Beiträge von Nils

    Mich würde interessieren, ob wir jemanden im Forum haben, der/die Kubins Roman vielleicht nichts abgewinnen kann oder zumindest Kritik an ihm hat.


    Besten Dank dieweil für die Tipps. Ich habe mir eine gebundene Ausgabe von Aus meiner Werkstatt besorgt. Umso schöner: Dieser lag ein alter Verlagsprospekt bei.




    Besten Dank für die gelungene Vorstellung dieses mir bislang unbekannten Werks. Klingt nach einem schönen Stück dekadent-phantastisch verbrämter bürgerlicher Innerlichkeit in Zeiten von Krieg und Krise.


    Da das stets zu konsultierende Lexikon der phantastischen Literatur den F. Huch nicht listet, ging ich von einer Obskurität aus, aber halt - hier ist ja ein Gerstäcker-Enkel und Ricarda-Huch-Cousin am Werke. Befreundet war er zudem mit Ludwig Klages, dessen hannöverscher Geburtsort mir wohlbekannt ist. Ist da jemand in der Versenkung der Literaturgeschichte verschwunden, oder bin ich einfach der einzige, der F. Huch nicht kannte?

    und du bist nicht eingeloggt?

    Ich habe da gar kein Konto. Ich habe jetzt aber nochmal geguckt und stelle fest, dass bei Staffel 2 und 3 die Einlogg-Sperre kommt. Staffel 1 geht aber ohne. Seltsam!

    Allerdings nicht für junge und empfindsame Zusehende geeignet, daher ohne Login erst ab 22:00.

    Also, ich kann die Folgen auch so einfach beginnen. Da wird dann lediglich ein Hinweis auf drastische Szenen eingeblendet, den man aber einfach wegklicken kann.


    ein guter Anlass die Serie nochmal komplett zu schauen.

    Habe ich vor zwei Jahren oder so auch gemacht. Ein ziemlicher Ritt, aber es lohnt sich.

    Christopher Ecker


    Die leuchtende Reuse


    Mit einem Nachwort von Kai U. Jürgens


    Mitteldeutscher Verlag, 2025



    Zitat von Mitteldeutscher Verlag

    Josef Gripke, ein ebenso betulicher wie neugieriger Gymnasiallehrer im Vorruhestand, ist in eine Verschwörung geraten, die sich um Bücher, Weltkriegssoldaten und Zauberkunststücke mit Seilen dreht. Alles beginnt mit einem fixierten Patienten, der spurlos aus dem Krankenhaus verschwindet. Gripke recherchiert und stößt auf eine Luftlandeeinheit, die 1942 in der afrikanischen Wüste verschollen ist – nun scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen.


    Was wie ein phantastischer Kriminalroman beginnt, erweist sich bald als fintenreiches Stück Literatur, welches das Konstrukt, das Josef Gripke für sein Leben hält, Stück für Stück demontiert. Christopher Eckers temporeichster und spannendster Roman!


    Besprochen wurde der Roman in der FAZ.


    Zitat von FAZ
    [...]

    Eckers Literatur grenzt an Phantastik und Science-Fiction – sein Romandebüt, das 1997 erschien und jetzt in überarbeiteter Form vorliegt, liest sich aber zunächst wie ein ordentlicher Hardboiled-Krimi mit typischen Elementen des Genres. Der Kommissar tritt uns plastisch und unverrätselt vor Augen, die ganze Wache kennt ihn ob seines Übergewichts als „Michelin-Männchen“, was ihn aber nicht stört, denn: „Ab vierzig war es egal, wie ein Mann aussah.“ Für einen Krimi wird es dann aber bald sehr poetisch: „Vielleicht schlug sogar manch einer zu Hause die schwierigen Wörter im Lexikon nach, in die sich der Dienstgruppenleiter hüllte wie ein barocker Monarch in seinen Hermelinmantel.“


    Doch kaum hat man sich auf diese Ebene des Erzählens eingelassen, betritt Ecker schon eine neue: Denn nun wird es wahnhaft-abgründig und geht ins Herz der Finsternis. In Kürze: Ein Patient ist aus der Klinik entflohen, obwohl er dort sogar fixiert war. Dem verschwundenen Herrn Rescher, einem „ausgezehrten Rentner, Alkoholiker auf Entzug“, ist bald auch ein „Privatschnüffler“ auf der Spur, ein Lehrer im Vorruhestand namens Gripke. Der ist schlauer, als die Polizei erlaubt, und findet heraus, dass Rescher in Generalfeldmarschall Rommels Afrikakorps gedient hat. Angeblich gehörte er zu einem Bataillon, das unter mysteriösen Umständen 1942 verschwand. Das erfordert Recherchen unter Historikern, Zeitzeugen und Nachfahren, die teils parodistische Züge haben. Und nicht selten kommt auch der Gedanke, das Abenteuer sei nur ein Wahn Gripkes und seines mitermittelnden Freundes Van Aaken, dessen Name an den Geburtsnamen von Hieronymus Bosch erinnert


