Ramsey Campbell

  • Manche von euch wissen es ja - und es gab im alten Horror-Forum schon mal eine emsige Diskussion darüber - dass ich so exotisch bin, auf Ramsey Campbell zu stehen.


    Viele meinten damals, er schreibe zu verkopft und käme nicht auf den Punkt. Ich argumentierte stets mit seiner einmalig düsteren Atmosphäre, die er genau dadurch erschafft. Naja, ist ja alles Geschmackssache - mir gefällt der Kerl einfach mit seinen Geschichten. Aber ich würde jetzt nicht so weit gehen, mich als absoluten Fan zu bezeichnen. Nur, dass ich ihn eben gerne lese.


    Gelesen habe ich die Bände aus der alten Knaur-Horror-Reihe (das sind die Bücher BESESSEN, DIESES GESICHT MUSS STERBEN, HUNGRIGER MOND, UNTER EINFLUSS, GESICHTER DER VERGANGENHEIT, ALPTRAUMWELTEN, DER FLUCH DER 13 BRIEFE und TRÄUME DES GRAUENS). Außerdem habe ich die bei Bastei erschienenen Bücher SPÄTE GÄSTE (guter KG-Band) und DIE PUPPEN IN DER ERDE (extrem gekürztes und dadurch sinnentfremdetes Romandebüt aus der alten Horror-Reihe des Bastei Verlags). Darüber hinaus habe ich noch den schlecht übersetzten Edition Metzengerstein Band DÄMONEN BEI TAGESLICHT, sowie das bei Heyne erschienene GESPENSTERSUCHE. Nicht zu vergessen die Edition Phantasia Bände STEIF VOR ANGST und DER REISEFÜHRER.

    Die meisten dieser Bücher habe ich gebraucht für sehr wenig Geld erstanden. GESPENSTERSUCHE habe ich in den 90ern als Neuerscheinung für mich entdeckt und war rückblickend mein erstes Campbell-Buch.


    Als Festa bekanntgab, dass er die alten Lovecraft-Storys von Campbell veröffentlichen wird (DIE OFFENBARUNGEN DES GLAAKI und DER WAHNSINN AUS DER GRUFT), freute ich mich diebisch, schreckte jedoch schlussendlich davor zurück, da ich nicht bereit bin, fast 30,- Euro pro Band zu bezahlen. So arg Fan bin ich dann doch nicht.


    Und jetzt habe ich noch herausgefunden, dass Campbell in den 70ern unter dem Pseudonym Carl Dreadstone geschrieben hat, und hier Bände in der "Vampir-Horror-Taschenbuch-Reihe" des nicht mehr existenten Pabel-Verlags erschienen sind. Bekannt sind mir die Bände: DER WOLFSMENSCH, DIE MUMIE, DAS MONSTER DER SCHWARZEN LAGUNE, DER WERWOLF VON LONDON und DRACULAS TOCHTER. Freudig dachte ich mir, dass das ja ne feine Sache wäre, und bestimmt günstig meine Campbell-Lust befriedigen könnte. Doch (mit einer Ausnahme) werden die uralten, vergilbten Ausgaben ab 30,- Euronen aufwärts gehandelt. Sind die wirklich so selten und so heiß begehrt?


    Und warum übersetzt kein Verlag aktuellere Werke von Ramsey Campbell?

  • Die Dämonen bei Tag (Blitz Verlag) habe ich vor Jahren gelesen … für nicht schlecht befunden, aber ich hatte das Gefühl, dass ein Robert Aickman die Sache besser angeht. Nur ein schwammiges, aus der Erinnerung gegriffenes Urteil. Die lovecraftigen Sachen (also das Frühwerk) kenne ich so gut wie gar nicht – was mich aber zum eigentlichen Punkt bringt:


