Trotzdem hat er vieles, was ich an phantastischer Literatur gerne mag, auch mögen möchte, er fällt positiv aus der Spur und N. K. Jemisin ist ohne Frage gut genug, auch Wege außerhalb des typischen zu beschreiten. Für mich genügte es in diesem Fall nicht. Nachdem ich ein paar Tage nicht zum lesen gekommen war, habe ich das Buch jetzt wieder in die Hand genommen, finde aber keinen Zugriff mehr dazu, mekre, wie ich ins kursorische Lesen verfalle, weil alles mich kalt lässt und ziehe deshalb den sich lang ankündigenden Schlusstrich. Schade, ich wollte das alles wirklich mögen, aber es hat halt nicht sein sollen. Mein 20jähriges Ich hätte vielleicht gejubelt.



    1 Ich frage mich an dieser Stelle übrigens ernsthaft, ob eine Schwarze Autorin, die ohne Frage einen gesellschaftsbezogen wenigstens progressiven, vermutlich sogar aktivistischen Roman vorgelegt hat, sich durch einen Lovecraft-Vergleich auf dem Klappentext verstanden fühlt, zumal die Lovecraft-Anleihen echt mit der Lupe gesucht werden müssen – Ich nehme an, Gaiman hat in den Roman allenfalls reingelesen, und die Marketingabteilung des Verlags hat das Zitat aus kommerziellen Gründen blind übernommen.

    Der geheimnisvolle Mr. Hyde

    Craig Russell:


    Verlag: Rütten & Loening

    Veröffentlichung: 15.11.2021

    ISBN: 978-3-352-00929-7
    Format: Klappenbroschur
    Seiten: 413


    Klappentext:

    Dunkel und atmosphärisch – die andere Geschichte des Mister Hyde

    Edinburgh im 19. Jahrhundert. Edward Hyde, angesehener und zugleich gefürchteter Superintendent der Polizei, hat ein Geheimnis: Er leidet an Epilepsie und weiß oft nicht, wie er in eine bestimmte Situation geraten ist. Als er vor einem Toten steht, der nach einem keltischen Ritual ermordet worden ist, beschließt er, sich seinem einzigen Freund, dem Arzt Dr. Samuel Porteous, zu offenbaren. Doch dann wird auch Porteous ermordet – auf eine ähnlich mysteriöse Art und Weise. Hyde findet heraus, dass sein Freund nur zwei Patienten heimlich sah: ihn und jemanden, den er »das Biest« nannte. Hyde ahnt, dass er den Mörder finden muss, um sich selbst zu erlösen.

    »Stephen King trifft Robert Louis Stevenson ... eine Geschichte, die einem garantiert einen Schauer einjagt.« David Hewson


    Verlagslink: https://www.aufbau-verlage.de/…mr-hyde/978-3-352-00929-7


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    Hat jemand von euch zufällig schon diesen Roman gelesen oder bei audible gehört?

    Zwischenfazit

    Vielen Dank für deine Leseeindrücke! Sie entsprechen genau dem Eindruck, den ich durch Blättern gewonnen habe. Damit handelt es sich um ein Buch, das ich auf absehbare Zeit nicht lesen werde. Das soll jetzt kein Qualitätsurteil sein, sondern nur eine Feststellung, dass es sich einfach erwartbar weder als berufliche oder private Lektüre für mich eignen wird. Das ist schade, habe ich doch ohne zu überlegen begeistert und wohl etwas blauäugig zugegriffen, als ich darauf stieß. Wenn jemand von euch interesse an einem neuwertigen fast ungelesenen Exemplar hat, schreibt mir bitte einfach. Ich erwarte nicht viel und gebe es gerne weiter.

