Nach einiger Verzögerung ist der schöne Band nun erschienen. Ich kann das Buch vollumfänglich empfehlen. Dem Autor ist eine sehr lesenswerte Kultur- und Literaturhistorie der Geistergeschichte gelungen, die inhaltlich wie sprachlich überzeugt. Man merkt, dass ihm das Thema eine echte Herzensangelegenheit ist. Als denkwürdige Sentenzen seien herausgegriffen:
Vielleicht sind Geister nichts anderes als unerledigte Aufgaben? Diese Überlegung verfolgte Henry James [...] und beschäftigte ihn, wenn er an die Freunde und Familienangehörigen dachte, die er inzwischen verloren hatte [...]. Ein Geist war für ihn keine gruselige Gestalt [...], sondern etwas vollkommen Menschliches: eine unerwiderte Liebe, eine ungelebte Vergangenheit, ein Gefühl, das so stark war, dass es den Tod überdauerte. [...] Viele seiner Gespenstergeschichten sind allegorisch [...]. Sie sind weniger Auseinandersetzungen mit dem Tod und der Frage, was danach kommt, als mit dem Leben, das sich nie ganz von der Vergangenheit lösen kann und eine wachsende Bürde verpasster Chancen, falscher Entscheidungen und nicht wahrgenommener Verantwortung mit sich herumschleppt.
Die Künstlichen Intelligenzen unserer Gegenwart gleichen den Geistern klassischer Spukerscheinungen insofern, als sie weder wirklich intelligent noch wirklich lebendig sind. Geister und KIs existieren, weil sie von unseren Erinnerungen zehren.