Beiträge von the_seus

    Wenn man bedenkt, dass die Weird Fiction sich aber genau über die Hybridität, oder besser noch: Das Multiforme, per se definiert und genau darüber auch immer weiter wächst, dann denke ich, dass das so, also in aktueller Ausformung und Bewegung (nicht im konservativen Stillstand) vielleicht einfach nicht Deine Literaturform sein könnte. Deswegen etwas gleich Trash oder "als nicht einmal zur abgerehten Parodie taugend" zu nennen finde ich dann aber auch überspitzt. Das sind natürlich nur meine persönlichen Gedanken dazu.

    Gut, die angesprochene Erzählung "Don't Make Me Assume My Utimate Form" ist wirklich sehr speziell und nicht zwingend exemplarisch für die moderne Weird Fiction. Ich kann es nachvollziehen, wenn man damit null anfangen kann.

    Ich würde auch nicht so weit gehen und sagen, dass man gerade Laird Barron mögen muss, um die Weird Fiction schätzen zu können. Dafür ist das Genre zum Glück viel zu breit und bietet allerlei geschmackliche Anknüpfungspunkte.


    @Topic

    "Vasterien" hatte ich bisher nicht am Schirm, aber der Thread weckt schon die Neugier. Wie sind denn die theoretischen Beiträge? Gut lesbar oder im anstrengenden betont-akademischen Ton?

    Was mich etwas sektptisch macht: Ich habe Lovecraft und Texte in seinem Mythos immer dann als lesenswert wahrgenommen, wenn das kosmische Grauen nicht fassbar war. Dieses Buch – wie auch andere vor ihm – verspricht jetzt aber Monsterhorror und ich befürchte, dass unter den Geschichten eher Kaiju-Geschichten stecken, deren Monster eher zfällig Lovecrafts Namen tragen.




    Dieses hit-and-miss gehört bei den unzähligen Sammlungen mit Hommagen und Pastichen aus dem Lovecraft-Freundes- und Verehrerkreis irgendwie seit jeher dazu. Die einen verstehen es meisterhaft, Lovecrafts kosmisches Grauen in einem modernen Ambiente zu evozieren, bei anderen beschränkt sich der Beitrag auf eine Aneinanderreihung von Buzzwords und vertrauten Szenerien. Ich fürchte, das wird bei dieser nicht anders sein, lasse mich aber gerne positiv überraschen.

    Die Geschichten von Gaiman und Wagner sind bereits (zuminest) in anderen Festa-Anthologien erschienen. Und Ligottis Die Sekte des Idioten kennt man aus der gleichnamigen Erzählsammlung von DuMont. Möglich, dass auch noch andere Beiträge schon auf Deutsch vorliegen, aber die sind mir gleich aufgefallen.

    Die Vorliebe sei dir natürlich gegönnt; bis auf die Tatsache, dass die beiden Brieffreunde waren, sind sie doch von ihrer Art zu verschieden gewesen, um miteinander verglichen werden zu können.

    Vergleichen kann man sie schon insofern, als sie beide einen Hang zu gespreizter, altertümlicher Ausdrucksweise hatten und lieber ein Adjektiv zu viel, als zu wenig verwendeten.

    Der Judas-Schrein hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Keine Frage, spannend erzählen kann er, der Gruber. Sonst hätte er sich auch nicht zu einem erfolgreichen Krimiautor gemausert. So überzeugt der Roman auch dort am meisten, wo er auf den Kriminalfall und dessen phantastische Verwicklungen fokussiert ist. Auch wenn manche Ermittlungsschritte und Zusammenhänge selbst mir als kriminalistischen Laien etwas an den Haaren herbeigezogen vorkommen.


    Was mich aber wirklich enorm gestört hat, ist das ausgelutschte Setting: Verlorener Sohn kehrt in die verhasste Provinz zurück und muss sich dort mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Ich kann es einfach nicht mehr lesen/sehen! Viel zu oft wurde das in Literatur, Film und Fernsehen verarbeitet. Umso mehr stört es bei einer solch holzschnittartigen und klischeebeladenen Figurenzeichnung. Vom Dorfkaiser über den einfältigen Dorfpolizisten bis zum sensiblen jugendlichen Außenseiter scheint wirklich jedes entsprechende Stereotyp vertreten.

    Mittlerweile gehört es längst zum guten Ton, dass ein Ermittler – egal in welchem Medium - einen ganzen Rucksack voller persönlicher Traumata und privater Probleme mit sich herumschleppt, die ihn in seinem beruflichen Alltag einholen. Kommissar Körner bildet da natürlich keine Ausnahme, wird aber nicht nur mit EINER obligatorischen Ex , sondern gleich mit der Ex-Freundin, der Ex-Frau samt pubertierender Tochter und der feschen jungen Kollegin konfrontiert. Less is more!

    Außerdem ist die Handlung mitunter leicht vorhersehbar. Wenn immer wieder der Fernzünder im Kofferraum und die uralte Dynamitladung im längst aufgelassenen Bergwerk nur scheinbar beiläufig erwähnt werden, kann man sich bereits sehr früh unschwer ausmalen, worauf das später einmal hinauslaufen wird…


    Mag sein, dass man bei einem Debüt nicht allzu strenge Maßstäbe anlegen sollte, aber von einem hochgelobten und sogar ausgezeichneten Roman erwarte ich mir eine andere Qualität.