Beiträge von Nils

    Michael Dirda recommends:


    https://www.washingtonpost.com…2-aac3f162215d_story.html

    Sofern man nicht lieber alles im Original liest.

    Ich lese sehr viel im Original. Habe gerade mal geschaut, was dort alles veröffentlicht wurde: Aickman, Lee, Ligotti und Walpole habe ich im Original, den Lernet-Holenia habe ich in einer anderen Ausgabe, wenn mich nicht alles täuscht. Aber gut, die übrigen Titel sind natürlich mehr als einen Blick wert.

    col.race Vielen Dank für die Aufklärung. Ich habe tatsächlich aus keiner der Reihen einen Band, glaube ich.


    So detailliert fällt sie nicht aus. Ich habe einfach weniger Anknüpfungspunkte und Anregungen als in "The Hospice" gefunden.

    Das ist verständlich, es gibt auch aus meiner Sicht hier viel weniger Spielraum. Es fällt mir tatsächlich schwer, die Story griffig in Schutz zu nehmen. Deine Kritik ist berechtigt und auch Joshi kann ich nachvollziehen. Ich kann nicht genau sagen, warum für mich hier alles stimmt. Es gab zwei oder drei Momente, die mir die Unklarheit und Vagheit ausreichend zu durchbrechen schienen. Potzblitz - ich kriege es einfach aus dem Gedächtnis nicht mehr zu greifen.

    Arkham Insider Axel Gute Idee, den Joshi-Text zu Rate zu ziehen.


    Joshis Bemängelung der Aickman'schen Theorie ist nachvollziehbar, ich halte sie auch für etwas arg stilisiert und würde meinen, Aickman bricht doch selbst damit in einigen Stories. Man müsste sich das genau anschauen, aber mir fallen auf die Schnelle eine Handvoll Geschichten ein, in denen er recht fest auf dem Boden der Realität bleibt, bis das Übernatürliche (oder was auch immer) dort einbricht. Die gute, alte, von Lovecraft zur Perfektion getriebene Herangehensweise also. Dass Joshi die präferiert, verwundert nicht. Ich würde mich auch eher diesem Lager zuschlagen, bin aber gerne zu Ausflügen in unbekannte Gefilde bereit, wobei die Bereitschaft, Aickman zu kritisieren, wenn er es verpatzt, eine Selbstverständlichkeit sein muss.


    Sehr richtig stellt Joshi fest, dass Aickman – wenn es schlecht läuft – die Unzufriedenheit der Leserschaft schürt (so ging es mir gerade selbst mit dem erwähnten "Mr. Millar"): Rätselhafte Begebenheiten zu sehr in der Schwebe zu halten und bewusst Erklärungen verweigern – das allein ist noch keine Kunst!

    Richtig herausgearbeitet. Hier liegt wirklich der Knackpunkt bei Aickman. Wenn er es zu arg übertreibt, wird es anstrengend und belanglos. Wann genau dieser Punkt eintritt, ist gewiss eine literaturkritische Aushandlungssache, mithin exzellenter Grund für Debatten. Ich bin sehr auf deine Detailkritik zum von mir hochgehaltenen "Mr. Millar" gespannt!


    Weiterhin gerät der Autor in Joshis Ziellinie, wenn jener eine Lanze bricht für Zivilisationskritik und Irrationalismus.

    Auch das ist folgerichtig. Aickmans Bekenntnis zum Glauben ans Paranormale (er war ja u. a. Mitglied in dieser Research Society, für die auch Blackwood und Conan Doyle einst aktiv waren und die bis heute fortbesteht) muss bei Joshi zu Recht Widerwillen erregen. Ich würde aber sagen, dass dies ins literarische Werk Aickmans keinen störenden Eingang gefunden hat. Wenn es ihn zu seinen Stories motiviert hat, umso besser! Bisher las ich aber keine Geschichte, die uns zum Geisterglauben hätte bekehren wollen oder so. Mit der raunenden Zivilisationskritik des konservativen Aickman ist es freilich eine andere Sache, die ist ohne Zweifel öfters zu spüren und kann sogar ganze Geschichten verderben.