    Unter dem Titel Letters to Arkham (PS Publishing) erschien 2014 der Briefwechsel zwischen Ramsey Campbell und August Derleth (1961 bis 1971). Diese Briefe sind in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie zeigen, wie sich der Jüngling Campbell dem Thema Lovecraft bzw. dem Cthulhu-Mythos annähert – er hat keine Hemmungen, Derleth bisweilen ein Loch in den Bauch zu fragen. Letzterer hielt ja bekanntlich streng die Hand auf diese Angelegenheiten und gibt nicht nur Tipps, sondern sagt auch klipp und klar, was erlaubt und was verboten ist (also etwa, ohne eingeholte Einwilligung von Derleth Mythos-Elemente zu verwenden). In späteren Jahren drehen sich die Themen dann um Filme, Pilzsammeln und auch Sexualität … da hat man sich dann schon ein bisschen von dem Lovecraft-Einfluss freigestrampelt.


    Es handelt sich um ein schön gemachtes Buch (HC mit SU, Satz u. Typografie sehr angenehm, Register), sorgfältig ediert und mit Einführung von S. T. Joshi versehen. Die rund 30 Pfund für das Ding sind jedenfalls gut angelegt – wenn man sich entweder für diese Leute interessiert, gerne Briefe liest oder einfach alles haben muss, was mit dem Cthulhu-Mythos zusammenhängt …

  • Und jetzt habe ich noch herausgefunden, dass Campbell in den 70ern unter dem Pseudonym Carl Dreadstone geschrieben hat, und hier Bände in der "Vampir-Horror-Taschenbuch-Reihe" des nicht mehr existenten Pabel-Verlags erschienen sind. Bekannt sind mir die Bände: DER WOLFSMENSCH, DIE MUMIE, DAS MONSTER DER SCHWARZEN LAGUNE, DER WERWOLF VON LONDON und DRACULAS TOCHTER. Freudig dachte ich mir, dass das ja ne feine Sache wäre, und bestimmt günstig meine Campbell-Lust befriedigen könnte. Doch (mit einer Ausnahme) werden die uralten, vergilbten Ausgaben ab 30,- Euronen aufwärts gehandelt. Sind die wirklich so selten und so heiß begehrt

    Dann kannst du dir die Unkosten getrost sparen. Carl Dreadstone war ein gemeinschaftliches Psyeudonym verschiedener Autoren. Die wurden seinerzeit von Berkley Medallion Books angeheuert Romane zu den klassischen Hollywood-Monstern zu schreiben. Also quasi Bücher zu den Filmen. Campbell hat nur drei Auftragsarbeiten der Reihe verfasst: "Der Wolfsmensch", "Frankensteins Braut" und"Draculas Tocher". Und bei diesen muss man davon ausgehen, dass sie gekürzt wurden, um der vorgeschriebenen Seitenanzahl bei Pabel zu entsprechen.


    Der hohe Preis kommt wahrscheinlich daher, dass auch die englischen Originale selten sind und teuer gehandelt werden. An der literarischen Qualität wird's wohl kaum liegen. Das dürften - neben "Das Haus des Grauens" von Robert E. Howard - die gesuchtesten Bände Vampir-Horror-Taschenbuch-Reihe sein. Interessanterweise deutlich teurer, als die gesuchten Bände von Terra Fantasy.

  • Ich entdecke Campbell gerade. Und es wird dich wohl nicht überraschen wenn ich hier schreibe das unser gemeinsamer Freund Jörg mir die Bücher nahe gelegt hat. Hungriger Mond hat er mir quasi geliehen und Der Fluch der dreizehn Briefe hat er in einem Bücherschrank in FFM entdeckt und mir in Marburg als, nennen wir es mal *Weiterbildung* empfohlen. Leider hänge ich noch ein bisschen hinterher. Aber das was ich gelesen habe gefällt mir aus den gleichen Gründen die du genannt hast. Oder um es ganz salopp zu sagen: Voll mein Ding.

  • Ich entdecke Campbell gerade. Und es wird dich wohl nicht überraschen wenn ich hier schreibe das unser gemeinsamer Freund Jörg mir die Bücher nahe gelegt hat. Hungriger Mond hat er mir quasi geliehen und Der Fluch der dreizehn Briefe hat er in einem Bücherschrank in FFM entdeckt und mir in Marburg als, nennen wir es mal *Weiterbildung* empfohlen. Leider hänge ich noch ein bisschen hinterher. Aber das was ich gelesen habe gefällt mir aus den gleichen Gründen die du genannt hast. Oder um es ganz salopp zu sagen: Voll mein Ding.

