Beiträge von Jo Piccol

    Ja, da ist tatsächlich nichts Neues dabei, die letzten bekannten und in Buchform unveröffentlichten Texte haben wir in im Vorjahr in "Immaculata" gebracht.

    "John Hamilton Llewellyns Ende" und "Aus dem Tagebuch eines Orangenbaums" stammen aus "Das Grauen", "Alraune und ihr Chauffeur" ist ein Auszug aus dem Roman "Alraune", "Höchste Liebe" aus der Sammlung "Nachtmahr" und "Eileen Carter" stammt ebenso wie "Das Hya-Hya-Mädchen" aus "Von sieben Meeren".


    Es handelt sich um eine Zusammenstellung, von Geschichten, die sonderbare bis groteske Liebesbeziehungen zum Thema haben, aber bei dem Preis kann man ja schon mal zuschlagen ...

    Ich habe wesentliche Infos zu William Chambers Morrow aus dem langen Essay von Moskowitz in dem Band "Discovering Classic Horror Fiction I", herausgegeben von Darrell Schweitzer. Der Beitrag von Moskowitz scheint mir übrigens auch sehr sorgfältig recherchiert zu sein ...


    Ja, ich kenne das leider - durch die Nachwirkungen von Corona kommt es an allen Ecken und Enden der gesamten Produktions- und Lieferkette leider noch immer zu Verzögerungen ... unser Maurice-Level-Band ist auch betroffen, dauert auch wieder mal länger ...

    Aber auf ein paar Tage wird es nicht ankommen, ich freue mich in jedem Fall schon auf "Die Erloschenen" ...

    Hat jemand Interesse einige Kurzgeschichten (man könnte auch sagen, Prosagedichte) von Arthur Machen in Übersetzung von mir zu veröffentlichen? Ich habe mich vor 2 Jahren einmal voller Tatendrang daran gegeben Machens Band Ornaments in Jade zu übersetzen, da er nicht allzu dick ist und bisher nicht komplett auf Deutsch vorliegt. Meiner Meinung nach zählt das Büchlein neben Der Berg der Träume und "Die weißen Gestalten" zum Besten, Fremdartigsten und Atmosphärischsten, das Machen je geschrieben hat.
    Nachdem mich in der Zwischenzeit die Pandämie jeglicher Kreativität beraubte und das Übersetzen sich deutlich anspruchsvoller gestaltete als ich vermutet hatte, habe ich schon vor einigen Monaten beschlossen, das Projekt sterben zu lassen.
    Da ich aber schon einige Stories (die allesamt recht kurz sind) mit sehr viel Herzblut übersetzt habe, wäre es ein schöner Gedanke, sie evtl. in einer Anthologie oder einem Magazin veröffentlicht zu sehen.
    Der Originalband enthält 10 Geschichten, von denen ich 3 fertig habe, und zwar: "Der Rosengarten", "Die Turanier" und "Folter". "Die Turanier" erscheint im Herbst auch bei Elfenbein im letzten Band der Werkausgabe, in der Übersetzung von Joachim Kalka. Noch wäre es also eine deutsche Erstveröffentlichung, genauso wie die anderen beiden Geschichten. :sleeping:
    Status der Übersetzungen ist, dass sie komplett fertig sind, ich sie aber nochmal durchsehen müsste.


    Wäre das was für die Reihe "UNTOTE KLASSIKER" im JoJo Media Verlag von Jo Piccol ?


    Hallo Frank und Shadowman,


    grundsätzlich wäre das natürlich (auch für mich als Machen-Fan) eine feine Sache.

    Die nächsten Bände der UNTOTEN KLASSIKER sind allerdings schon bis 2022 durchgeplant, insoferne würde es noch einige Zeit bis zu einer möglichen Veröffentlichung dauern. Und da wir bisher nur Bände von einem Autor herausgegeben haben, wäre es natürlich notwendig, alle Geschichten aus dem dem Buch zu übersetzen.


