Beiträge von Sar-Sargoth

    Naja, Malerman etwa hätte das Format, Barron mit seinem Roman auch, Langan, es gäbe schon ein paar. Aber wie Du sagst müsste man sie aus in der 'Literatur' etablieren und übers Feuilleton spielen, dann ginge da schon was.

    Das dürfte in der Praxis schwierig werden... ich habe immer noch den Eindruck, dass große Teile des klassischen Feuilletons Phantastik generell regelrecht hassen und nach wie vor als triviale Schundliteratur sehen. Gerade im deutschsprachigen Raum ist man da sehr dogmatisch, zumindest habe ich es im angelsächsichen Sprachraum nicht so deutlich wahrgenommen.

    Immer wieder interessant, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können. Ich habe ja auch so meine Probleme mit Kurzgeschichten, aber wenn ich ein Positivbeispiel für eine gelungene Sammlung nennen sollte, würde mir zumindest ziemlich bald "Nachtschicht" einfallen. Es ist allerdings schon eine Weile her, dass ich die gelesen habe. Wäre direkt interessant, ob sich mein damaliger Eindruck mit meinem heutigen Eindruck decken würde.

    Muss man die ganzen Kritikpunkte nicht in Kauf nehmen, dass sich eine Veröffentlichung für Festa überhaupt lohnt? Ich bin auch kein Lee-Fan und werde bei dem Preis sicher nicht zugreifen, aber es freut mich, dass die Reihe wiederbelebt wird. Und ich habe Verständnis für die Unannehmlichkeiten. Keine Ahnung, wie viel Bände man absätzen muss, dass sich das rentiert. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich eine Veröffentlichung bei einem 'normalen Preis' rechnen würde.

    Es bleibt natürlich immer die Frage, was sich wie lohnt. Eine wirklich fundierte Diskussion darüber ist hier wohl leider auch nicht möglich, weil wir die genauen Zahlen nicht kennen.


    Aber in Kauf nehmen muss ich als mündiger Käufer zunächst mal gar nichts. Wenn mir Inhalt (Lee!) und Preis nicht passen, dann ist es ggf. für mich vorbei mit der Reihe.


    Den Preis alleine könnte man ja zur Not auch noch irgendwie mit kleiner Auflage und Zielgruppe rechtfertigen. Die fehlenden ISBN und der ständige Hinweis auf Limitierung dient ja aber wohl zusätzlich der Gewinnmaximierung des Verlags (Ausschalten des Zwischenhandels, schnellerer Abverkauf und daraus resultierend geringere Lagerhaltung). Da muss dann jeder Käufer selbst entscheiden, ob er mit diesem Prozedere noch zufrieden ist.

    Naja, wenn die ISBN fehlt, muss man einen Sammler finden, der das Buch kennt, sucht und kaufen möchte. Über die ISBN gibt es da zahlreichere Möglichkeiten an Zwischenhändlern, die einem das Buch auch abkaufen würden. Der potentielle Kreis an Abnehmern wird somit durch die ISBN deutlich größer und damit auch die Möglichkeit, einen passenderen Preis zu erzielen.

    Auch ich bin etwas zwiespätig bei dieser Ankündigung.


    Zunächst mal freue ich mich grundsätzlich, dass es hier weiter geht. Auch die Bücher von Donald Wandrei und James Hornor Jacobs klingen vielversprechend.


    Auf der anderen Seite gibt es aber auch gleich mehrere Aspekte, die mir nicht passen:

    - Der Startband ist von Edward Lee.

    - Die fehlende ISBN macht den Weiterverkauf von ggf. nicht gefallenden Bänden schwieriger.

    - Der Buchhandel ist dank fehlender ISBN zusätzlich außen vor.

    - Der Preis ist bei der ohnehin schon teuren Reihe nochmals erhöht worden.

    - Zusätzlich wird die Ausstattung etwas heruntergeschraubt (wohl kein Schutzumschlag mehr).

    - Das Limitierungsspielchen wird weiter fortgesetzt und beginnt langsam kräftig zu nerven. Das Argument, dass die Bücher etwas Spezielles sind und nicht für den Massenmarkt taugen, trifft doch auf einen Großteil der Klein- und Mittelverlagsbücher zu. Aber hauptsache mal wieder künstlich den Eindruck von Exklusivität erwecken.


