Beiträge von Mammut

    Für mich war das eher eine Parodie des Erlösermotivs. Congar wird ja gegen seinen Willen zu dieser Gestalt und zeigt, das jeder zum Erlöser gemacht werden kann.

    Im vorliegenden Fall ist die Kritik aber eher an die Gesellschaft gerichtet statt an die Regierung. Die Menschen sind ihm ja feindlich gesinnt, da er anders ist und als Ausländer und Kommunist denunziert wird.

    Seinen poetischen Satz sagt er dann am Ende aus höchstem Frust sozusagen.

    Eine Geschichte über die Manipulierfähigkeit, der eine soziale Gruppe ausgesetzt ist.

    Interessanter Blickwinkel.


    Der Schädel (The Skull) erschien 1952 in If und handelt von einer Zeitreise. Ein Jäger wird in die Vergangenheit geschickt und soll den Gründer der Kirche der Gewaltlosigkeit ermorden um deren Macht zu brechen. Da er anders ist, wird er für einen Kommunist gehalten und wird genau der Gründer, Der verhindert werden soll.

    Etwas vorhersehbar und auch zu lang, aber die Auflösung ist dann sehr gut gemacht. Und da das Ende immer bleibt, ist der Eindruck am Ende gut von der Geschichte.

    Sind es wirklich Menschen, die die Maschine überlisten - Oder Aliens? Und kehren diese wirklich zur Erde zurück? Der Planet auf dem sie gelandet sind (und auf dem sich die Kanone befindet), könnte doch genau so gut die eigentliche Erde sein (Somit hätte Dick ja im Prinzip schon den berühmten „Planet der Affen“-Abschlussgag vorweggenommen). Ich finde Dick lässt jedenfalls viel Raum für Interpretationen...

    Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, dass nach dem Tod des Captains das Kommando an eine Frau weitergegeben wird. 1952 sicher progressiver Scheiß bzw. blanker Wahnsinn. Auch wenn man zugeben muss, dass gerade die Frauenrollen bei Dick häufig recht schwierig sind.

    Die eigentliche Handlung, finale Flucht und Schlusspointe (die Waffe repariert sich nach der Abreise der Crew wieder von selbst) ist allerdings tatsächlich nicht besonders spektakulär.


    Ergänzung: „Könnten sie nicht im Untergrund leben?“ fragt an einer Stelle ein Crewmitglied den Captain. Eine Idee, die Dick später in seinem Roman „10 Jahre nach dem Blitz“ und der Kurzgeschichte „Die Verteidiger“ wieder aufgreifen wird. (2,5/5)

    Da hast du Recht. Welches die Erdlinge sind, bleibt unklar.

    Aber übernimmt nicht der Vertreter am Ende das Kommando statt der Frau?

    Lasst uns doch eine Geschichte nach der anderen lesen. Wenn alle drei was geschrieben haben, beginnen wir mit der nächsten. Okay?

    Dann fang ich einfach mal an.

    Die Kanone (The Gun) erschien erstmals 1952 in Planet Stories und die deutsche Erstübersetzung ist 1998 bei Haffmans erschienen:

    http://www.isfdb.org/cgi-bin/title.cgi?58198


    Menschen entdecken eine gewaltige Kernspaltung und reisen mit einem Raumschiff hin. Sie finden eine zerstörte Welt auf der nichts mehr lebt. Das Schiff wird abgeschossen und muss notlanden auf dem versehrten Planeten. Sie machen sich neben der Reparatur auf die Suche nach dem, was sie abgeschossen haben und finden eine Kanone, die automatisch funktioniert und ihre Erschaffer überdauert hat.

    Die Kanone überwacht die Aufzeichnungen der Erbauer und damit über die kulturelle Vergangenheit dieser.

    Die Menschen überlisten die Maschine und kehren zurück zur Erde, in der sicheren Erkenntnis, die Hinterlassenschaften sind sicher und warten auf die Abholung.

    Doch die Maschinen erwachen zum Leben und reparieren die Kanone.


    Eine Geschichte über die Funktionalität einer Maschine, ihre rein mechanischen Existenz und Motivation sowie ihrer Selbstreparaturfähigkeit. Und das alles um die Hinterlassenschaften ihrer Erbauer zu beschützen, selbst dann, als diese längst ausgelöscht sind.


