Beiträge von Arkham Insider Axel

    Ich finde die Monster immer spannender als diese Leute - aber eben diese normalen Menschen stehen bei King meist (immer?) im Vordergrund. Für meinen Geschmack liegt der Fokus da einfach 'falsch'. Dafür kann King aber nix, den ich übrigens absolut sympathisch finde.

    Mal wieder wahre Worte von dir, Katla fck"

    Bücher wie "On Writing" ("Das Leben und das Schreiben") oder "Danse Macabre" lassen King als einen sympathischen. selbstreflektierten Burschen erscheinen, der sehr genau weiß, was er tut. Das, finde ich, kann man respektieren – auch wenn man sich selbst lieber eine Art von Horror wünscht. Er mag ein gewiefter Plauderer sein, dessen Stärke möglicherweise mehr im "Sozialdrama" liegt als im echten-Horror. Aber King hat SF und Weird Tales quasi mit der Muttermlich aufgesogen und die Zeit der B-Movies live im Kino miterlebt. Ich bin immer bereit ihm zu glauben, dass er es ernst meint.


    Und schließlich und trotz alledem: bin ich immer geneigt, ihn an seinen guten Büchern zu messen. Amen und gute Nacht.

    So hart wie Joshi mit King ins Gericht geht: da stimme ich auch nicht mit ihm überein. Nun, er hat seine Gründe und rechnet auch nicht mit allgemeiner Zustimmung.


    Man kann diese Beschwörungssache und das Okkulte-Element natürlich scheiße finden, aber sie in einem Forum für Phantastik als Quark oder Trash abzutun ist zumindest gewagt

    Eigentlich ist gerade hier ein guter Ort, um diese Dinge einer Kritik zu unterziehen. Wir wollen uns alle gruseln – aber auf einem hohen Niveau. Und je mehr man in dem Sektor gelesen hat, desto feinnerviger reagiert man auf bemühte, unelegante Lösungen. Ich bleibe beim "Bibliothekspolizisten": eine super Geschichte mit psychologischem Geschick und einer effektiven Angstkulisse. Doch warum am Schluss dieser pompöse – unfreiwllig komische – Kampf gegen den Endgegner?

    Er war jung und brauchte das Geld? Ideen waren ja einige gute dabei. Nur hätte man manchmal mehr draus machen können. Aber so waren auch die 70er. Dieser Okkult-Quark mit Beschwörungen war da ziemlich modern.

    Wenn wir ehrlich sind, behält sich King so eine Jack-in-the-Box-Lösung immer noch vor. Ich nenne die Erzählung "The Library Policeman" und einen der letzten Romane: "Revival". Beide Werke gefallen durch eine gute Story, Figuren, Spannung usw., enttäuschen aber ausgrechnet im Finale, wo es jeweils zu Hokus-Pokus-Showdowns kommt, in denen das phantastische Element voll ausgespielt wird. Ohne diese übernatürlichen Einlagen wären die Geschichten besser gewesen … und das sage ich in einem Phantastik-Forum. Aber so ist es nun mal.

    Zustimmung im Großen und Ganzen! Da ich die Stories jedoch im jugendlichen Alter zuerst las, vergebe ich einen Punkt mehr: aus Nostalgiegründen.

    Wenn keine andere Auflösung geht, wird hier immer schnell zur Beschwörung etc gegriffen.

    Mit dieser Kritik bist du ganz bei S. T. Joshi, der ja in den "Moderne[n] Horrorautoren" wenig Gutes über King zu sagen hat.

    Ich bin auch sehr auf das Buch gespannt. Die Autorin schreibt ja in der Einleitung, dass konkret das Glas-Motiv (im Gegensatz zu allgeimein optischen Geräten/Optik) noch nicht besonders untersucht worden ist.


    Ich hatte das große Glück, Bamberg im Hoffmann-Jahr 2008/2009 einen Besuch abzustatten – was mich natürlich auch in gewisser Weise an ihn fesselt. Von daher sind News zu ihm immer willkommen.


    Das letzte, was ich von ihm in der Hand hielt, war eine zweisprachige Ausgabe: Deutsch/Russisch – offenbar Schullektüre für die russischsprachige Jugend.

    Ich musste erst mal gucken, wo ich das Folgende hier im Forum unterbringe – ich hoffe, ich halte mich im passenden Thread auf.


    In seinem jüngsten Blog-Beitrag lässt uns S. T. Joshi wissen, dass die Library of Weird Fiction in der Centipede Press demnächst Zuwachs bekommt:


    Zitat

    In regard to my own activities, I continue to work on numerous projects. I recently read Frank Belknap Long’s two short novels, Journey into Darkness (1961) and The Night of the Wolf (1972), and found both of them highly creditable. […] Both of these novels will now be reprinted in a volume of Long’s work in the Centipede Press Library of Weird Fiction.