    Moscoviada

    Juri Andruchowytsch

    Broschur, 223 Seiten

    978-3-518-46312-3


    Klappentext:

    Moskau, Anfang der 90er Jahre. Im Wohnheim des Gorki-Instituts hocken die poetischen Hoffnungen aus der sowjetischen Provinz aufeinander. Das Imperium zerfällt, die Stimmung ist gereizt, der Wodka knapp. Otto von F., Student aus der Westukraine, will im Kaufhaus „Kinderwelt” Geschenke besorgen, findet nicht mehr heraus und gerät in die Gewalt von Geheimdienstbeamten, die in den Katakomben unter dem Kreml ein Rattenheer züchten.

    Moscoviada, Juri Andruchowytschs erfolgreichster, in viele Sprachen übersetzter Roman, ist von ungebrochener Aktualität. Das neoautoritäre Rußland, der eifernde Nationalismus, die Verklärung der kommunistischen Epoche, der chauvinistische Kitsch, der ideologische Druck – all diese Gespenster werden in einem karnevalesken Spektakel unter panischem Gelächter zum Teufel gejagt.


    Verlagslink: https://www.suhrkamp.de/buch/j…oscoviada-t-9783518463123


    Mit Beginn des Krieges in der Ukraine habe ich bewusst nach ukrainischen Autor:innen Ausschau gehalten und bin dabei auf Juri Andruchowytsch gestoßen, der mir zuvor unbekannt war. Andruchowytsch hat in der Phase des Zusammenbruchs der UdSSR in Moskau gelebt, um dort das literarische Schreiben zu lernen, und genau in dieser Situation befindet sich auch die Hauptfigur des Romans: Ein Anfang der 90er Jahre in Moskau lebender urkainischer Autor, der, statt zu schreiben, allerdings zu stark dem Alkohol zugetan ist und längst von ihm kontrolliert wird. Erzählt ist der Roman ebenso fahrig wie seine Haupfigur. In den besten Momenten wirkt er fokussiert, klug, witzig, voller Anspielungen, einfach rauschhaft. In anderen erscheint er ziellos und verliert sich in verkaterter Assoziation. Vermutlich habe ich dabei vieles überlesen, was Menschen, die diese Zeit des Umbruchs an diesem Ort miterlebt haben, vermutlich sofort erkennen werden.

    Der Klappentext verspricht einen phantastischen Roman oder zumindest einen Roman mit phantastischen Elementen. Diese finden sich ohne Frage: Tote, die wiederkehen, Monsterratten, Zeitsprünge, Höllentribunale. Sie gehen aber beinahe unter in der Absurdität einer tatsächlich untergehenden, bröckelnden Weltmacht. Hier steht der Roman fest in der Tradition Gogols und Bulgakows. Die geschilderte Welt und die Ereignisse steigern sich etwa ab der Hälfte des Romans zunehmend in eine Groteske herein, und es scheint, als würde die Hauptfigur Dantes Weg in die Hölle folgen, mit den großen Unterschieden, das die Hölle erkennbar unter Moskau liegt, die Hauptfigur nicht einen Höllen-Kreis nach dem anderen betritt, sondern sich regelrechte Höllen-Schichten antrinkt, und es mit zunehmender Tiefe immer deutlicher wird, dass es weniger der Mensch ist, der vor Gericht steht, als die UdSSR selbst. Am schauerlichsten ist der Roman dann, wenn er deutliche Parallelen zur heutigen Gegenwart erkennen lässt, so als sei die Geschichte Russlands in ihn schon hineingeschrieben. Als ich z.B. lesen musste, wie in einem Hölleintribunal über das sowjetische Imperium folgender Satz fiel, lief es mir doch kalt den Rücken herunter:


    "Die Idee der, pfui, Unabhängigkeit erleidet eine globale Niederlage und wird im Bewußtsein der Menschen gleichgesetzt mit Nationalsozialismus oder sogar mit sexueller Perversion." (S. 201)


    Der Roman ist von 1993. Aber wie lässt sich dabei nicht an Putin denken?

    Erschreckend.

    Ein definitiv lohnenswerter Roman mit einer erstaunlich unsympathischen, durch Alkhohlkonsum unfokussierten Hauptfigur. So etwas muss man lesen wollen wollen.