Edition Dunkelgestirn: Hermann Dreßler - Die Künste des Doktor Incubus

  • Ich muss mich korrigieren. Bei dem Vergleich mit Campbell ging es um eine andere Geschichte von Dreßler.

    Ich hab mir schon gedacht, die Beschreibung oben liest sich gar nicht wie "Who goes there?" ?§"

    Der Privatdruck ist damals leider komplett an mir vorbeigegangen.


    Ewers war übersetzt worden und Die Spinne beeinflusste u.a. Lovecrafts "The Haunter of the Dark" (Der leuchtende Trapezoeder).

    Witzig, dass du "Die Spinne" erwähnst. Eines der dreistesten Plagiate der Phantastik-Geschichte!

  • Witzig, dass du "Die Spinne" erwähnst. Eines der dreistesten Plagiate der Phantastik-Geschichte!

    Oh, krass, so schlimm? Ich habe bisher nur über Ewers Erzählung gelesen, aber die nicht selbst, das muss ich dringend nachholen. Der "Trapezoeder" gehört zu meinen Lieblingsgeschichten von Lovecraft, als Teenie hab ich echt ein paar Nächte bei Licht geschlafen und hatte einen echten Alptraum davon.


    Wird vor dem Hintergrund sicher schwer zu erreichen sein, dass die Vorlage mich genauso beigeistert. Ich bin gespannt.

    Ach ja, den privatdruck hab ich sogar irgendwo...

    8| Wow. Es sieht so aus, als sei das Buch auf allen Kanälen vergriffen (kein Wunder). Steht das vllt. irgendwo online? Andere Frage: würdest du mir das Buch ausleihen, wenn ich beide Portos übernehme? Kann durchaus als Wertbrief gehen, dass es nicht verloren geht. Könnte es aber verstehen, wenn du das nicht riskieren willst.

  • Oh, krass, so schlimm? Ich habe bisher nur über Ewers Erzählung gelesen, aber die nicht selbst, das muss ich dringend nachholen. Der "Trapezoeder" gehört zu meinen Lieblingsgeschichten von Lovecraft, als Teenie hab ich echt ein paar Nächte bei Licht geschlafen und hatte einen echten Alptraum davon.

    Ewers hat sich ganz eindeutig bei "Das unsichtbare Auge" von Erckmann-Chatrian bedient, die Geschichte aber immerhin etwas verändert. Josef Jiri Kolar hingegen war noch dreister. Seine Erzählung "Zum Roten Drachen" ist eine eins-zu-eins-Kopie des Originals. Das könnte an und für sich auch Ewers Inspirationsquelle gewesen sein, bei seiner Vorliebe für franzözische Literatur dürften es aber eher Erckmann-Chatrian gewesen sein.



    Steht das vllt. irgendwo online? Andere Frage: würdest du mir das Buch ausleihen, wenn ich beide Portos übernehme? Kann durchaus als Wertbrief gehen, dass es nicht verloren geht. Könnte es aber verstehen, wenn du das nicht riskieren willst.

    Du könntest es ja direkt bei Robert Bloch versuchen. Keine Ahnung, wie generös der Herr ist, aber vielleicht schickt er dir den Text per Mail.

  • Ewers hat sich ganz eindeutig bei "Das unsichtbare Auge" von Erckmann-Chatrian bedient, die Geschichte aber immerhin etwas verändert. Josef Jiri Kolar hingegen war noch dreister. Seine Erzählung "Zum Roten Drachen" ist eine eins-zu-eins-Kopie des Originals. Das könnte an und für sich auch Ewers Inspirationsquelle gewesen sein, bei seiner Vorliebe für franzözische Literatur dürften es aber eher Erckmann-Chatrian gewesen sein.

    8| Sieht ja aus, als hätte jemand eine gute Idee gehabt und ein paar andere hätten sich bedient. Hat schon jemand Tolkiens Sauron erwähnt?


    Spannende Sache, auch weil mir all die Namen, die du nennst, nichts sagen (bis auf Ewers, auf den ich ursprünglich durch Ilna Wunderwalds Gemälde aufmerksam wurde). Da werde ich mal ein bissl graben, danke sehr.

    Meiner Liebe für den "Trapezoeder" wird das keinen Abbruch tun, das ist einfach eine gut gemachte Geschichte.


    Ja, danke, ich versuche es mal bei Bloch, obwohl das sicher zu nix führt. Die haben so viele vergriffene Publikationen und da wollen bestimmt noch mehr Leute was. Irgendwann hab ich mal wegen etwas anderem hingeschrieben und nie ne Antwort erhalten. Aber wer weiß ...

    :*

  • Lovecraft betrifft das ohnehin nur indirekt, der ist diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben. Dem hätte es schon sein Selbstverständnis als soignierter Gentleman verboten, bei anderen billig abzukupfern.


    Ein übriges Exemplar wird er sicher keines mehr abzugeben haben, aber vielleicht die digitalisierte Vorlage oder Ähnliches. Weder über die Erzählung, noch über die Zeitschrift, in der sie damals erschienen ist, lässt sich online etwas finden. Jedenfalls nicht über den betreffenden Jahrgang.

  • Gab es nicht schon einmal einen solchen Fall, als die Bände Wahngebilde und Hinter dem Quecksilber in der Edition CL vor ein paar Jahren erschienen?

    "The amount of weird material I have not read is appalling"


    HPL to CAS, 1925

  • Gab es nicht schon einmal einen solchen Fall, als die Bände Wahngebilde und Hinter dem Quecksilber in der Edition CL vor ein paar Jahren erschienen?

    Soweit ich mich erninnere gab es da einen Text in der CLneo Haunted Houses, in der Herr Dangel je nach Auslegung einen Verriss über oder über gebühr scharf Robert N. Bloch besprochen hat. Damals hat sowohl die "Kritik" aber vor allem auch der Ton sowohl mich als auch einige andere verärgert. Ich persönlichhatte auch schon einmal das Vergnügen, als er einen meiner Texte lektorieren wollte. (Aber das fasse ich unter persönliche Befindlichkeiten und hat hier nichts zu suchen)

  • Ich habe diesen Thread bisher mit Interesse verfolgt. Von einem Erwerb des Buchs sehe ich freilich aufgrund der Herausgeberschaft ab. Lars Dangel hat es geschafft, die ohnehin überschaubare Szene der Begeisterten für die (ältere) deutschsprachige Phantastik völlig unnötig durcheinanderzuwirbeln.


    Dangel hat – einst – sowohl mit Robert N. Bloch als auch mit Mirko Schädel kooperiert (oder sie mit ihm, wie auch immer): Belege finden sich in im Arcana-Magazin und in den VÖ der Achilla-Presse. Wie es dann zur Kehrtwende kam, weiß ich natürlich nicht. Nur so viel:


    Ich bin damals auf Eric, nach Erscheinen der CL-Neo-Ausgabe "Haunted Houses", zugegangen und habe ihm meine Fassungslosigkeit geschildert angesichts des Artikels "Chancen und Scheitern", in dem Dangel Blochs Verdienste um die dt. Phantastik und speziell seine Bibliografie fulminant abwatscht. Mit bewundernswerter Akribie werden hier Blochs Fehler nachgerechnet (die bei so einem Werk natürlich sind und die durch das Nachtragsheft tw. korrigiert wurden) – was freilich immer eine dankbarere Aufgabe ist, als die Fehler selbst zu begehen. Lars Dangel ist jedoch selbst nicht davor gefeit, beinhaltet sein Text wiederum Fehler und wird also dem vermessenen Anspruch nicht gerecht.


    Das gilt denn auch für die Anthologie "Wahngebilde", die behauptet "13 verlorene, phantastische Schätze aus dem 19. Jahrhundert" zu präsentieren, die angeblich "nun erstmals wieder in Leserhände gelangen": eine bewusste oder unbewusste Falschbehauptung, da einige der Texte zum Zeitpunkt der VÖ längst im Netz digitalisiert vorlagen oder in anderen Publikationen der letzten Jahrzehnte greifbar waren (und es auf dem antiquarischen Buchmarkt noch sind – was von "Wahngebilde" nicht behauptet werden kann). Bei Interesse können wir dazu gerne einen eigenen Thread aufmachen.


    Was muss man nun lesen – in dem Dressler-Buch geht es mit dieser Verstiegenheit anscheinend munter in dem Geleise weiter … sehr bedauerlich.