    Quelle: S. T. Joshi Blog, 21.6.2020

    Ich habe Festas BdS nie gesammelt – und werde es auf meine alten Tage wohl auch nicht mehr tun … Was nicht heißt, dass einzelne Bände nicht begehrenswert und sammelwürdig wären!


    Eine deutsche Veröffentlichung von Donald Wandreis "Dead Titans, Waken!" war längst überfällig – damit tut der Verlag der hiesigen Lovecraft-Community einen großen Gefallen, wie ich finde. Übersetzung und Nachwort stammen von Andreas Fliedner, auch das scheint mir eine gute Wahl zu sein.


    Wer die Zeit bis zum Erscheinen im Oktober überbrücken möchte: Ich habe den Titel ja schon mal in der fremdsprachigen Sektion vorgestellt und bin seinerzeit zu einem wohlwollenden Fazit gekommen: Donald Wandrei/Dead Titans, Waken!

    Zdzisław Beksiński, der Name taucht immer mal wieder auf. Mir ist er, glaube ich, zum ersten Mal untegekommen in Christian von Asters "Horror-Lexikon" (1999). Dort steht, dass einige Bilder von ihm als Kalender von dem amerikanischen Verlag "Morpheus International" herausgebracht wurden.


    Und sieh da: diese gut 20 Jahre alte Information führt auch heute noch zum Ziel:

    https://morpheusgallery.com/Zdzislaw+Beksinski/#cnt

    Welche Ausgabe des Magazins hast du denn gelesen?

    Gar keine, um ehrlich zu sein. :)


    Ich beziehe mich bei meinen Ausführungen nur auf die Liste auf der Startseite.


    Und dann muss ich mich wundern, weil so ein Statement bei bedeutenden Vertretern der klassischen Weird Fiction des 20. Jahrhunderts unbekannt – und wohl auch undenkbar ist –. Mehr noch, man bekommt den Eindruck, Leute wie Lovecraft, Aickman, James und Blackwood seien fast schon "biedere" Gesellen gewesen – angesichts ihrer Hobbies und Interessen:

    • Lovecraft: Architektur und Historie des kolonialen Nordamerikas (sein längster bekannter Text ist ein "Travelogue to Quebec")
    • Blackwood: Globetrotter und Naturbursche
    • Aickman: Mitbegründer der "Inland Waterway Association", die sich der Erhaltung der Kanäle bzw. Binnenschifffahrt verschrieben hat
    • James: Spezialist für mittelalterliche Manuskripte und Bibeltexte

    Wenn ich dann bei dem Vastarien-Magazin sehe, dass "die" sich von vornherein Pessimismus, psychische Krankheiten, Euthanasie, Horror, Nihilismus etc. auf die Fahnen schreiben: dann – ja, ich weiß es auch nicht … ich bin nicht angenehm berührt davon. Es kommt mir auf eine Art indezent, wenn nicht gar plump vor.


    — Und damit kann ich mich nicht weiter zu dem Heft und den AutorInnen, denen ich gar nichts Böses will, äußern.


    Ich fragte mich ursprünglich nur, welcher Horror aus dem Horror entwachsen soll? Für mich ist Phantastik im Idealfall ein künstlerisches Produkt und funktioniert am glaubwürdigsten, wenn sie bewusst gestaltet wird.

    Nicht ganz zu Unrecht werden daher auch jene AutorInnen kritisiert, die praktizierende Okkultisten o. ä. sind und deren Werke sich irgendwann wie Traktate lesen (einige der Romane von Meyrink, auch Blackwood ist nicht frei davon).


    Zum Thema Depression und künstlerisches Schaffen fällt mir immer der Comic-Zeichner André Franquin und sein legendärer Band "Schwarze Gedanken" ein. Er litt selbst unter Depressionen und wurde in einem Interview gefragt, ob er sich mit diesen düsteren Zeichnungen quasi therapiert habe. Woraufhin Franquin (sinngemäß) antwortete: In der aktuen Phase der Krankheit wäre Zeichnen das letzte, was in Frage gekommen wäre. Da ist es schon eine Tagesleistung, überhaupt das Bett zu verlassen … "Schwarze Gedanken", welches ein Meisterwerk ist, konnte natürlich nur entstehen, als er schon wieder auf dem Weg der Besserung war.


    Wie auch immer, ich bin jederzeit bereit, einen Blick zu riskieren und gerne etwas von beispielsweise Gemma Files zu lesen. Auch den Ligotti knöpfe ich mir noch einmal vor …

    Oh, sehr spannend. Aber du schätzt ja auch Lovecraft, da wird doch der Realität ziemlich sofort der Boden entzogen

    Okay, bei Lovecraft wissen wir, dass er ein nüchternes – materialistisches – Weltbild besaß. In der Hinsicht benahm er (der sich in seiner Jugend mit Chemie und Astronomie beschäftigt hatte) sich "wissenschaftlich" oder rational.