    Ja, "Hungriger Mond" ist großartig.

    Die Weiterbildungsanweisung deines Lehrers kann ich nur unterstützen. [Skl]

  • Die Dämonen bei Tag (Blitz Verlag) habe ich vor Jahren gelesen … für nicht schlecht befunden, aber ich hatte das Gefühl, dass ein Robert Aickman die Sache besser angeht. Nur ein schwammiges, aus der Erinnerung gegriffenes Urteil. Die lovecraftigen Sachen (also das Frühwerk) kenne ich so gut wie gar nicht – was mich aber zum eigentlichen Punkt bringt:


    Unter dem Titel Letters to Arkham (PS Publishing) erschien 2014 der Briefwechsel zwischen Ramsey Campbell und August Derleth (1961 bis 1971). Diese Briefe sind in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie zeigen, wie sich der Jüngling Campbell dem Thema Lovecraft bzw. dem Cthulhu-Mythos annähert – er hat keine Hemmungen, Derleth bisweilen ein Loch in den Bauch zu fragen. Letzterer hielt ja bekanntlich streng die Hand auf diese Angelegenheiten und gibt nicht nur Tipps, sondern sagt auch klipp und klar, was erlaubt und was verboten ist (also etwa, ohne eingeholte Einwilligung von Derleth Mythos-Elemente zu verwenden). In späteren Jahren drehen sich die Themen dann um Filme, Pilzsammeln und auch Sexualität … da hat man sich dann schon ein bisschen von dem Lovecraft-Einfluss freigestrampelt.


    Es handelt sich um ein schön gemachtes Buch (HC mit SU, Satz u. Typografie sehr angenehm, Register), sorgfältig ediert und mit Einführung von S. T. Joshi versehen. Die rund 30 Pfund für das Ding sind jedenfalls gut angelegt – wenn man sich entweder für diese Leute interessiert, gerne Briefe liest oder einfach alles haben muss, was mit dem Cthulhu-Mythos zusammenhängt …

    Mit den "Letters to Arkham" habe ich seinerzeit auch geliebäugelt. Vielleicht hole ich sie mir doch mal. Ich stehe leider nur englische Lektüre nicht mehr so lange durch. Da ich mit vielen Unterbrechungen lese, verliere ich da auf Dauer oft den Faden.


    Dennoch hast du mir jetzt Lst auf das Buch gemacht.


    Bei "Demons by Daylight" müsste das Original auf jeden Fall besser abschneiden als die Übersetzung.

  • Dann kannst du dir die Unkosten getrost sparen. Carl Dreadstone war ein gemeinschaftliches Psyeudonym verschiedener Autoren. Die wurden seinerzeit von Berkley Medallion Books angeheuert Romane zu den klassischen Hollywood-Monstern zu schreiben. Also quasi Bücher zu den Filmen. Campbell hat nur drei Auftragsarbeiten der Reihe verfasst: "Der Wolfsmensch", "Frankensteins Braut" und"Draculas Tocher". Und bei diesen muss man davon ausgehen, dass sie gekürzt wurden, um der vorgeschriebenen Seitenanzahl bei Pabel zu entsprechen.


    Der hohe Preis kommt wahrscheinlich daher, dass auch die englischen Originale selten sind und teuer gehandelt werden. An der literarischen Qualität wird's wohl kaum liegen. Das dürften - neben "Das Haus des Grauens" von Robert E. Howard - die gesuchtesten Bände Vampir-Horror-Taschenbuch-Reihe sein. Interessanterweise deutlich teurer, als die gesuchten Bände von Terra Fantasy.

    Danke für die aufschlussreiche Info.


    Ja, das Geld spare ich mir wohl besser. Ist es mir dann doch nicht wert. Wobei ... hach, interessieren würden mich die Dreadstone/Campbell-Bücher durchaus.

