Beiträge von Arkham Insider Axel

    Ich habe die Serie, ohne sie gesehen zu haben, im aktuellen Arkham Insiders Podcast erwähnt/empfohlen. Auch dort hat uns ein Seil beschäftigt, das sich als "Schicksalsfaden" erweist … die Rede ist von der Kollaboration The Horror at Martin's Beach, welche unter der Verfasserinangabe Sonia Greene 1923 in Weird Tales veröffentlicht wurde.

    Lieben Dank für diese Vorstellung Katla


    Es ist schön zu sehen, dass so ein Klassiker ins Englische übersetzt (und als bibliophiles Stück veröffentlicht) wird. Ich denke, das ist eine Entwicklung, die noch zunehmen wird. Auch Kubins Die andere Seite liegt ja schon seit einigen Jahren als Überseztung vor (The Other Side). Das alles ist freilich nur die Spitze des Eisbergs …


    Zu Bierbaum fällt mir noch ein, dass er u. a. Herausgeber der Insel-Zeitschrift war, welche in den 1980er Jahren als 12-bändige Faksimile-Ausgabe erschien. Meine Mutter hat sie damals erworben und mir mittlerweile geschenkt: eine Publikation, die natürlich nicht so einschlägig und für unsereins interessant ist wie Der Orchideengarten oder Kokain … aber so manche phantastische Blüte hat auch dieses Blatt hervorgebracht und ausgetrieben.

    Strach Man dankt für diesen Lektüreeindruck! Ich finde das Veröffentlichungsjahr interessant – 1968 war hierzulande vielleicht ein gutes Jahr für internationale Science Fiction, Fantasy und Horror. Die günstige Aufnahme von Leuten wie Tolkien, Lovecraft usw. kündigte sich an oder hatte schon begonnen.


    Die deutschsprachige Phantastik abseits von Meyrink, Ewers, Kubin oder Strobl, genoss hingegen vergleichsweise ein Schattendasein. Da das teilweise noch immer so ist, lassen sich solche Publikationen aus den frühen bis mittleren Tagen der BRD (bis auf weiteres) günstig erwerben.

    Strach Bei booklooker gibt es noch Exemplare für weniger als 10 Euro.


    Der Stil ist nicht so expressiv und vom Dialekt durchzogen wie bei Watzlik. Im Gegenteil: eine einfach gehaltene, klar verständliche Sprache. Auch mit dem "Geraune", das kennzeichnend für Blunck ist, hat Koelwel wenig am Hut.


    Mit am besten gefällt mir diese Passage aus „Der Löschhorn und der Rummelestorz“, wo der garstige Waldkobold, der der Story den Namen gibt, beschrieben wird:


    Zitat

    „Als er zu dem Wicht hinsah, musste er den Kopf sogleich wieder abwenden, so entsetzlich war der Anblick der Missgestalt. Besonders widerwärtig schaute die Rindenflechte auf dem Kopf des Kobolds aus, sie schimmerte weisslich klitschig wie ein mit Milch beschmierter grindiger Ausschlag. Pfui Teufel war der Kerl ekelhaft.“

    Eduard Koelwel: Spuk im Westrich. Erzählungen

    Broschur, 96 Seiten. Ludwig Voggenreiter Verlag. Potsdam 1943

    Inhalt: „Der Löschhorn und der Rummelestorz“, „Der Henner von der Driesch“, „Das Zepter der Zeitlosen“, „Verwandlung“



    Eduard Koelwels Spuk im Westrich ist ein typisches Beispiel deutscher phantastischer Literatur aus der Zeit zwischen 1933 – 1945. Mit den vier Geschichten bewegt sich die Broschüre inhaltlich zwischen Sage und Phantastik. Aufgrund des gezielt lokalhistorischen Stoffs erreicht Koelwel eine Nähe zu Autoren wie Hans Watzlik oder Hans Friedrich Blunck – Vertreter einer folkloristischen Phantastik, die sich in diesem Fall auf den Westrich bezieht, eine Landschaft im Grenzgebiet der Pfalz, des Saarlandes, des Elsass’ und Lothringens.