    Eine etwas simple Geschichte über Maschinen, die um ihren Zweck willen funktionieren. Das sie Wissen schützen, macht die Geschichte für mich nicht interessanter. Wie seht ihr das?

    Ich habe gerade mal beim Koblenzer HBF in die Buchhandlung geschaut: Zwei Meter Science Fiction und Fantasy, zwei Meter Spannung und drei Meter Romane und dann natürlich die Auslage. Aber auch je ein Meter Comics und ein Meter Mangas.

    Bei den Filmen dominiert Phantastik:

    https://www.musikexpress.de/ka…hsten-filme-2019-1447207/


    Die Spiegelbestsellerliste ist gemischt:

    https://www.spiegel.de/kultur/…iegel-liste-a-458623.html


    Bei den Taschenbüchern eher bunt und na ja, Thriller sind da nicht dominierend:

    https://www.spiegel.de/kultur/…henbuecher-a-1025518.html


    Ansonsten werden viele phantastische Romane auch eher unter dem Label Thriller verkauft. Beispiele:

    https://amzn.to/3ei4uwd


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    https://amzn.to/2ZnxCxU


    Ich denke gerade deutschsprachige Phantastik, und das sind natürlich alle Spielarten phantastischer Literatur, war selten so breit vertreten wie heutzutage.

    Die erste PKD-Geschichte die je veröffentlicht wurde - Und zwar im Juli 1952 in „Planet Stories“. Laut Dick dem „wildesten aller Schundmagazine, das damals in den Zeitschriftenständern zu finden war“. Geschrieben hatte er sie circa ein halbes Jahr früher. Aus historischer Sicht ist sie also mindestens so bedeutsam wie „Roog“.

    Und dass sie den Titel dieses Buches trägt, zeigt ja auch, dass es sich bei „Und jenseits - das Wobb“ um eine relativ beliebte und bekannte Story handelt, die dementsprechend regelmäßig in diversen PKD-Sammlungen auftaucht (u.a. in „Die besten Stories von Philip K. Dick“)

    Dick zeichnet hier mal wieder kein gutes Bild von der Menschheit: Da entdeckt sie eine völlig neue und faszinierende Lebensform und die erste Frage die sie sich stellt lautet - „Wie schmeckt sie wohl?“

    Die Highlights in dieser Geschichte sind sicher die Gespräche zwischen dem Wobb und dem Captain. Zum Beispiel in der Szene in der sich das Wobb förmlich anpreist: „Sie sprechen davon mich zu verspeisen. Der Geschmack, hab ich mir sagen lassen, ist gut. Ein bisschen fett, aber sehr zart.“ Dann aber wieder einlenkt: „Aber wie kann zwischen Ihren Leuten und meinen ein dauerhafter Kontakt hergestellt werden, wenn sie derart barbarisches Verhalten an den Tag legen? Mich essen? Sie sollten lieber mit mir philosophische Fragen diskutieren.“

    Eine humorvolle Erzählung mit einer gelungenen Schlusspointe: Es heißt ja immer „Du bist, was du isst“, manchmal verhält es sich aber auch genau andersherum. (4,5/5)

    Dem kann man kaum was zufügen. Hier zeigt sich, der erste Eindruck muss nicht der richtige sein und Äußerlichkeiten täuschen. Wenn man ein Schwein sieht, muss es noch lange kein Schwein sein und die Mächtigkeit einer Spezies zeigt sich ja auch erst wenn es drauf ankommt, im vorliegenden Fall wenn sie verspeist wurde. Hat mir ebenfalls gut gefallen.

    PS - zur Info:


    Ab sofort ist "Der Affe, der Idiot und andere Leute" von W.C. Morrow rechtzeitig vor der sommerlichen Urlaubszeit auch als E-Book in allen großen Stores erhältlich ...

    Holt euch die gebundene Ausgabe, das lohnt. Ich habe gerade die Geschichte über den aufrechten Kerkerinsassen gelesen, da leidet man richtig mit dem Kerl, der bis zuletzt aufrecht bleibt.

    Berührend:thumbup: