Beiträge von Hospes

    Hoden
    Bemerkenswert, mit welcher Leidenschaft hier die eigene Überlegenheit zelebriert wird – der einsame Adler über den Wolken, der stolze Hengst im Sonnenuntergang, das flammende Schwert des MoonReaders. So viele Bilder, so viel Pathos – und alles nur, um zu sagen: Ich lese im Original. Chapeau, möchte man fast sagen. Aber vielleicht reicht für diesen gordischen Knoten ja auch ein einfaches Taschenmesser – und nebenbei: Wer so 'sorgfälltig' über sprachliche Überlegenheit schreibt, sollte den einsamen Adler erst landen lassen, bevor er abhebt. Der Horizont erweitert sich nämlich auch ganz wunderbar auf Bodenhöhe – zum Beispiel mit einem Rechtschreibwörterbuch. Denn ja – man muss eben wissen, wo man hingehört.

    Hoden
    Faszinierend, Hoden. Wirklich faszinierend.

    Dass du dir in deiner unendlichen intellektuellen Bescheidenheit die Zeit nimmst, fremde Vokabeln nachzuschlagen – und das in nur zwei Sekunden – ist eine Leistung, die ich schlicht nicht hoch genug einschätzen kann. Andere Menschen lesen einfach weiter, lassen sich vom Kontext leiten oder – Gott bewahre – genießen eine sorgfältig angefertigte Übersetzung. Aber nein, du erweiterst deinen englischen Wortschatz nebenbei. Nebenbei! Während du Ligotti liest. Man könnte fast sagen: Du leidest produktiv.

    Und natürlich: MoonReader. Das Heilmittel gegen alle literarischen Gebrechen. Warum sollte man sich jemals fragen, ob Übersetzer wie Siefener, Angerhuber und Sembten vielleicht jahrelang daran gearbeitet haben, Ligottis Prosa ins Deutsche zu übertragen – und das mit einer Sorgfalt, die man durchaus als künstlerische Leistung bezeichnen könnte –, wenn man stattdessen einfach zwei Sekunden seines kostbaren Lebens in ein Wörterbuch investieren kann? Pff, Übersetzer. Was für ein überflüssiger Beruf. Jahrhunderte der Übersetzungskunst, von Homer bis Proust – alles nur Bücher mit herausgerissenen Seiten. So präzise hat das vor dir noch niemand auf den Punkt gebracht.

    Aber ich schweife ab. Danke für den Einblick – ich glaube, ich lese jetzt weiter.

    Blackstarsrising und Williams und Elmar
    Vielen lieben Dank für die lobenden Worte, das bedeutet mir viel. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass das eigentliche Verdienst nicht bei mir liegt. Ich habe nur nachgebessert, was andere geschaffen haben.

    Elmar
    Die Bücher lasse ich in einer bekannten Online-Druckerei anfertigen. Ich habe zwar die Möglichkeit, nur ein Exemplar zu bestellen, allerdings kann ich keine farbigen Illustrationen drucken lassen, da diese in minderer Qualität erscheinen. In einer richtigen Buchdruckerei wäre das sicherlich kein Problem, und die Papierqualität wäre hochwertiger, doch leider ist das nicht bezahlbar.

    Die ersten Einbandbilder waren fade, leblos, ungenügend. Also nochmals ran, kein Pardon. Gimp und LibreOffice geöffnet, die Augen zusammengekniffen. Ausprobiert, verworfen, wieder und wieder. Ich kämpfte mich durch Ebenen, Farbwerte, Schatten, Lichtwerte, Schriftgrößen, Abstände, und verlor mich fast in den zahllosen Einstellungen. Nach zwei Monaten Pause fing ich wieder an, nur um festzustellen, dass die mühsam erlernten Schritte vergessen waren. Also improvisiert, geflucht, weitergemacht.

    Dann endlich: neue Einbandbilder, fertig. Als Grafiker würde ich verhungern - kein Auftraggeber käme je auf die Idee, mich zu beauftragen. Neun Monate für zwei Einbandbilder. Das nächste wird einfacher - der Titel steht bereits fest: "Unter fremden Sternen. Ausgewählte phantastische Erzählungen aus …". Und dann sind da noch Walter Graus Geschichten, die ein neues Zuhause suchen und, und, und …

    Originalillustrationen: James McBryde (Zwei seltsame Geistergeschichten) und Hanna-Linn Hava (Das Treffen der traurigen Menschen …); ich habe sie lediglich bearbeitet. McBryde war Illustrator und enger Freund von M.R. James.

    SWR
    17.05.2026, 18:20 Uhr

    Samjatins 1920 entstandener, dystopischer Roman »Wir« beschreibt die Gesellschaft des Einheitlichen Staates, der auf Mathematik aufgebaut ist und an dessen Spitze der »Wohltäter« steht.

    Privatheit und Gefühle sind auf ein Minimum reduziert, allen Menschen werden Nummern anstelle von Namen zugeordnet; persönliche Freiheit, Liebe und Phantasie glaubt man überwunden zu haben. Die »Gesetzestafel« regelt jede Einzelheit des Kollektivdaseins bis auf die Sekunde genau. Die Menschen leben in gläsernen Behausungen; selbst auf Spaziergängen werden sie überwacht: Membranen zeichnen Gespräche auf. Sogenannte »rosa Billets« legen Häufigkeit und Partner der Sexualkontakte fest.

    -> https://kurzlinks.de/lj3d

    Die andere Seite von Alfred Kubin
    Hofspielhaus München
    08.05.2026 um 20:00 Uhr

    Ein literarischer Abend mit seinen Zeichnungen und Musik. Mit Inge Rassaerts und Hubert Bail

    In seinem einzigen und lange Zeit vergessenen Roman „Die andere Seite“ beschreibt Alfred Kubin in beklemmender Präzision die Phantasmagorie eines Untergangs. Geschildert werden die Erlebnisse eines fiktiven Erzählers, Zeichner wie Kubin, der von einem früheren Schulfreund namens Patera eingeladen wird, ein von ihm geschaffenes Traumreich zu besuchen, das irgendwo im Inneren Asiens liegt. Der Erzähler verbringt drei grausame Jahre dort, bis das Traumreich zerstört ist. Als einer der wenigen Überlebenden kann er sich zurück in die Realität retten und erwacht in einer Heilanstalt.

    Veranstaltung: https://kurzlinks.de/kgh8

    Code der Imagination – von BEKSIŃSKI bis BIELAK
    Museum für Phantastische Kunst (Warschau)
    bis 28.06.2026

    Hat die polnische Vorstellungskraft ihren eigenen, einzigartigen Code? Die fünfte Jubiläumsausgabe der Ausstellung im Museum für Fantastische Kunst versucht, diese Frage zu beantworten. Dabei gehen wir diesmal noch einen Schritt weiter und präsentieren das umfassendste Panorama des polnischen Surrealismus der letzten Jahrzehnte. Die Visionen historischer Giganten setzen wir den präzisen Werken zeitgenössischer Meister des Genres entgegen.

    Im Zentrum der Ausstellung steht das Zusammentreffen dreier herausragender Künstler, die die polnische Ästhetik von Dunkelheit und Traumhaftem maßgeblich geprägt haben: Zdzisław Beksiński, Jerzy Duda-Gracz und Wiesław Wałkuski. Durch diese Gegenüberstellung wird die Entwicklung des polnischen Surrealismus nachvollziehbar – von metaphysischer Unruhe über Groteske bis hin zur meisterhaften Präzision der Form.

    Ausstellung: https://kurzlinks.de/eurm

    Williams
    So beginnen diese Geschichten immer - mit etwas scheinbar Banalem. Ein Morgen wie jeder andere, ein Fahrzeug, das niemand kommen sieht, und dann ein Knie, das nicht mehr mitspielt. Fast so, als hätte Marburg selbst versucht, dich aufzuhalten. Ich hoffe sehr, dass der Schmerz erträglich ist und alles, was jetzt schmerzt, bald wieder verheilt. Ich bin dieses Jahr selbst nicht dabei, aber dennoch wandern meine Gedanken durch Marburgs Gassen - durch ein Wochenende voller dunkler Geschichten. Zu den vertrauten Gesichtern, den ersten Gesprächen des Abends und dem leisen Summen von Vorfreude, das ein solches Wochenende begleitet, bevor es richtig beginnt. Ich wünsche dir viele wunderbare Momente und Gespräche, die noch lange nachklingen - genau das, wofür man solche Wochenenden überhaupt auf sich nimmt. :)

    E.T.A. Hoffmann in der Leselounge – 250 Jahre Fantasie
    Staatsbibliothek zu Berlin
    25.06. - Oktober 2026

    Zum 250. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann, der am 24. Januar 2026 begangen wurde, widmet die Leselounge dem Dichter, Komponisten und Zeichner eine besondere Präsentation. Eröffnet wird die Leselounge am 25. Juni 2026, Hoffmanns Todestag. Gezeigt wird aktuelle Literatur von und über E.T.A. Hoffmann sowie neue Zugänge zu seinen Werken und ihrer Wirkung. Wir laden herzlich ein, Hoffmanns vielschichtige Welt neu zu entdecken.

