Beiträge von Sar-Sargoth

    Ganz wichtig:


    Marburger Verein für Phantastik & Dreamland Productions - Verlockung des Bösen. Marburg-Award 2022 (Verlag Lindemann/Eigenverlag)

    Guter Punkt: Weiß hier jemand, ob und wo man das Buch noch erwerben kann, wenn man es dieses Jahr nicht zum Marburg Con geschafft hat?

    Selbst eine Preisverleihung, die den meist verkauftesten Roman kürt, bildet leider nicht zwangsläufig den besten Roman ab.

    Aber da steckt dann zumindest eine Aussage drin: Das Buch verkaufte sich in dem Jahr am Besten. Ob als Deko, weil man den Autor mag, weil das Thema generell interessant ist oder weil es tatsächlich am meisten Freude beim Lesen macht, wäre aber tatsächlich nochmal eine andere Frage.


    Bei einem reinen Sympathiepreis, bei dem das ausgezeichnete Buch weder gelesen noch gekauft wurde, wäre das nicht der Fall. Da wäre nur die subjektive Emotion abgebildet, die noch nicht mal auf das konkrete Buch bezogen ist. Sowas ist bei Auszeichnungen wie für das Lebenswerk ok, aber bei einem Preis für ein konkretes Werk würde ich schon zumindest einen klareren Trend erwarten.

    Wenn das klarer formuliert ist, trauen sich vielleicht mehr Leute, ihre Stimme abzugeben und ohne Scham und Hemmung ihre Punkte nach Sympathie zu vergeben.

    Bei den Gewinnern der Vergangenheit spielte die Sympathie ja möglicherweise auch schon oft eine große Rolle.

    In dem Fall bleibt dann aber die Frage, welche Aussage der verliehene Preis dann hat. Der/die Ausgezeichnete war im jeweiligen Jahr am sympathischsten? Für die Qualität des Schaffens oder das Treffen einer Kaufentscheidung sagt er ja dann zumindest eher nichts aus. Das ist zwar generell schwierig, objektiv zu erreichen, aber in der geschilderten Weise könnte ja auch ein ausgesprochen liebenswerter Autor für die Veröffentlichung seiner unstrukturierten Schreibübungen ausgezeichnet werden, oder die Illustrationen eines Dreijährigen, weil er so ein goldiges Kerlchen ist. Ich wäre da eher skeptisch, ob das im Sinne eines Preises wäre.

    Und ganz ehrlich (sorry, falls ich jetzt jemandem auf die Füße trete):

    Ich kenne gerade im Bereich "Hardcore Horror" ein paar Sachen, die hunderte positive Rezis und 4,5 Sterne beim großen A haben. Wenn ich da ins Buch blicke oder in ein Hörbuch reinschnuppere, dann ist das in meinen Augen leider absoluter Müll. Fast grundsätzlich platte Story, billige Effekte, "eindimensionale" Charaktere und ein Schreibstil wie im Schulaufsatz (8. Klasse Realschule ;) ). Dagegen lesen sich Veröffentlichungen von White Train, Eloy Edictions oder aus der Goblin Press, als wären sie von Steinbeck, McCarthy oder Fitzgerald.

    Wobei die Rezis vermutlich echt sind. Solche Sachen lesen eben auch vermutlich nur Leute, die eben auf sowas stehen. Ansonsten kommt man da ja gar nicht hin. ;)

    Ja, die Beobachtung habe ich leider auch schon gemacht. Schrottbücher gibt es leider nicht nur im Bereich Ratgeber.


    Ich hatte da ein paar genauere Blicke riskiert aufgrund der guten Bewertungen. Was ich da teilweise gefunden habe, deckt sich mit dem im Zitat Beschriebenen, ergänzt um missglückte Redewendungen (so im Stile von "Der frühe Vogel hat Gold im Mund"), Rechtschreib- und Gramatik-Fehler, vom Stil gar nicht zu reden. Das ein Buch heute billiger zu produzieren ist als vor einigen Jahrzehnten, steigert da offensichtlich nicht die Qualität, sondern macht Bücher wohl im wahrsten Sinne des Wortes billiger. Umso mehr ist die Eigenverantworung gefordert, bei der Auswahl die passenden Bücher zu finden.