    Interessanterweise lassen die in diesem Roman angelegten Rätsel aus heutiger Sicht öfter an Effekte der „halluzinierenden“ KI denken, denn Ecker rührt für sie lauter Namen und Titel munter zusammen, etwa aus Werken der Phantastiker Arthur Machen und H. P. Lovecraft, wobei er Details verändert oder Figuren der Fiktion zu realen erklärt. Ein bisschen mehr Subtilität hätte ihm dabei manchmal gutgetan, da er die Anspielungs-Spießchen, auch solche um das Vorbild Edgar Allan Poe, oft mit dem Holzhammer einschlägt.


    [...]


    Quelle: Jan Wiele - Fernschach mit falschen Fischen (FAZ)

    Ich habe jetzt den einleitenden Aufsatz durchgelesen, und ich muss sagen: ein schöner “Rundumschlag” zu den Themen “Lovecraft und die Deutschen” und “Die Deutschen und Lovecraft”.

    Freut mich, dass dir der Text insgesamt zusagt.


    Besten Dank auch für deine sehr interessanten Einwände und Ergänzungen. Ich versuche mich mal an Antworten.


    Zunächst allgemein, da du diverse Aspekte im Band vermisst und fragtest...


    Hattet Ihr schon vorher etwas in eine solche Richtung gemacht, oder stellt der Band das erste derartige Unterfangen dar?

    ... vielleicht kurz eine Erklärung zur Entstehung. Ja, es ist der erste Band dieser Art, den wir aus der dLG heraus gemacht haben. Dabei gab es einen Call for Papers (das war 2021, meine ich) und daraufhin konnten sich dann interessierte Leute mit potenziellen Beiträgen bei uns melden. So erklärt sich auch, warum Manches ggf. nicht abgedeckt werden konnte, denn erstens hat man ja nicht unbegrenzten Platz in so einem Band und zweitens muss man ja auch Leute haben, die Interesse an Themen haben und sich diesen dann auch sach- und fachgerecht widmen.

    Besonders gefreut hatte ich mich zunächst, als ich dort auf den Namen Georg Klein stieß, den ich für einen der interessantesten deutschsprachigen Phantastik-Autoren halte (auch wenn er eher selten in diesem Kontext rezipiert wird), war dann aber etwas enttäuscht, dass die Volltextsuche keine weiteren Nennungen seines Namens hervorbrachte… Hat Klein selbst denn irgendwo auf Lovecraft Bezug genommen?

    Ich bin selbst kein Kenner von Georg Klein und kann Fragen inhaltlicher Art daher nicht beantworten. Aber wenn du sagst, er sei interessant, werde ich mich gern mal näher befassen. Hast du einen Einstiegstipp?


    Dass Lovecraft für Klein eine Rolle spielt (was sich ja nicht in einer Namensnennung niederschlagen muss), habe ich persönlich zum ersten Mal bei Eva Geulen gelesen.


    Ein anderer Name, den ich im Kontext des Themas schmerzlich vermisst habe, ist derjenige von H.C. Artmann, den man in meinen Augen als den Anfang jeglicher deutschsprachigen Lovecraft-Rezeption betrachten muss. In dem (ansonsten überaus gelungenen) “Lovecrafter”-Beitrag zur Rezeptionsgeschichte Lovecrafts in Deutschland (in Nr. 3, glaube ich) wird es so dargestellt, als wäre die Erstausgabe von “Cthulhu. Geistergeschichten von H.P. Lovecraft” im Insel Verlag 1968 auf das Engagement von Kalju Kirde zurückgegangen, was ich aber für sehr fraglich halte. Kirde mag Lovecraft schon vor Artmann “für sich entdeckt” haben (seinen eigenen Berichten nach schon als Kind, in Form von “Weird Tales”-Heften, die ihren Weg in’s Baltikum gefunden hatten), aber der Anstoß zu dem Insel-Band ging dennoch von Artmann aus, wie Kirde selbst 1993 in seinem Artikel “Lovecraft in Deutschland” betont:

    Ein sehr interessanter Einwurf! Die exakten Umstände bei Insel wären natürlich sehr spannend, sofern rekonstruierbar. Ich würde den Kirde-Artikel allerdings tatsächlich nicht notwendigerweise so interepretieren, wie du. Man kann es so lesen, als habe Artmann den Band angestoßen, aber eigentlich steht dort, dass Artmann jahrelang für Lovecraft bei Suhrkamp/Insel gekämpft habe und dies sei dann durch die gute Aufnahme des CTHULHU-Bandes bei Publikum und Kritik von Erfolg gekrönt gewesen. Dass Kirde den Band wegen Artmann machen konnte, steht da aber genau genommen nicht. Es steht dort aber auch nicht, dass Kirde den Band im Verlag durchgesetzt hat, insofern bleibt eine kleine, aber aus meiner Sicht für diese Frage doch bedeutende Lücke. Etwas pedantisch von mir, zugegeben.