    Vielleicht machen wir ja auch einmal eine Anthologie mit diversen "Untoten Klassikern", da wäre die eine oder andere Geschichte natürlich interessant.

    Ansonsten könnte ich noch anbieten, die eine oder andere Geschichte in unserer E-Book-Reihe "UNTOTE KLASSIKER Shortcuts" herauszubringen ... E-Books sind natürlich nicht jedermanns Sache, aber bevor die Geschichten unveröffentlich bleiben, immerhin eine Möglichkeit ...


    Frank, wir können sehr gerne auch via PN weiterreden, wenn Du Interesse hast ... wir sind ja eh vernetzt ... ;-)


    Beste Grüße aus dem Wiener Glutofen (35 Grad ...),

    JP

    "Der Ausbruch" von Michael Siefener. Ich bin gespannt.

    Habe ich auch gerade durch.

    Zunächst mal punktet die Ausgabe schon mit der tollen Aufmachung und den Illus von Jörg.


    Inhaltlich geht es um Quirin Brenner, den Sohn eines Schriftstellers, der bei der Suche nach seinem verschwundenen Vater auf Hinweise zu einem geheimnisvollen Buch mit dem Titel "Der Ausbruch" stößt. Anhand von Notizen seines Vates taucht Qurin immer tiefer in die Geschichte in der Geschichte in der Geschichte ein (kein Tippfehler! :-) ...


    Die Story hat wirklich was, auch wenn das Setting etwas gekünstelt wirkt und es für mich den "Wachsmenschen" eigentlich nicht gebraucht hätte. Am besten trifft meine Eindrücke vielleicht ein kurzes Zitat aus dem Buch selbst:


    "Zu Hause habe ich es (das Buch) sofort gelesen. Und seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen. Ich weiß nicht warum. Es handelt sich um eine Novelle, nicht schlecht geschrieben, aber ich selbst hätte es besser gekonnt. Doch hätte ich diese Wirkung erzielen können? Wie hat er das gemacht?"


    Rein "sprachstilistisch" hat mich das Buch nicht umgehauen, fasziniert hat mich aber an dem Text seine Selbstreferenzialität und die formale Umsetzung in der Art einer Möbius-Schleife, auf die auch in dem alten Sachbuchklassiker "Gödel, Escher, Bach" Bezug genommen wird, und aus der zu einem wesentlichen Teil der Eindruck des "Unheimlich-Phantastischen" entsteht. Und der ironische Kontext zu Büchern, Verlegern und Autoren ist für unsereins sowieso ein Leckerbissen.


    Unterm Strich: Echte Empfehlung, tolle Veröffentlichung, Gratulation auch an Eric Hantsch!

    Wow, Vincent - schön langsam wirst Du mir unheimlich ... :)

    Mein Eindruck war fast haargenau derselbe (nur dein Summary hätte ich nicht so kreativ hingekriegt ... ^^) - ganz ganz wichtig und Dank an Tobias, dass er Sammlungen wie diese herausgibt!


    Als riesiger Laird-Barron-Fan war für mich auch in Next Weird "Siphon" das absolute Highlight, knapp gefolgt von "Alextryomancer" und "Flyblown" ... aber auch der Rest noch immer weit über dem Durchschnitt, was es sonst so auf Deutsch zu lesen gibt ...


    obwohl ich mit Hallucigenia angefixt wurde, musste ich der traurigen Tatsache ins Auge sehen, dass Barron in der Übersetzung immer massiv verliert. Sie sind im Deutschen immer noch sehr gut, aber nicht vergleichbar mit der Wucht und Atmosphäre der Originale. Natürlich trotzdem sehr gut, dass sie übersetzt werden, hoffentlich kommt da noch mehr. Außerdem hoffe ich, dass er irgendwann wieder neue phantastische Geschichten schreibt, derzeit sieht es ja so aus, als würde er im Noir verweilen und nicht mehr zurückwollen.

    Erik, da hast Du natürlich auch Recht, und ich hoffe trotzdem ebenfalls auf mehr Übersetzungen.