    Da ich das Buch von James Hornor Jacobs auch schon im englischen Original gelesen habe, denke ich gerade darüber nach, das noch von der ursprünglichen Reihe laufende Abo zu kündigen, wenn für mich schon 2 von 3 angekündigten Bänden Ausfälle sind. Nur zum Sammeln sind mir die Bücher zu teuer und nicht liebevoll genug verarbeitet, zusätzlich ist auch mein Platz zu knapp.

    Das ist natürlich immer eine Gradwanderung... wenn der Gesangsverein das Buch, für das er abstimmt, auch gelesen hat, wird der Preis für mich schon relevanter. Aber man wird wohl nie eine praktikable Kontrolle haben, dass nur für tatsächlich Gelesenes abgestimmt wird. 62 Stimmen bei keiner bekannten Jury klingen zumindest nicht besonders relevant. Da könnte ein durchschnittlicher Gesangsverein oder die örtliche Fußballmanschaft alleine wahrscheinlich schon mehr Leute mobilisieren.

    Leicht Offtopic, weil es weder Radio noch Podcast ist, aber da sich der Artikel wie die letzten Beiträge auch mit dem Tod von Carlos Ruiz Zafon beschäftigt, stelle ich es mal hier dazu: Ein Nachruf (oder eher Nachtritt?) aus dem Feuilleton der FAZ:


    https://www.faz.net/aktuell/fe…-ruiz-zafon-16823195.html


    Saubere Arbeit, da wird ein frisch Verstorbener nochmal so richtig abgewatscht. Hier ist die Rede von "spanischer Bestsellerproduktion mit den erwartbaren Fabrikmängeln", "Schablonenfiguren" und "manchmal auch unerträglich flachen Literatur". Die Thematik seiner Bücher wird generell als kindisch dargestellt. Genau diese arrogante Geisteshaltung führt bei mir in der Regel dazu, dass ich mit den vom Feuilleton gelobten Büchern nichts anfangen kann. Von mir aus kann dieses sich in seinem Elfenbeinturm weiter austoben, mir (und den 15 Millionen Lesern von "Der Schatten des Windes") sind derartige Bücher lieber.

    Gerade bei den unbeteiligten Mitwirkenden ist es doch auch fraglich, was deren Motivation wäre, an der Verleihung eines Preises mitzuwirken.


    Da sie nicht in irgendeiner Form Schaffende sind, würden sie ja auch keine Chance haben, den Preis selbst zu gewinnen. Für die Außenwirkung ist das sicherlich sinnvoll, ein selbstverliehener Preis hat immer ein Geschmäckle, auch wenn keine wirkliche Grundlage dafür besteht. Aber einen direkten Vorteil bringt das schonmal nicht.


    Das generelle Echo auf den Preis ist ja bisher eher übersichtlich, also Glamour, Aufmerksamkeit und würdevolles Schreiten auf dem roten Teppich wird auch eher weniger generiert.


    Ob die Ausgezeichneten wirklich dankbar dafür sind, dass es den Preis gibt, ist auch eher zweifelhaft. Wahrscheinlich freuen sie sich bestenfalls kurz über den Preis um dann bei nächster Gelegenheit auch gerne wieder eher unfreundlich zu reagieren. Gerade in der "Szene" gibt es doch weit verbreitet Missgunst und stark ausgeprägte Selbstbezogenheit.


    Unter diesen Voraussetzungen (viel Arbeit ohne wirklichen Mehrwert) bleibt da doch die Frage, weshalb man sich für den Preis engagieren sollte. Oder sehe ich das gerade zu schwarz und jemand anderes hat ein paar Argumente, warum man das machen sollte?

    So, auch ich habe alle Kategorien beendet. Ich bin auch meiner ursprünglichen Auswahl treu geblieben, bei den Heftromanen ist es sogar ein Doppelpack Vampir-Horror-Romane von Hugh Walker geworden.