    Andererseits scheint es auch nicht gerade verbreitetes Wissen zu sein, dass Artmann den Anstoß gegegen haben soll. Unser Arkham Insider Axel schreibt hierzu in seinem Überblick zu Lovecraft in der deutschen Verlagslandschaft jedenfalls nichts und in dem Interview mit mehreren Verlegern, welches ich für den Lovecraft Nr. 3 führte (der Beitrag von 2018, den du ansprichst), kam dies auch nicht zur Sprache. Aber es ist ein interessanter Punkt, dessen Klärung ich auf jeden Fall äußerst reizvoll fände.


    Weiterhin dürfte Artmann mit seiner Story “Im Golf von Carpentaria” auch das erste deutschsprachige Lovecraft-Pastiche verfasst haben

    Jawohl, ein sehr guter Tipp. Sehr schön ist auch folgendes Kurzstück von Artmann mit Top-Besetzung:




    (Ach ja, und falls Ihr einen Nachfolgeband plant, dann wäre H.C. Artmann auf jeden Fall ein nahe liegendes Thema, an dessen Aufarbeitung ich mich gerne beteiligen würde!)

    Sollte solch eine Unternehmung nochmals gestartet werden, so werde ich hier definitiv darüber informieren. Ein Text über Artmann wäre mir persönlich sehr willkommen.


    Zu guter Letzt auch noch eine Ergänzung zur akademischen Lovecraft-Rezeption in Deutschland:

    Ui, das ist auch ein astreiner Hinweis. Diese Diss war mir tatsächlich unbekannt. Ich erlese aber mal positiv anhand deiner fachlichen Prüfung, dass uns erfreulich wenig durch die Lappen gegangen ist.


    Dafür finden sich aber mit den Aufsätzen zum “Vogelgott” und zu “Imperium” zwei andere zeitgenössische deutschsprachige Romane wieder, die schon lange auf meinem “to read”-Stapel liegen, und die ich mir aus diesem Anlass jetzt vielleicht endlich mal vornehme!)

    Sehr gut! Den Vogelgott fand ich ziemlich beeindruckend.

    Alfred Kubin (1877 - 1959) gehört Fest ins Phanteon der phantastischen Kunst, vorrangig als Maler, Zeichner, Illustrator, aber durch seinen einzigen Roman Die andere Seite von 1908/1909 auch als Schriftsteller. Ich habe mir Kubins Kunst schon vielfach angeschaut, habe Bildbände durchgeblättert und in Ausstellungen auch schon Originale bewundern dürfen. Ich habe mich aber mit dem Künstler selbst bisher nie intensiv beschäftigt und - was mich vor allem wurmte - es nie geschafft, einmal seinen Roman zu lesen, der seinen Platz als Klassiker sicher hat und um den man vielleicht gerade auch deswegen ein ums andere Mal einen Bogen gemacht hat, um sich zunächst abseitigeren Werken zu widmen. Am Silvesterabend reifte nun endlich der Entschluss, diese Lücke zu schließen.




    In Die andere Seite folgen wir einem namenlosen Münchener Künstler (offenbar Kubins alter ego), der eines Tages seltsamen Besuch erhält. In die Wohnstube des nervösen Zeichners tritt ein würdiger Herr, der sich als Abgesandter des Traumreiches vorstellt, einem künstlich geschaffenen Staate, zwischen Russland und China gelegen, als dessen Bürger der Künstler und dessen Gattin gern aufgenommen werden sollen, sofern sie dies wünschen. Es solle ihnen dort an nichts mangeln, die Reise werde bezahlt und für das Auskommen für Ort könne man auch sorgen. Grund der Einladung: Das Traumreich wurde gegründet von Claus Patera, einem alten Schulkameraden des Künstlers. Dieser sei im fernen Osten zu unermesslichem Reichtum gekommen und habe es so vermocht, den Aufbau eines eigenen Staates zu finanzieren, abgeschottet vom Rest der Welt - ein manifestes Traumreich eben. Der Künstler glaubt zunächst nicht recht an das Geschilderte, aber nachdem sich die Hinweise auf wahrhaftige Schilderung des Traumbeamten verdichten, entscheidet das Ehepaar sich, die mehrwöchige Reise anzutreten, um das jenseits von Samarkand gelegene Traumreich zu betreten. Eine folgenreiche Entscheidung.