    Ich finde Barron aber auch wenn er im Noir-Bereich unterwegs ist schon ziemlich herausragend (vor allem sprachlich) - ich mag einfach seinen Stil ...


    PS: Finde Dein Artwork für das Cover übrigens auch total gut! :)

    Falls du noch an Novellen von Adlersfeld-Ballestrem interessiert bist, kann ich dir gern mit dem Text gern aushelfen.

    Ich besitze ca. 50 Titel der Autorin.

    Hallo openupandbleed,


    das klingt großartig!

    Mich würde in erster Linie die eine oder andere Sammlung mit vorwiegend phantastischem Inhalt interessieren - vor allem die Titel 3 - 6 aus der Liste von Strach oben.


    Wenn Du magst, können wir uns dazu gerne auch über PN näher austauschen.


    Beste Grüße,

    JP

    Und vielen Dank für die ausführliche und wertvolle Antwort. Hat mir tatsächlich geholfen, die Geschichte etwas genauer zu verorten. Ich wollte Morrow auch nie in Abrede stellen, ein humanistischer Autor zu sein. "Schreckliche Schatten" ist definitiv ein Statement gegen Lynchjustiz und die Auge-um-Auge-Mentalität im Allgemeinen. Ich hatte die Erzählung (durch deinen obigen Post) eben nur unter der Prämisse gelesen hier einen anti-rassistischen Text vor mir zu haben und daher ständig auf einen finalen Twist gewartet. Im Nachwort wird ja auch auf die Black Lives Matter-Bewegung eingegangen, die sich u.a. gegen die Tötung von Schwarzen durch Polizeibeamten einsetzt. Da passt "Schreckliche Schatten" allein schon wegen Ole Bony mMn jedoch nicht so ganz rein. Trotzdem genießt Morrow, der sich mit seien Texten sicher nicht nur Freunde gemacht hat, meinen vollen Respekt.

    Manchmal reicht mit da tatsächlich auch der Holzhammer. Vor allem bei Rassisten.

    Absolut!

    :thumbup:

    Wird dann auch jede Geschichte so viel Illustrationen haben, wie "Schreckliche Schatten"? Wie du schon sagst, war das eBook ja fast schon eine Graphic Novel.

    Vielen lieben Dank - voll bei Dir!


    Bezüglich der Illus werden wir bei den anderen Stories vermutlich bei den üblichen ein bis zwei bleiben müssen - das würde sonst wohl den Rahmen sprengen ... aber die Illus aus "Schreckliche Schatten" werden wir natürlich alle abdrucken ...


    Zunächst muss ich aber jetzt wirklich schauen, dass wir den Maurice Level schnellstmöglich fertig stellen!

    Da warten auch jede Menge coole Illus - es sind ja über 20 eher kurze Geschichten drin enthalten ...

    "Schreckliche Schatten" hinterließ bei mir einen recht zwiespältigen Eindruck. Wie Morrow den geschilderten Gewalttaten eine fast schon dämonische Komponente verleiht, ist definitiv ziemlich stark. Auch wenn ich dabei permanent auf einen Twist/ eine Pointe gewartet habe (wie wir sie in "Der Affe, der Idiot und andere Leute" zuhauf finden), die es diesmal aber gar nicht gab - What you see is what you get.

    Trotzdem blieben bei mir am Ende aber zu viele Fragezeichen übrig: War der Schwarze der Täter oder wurde er nur aufgrund seiner Hautfarbe verurteilt? Im Text heißt es eindeutig: "Es war der Verbrecher". Setzt Morrow hier (wie im Nachwort behauptet wird) also wirklich ein Statement gegen Rassismus/ Racial Profiling? MMn nicht. Zumal der Henker "Ole Bony" ja ebenfalls schwarz ist, den Weißen ständig Widerworte gibt und bei seiner "Arbeit" auch eine perverse Freude zu empfinden scheint - Also nichts unter Zwang tut. Das sagt alles nichts über die Qualität der Geschichte aus, die definitiv vorhanden ist, aber eine klare anti-rassistische Botschaft findet man bei Morrow dann mMn doch eher in "Der Held der Seuche".