  • Ich mag Ramsey Campell s Werke sehr, hab auch jedes seiner auf Deutsch erschienen Bücher. Seine Kurzgeschichten finde ich sehr gut, aber auch hier gibts Ausnahmen. "Dämonen bei Tag" , da kam ich irgendwie nicht richtig rein. Bei den zwei Festa Bänden, ist vor allem der Erste mit seinen frühen (Fan) Erzählungen eher nicht so gelungen, der zweite umso besser.

    Der EP Band "Steif vor Angst" gefiel mir sehr gut, sein Bastei KG ist auch sehr gut, und dann gabs noch im Knaur Verlag eine Kurzgeschichtensammlung, die aber als "Roman" untertitelt war. Für seine Romane sollte man sich Zeit nehmen, dann bekommt man ein großartiges Leseerlebnis mit sehr schönem unheimlichen Stimmungen, aber auch hier gibts auch ein paar einfach gestrickte Sachen. Ich schreib mal später noch was dazu.

  • Ich habe noch einige Ramsey Campbell Romane die ich lesen muss.

    Silent Children mit Wittmung habe ich erst 7 Jahre..... :-)

    "Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein". ... `Stephen King´

  • Ich habe das Wochenende genutzt und mir selbst auch noch mal einen kleinen Überblick über die Veröffentlichungen von Campbell in deutsch gemacht. Dabei zwingt sich mir gerade eine Frage auf. Kann es sein das "The count of eleven" mit zwei unterschiedlichen Titeln erschienen ist? Einmal als "Der Fluch der dreizehn Briefe" und einmal als "Kettenbriefmassaker" als Teil eines Doppelbandes mit "Hungriger Mund"?

  • Ich habe das Wochenende genutzt und mir selbst auch noch mal einen kleinen Überblick über die Veröffentlichungen von Campbell in deutsch gemacht. Dabei zwingt sich mir gerade eine Frage auf. Kann es sein das "The count of eleven" mit zwei unterschiedlichen Titeln erschienen ist? Einmal als "Der Fluch der dreizehn Briefe" und einmal als "Kettenbriefmassaker" als Teil eines Doppelbandes mit "Hungriger Mund"?

    Ja, so ist es.


    Zudem ist die Story "Der Reiseführer", den es als zweisprachige Luxusausgabe in der Edition Phantasia gibt, im Knaur-Band "Träume des Grauens" enthalten.

  • Campbell hat nur drei Auftragsarbeiten der Reihe verfasst: "Der Wolfsmensch", "Frankensteins Braut" und"Draculas Tocher". Und bei diesen muss man davon ausgehen, dass sie gekürzt wurden, um der vorgeschriebenen Seitenanzahl bei Pabel zu entsprechen.


    Der hohe Preis kommt wahrscheinlich daher, dass auch die englischen Originale selten sind und teuer gehandelt werden. An der literarischen Qualität wird's wohl kaum liegen. Das dürften - neben "Das Haus des Grauens" von Robert E. Howard - die gesuchtesten Bände Vampir-Horror-Taschenbuch-Reihe sein. Interessanterweise deutlich teurer, als die gesuchten Bände von Terra Fantasy.


    Wobei nur "Der Wolfsmensch" als Taschenbuch bei uns erschienen ist und die anderen beiden als Heftromane - die sind also garantiert deutlich gekürzt.

  • Die Dämonen bei Tag (Blitz Verlag) habe ich vor Jahren gelesen … für nicht schlecht befunden, aber ich hatte das Gefühl, dass ein Robert Aickman die Sache besser angeht. Nur ein schwammiges, aus der Erinnerung gegriffenes Urteil. Die lovecraftigen Sachen (also das Frühwerk) kenne ich so gut wie gar nicht (...)

    Campbell hat sich erst kürzlich wieder (wie auch zwischendrin gelegentlich) des Mythos angenommen, und zwar mit einer großartigen Romantrilogie, die zwischen 2016 und 2018 erschien: "The Searching Dead", "Born to the Dark" und "The Way of the Worm".