    Auch ich sollte mit meiner Challenge langsam zum Ende kommen. Als Werk aus dem Genre Science Fiction fiel meine Wahl auf einen echten Klassiker: 1984 von George Orwell. Eine ideale Gelegenheit also, diese Bildungslücke zu schließen.


    Die meisten dürften den Inhalt kennen, ich fasse den hier also mal nur kurz zusammen: Die eigentliche Handlung ist auch insgesamt eher kurz, der Hauptfokus des Buchs liegt auf der Beschreibung eines dystopischen Staates, der wohl aus den Eindrücken der damaligen Sowjetunion unter Stalin entstanden ist. Es herrscht totale Überwachung (hier kommt der mittlerweile sprichwörtliche Große Bruder als Personifikation der herrschenden Partei ins Spiel) und Mangelwirtschaft. Die Welt ist inzwischen in 4 wesentliche Teile unterteilt: Es existieren 3 große Reiche (Ozeanien, Eurasien und Ostasien) sowie ein umkämpfter Bereich (dieser wird wohl auch bewusst in diesem Zustand, belassen so dass jedes der 3 Großreiche Gelegenheit erhält, sich dort billige Arbeitskräfte zu beschaffen). Die Bevölkerung wird weitestgehend unterdrückt und durch Propaganda in die gewünschte Richtung gelenkt. Sollte diese Lenkung nicht funktionieren, drohen Folter und Tod durch ein speziell dafür vorgesehenes Ministerium.


    Vor diesem Hintergrund wird das Leben des Hauptcharakters Winston Smith erzählt, der mit der Situation und seinem Leben nicht wirklich zufrieden ist. Er fängt aus einer Laune heraus an, Tagebuch zu schreiben und lässt dadurch an seinen Eindrücken teilhaben. Bereits das Führen des Tagebuchs ist allerdings verboten. Im weiteren Verlauf verliebt er sich und schließt sich dem Widerstand an, wird aber dank der Überwachung relativ schnell festgenommen. Danach wird er duch Folter und Gehirnwäsche zum braven Parteianhänger umgekrempelt.


    Auch heute noch liest sich das Buch sehr gut und flüssig. Interessant sind vor allem die Beschreibungen, da fragte ich mich an mehreren Stellen ob der stalinistische Terror damals schon in diesem Umfang bekannt war und hier entsprechend einfließen konnte oder ob das aus damaliger Sicht zumindest zum Teil Fiktion war, die dann aber erstaunlich nahe an der Realität war. Insgesamt ist das Buch auch heute noch lesenswert und eine eindrückliche Warnung vor totalitären Staaten. Stellenweise lassen sich auch noch Parallelen zur Gegenwart finden (etwa die 2-Minuten-Hass-Sendung erinnerte mich doch recht unangenehm daran, was mittlerweile in manchen Diskussionsrunden auf Facebook und Telegram zu laufen scheint).

    Mal eine organisatorische Frage im Hinblick auf Budget und Versorgung mit Weihnachtsgeschenken: Für dieses Jahr ist ja noch die Veröffentlichung von "The only good Indians" (und von "Weißer Schrecken") geplant. Ich höre allerdings zunehmend von Büchern, die es aufgrund von Lieferengpässen etwa bei den Druckereien wohl doch eher nicht mehr dieses Jahr schaffen. Wie sieht es denn in diesen beiden Fällen aus?

    So wie es aussieht, scheitert der Vincent Preis in erster Linie nicht an der Organisation, sondern schlicht an der fehlenden Resonanz. Da nützen das größte Team und das beste Konzept nichts, wenn sich letztlich viel zu wenige Leute dafür interessieren und nicht genug nominiert bzw. abgestimmt wird.

