Beiträge von Nils

    ich will vorausschicken, dass ich das berühmte „Oh Whistle, and I‘ll Come to You, My Lad“ über ein Dutzend Mal gelesen habe – als Kind hatte ich schlaflose Nächte davon und wer es hinbekommt, einem quasi-Bettalaken einen derart grauenhaften Schrecken einzuhauchen, ist sicher ein Meister des Grusels.

    Auch eine meiner Lieblingsgeschichten. Die ist einfach extrem gruselig. Gibt eine sehenswerte Kurzfilmadaption mit John Hurt, die im Jahr 2010 oder so spielt und den Ursprung des Spuks gekonnt variiert.



    fand, dass die allermeisten Geschichten ein schönes set-up haben, sich dann aber die Exposition über die Länge zieht, bei der ich schon den Hauptteil einer Erzählung erwarte: Die Geschichten fingen irgendwo an und hörten irgendwo auf, ohne nennenswerten Spannungsbogen und vor allem ohne Schluss (selbst unter dem Aspekt eines geplant offenen Endes).

    Hm, ich versuche gerade, mich anhand deines Eindrucks einigen Geschichten zu nähern. Ich habe eigentlich erst vor eineinhalb Jahren viele Stories von James gelesen (zweibändige, von Joshi kommentierte Ausgabe), aber ich kann dazu gerade irgendwie gar nichts sagen. Ich muss da bei der nächsten Lektüre unbedingt drauf achten.

    Die Geschichte, die mir den Rest gegeben hat, drehte sich um einen hohen, verschlossenen Zaun, hinter dem ein verlassenes Anwesen (oder ein Friedhof) lag. Der Erzähler fühlt sich gezwungen, immer wieder dort hinzugehen, und dann begegnet er einer Frau (oder sieht ein Schemen), die auf der anderen Seite des Zaunes eingeschlossen scheint.

    Ich glaube, die habe ich nicht gelesen. Jedenfalls klingelt bei der Beschreibung nichts.

    aber er schrieb wohl auch Geistergeschichten als eine moralische Fingerzeig-Warnung, der die Leser unter der Drohung, sonst ähnliches erleben zu können, auf dem ‚rechten Weg‘ halten sollte.

    Okay, das würde auf jeden Fall zu seinem background passen. Möglicherweise ließ er sich von der teils paternalistischen Moral der Schauerromantik dazu inspirieren? Als Christ sind einem natürlich von Haus aus Geister nicht völlig fern.


    Seine private Haltung hat allerdings rein gar nichts mit meiner Meinung zu seinen Geschichten zu tun

    Davon bin ich ausgegangen, ich verfahre ebenso.



    Ich meine auch gelesen zu haben, dass seine Schwester auch Erzählungen (eventuell sogar Ghost Stories) schrieb, und er sie mit aller Macht davon abhalten wollte, weil das keine Beschäftigung für Damen sei. Stöhn.

    Jupp. Seine Schwester hieß... M. R. James! :D


    http://greydogtales.com/blog/the-other-m-r-james/

    selbst wenn mir immer wieder auffällt, dass ich nur wenige Geschichten von James wirklich mag

    Kannst du begründen, warum das bei dir so ist?



    Und die Stücke zur Biographie sind fast noch das Spannendste, James muss ein Reaktionär sondergleichen gewesen sein, da interessiert mich, wie sich die Verbindung zum Horror entwickelte.

    Auf die bin ich auch gespannt. Wenn du kurzfristig interessiert bist, gibt es bei youtube auch mindestens eine - eher zwei - gute Dokumentationen zu James. Durch eine davon führt sogar Mark Gatiss, glaube ich.


    Ich selbst habe ein paar biographische Texte gelesen. Ich denke, mit der Benennung als Reaktionär liegst du nicht falsch. Auf jeden Fall ist James mir als extrem christlich-konservativ in Erinnerung geblieben, Details müsste ich nachschlagen. Warum er sich ausgerechnet für Geistergeschichten begeistern konnte, ist die Frage. Fraglich sogar, ob er es wirklich allgemein tat. Ich meine mich zu erinnern, dass er sie lediglich aufschrieb, um sie seinen akademischen Freunden vorzulesen. Ob er selbst darüber hinaus ein Kenner der Gattung war, weiß ich gar nicht mehr genau. Ich memoriere dunkel einen Kommentar zu Sheridan Le Fanu.

    Alles klar, dann war das ein kleines Missverständnis. Ich teile seine Weltsicht in dieser Radikalität auch nicht, fand viele Ansätze aber durchaus spannend. Das Buch wurde ja im Zuge der ersten "True Detective"-Staffel sehr gehyped, was es vielleicht wirklich nicht verdient in diesem Maße. Aber interessant, dass du auf die Parallelen zur Storysammlung verweist, die ich bisher nicht kenne. Das macht mir eigentlich Lust, sie mir anzuschaffen.

    stellenweise überraschend flach (Ähnlich wie schon bei seinem Sachbuch "Conspiracy Against The Human Race", welches diesbezüglich sogar noch extremer ausfällt und eine einzige Abrechnung mit der Menschheit darstellt).

    Dieses Werk von Ligotti "flach" zu nennen, fordert natürlich die Frage heraus, wie du zu der Einschätzung kamst. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren gelesen, als ich mich mit diversen philosophischen Strömungen befasste, auf die Ligotti sich bezieht, und ich fand seine Schlussfolgerungen durchaus fundiert und pointiert dargestellt.

    Man könnte die Übersetzung eines solchen Werkes auch nutzen, um dem deutschen Publikum mittels eines einführenden Essays die Begrifflichkeit der "Weird Fiction" - und wie sie in die Welt kam - beizubiegen und somit auch auf bestehende Definitionsproblematiken hinweisen. Sowas kurbelt natürlich nur Diskurse an, wenn auch ein entsprechender Verlag dahinter steht.

    Danke für den Hinweis! Kommt auf meine Liste. Ich wollte den Film ursprünglich im Kino schauen, aber er wurde bei mir irgendwie nur 1x gezeigt...

    Ich bin auf ein Gespräch über Klein gestoßen, in dem sich mehrere bekannte Leute zu ihm äußern (S. T. Joshi, Peter Cannon, Jason Eckardt, Robert M. Price...)

    Es handelt sich um eine schwedische Aufnahme, ab ca. Minute 10 geht es mit englischen Beiträgen los.