    Ich muss den Joshi-Aufsatz nochmals lesen, vielleicht ließe sich noch mehr an Gesprächsanlässen dort heraus filtern. Auch in seinem späteren Monumentalwerk Unutterable Horror - A History of Supernatural Fiction geht Joshi recht viel auf Aickman ein, wobei spontan nicht zu sagen ist, ob sein älterer Text hier potentiell einfach redigiert übernommen wurde.


    den Nachworten Schecks,

    Wer ist das genau? Etwa Denis Scheck? In meiner Ausgabe steht kein Name, lediglich "Nachwort des Herausgebers".

    ist also nicht 'sperrig'

    Freut mich, dass du es so empfindest. Nein, strukturell ist Aickman nicht sperrig - meine Aussage von neulich bezog sich eher auf das, was du hier weiter unten anmerkst:


    der Überhang des Gewöhnlichen

    Das ist zwar bei Aickman oft gängiges Vehikel, aber eben bei weitem nicht immer. Meine Befürchtung war, dass solche Stories in der von dir gekauften Sammlung nun zu reichlich vorhanden wären und die Sache sich mithin als zu "sperrig" präsentiert, also als zu wenig zugänglich in Bezug auf die Erwartung. Du schreibst ja selbst, dass du überrascht warst, wenngleich im positiven Sinne. Auch, wenn Aickman nur sehr selten erkennbare Geistergeschichten fabriziert, so gibt es doch Geschichten, die ihren Reiz zusätzlich aus einem etwas surreal-exotischen Setting beziehen oder greifbar mit klassischem Inventar zumindest spielen (z. B. im Übertrag auf moderne Gerätschaften). Aber es freut mich natürlich, dass meine Bedenken ohne Grundlage blieben und du Aickman genießen konntest.


    ab & zu in Rezensionen online der Name Ligotti fiel,

    Echt? Wo denn das? Ich bin kein Ligotti-Kenner, würde aber doch Zweifel hegen, ob die beiden vergleichbar sind. Intuitiv würde ich sie keinesfalls gemeinsam in eine Sub-Schublade der Weird Fiction packen aus unterschiedlichen Gründen.

    Ich habe aber Nils' Vorstellung zum Anlass einer erneuten Aickman-Lektüre genommen.

    Sehr erfreulich!



    Und es würde mich freuen, wenn darüber ein erweiterter Gedankenaustausch zustände käme.


    Los geht es mit: The Hospice/Das Hospiz

    Danke für deine Eindrücke zur Story! Ich würde mich auch freuen und werde beizeiten mein Bestes geben, um deine Analyse und Gedanken aufzugreifen. Allerdings ist die Lektüre bei mir schon eine ganze Weile her und meine Notizen gehen bei Weitem nicht so in die Tiefe, wie deine. Ich müsste die Geschichte glatt nochmals lesen, um die Debatte vernünftig fortführen zu können. Und es gemahnt einmal mehr daran, sich verdammt noch eins ausführlichere Gedanken aufzuschreiben und jede Beobachtung festzuhalten.


    Katla Wow, da warst du ja richtig schnell. Vielen Dank auch für deine spannenden Gedanken. Ich werde darauf noch antworten.

    Danke für die kleine Vorstellung. Noch nie von der Sache gehört bislang! Die Idee des Herausgebers/Übersetzers ist sicherlich löblich, aber deine Kritik ist gewiss berechtigt. Eine seltsame Story-Auswahl, flache Übersetzungen und BoD-Style sind nicht das, was einen bei der Stange hält. Zumal sowohl Das rote Zimmer als auch Englands Das Ding keine Glanzlichter sind, dazu recht oft anthologisiert. Interessanter wäre es, wenn uns ein Pulp-Kenner Obskureres präsentieren würde.