    Zum Inhalt

    Die Wahl des Handlungsortes fällt auf einen ländlichen Schauplatz während des Mittelalters oder der Neuzeit, jedenfalls deutlich vor der Industrialisierung. Die übersinnlichen Phänomene sind altbekannt (Hexerei, Dämonie, schwarze Magie, Alchimie) und erfahren angesichts der Vorbedingungen wohl bewusst keine Neuerungen.


    Trotz dieser schwerfälligen Verhaftung in der Tradition gelingt dem Autor gelegentlich ein Wurf. Am überzeugendsten erweist sich die letzte Geschichte „Verwandlung“, in deren Zentrum der Magister Anselmus steht, ein Adept, der verzweifelt nach dem Stein der Weisen sucht. Darüber vernachlässigt er seine Frau Brigitte. Diese wendet sich einem anderen Mann zu und „verunreinigt“ so den alchimistisches Prozess. Der Treuebruch hat Folgen: Eine aus dem Ofen schlagende Stichflamme blendet Anselmus. Obendrein macht sich Brigitte mit ihrem Liebhaber aus dem Staub. Durch eine Teufelsanrufung hofft Anselmus, wieder sehend zu werden, um seine Aufgabe zu vollenden. Da erscheinen ihm die Geister seiner Frau und ihres Geliebten, die zwischenzeitlich Selbstmord begangen haben. Sie öffnen Anselmus buchstäblich die Augen und die Möglichkeit eines neuen Lebensglücks.


    Schwächer, da durch allzu betuliche Sagenmotive beeinträchtigt, fallen aus: „Der Löschhorn und der Rummelestorz“ (eine Rübezahl-Variation aus dem Pfälzerwald) und „Das Zepter der Zeitlosen“ (eine Pflanzen-Sage aus dem Bliesgau). Wiederum reizvoll ist „Der Henner von der Driesch“. Darin geht es um einen heiratswilligen aber armen Bauer, dem ein Schwarzkünstler den Tipp gibt, sich in der Walpurgisnacht aus einem Hexenritt heraus eine junge Hexe zu angeln. Das Kunststück gelingt – die wunderliche Braut bringt dem Bauer zwar materielles Glück, fremdelt jedoch mit ihm. Als noch nicht der dämonischen und nicht mehr der menschlichen Sphäre Angehörige steckt sie fest in einer Art Identitätskrise. Erst ein glücklicher Zufall bricht den Bann und ebnet ihr den Weg zurück in die menschliche Gesellschaft und erwartungsgemäß in die Arme des verliebten Bauern.


    Zum Autor

    Eduard Koelwel (1882 – 1966) war sowohl als Maler als auch als Schriftsteller tätig. Während der NS-Zeit war er Geschäftsführer der Reichsschrifttumskammer. Nach Kriegsende lebte er in der DDR, wo er an der Ost-Berliner Humboldt-Universität eine akademische Laufbahn einschlug und verschiedentlich geehrt wurde. Neben Romanen und Erzählungen veröffentlichte er selbst illustrierte Kinderbücher sowie sprachwissenschaftliche Werke.

    Geht's da um das Vorwort von Andrew Copson?

    Nicht allein darum. Die Ausgabe bei JMB war eine recht akkurate Übernahme des Originals, erschienen bei Sporting Gentlemen, einem Verlag, der ansonsten sportliche Themen publiziert. Die Auswahl der Texte, ihre Strukturierung usw. ist die Arbeit von S. T. Joshi – was jedoch von den dt. Herausgeber:innen unerwähnt blieb …


    Im Namen der Deutschen Lovecraft Gesellschaft e. V. habe ich ein Vorwort für das Buch verfasst: natürlich in Unkenntnis der Sachlage. Wir/der Verein haben uns dann bei Joshi entschuldigt bzw. von dieser Veröffentlichung distanziert.


    Insgesamt also nichts, was man sich an die Brust heften könnte … aber jetzt, mit einem mehrjährigen Abstand: eine kuriose Erfahrung.

    Ich haben den – eher kurzen – Roman nun auch gelesen und tue gerne meine Meinung kund.