    Das ist auch meine Beobachtung... aber ich bin ja auch eher skeptisch bei derartigen Preisen (ist hier wahrscheinlich gelegentlich auch schon angeklungen;)).


    Mal ganz hart nachgefragt: Braucht es einen Preis wie den Vincent? In der Vergangenheit war zwar hin und wieder Klage zu hören, wenn er in Zukunft nicht mehr verliehen werden sollte, aber motiviert genug, die damit verbundene Arbeit auf sich zu nehmen, war ja dann offensichtlich doch keiner. Der Preis scheint damit ein netter Bonus gewesen zu sein, der von den Ausgezeichneten gerne mitgenommen wurde, aber so hoch, dass man Arbeit hineininvestiert hätte (auch mit der Gefahr nicht ausgezeichnet zu werden bzw. Vorwürfen, wenn man "sich selbst auszeichnet"), war der Stellenwert dann ja doch nicht. Unterm Strich scheint sich die aufzuwendende Arbeit damit nicht für den resultierenden Mehrwert zu lohnen und letztlich kein wirklicher Bedarf zu bestehen.

    Im nächsten Jahr wird eine neue Weird Fiction-Reihe im Festa-Verlag gestartet:


    Quelle: Festa-Facebook-Seite


    Klingt zunächst mal nach einer interessanten Alternative zu dem Monstersperma-Ekel-Kram. Als erste Bände sind zwei Sammlungen von Bram Stoker und eine Sammlung von Robert Aickman geplant. Was mich allerdings (erneut) stört, ist die fehlende ISBN. Immerhin fehlt diesmal der zusätzliche "Limitiert-Teaser". Anscheinend hat Festa mittlerweile eine Größe erreicht, bei der das weitgehende Aussparen des regulären Buchhandels profitabler ist. Potentielle Kunden aus Österreich oder der Schweiz dürfte das auch eher weniger freuen.

    Da fällt mir ein, dass das Buch vor einer Weile sehr gelobt wurde und die englische Version noch ungelesen in meinem Regal steht... sollte ich wohl endlich mal lesen. Aber schon interessant, wenn die Übersetzungen ihre Zeit brauchen... ich hatte in der letzten Zeit doch einige Neuerscheinungen bereits im englischen Original.

    Für meine Neuerscheinung aus 2021 habe ich "Später" von Stephen King gewählt:

    Zitat

    Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, aber er steht seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und sogar mit ihnen reden. Und sie müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga bleibt leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe … Die beiden treten eine Reihe von unabsehbaren Ereignissen los, und schließlich geht es um, nun ja, Leben und Tod.

    Eines der kürzeren Bücher von Stephen King, dass abgesehen von der Länge für mich relativ typisch ist für seine letzten Werke: Die Grundidee ist nicht sonderlich innovativ, ein Kind, dass Tote/Geister sehen kann, gab es in unterschiedlichen Varianten schon öfter. Aber zumindest enthält dadurch einige eindeutige phantastische Elemente. Auch menschliche Abründe werden dargestellt, etwa der Abstieg der zunächst recht netten Freundin der Mutter, die Jamies Fähigkeit später auch nach dem Ende der Beziehung ziemlich drastisch missbraucht, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Interessant am Rande sind die Bemerkungen Kings zum Literaturbetrieb generell: Der kommt nicht immer gut weg und bestätigt ein paar Befürchtungen, die ich bereits vermutet hatte.


    Insgesamt nette Unterhaltung für Zwischendurch (da die Länge hier nicht ausufernd war bleibt es auch bei dem Zwischendurch), King kann für meinen Geschmack nach wie vor sehr unterhaltsam schreiben. Allerdings hätte ich nichts dagegen, auch mal wieder ein Buch von ihm mit "spektakulärerer" Thematik zu lesen.