Düstere Gedichte

  • Clive Barker hat Gedichte geschrieben, nicht unbedingt Düster-Lyrik.


    In den drei Abarat-Bänden ist jedem Kapitel ein Gedicht vorangestellt.


    Fürchte nicht die Bestie,

    Die allein zu dir kommt,

    Die Einsamkeit selbst wird sie töten,

    Und fürchte nicht jene,

    Die als Meute jagen.

    Sie sterben, wenn man sie von ihrer Sippe trennt.

    Nur die eine Bestie sollst du fürchten,

    Die niemals zu dir kommt.

    Sie ist schon hier und sieht die Welt durch deine Augen.


    (aus Abarat 3)

  • Felix Dörmann



    Was ich liebe


    Ich liebe die hektischen, schlanken

    Narzissen mit blutrothem Mund;

    Ich liebe die Qualengedanken,

    Die Herzen zerstochen und wund;

    Ich liebe die Fahlen und Bleichen,

    Die Frauen mit müdem Gesicht,

    Aus welchen in flammenden Zeichen,

    Verzehrende Sinnenglut spricht;

    Ich liebe die schillernden Schlangen,

    So schmiegsam und biegsam und kühl:

    Ich liebe die klagenden, bangen,

    Die Lieder von Todesgefühl;

    Ich liebe die herzlosen, grünen

    Smaragde vor jedem Gestein;

    Ich liebe die gelblichen Dünen

    Im bläulichen Mondenschein;

    Ich liebe die glutendurchtränkten,

    Die Düfte, berauschend und schwer;

    Die Wolken, die blitzedurchsengten,

    Das graue wuthschäumende Meer;

    Ich liebe, was niemand erlesen,

    Was keinem zu lieben gelang:

    Mein eigenes, urinnerstes Wesen

    Und alles, was seltsam und krank.