    Man kann der charmanten Erzählung nur schwerlich am Zeug flicken, denn aus ihr sprechen viel Vorbereitung, gründliches Quellenstudium und die Sorgfalt der Ausführung. Auf einer intellektuellen Ebene bietet die Lektüre also durchaus genussvolle Momente.


    Doch obwohl die Story ausdrücklich mit übersinnlichen Themen hantiert, gerät sie so gut wie gar nicht gespenstisch, schaurig oder auch nur stimmungsvoll packend. Selbst ein Algernon Blackwood, der kurz als Spezialist auftritt, kann daran nichts ändern. Ich hatte den Eindruck, Pechmann halte eine Distanz zu seinem Stoff aufrecht, den er doch eigentlich gut beherrscht. Ein Paradoxon? Vielleicht nicht, denn eben seine Belesenheit und die offenkundigen Absichten geben dem Werk etwas Erklügeltes. Ähnlich wie Nils ziehe ich daher die größten Vorteile daraus, wenn ich es als kulturgeschichtliche Abhandlung lese (man beachte die ausführliche Nachbemerkung zu den verwendeten Quellen).


    Das Problem ist, dass Die Nebelkrähe als Roman deklariert wird. Von einem solchen wünsche ich mir mehr Leben, Esprit, Dynamik und gerne auch sperrige, widersprüchliche und dubiose Figuren. Diese hat Alexander Pechmann zwar auch im Programm – doch leider nur als Nebenfiguren. Ich denke an die Prinzessin Chan Toon und vor allem natürlich an den mysteriösen Finley, der der ganzen Chose einen tollen Auftakt verleiht. Unglücklicherweise ist ausgerechnet der Protagonist Peter Vane ein ziemlicher Langweiler, mit dem ich so gar nicht mitfiebern mochte. Ich könnte mir vorstellen, dass die Geschichte aus einer anderen Sicht erzählt, viel wirkungsvoller zünden würde.


    Fazit: Ich habe viel Wohlwollen für das Buch, das immerhin ein interessantes literarisches Vexierspiel bereithält, fühlte mich aber nur über kurze Strecken gut unterhalten – wie man sich eben von einem Roman oder einer Erzählung unterhalten lassen möchte: mitfiebernd, atemberaubt oder wie auch immer emotional berührt.

    Beim Googeln hab ich grad eine Reihe frecher (aber teils sehr schöner) Imitate / Referenzen gefunden, u.a. hier.

    Zu diesem Behufe kann man gerade auch die Bahnhofsbuchhandlung aufsuchen: aktueller Gespenster-Krimi, Nr. 84: Angriff der Nebelreiter. — Das scheint in eine ähnliche Richtung zu gehen.


    Zum Film gibt es noch folgendes zu sagen: Der Regisseur Amando de Ossorio ließ sich hier von einer der sogenannten Leyendas (Wikipedia-Link) von Gustavo Adolfo Bécquer inspirieren: El monte de las ánimas (1861).


    Dieses habe ich kürzlich in einem umfassenden Beitrag von Christoph Seelinger gelesen: Das Blutgericht des Amando de Ossorio. Von Geisterschiffen, Seemöwen und Templern ohne Augen, enthalten in der absolut empfehlenswerten Filmzeitschrift 70 Millimeter, einem Ableger der nicht minder empfehlenswerten Zeitschrift 35 Millimeter, s. hier:


    35mm – Das Retro-Filmmagazin

    Zu meiner Schande muss ich gestehen,dass ich diese Buch schon lange auf meiner Regal habe.

    Ein Umstand, der gerade in diesem Forum gewiss nicht als schändlich gilt. :)


    "Thematisch nicht vordergründig": Das passt jedenfalls. Denn mit der "Menschenhaut" und ähnlichem haben diese Geschichten nur sehr wenig zu tun. Mir ist noch gut in Erinnerung die Geschichte, die Robert Bloch für die Sammlung Jenseits der Träume, Suhrkamp, ausgewählt hat. Sie heißt: "Das Schloss an der Landstraße".