    Insgesamt habe ich für mich eine bunte Mischung gewählt... da war fast alles dabei. Der Start war schlecht ("Das Haus am Ende der Welt") oder etwas zäh ("The Haunting of Hill House"), weswegen ich auch mal eine Pause zur Auflockerung gemacht hatte. Der Rest war aber zumindest guter Durchschnitt, auch positive Überraschungen gab es ("12 Monate Angst", auch Kurzgeschichten können Spaß machen) oder positiven Erwartungen wurde entsprochen ("Der Mitternachtspalast", "Das Institut").


    Nächstes Jahr können wir etwas in der Richtung auf jeden Fall gerne wieder machen.

    Auch mein Buch für diese Kategorie ist von Carlos Ruiz Zafón und damit aus dem Spanischen bzw. Katalanischen, spielt allerdings in Kalkutta.


    Hauptfiguren sind die Mitglieder eines Geheimclubs, der sogenannten Chowbar Society, die sich im namensgebenden Mitternachtspalast trifft. Diese sind allesamt Waisenkinder um 16 Jahre, die sich in ihrem Waisenhaus angefreundet haben und den Club gegründet haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Mitglied des Clubs (Ben) stößt im Verlauf der Geschichte auf seine bei der Großmutter lebende Schwester. Dies ist der eigentliche Beginn der Handlung, die allerdings um erklärende Rückblenden ergänzt wird. Die beiden Geschwister haben ihre Eltern verloren, nachdem ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kam (ein Bahnhof, dessen Bau er gezwungener Maßen als Architekt geleitet hatte, brannte bei der Einweihung nieder) und die Mutter unter mysteriösen Umständen starb. Dass die beiden noch leben, haben sie einem britischen Offizier zu verdanken, der die beiden vor den Mördern ihrer Mutter rettete (er war selbst ein Verehrer der Mutter) und bei ihrer Großmutter abgab. Diese trennte die beiden bewusst, um sie für die Mörder schwerer auffindbar zu machen.


    Da Ben in Kürze allerdings 16 wird und nach den dortigen Geplogenheiten damit als volljährig gilt, muss er das Waisenhaus in Kürze verlassen. Dies will der Mörder der Mutter nutzen, um die beiden Geschwister ebenfalls zu töten. Das Treffen der Geschwister resultiert dann auch daraus, dass die Großmutter im Waisenhaus eine Warnung an ihren Enkel hinterlassen will. Da sich Ben allerdings stark zu seiner Schwester hingezogen fühlt, treffen sich die beiden mehrere Male und lernen somit ihren Hintergrund kennen. Dabei klärt sich dann auch auf, dass der Mörder ein Rachegeist ist, der durch den gewaltsamen Tod des Vaters entstanden ist und zum Teil dessen Züge/Eigenschaften teilt. Seine Kinder möchte er umbringen, um sein Leben weiter an diese Welt zu binden.


    Die Chowbar Society hilft Ben und Sheere allerdings bei dem Versuch, den Rachegeist zur Strecke zu bringen. Dies gelingt nicht wirklich und Ben muss zum Schluss ein Spiel um das Leben seiner Freunde mit seinem Vater bzw. mit dem, was von diesem übrig ist, spielen. Durch den Eingriff seiner Schwester nimmt dieses jedoch eine für den Vatergeist unerwartete Wendung und die Freunde und Ben können entkommen, allerdings stirbt Sheere an den Folgen. Ben vernichtet noch den Zug, an den der Geist seines Vaters gebunden ist, so dass dieser seine Ruhe finden kann.


    Wie auch die bisherigen Bücher von Zafón, die ich bisher gelesen habe, eine äußerst stimmungsvolle Geschichte, die Bilder und die Atmosphäre, die hier erzeugt werden sind grandios und zumindest für mich sehr plastisch vorstellbar. Durch den Rachegeist enthält das Buch auch deutliche phantastische bzw. Gruselelemente. Auch die Handlung ist hier sehr flott zu lesen und motiviert zum weiterlesen, ich hatte das Buch in nur zwei Tagen fertig. Auf jeden Fall eine gelungene Wahl und ein würdiger Abschluss meiner Lesechallenge.

    Meine Wahl für die Kategorie Heftroman fiel auf "Hexenbrut" von Hugh Walker.


