Vincent Preis - Quo vadis?

  • Hallo Michael,


    Preise sind schön, machen aber viel Arbeit. Auch ein Publikumspreis macht viel Arbeit, denn die Stimmen müssen korrekt gezählt, zuvor die Werke alle versammelt werden. Ein Jurypreis macht noch mehr Arbeit. Bei all der Arbeit würde ein Hybridpreis den Arbeitsaufwand für die Jury verringern ... Publikumsvoting wählt eine Top 5, dann liest die Jury die ausgewählten Werke und vergibt die Preise. das wäre auch eine Reaktion auf die an anderen Preisen geübte Kritik. Die Jury sollte natürlich nach halbwegs "objektiven" Kriterien zu bewerten in der Lage sein (also nicht reine Geschmacksurteile abgeben). Viele Grüße Tobias

  • So wie es aussieht, scheitert der Vincent Preis in erster Linie nicht an der Organisation, sondern schlicht an der fehlenden Resonanz. Da nützen das größte Team und das beste Konzept nichts, wenn sich letztlich viel zu wenige Leute dafür interessieren und nicht genug nominiert bzw. abgestimmt wird.

  • So wie es aussieht, scheitert der Vincent Preis in erster Linie nicht an der Organisation, sondern schlicht an der fehlenden Resonanz. Da nützen das größte Team und das beste Konzept nichts, wenn sich letztlich viel zu wenige Leute dafür interessieren und nicht genug nominiert bzw. abgestimmt wird.

    Das ist auch meine Beobachtung... aber ich bin ja auch eher skeptisch bei derartigen Preisen (ist hier wahrscheinlich gelegentlich auch schon angeklungen;)).


    Mal ganz hart nachgefragt: Braucht es einen Preis wie den Vincent? In der Vergangenheit war zwar hin und wieder Klage zu hören, wenn er in Zukunft nicht mehr verliehen werden sollte, aber motiviert genug, die damit verbundene Arbeit auf sich zu nehmen, war ja dann offensichtlich doch keiner. Der Preis scheint damit ein netter Bonus gewesen zu sein, der von den Ausgezeichneten gerne mitgenommen wurde, aber so hoch, dass man Arbeit hineininvestiert hätte (auch mit der Gefahr nicht ausgezeichnet zu werden bzw. Vorwürfen, wenn man "sich selbst auszeichnet"), war der Stellenwert dann ja doch nicht. Unterm Strich scheint sich die aufzuwendende Arbeit damit nicht für den resultierenden Mehrwert zu lohnen und letztlich kein wirklicher Bedarf zu bestehen.

  • Ich finde, ein Preis - in diesem Fall der Vincent Preis - ist dann lebensfähig, wenn er in der Lage ist, auch ohne breite Resonanz und ohne Sponsoring zu existieren. Der existiert, weil ihn jemand liebt und mit Herzblut Leben einhaucht. Und wenn die damit verbundene Arbeit zeitlich und mengenmäßig vom vorhandenen Team zu bewältigen ist. Ich weiß nicht, wie es in der Vergangenheit schaffbar war, aber es war anscheinend möglich. Und davor habe großen Respekt.

    Leicht war es sicher von Anfang an nicht, aber es gab damals trotzdem ein Team, das sich die Mühe gemacht hat. Damals war die Resonanz möglicherweise auch erstmal nebensächlich. Da gab das damalige Team sich möglicherweise gegenseitig bereits ausreichend Resonanz.

    Ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. Irgend was scheint das damalige Team aber an sich gehabt zu haben, damit es klappte - und das schwer ist, ein zweites oder drittes Mal zu finden.

  • Ich bin in der Diskussion bisher nicht so drin, falls das alles schon ausgiebigst diskutiert sein sollte, tut es mir leid.
    Ich dachte, man müsste sich vielleicht mal zurücklehnen und betrachten:

    - was war bisher das Ziel des Preises? Was bezweckt er?

    - besteht das Ziel noch oder sollte man es ändern oder erweitern?

    - wer ist die Zielgruppe? Produzenten/Kreative und Fans? Wer noch?

    - wer hat ein Interesse an dem Preis? Für wen ist er wichtig?


    Und von dieser Neudefinition ausgehend: was bleibt, was geht, was ändert sich? Welche Form der Durchführung nützt dem Ziel am besten? Gibt es dafür Ressourcen? Muss man und kann man sich (zumindest für eine Übergangszeit) auf bestimmte Kategorien beschränken?


    Das sind nur ein paar Gedanken dazu. Es ist schwierig, ein Brainstorming per Forenbeiträgen zu machen. Zumindest fällt es mir selbst im Gespräch viel leichter. Ich bin am Samstag und wohl auch Sonntag viel auf Discord unterwegs. Da kann ich bei Bedarf einen Raum zur Verfügung stellen. Auch per Zoom oder was immer.