    Jo Piccol: Sind die Illustrationen eigentlich nur ein Bonus für das eBook, oder wird es sie auch im zweiten Morrow-Band geben?

    Hallo Cheddar Goblin,


    vielen Dank für das ausführliche und wertvolle Feedback!


    Ich denke, dass man den Text auch aus der zeithistorischen Perspektive betrachten muss, und dass vielleicht auch der Begriff "humanistische Einstellung" treffender ist als das programmatische "anti-rassistisch".


    Der Text wurde ja 1879 veröffentlicht, also in einer Zeit kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, wo solche Themen bei weitem noch nicht mehrheitsfähig waren, geschweige denn dass Rassismus publizistisch überhaupt thematisiert wurde - schau z.B. auf den vielsagenden Wikipedia-Artikel zu "Onkel Toms Hütte" von Harriet Beecher Stowe.


    Zweitens ist es vielleicht als Hintergrund interessant zu wissen, dass die ersten drei veröffentlichten Erzählungen von Morrow ("Punishing a Slacker", "After the Hanging" und eben "Awful Shadows") allesamt die Lynchjustiz an Schwarzen zum Thema haben - ein Thema, das Morrow (der ja auf einer Farm im Süden, auf der es noch Sklaven gab, aufgewachsen ist) persönlich sehr beschäftigt zu haben scheint ... es gibt auch eine spätere nicht-phantastische Erzählung, in der er seine Beziehung zu seiner schwarzen Nanny thematisiert, die seine wichtigste Bezugsperson als Kind war.


    Ich glaube also - auch wenn es in "Awful Shadows" nicht explizit, sondern vor allem implizit zum Ausdruck gebracht wird, dass Morrow ein zutiefst humanistisch denkender Autor war, der eben nicht offen wertet, sondern mit der grausamen Darstellung der Geschehnisse und der Protagonisten (in "After the Hanging" sind es z.B. Kinder, die nach einer Hinrichtung einen Spielkameraden erhängen, nur um zu sehen, wie es ist, wenn jemand stirbt) ein "Mitleid" mit den Opfern provoziert, das womöglich mehr emotionale Wirkung erzeugt (in jedem Fall bei mir!), als wenn er vordergründig und mit dem "Holzhammer" die Gleichheit der Menschen propagieren würde. Auch in der "Auferstehung der kleinen Wang-Tai" geht es ja letztlich um Ausgestoßene - auch Asiaten wurden ja damals in den USA mehrheitlich als "Untermenschen" angesehen ...

    Das macht Morrow auch wirklich vergleichbar mit seinem Förderer Ambrose Bierce, der eine ähnliche Perspektive in seinen späteren Geschichten aus dem Bürgerkrieg mit all seinen menschlichen Gräueln und Grausamkeiten dargestellt hat ...


    Und das ist es letztlich auch, was für mich große Literatur ausmacht - ein relevanter Subtext und vielschichtige Interpretationsmöglichkeiten, die auch noch 150 Jahre nach der Erstveröffentlichung einen Nerv treffen ...


    PS: Die Illus wird es natürlich auch in der Print-Version geben ... finde die auch besonders gelungen, und machen die Geschichte fast zu einer kleinen "Graphic Novel" ...


    Freue mich über weitere Diskussionen!


    Beste Grüße,

    JP

    Ist es möglich, dass die die Texte durch ein elektronisches Übersetzungsprogramm gejagt haben und Frau Rehberg hat das nur gegengeprüft / gebügelt? Würde auch erklären, warum für euch einiges seltsam klingt.

    Hallo Katla,


    das glaube ich auch wieder nicht ... es gibt zwar schon ganz gute Übersetzungsprogramme, aber dennoch müsste man dann praktisch den ganzen Text nochmal überarbeiten ...

    Für mich wirkt es eher so, als wären das Lektorat und das Endkorrektorat eher flüchtig gewesen ...