    Veranstaltung: https://kurzlinks.de/cz9x

    The Colour Out Of Space – Live
    Babylon (Berlin)
    23.04.2026 um 19:30

    Eine Farm im Nirgendwo. Eine Familie, die von harter Arbeit lebt. Als eines Nachts ein Meteorit einschlägt, dem eine noch nie gesehene Farbe entweicht, ergreift schleichend eine unheilvolle Veränderung das Land. Illustrator Andreas Hartung adaptiert H.P. Lovecrafts Erzählung „The Colour out of Space” als düstere Bildershow in fünf Kapiteln, die komplett ohne Worte auskommt. Die exklusiv für das Projekt gegründete Band „The Dunwich Orchestra“ spielt dazu live den atmosphärischen Soundtrack. „The Colour out of Space“ nimmt die Tradition des klassischen Stummfilm-Konzerts auf und verbindet handgezeichnete Illustration mit Postrock-artiger Livemusik zu einem atmosphärischen narrativen Gesamterlebnis.

    Veranstaltung: https://kurzlinks.de/rdlr

    P.S.: Ich wäre wirklich gerne dabei gewesen, aber leider habe ich ausgerechnet an dem Tag Nachtdienst – da lässt sich nichts machen. ;(;(;(;(;(;(;(

    ... a Folk Horror Film Festival
    Leith (Schottland)
    23. - 26.04.2026

    Als Gemeinschaftsprojekt der Filmveranstaltungs- und Ausstellungsagentur Cinetopia sowie des in Leith ansässigen Filmkollektivs Leith Kino verfolgen wir das Ziel, ein reichhaltiges, spannendes und vielfältiges Programm mit schottischen und internationalen Filmen aller Art zu bieten. Dabei spiegeln die Filme Themen wie Land, Folklore, Rituale, Geschichte und die Spannungen zwischen ländlicher und städtischer Lebensweise wider.
    Über unser Filmprogramm hinaus umfasst "Fiends in the Furrows" auch Workshops, Vorträge und Veranstaltungen, die Leiths lebendige lokale Künstler- und Kreativszene feiern.

    Veranstaltung: https://kurzlinks.de/rebe

    Katla Liebe Silke, ích habe gerade auf der Suspiria-Website https://kurzlinks.de/dzkl nachgesehen - ich hatte die drei Hefte vor einigen Monaten dort bestellt. Und tatsächlich: Die Vampire-Ausgabe ist dort noch für 12 GBP erhältlich. Sollte es wider Erwarten nicht klappen, gib mir gerne Bescheid, du kannst mein Exemplar haben, oder auch alle drei Hefte, falls du sie weitergeben möchtest. ;)
    P.S. Und noch etwas, das mich mit einer gewissen Unruhe beschäftigt: Woher stammen eigentlich diese kleinen Gespensterfiguren? Es ist mir bislang nicht gelungen, ihre Herkunft befriedigend zu klären, und ich gestehe, dass mich diese Ungewissheit auf eine Weise beunruhigt, die ich mir selbst kaum erklären kann. Gleichwohl – oder vielleicht gerade deshalb – würde ich eines dieser Wesen gerne bei mir aufnehmen.

    Renaud Regnery - The Weird and the Eerie
    Klemm's (Berlin)
    13.03. - 18.04.2025

    In seiner neuen Ausstellung untersucht Renaud Regnery die psychologischen und sozialen Bedingungen zeitgenössischer Bildproduktion. Konzeptioneller Kern ist die industriell gefertigte Massentapete: Regnery schichtet, verändert und übermalt vorgefertigte Muster in Kohlezeichnungen und fotorealistischen Wandbelägen, um ihre dekorative Funktion zu unterlaufen und affektive Sehgewohnheiten sowie latente gesellschaftliche Spannungen sichtbar zu machen.

    Die zwischen Figuration und Abstraktion changierenden Arbeiten tragen eine grundlegende Ambivalenz in sich – ihre Formen erscheinen als Fragmente von Wunden, Hautfalten oder Pusteln und verweisen auf eine unbenannte Bedrohung zwischen Angst und Dekadenz. Unter dem dem gleichnamigen Buch Mark Fishers entlehnten Titel legt die Ausstellung so das Unheimliche im Alltäglichen frei und zeigt, wie die Bildsprache des Spätkapitalismus tief mit menschlicher Psyche und Subjektivität verwoben ist.

    Ausstellung: https://kurzlinks.de/yw3p