    Hierbei handelt es sich um die Neuausgabe zweier Heftromane, die bereits in der Vampir-Horror-Roman-Reihe des Pabel Verlags erschienen waren, nämlich "Die Blutgräfin" und "Die Tochter der Hexe"


    In "Die Blutgräfin" geht es um das Vermächtnis von Elisabeth Báthory in Wien. Während einer Séance gelangt der Geist der Hexe, welche die Blutgräfin bei der Tötung junger Frauen unterstützte zurück ins Diesseits und veranlasst, dass derartige Morde wieder beginnen. Dabei gelangt auch die Ungarin, in die sich der Protagonist der Geschichte im Umfeld der Séance verliebt in den Bann der Hexe und nimmt zeitweise die Position von Báthory ein. Letztlich mündet die Geschichte in ein Finale, bei dem zur Abwechslung auch mal ein Mann umgebracht werden soll (der Protagonist, der das Ganze aufzuklären droht), doch die Geliebte erkennt dies rechtzeitig und kommt, da die Liebe wohl stärker als der Einfluss der Hexe ist, wieder zu Vernunft. Der Protagonist wird im Folgenden von ihr gerettet, in dem die Geliebte die Hexe (Hänsel und Gretel lassen grüßen) ins Feuer stößt.


    "Die Tochter der Hexe" handelt von der Tochter einer Frau, die unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt (Verebrennung mehrere Meter über dem Boden schwebend). Auch in dieser Geschichte ist der Protagonist ein junger Mann, der mehr zufällig in die Ereignisse stolpert und sich relativ zügig in die Tochter der am Anfang gestorbenen Frau verliebt, die er kennenlernt, nachdem er den Tod beobachtet hat. Im weiteren Verlauf werden die beiden noch von der Schwester der Tochter aufgesucht, obwohl auch diese seit mehreren Jahren tot ist. Es stellt sich heraus, dass die Mutter und ihre beiden Töchtern aus einem kleinen Dorf stammen, welches von einem Hexenzirkel dominiert wird und dem es nicht passt, dass sich Mitglieder von ihm abwenden. Auch die zweite Tochter schwebt also in Gefahr. Diese kann letztlich durch eine Reise in das Dorf abgewendet werden. Dort soll auch der Protagonist dieser Geschichte geopfert werden, wird aber durch seine Geliebte gerettet, die ihre hexerische Begabung entdeckt und die "Oberhexe" verbrennt.


    Abgerundet wird das Buch durch zwei Kurzgeschichten ebenfalls zum Thema Hexen: In "Blut für die Hölle" entdeckt ein Tourist im Laufe eines Rituals, in welches er durch Zufall bei der Besichtigung der Katakomben des Stephansdoms in Wien stolpert, dass er ebenfalls von Hexen abstammt. In "Die Galgenpuppe" weißt der Kontakt des Protagonists nach einer Recherche über einen Galgen mysteriöserweise Verletzungen auf, als hätte er selbst am Galgen gehangen.


    Insgesamt naheliegend, die beiden Heftromane in einem Band zusammenzufassen, da sie sich sowohl von der Thematik als auch vom grundsätzlichen Aufbau her stark ähneln. Insgesamt recht gute Unterhaltung, dass die Romane beide aus den 70ern stammen und damit schon recht gut abgehangen sind, merkt man ihnen jedenfalls nicht unbedingt an. Sprachlich fallen vor allem in "Die Blutgräfin" einige sehr kurze Sätze (zum Teil in direkter Folge) auf, was der Geschichte stellenweise fast schon einen etwas Telegramm-artigen Stil verleiht. Dennoch fand ich die beiden Heftromane aus den 70ern sprachlich besser als manches aktuelle Kleinverlagsbuch. Positiv fällt auch die Ausstattung des Buchs auf: Thematisch sinnvoll wurden hier die wohl wesentlichen Beiträge von Hugh Walker zum Thema Hexen zusammengefasst, abgerundet durch Vorwort, Nachwort, den zugehörigen Exposés und biographischen Informationen zu Autor und Illustratorin. Das Buch selbst wurde zwar von Amazon Fulfillment in Polen gedruckt, ist aber erfreulicherweise ein solide verarbeitetes Taschenbuch. Eventuell gibt es da unterschiedliche buchbare Qualitätsstufen, die letzten Kleinverlags-Bücher, die ich von dort erhalten habe, waren deutlich welliger und generell irgendwie "lappiger".