    Kubins wilder Ritt durch eine lange Traumnacht hat mich zugegebenermaßen völlig überrollt. Fängt der Roman zunächst eher bedächtig an, entwickelt er im Laufe des ersten Abschnitts eine immer stärker werdende Spannung, eingewoben in allegorische Metaphysik, um schließlich in eine Untergangsvision von albtraumhafter Intensität umzuschlagen, die mit einer sprachlichen Direktheit beschrieben wird, die auch heute noch schockieren kann. Kubins Stil ist dabei eine formal leicht zugängliche Prosa, die sich aber in den inhaltlichen Dimensionen immer wieder expressionistischer Sprache annähert, um das intensive emotionale Erleben des Protagonisten nachvollziehbar zu machen, dessen Wahrnehmung traumgleich sich während des Aufenthalts in Pateras Reich kontinuierlich verändert, um mit der Dingwelt und gedanklichen Assoziationen zu verschmelzen. Es gelingt Kubin scheinbar mit Leichtigkeit, das diffundierende Moment des Träumens zum grundlegenden Modus seiner Darstellung zu machen. Da werden dann Gebäude zum Leben erweckt, surreale Veränderungen von Relationen finden statt, Symbolträger galoppieren durch ein auseinanderbrechendes Zeit-und-Raum-Gefüge, und immer wieder gibt es Auflösungen, Umschläge, Wandlungen der verrücktesten Art... wirklich griffig beschreiben lässt sich das, was Kubin in einer Art durchgedrehtem Bosch-Gemälde da vor dem Leser ausbreitet, fast gar nicht. Märchenhaftes und Biblisches geht mit fernöstlicher Philosophie und romantischer Weltwahrnehmung einher, Gewalt und Ekel entfesseln das ganz große Grauen, und wie nebenbei werden soziopolitische und ökonomische Diskurse ebenso reflektiert wie andere negative Zeittendenzen aus Kubins Lebenswirklichkeit des Fin de Siècle, der verrottenden Monarchie in Deutschland und Österreich-Ungarn.


    Kubin hatte sich zur Zeit der Niederschrift nach einer Lehre in Klagenfurt am Wörthersee, einer Zeit in München und Aufenthalten u. a. in Paris und auf dem Balkan relativ frisch im österreichischen Wernstein am Inn niedergelassen, wo er unweit der Grenze zu Passau auf Schloss Zwickledt lebte. Wie ich aus dem Nachwort meiner DDR-Ausgabe (von Ruth Greuner) erfahren habe, war der Künstler damals wohl an einem stilistischen Endpunkt angekommen, einerseits voller Arbeitsdruck, andererseits nicht fähig, einem demgemäßen Stil zu entwickeln, der ihn im Ausdruck befriedigt hätte. So wechselte Kubin temporär zur Literatur, um hierdurch den Fokus auf seine Malerei neuerlich scharf zu stellen und sich anders auszurichten, was ihm denn wohl auch gelang. Den Roman, selbst ausgiebig illustriert, wollte Kubin dann zunächst gar nicht veröffentlichen, aber Freunde rieten ihm sehr dazu, das Manuskript in Druck zu geben. Seither müsse es heißen, so Greuner, "Kubin und die Folgen", solch starken Einfluss habe der Roman und Kubins damit in Verbindung stehender Stil nach 1909 auf Literatur, Film und Kunst gehabt. Neben handfesten Belegen (Franz Kafka und Ernst Jünger) lässt sich dies durchaus auch implizit ermessen, denn Kubins Roman wurde von der Kritik durchaus günstig aufgenommen und war weithin bekannt, und wer sich mit der Literatur des Expressionsmus und des Surrealismus ein wenig beschäftigt, der wird erkennen, dass Kubin hier gewisslich ein ums andere Mal von Einfluss gewesen sein dürfte. Aus meiner Sicht zu Recht, ist Die andere Seite doch ein Lektüreerlebnis von maximaler Intensität, beeindruckend in der Imaginationskraft, aufrüttelnd und oft aber ganz schlicht auch unterhaltsam und absurd komisch, gleichsam intellektuell gehaltvoll wie glänzend geschrieben. Vielleicht ist es schade, dass Kubin nicht mehr geschrieben hat - vielleicht aber auch gerade nicht.

    Besten Dank für die Rezi! Eine... interessante Mischung, die Mr. ??? hier vorlegt. Wird die Auswahl im Vorwort irgendwie begründet? Von wann ist die Anthologie eigentlich?


    In Die Bronzetür ist eine Geschichte von Sheila Hodgson enthalten:

    Was soll uns das sagen? Steht Sheila Hodgson mit dem hier vorgestellten Buch in Verbindung?