Hallo Michael,
Ja, für 50€ ein Buch schreiben und in 2 Stunden fertig sein, das klingt ja sehr verlockend. Das werden doch einige ausprobieren.
Es gab schon immer viel normierte Literatur. Daher lese ich eigentlich immer gerne quer durch die Zeiten. Also Geschichten, die in völlig unterschiedlichen Jahren erschienen sind und auch nicht immer der gleiche Autor oder das gleiche Genre. Das sorgt naturgemäß für mehr Abwechslung.
Andererseits erkenne ich natürlich auch immer wieder den Hang an mir, das zu lesen, was mir besonders gefällt und da gibt es dann doch oft große Ähnlichkeiten. Als Beispiel nenne ich mal die 5 Bände gesammelten Kurzgeschichten von PKD, da fehlt einem bei der Lektüre auch oft die Abwechslung, ein Autor wiederholt sich dann doch sehr oft und das merkt man, wenn man viel hintereinander liest.
ich bin wohl einfach noch viel zu sehr in den Zeiten verhaftet, als nicht nur der Markt der Science-Fiction ein sehr weites Feld war. Wie viele Verlage tobten sich damals (frühe 80er) in dem Genre aus? Und es waren keine Kleinverlage, da waren auch recht viele große Namen dabei. Entsprechend vielfältig waren die Themen, die beackert wurden.
Früher habe ich mir auch gerne Zeitungen wegen ihres Literaturteils gekauft. Gerade die Jahresendausgaben waren mir wegen der Fülle an vorgestellten Büchern eine Quelle großer Freude. Denn da gab es neues zu entdecken, vielfältiges.
Und dann gab es ja auch all die wunderbaren Literatursendungen im Radio und im Fernsehen, in denen teils sehr deutlich Bücher gelöobt und getadelt wurden.
Was ist davon geblieben? Beliebigkeiten, die niemanden wehtun sollen. Und entsprechend fällt zumeist die Auswahl der besprochenen Bücher aus: Mainstream.
Und so sehen dann oftmals auch die Bestenlisten aus. Man orientiert sich an Bestsellern, weil man damit ja nicht soooo viel falsch machen kann.
Und die KI? Wird daraus einen Buchbrei zusammenalgorithmisieren, der allen bekommt. Entsprechend werden die KI-kreierten Rezensionen ausfallen. Hey, gerade heute bin ich über Lobhudeleien für eine Kurzgeschichtensammlung gestolpert, die sich im Aufbau und teils sogar in der Wortwahl entsprochen haben.
Es gibt eine Erfolgsformel nicht nur für den Aufbau und den Inhalten von Geschichten/Büchern.
Die Auslagen der Buchhandlungen spiegeln das, denn Mieten und Löhne müssen bezahlt werden.
Natürlich gibt es dennoch weiterhin Lesende, die darauf keine Lust haben. Wäre es anders, hätten all die Kleinverlage ja inzwischen dicht gemacht. Und auch wenn sich das Eichhörnchen mühsam nährt, kommt es doch durch den Winter. Und da bin ich sehr froh, dass wir noch unsere Ortsbuchhandlung haben. Auch wenn da inzwischen jede Menge Young Adult/Romantasy in den Regalen steht, die schlagen mir noch immer Bücher vor, die meinen Geschmack voll treffen. Amazon kann das nicht, da ist spätestens nach dem dritten auf einen Suchbegriff hin ausgeworfenem Buch der mainstream am herrschen. Entsprechend gelassen sehe ich der vielleicht ewigen Eiszeit weitestgehend algorythmisierter Literatur entgegen.
Die wichtigen Informationsquellen für Bücher sind für mich inzwischen Podcaster, die über Bücher und Autor*innen sprechen, die nicht Mainstream sind. Davon gibt es eine Menge! Ich habe sie nur erst mal finden müssen. Und da und dort gibt es auch im ÖRR noch spannende Sendungen ...
Blöd ist das alles nur für jene Autor*innen, die es ohne KI und ohne den Markt beachtender Stromlinienförmigkeit versuchen. Statt einem weiten Feld bleibt denen nicht mal mehr ein Schrebergarten. Immerhin gibt es da ein Vereinsheim, in dem man sich nach der Gartenarbeit gemütlich zusammensetzen und von den alten Zeiten schwämen kann ...
Abschließend: Ich streue aktuell öfters mal ein Re-Reading ein. Bin nun bei Traven gelandet, der es mir in der späten Jugend sehr angetan hatte. Jetzt liest er sich duchaus anders. Wow. Das fällt natürlich in die Kategorie: Man liest das, was einem gefällt. Und, ja, mit James Lee Burke und Philip Kerr etc. pp. habe ich ein paar Autoren, die ich angesichts der Fülle ihres Schaffens im Jahresrhythmus auf Dauerschleife legen kann. Und, klar, weil ich die langsam ermittelnden Ermittler mag, fallen mir dann auch Aiutor*innen auf den SuB, die ähnliche Hauptfiguren haben. Lawrence Blocks Matthew Scudder ist mir so über den Zufall eines Bücherschranks zur gern gelesenen Figur geworden.
Nun ja, warten wir mal ab, ob nicht alles anders wird. Vielleicht ja werden die KI wirklich kreativ!
Viele Grüße
Tobias