  • Okay, jetzt verstehe ich dein Einwurf. Das ist generell sehr schön zusammen gefasst.

    Das Problem ist nur, wir haben das Grundsätzliche recht oft diskutiert und da fand sich selten ein Konsenz. Für jemanden, der den Vincent Preis in Zukunft führen mag, ist das aber ein guter Waschzettel, sich das zu beantworten, bevor er das Ruder übernimmt.


    Aktuell bin ich eingesprungen, weil jetzt zum zweiten Mal hintereinander der Vincent Preis im laufenden Betrieb eingestellt wurde. Wie das für den Vincent Preis 2022 aussieht, steht ja noch vollkommen in den Sternen. Wäre vielleicht ein gutes Gesprächsthema für den Marburg Con nächstes Jahr.


    An der jetzigen Runde wird sich nichts Grundlegendes mehr ändern. Wie dann auch. Das wird jetzt durchgezogen und ich hoffe, trotz der Enttäuschungen in der Vergangenheit, dass eine Mindestbeteiligung stattfindet.

  • Ich bin Dir für Dein Einspringen sehr dankbar, das verschafft wertvolle Zeit. Es wäre schon sehr sehr schwer gewesen, den VP nach der zweiten Unterbrechung fortzuführen.

    Auf dem eigenen Con ist es schwer für mich, an solchen Gesprächsrunden teilzunehmen. Wenn es einen Programmpunkt dafür geben soll oder ein Gespräch hinter verschlossenen Türen, finden wir aber sicher einen Platz dafür.

  • Muss man und kann man sich (zumindest für eine Übergangszeit) auf bestimmte Kategorien beschränken?

    Ich glaube, das ist der springende Punkt. Muss ein Preis wirklich alles abdecken (und damit die Juroren hoffnungslos überfordern), oder beschränkt man sich auf das Wesentliche und erreicht das "Fandom"?

    Braucht es z.B. eine Sparte "International" oder Kürzestgeschichte, Kurzgeschichte, Novelle ...

    Es gibt so viele Preise, und wenn alle alles abdecken, dann geht ein undotierter Preis schnell in der Masse unter.

    Wäre sicherlich eine Gesprächsrunde wert, aber leider bin ich zum Zeitpunkt des nächsten Marburg-Con nicht in D-Land.

  • Ich glaube, das ist der springende Punkt. Muss ein Preis wirklich alles abdecken (und damit die Juroren hoffnungslos überfordern), oder beschränkt man sich auf das Wesentliche und erreicht das "Fandom"?

    Braucht es z.B. eine Sparte "International" oder Kürzestgeschichte, Kurzgeschichte, Novelle ...

    Es gibt so viele Preise, und wenn alle alles abdecken, dann geht ein undotierter Preis schnell in der Masse unter.

    Wäre sicherlich eine Gesprächsrunde wert, aber leider bin ich zum Zeitpunkt des nächsten Marburg-Con nicht in D-Land.

    Na, international hat zwei Aspekte: Es gibt viele Kleinverlage, die gerade dort aktiv sind und diese Autoren haben ja eine gewisse Strahlkraft.

    Die Kurzgeschichten sind der Kern des Vincent. Ohne diesen Bereich befürchte ich, sind noch weniger daran interessiert, mit abzustimmen.


    Was meinst du mit einer Überforderung der Jury? Denkst du man bekäme bei einer reinen Romankategorie eine vernünftige Jury zusammen? Oder etwas anderes?

  • Internationale Autoren werden auch in ihrem Heimatland geehrt, das sollte eigentlich genügen. Und ein Preis für einen Autor hat doch nichts damit zu tun, ob Kleinverlage in diesem Bereich aktiv sind. Derartige Preise haben ja auch absolut keine Auswirkung auf Verkaufszahlen von Kleinverlagen. Glaub mir oder frage andere Verleger.


    Wenn Juroren nur annähernd alles lesen wollten/sollten, was vorgeschlagen ist, werden sie abwinken. Ich glaube, das beschreibt das derzeitige Problem ganz gut. Und wenn die Jury nicht alles lesen kann, ist die Auswahl nicht nur subjektiv sondern zufallsbedingt, der Preis und dessen Verleihung leicht angreifbar. Darum glaube ich, dass eine Beschränkung auf national und die Kernsparten Roman und Kurzgeschichte sinnvoll wäre, meinetwegen noch Grafik.

    Aber beste Anthologie, beste Sammlung ... das braucht es meiner Meinung nach echt nicht. Und das sage ich als Verleger, der durchaus betroffen sein könnte.


    Ich hoffe, es ist rübergekommen, dass ich nicht gegen die Kernbereiche des Preises argumentiern wollte, sondern gegen die Aufspaltung in viele Sparten. Ein "weiter so" wird den Preis kurz aufflackern lassen, bevor man ihn endgültig zu Grabe tragen muss. Wäre schade drum.