    Dann gibt es aber Lovecraft – den Ästhet. Dessen bedingungslose Hingabe an das 18. Jahrhundert wie überhaupt die Glorifizierung der Vergangenheit und seine neuenglische Heimatliebe auf den ersten Blick irrational erscheinen.


    Diese ästhetische und bejahende Komponente ist aber so ungemein wichtig bei Lovecraft! Sie ist das Gegenteil einer pessimistischen Anschauung! Und daher klafft zwischen Lovecraft und Ligotti und derVastarien-Ausrichtung ein unüberbrückbarer Abgrund.


    Im Übrigen finden wir bei Lovecraft vermehrt handfeste Elemente der Abenteuer- oder auch der Kriminalgeschichte ("Dagon", "The Horror at Red Hook", "The Call of Cthulhu", "At the Mountains of Madness" etc.).

    Das ist in meinen Augen ja auch große Kunst, das spannend aber ausreichend subtil auf lange Strecke zu bringen. mit Aickman machst du mich neugierig. Was würdest du von ihm empfehlen?

    Aickman hat hier zwar noch keinen eigenen Bereich, wenn ich es recht sehe – aber der Namen fällt immer mal wieder.


    Eine häufig auch im Deutschen anthologisierte Story ist "Glockengeläut"/"Wechselgeläut" ("Ringing the Changes"). Sie ist ein Paradebeispiel für meine These: Ein frisch verheiratetes Paar möchte die Flitterwochen in einem pittoresken Städtchen verbringen. Vertreter der Stephen-King-Schule hätte hier vielleicht erst einmal eine Honeymoon-Idylle inszeniert. Nicht so Aickman, der bereits mit einem deutlichen Altersunterschied (er ist älter als sie) Sand ins Getriebe streut. Das nachfolgende phantastische (und recht unheimliche!) Geschehen wird den generellen Unterschied zwischen den beiden weiter schmerzhaft ausloten …


    Wie und wo ist die Story erhältlich? Zum Beispiel in dieser Anthologie, die ich hier vorgestellt habe – und die überhaupt zu empfehlen ist:

    Roald Dahl’s Buch der Schauergeschichten

    Es gibt ja grob zwei Richtungen in der Phantastik: a) das Phantastische oder unheimlich Bedrohliche bricht in die 'normale' Welt *) ein und b) die spekulative Welt selbst ist extrem seltsam / unheimlich / bedrohlich, ohne überhaupt etwas wie einen normativen Status quo. Letzteres ist z.B. auch die Phantastik, die ich eindeutig bevorzuge.

    Ja, so sehe ich das auch im Großen und Ganzen. Und tatsächlich habe ich früher schon – und jetzt anlässlich dieses Threads wieder einmal – darüber nachgedacht, welcher Typ ich bin – und warum.


    Wenn ich meine Interessen analysiere, dann bevorzuge ich eine Art handfester Handlung – zum Beispiel einen Kriminalfall oder ein exotisches Abenteuer – als Ausgangssituation für die Phantastik. Ich möchte unterhalten werden: durch Rätsel oder die Beschreibung ferner Länder. In der Hinsicht bin ich sehr klassisch orientiert.


    Eine biedere Alltagswelt, wie sie etwa Stephen King oft beschreibt, ist hingegen eher reizlos für mich (ich lese seine Sachen auch, aber in der Hinsicht faszinieren sie mich nicht). Die zweite Richtung, die du nennst Katla , kenne ich natürlich auch. Ich würde darunter auch die Symbolisten oder die Dekadenten fassen. Auch hier bin ich nicht grundsätzlich dagegen, aber die Schilderung von übernervösen, krankhaften oder morbiden Zuständen, die dabei quasei als Status Quo fungieren, kann schnell ermüdend wirken.


    Es IST nicht ganz einfach, die Gedanken zum Thema nachvollziehbar zu formulieren … vor allem, wenn wir an die Zwischenfälle denken. Wo wäre dann zum Beispiel ein Robert Aickman zu lokalisieren, – der sich geschickt zwischen Typ a) und Typ b) bewegt?

    Eine interessante Erscheinung die Publikation und der Kreis, dem sie entspringt. Die gelisteten "Interessen" sehe ich nicht unkritisch – wie ich auch gar nicht verheimliche, dass mich der philosophisch-literarische Pessimismus nicht anspricht, oder besser gesagt: auf einer persönlichen Ebene nicht weiterzubringen scheint (wenn mir denn ein subjektives Lektüre-Anliegen gestattet sei). Und von den erwähnten Krankheiten denke ich mir, dass ich – wenn ich die Wahl habe – lieber davon verschont bleibe …


    Es stellt sich mir mithin die Frage, ob die Phantastik überhaupt noch die Chance hat, in eine Realität regelrecht einzubrechen, – die von vornherein verunsichert, morbide und von düsteren Gedanken durchzogen ist.