Clark Ashton Smith - Werkausgabe - Band 1: Die Stadt der singenden Flamme

  • Im Verlag Festa ist die deutschsprachige Werkausgabe von Clark Ashton Smith in sechs Bänden erschienen:


    Werkausgabe 1-6 Festa Verlag


    Der Vorschlag ist, in einem Lesezirkel im Laufe der Zeit die sechs Bände zu lesen und sich darüber auszutauschen. Die Dauer spielt ja bei solch einem Werk dieses Titanen der phantastischen Literatur keine Rolle, immerhin hat er selber damit sein ganzes Leben verbracht. Tage oder Wochen der Aufmerksamkeit für seine Welten zu erübrigen kann ich kaum erwarten. Damit die Übersicht nicht verlorengeht, schlage ich hier einen ersten Thread mit Band 1 vor. Sollte es klappen, dass ein paar Teilnehmer interessiert mitlesen und es Spaß machen, dann könnte zu gegebener Zeit Band 2 als eigener Thread folgen usw.


    Die Idee kam im Juni 2022 im folgenden Thread durch einen Hinweis auf die Werkausgabe auf:


    Clark Ashton Smith


    Im vorgenannten Thread werde ich auch nochmal darauf hinweisen. Ich habe in den vergangenen Tagen einfach mal angefangen und warte jetzt nach den ersten Erzählungen zunächst mit einer Pause einmal ab, ob sich hier ein paar Leser dazugesellen.


    Da ich einzelne Erzählungen Smith´ aus meinen Jugend-/Studientagen aus den alten Suhrkamp-Ausgaben kenne weiß ich, dass uns phantastischste Lesewelten erwarten, ein Rausch der Sprache und Einbildungskraft. Ich bin heftig neugierig, auch mit dem gelesenen Gesamtwerk von Lovecraft im Hinterkopf ...

  • Eine schöne und interessante Idee. Ich würde mich gern daran beteiligen.

    Ich hab alle 6 Festa Ausgaben bei mir aber diese bisher nicht der Reihe nach durchgearbeitet sondern lese hier und da immermal eine Geschichte daraus. Hab zwar schon so 40-50 Geschichten gelesen, aber das ist angesichts des Umfangs des Werkes von Smith auch nur ein Bruchteil bisher. ^^

    Wir begreifen das Schreiben als Kommunikationsmittel. So gesehen ist Effizienz das Wichtigste. Doch die Schrift war schon immer viel mehr als nur Sprache. Seid 5000 Jahren ist die Form der Buchstaben, der Schriftzeigen und Hyroglaphen Ausdruck all unserer kulturellen und relogiösen Idenditäten, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Das ist ihre verborgene Macht. Denn wenn wir schreiben offenbaren wir unsere Idendität in jeden Wort, ob es nun einen Sinn ergibt oder nicht.

  • Ich bin jetzt bei den "Abscheulichkeiten von Yondo" angekommen und habe dank YouTube alles als Hörbuch gehört.


    "Gehaltvolles" kann ich leider auch nicht dazu schreiben. Handlung war bis jetzt nicht so viel vorgekommen. Barocke Beschreibungen von exotischen Umgebungen. Intensive Landschaftsbeschreibungen.


    Den ersten Band habe ich schon mal gelesen als er gerade erschienen war und auch damals hat mir das meiste gut gefallen, aber schreiben konnte ich dazu auch nicht viel. Es ist die Vielfalt, die mir gefällt. Die unterschiedlichen Szenarien und die unterschiedlichen Themen und der visuell anregende Stil.


    Ärgerlicherweise fehlt mir nur der Band, der vergriffen ist.

  • Ich bin mittlerweile auf Seite 262 bei der Erzählung Der Eisdämon angekommen, auf die ich mich freue, weil es eine der beiden Erzählungen von Smith ist, die in einer polaren (vereisten) Landschaft spielt (die zweite ist Die Ankunft des weißen Wurms im gleichen Band). Also sollte ich wohl auch mal etwas zum Lesezirkel beitragen. Ich habe es ja nicht anders gewollt.


    Stephen Jones: Die vergessenen Welten des Klarkash-Ton


    Den ausführlicheren und sachkundigen Essay als Einführung zu lesen ist aus meiner Sicht ein sehr angenehmer Einstieg. Statt aus seinem Alltag direkt in zahlreiche Texte hineinzufallen, bietet Jones dem Leser hier ein atmosphärisches Bild des Menschen und Künstlers C. A. Smith, was dem Lesen der Erzählungen eine gute Grundierung gibt. Auch wenn der Text einen etwas "editorischen" Schwerpunkt hat.


    Gleich auf S. 12 macht der Hinweis neugierig, dass The Black Diamonds die längste Erzählung im Schaffen des Autors ist (bislang nicht ins Deutsche übersetzt und mithin nicht in der Werkausgabe enthalten, die englischsprachige Ausgabe hat immerhin 188 Seiten).


    Und es „(….) werden Smiths Protagonisten oft vom Reiz des Exotischen in Tod und Verderben gelockt“, erfahren wir auf S.16, was sich im ersten Band dann auch rasch bestätigen wird. In der Werkausgabe werden ja immer wieder Briefe von Smith, Howard oder Lovecraft zitiert, so dass die Autoren selbst in der Betrachtung ihrer Werke zu erleben sind.


    So ist dann auch die Selbsteinschätzung Smith auf S.18 interessant: „Mir liegen reale Schauplätze einfach nicht genug am Herzen, und sie interessieren mich nicht genug, um ihnen die Atmosphäre zu verleihen, die mir bei etwas gänzlich Erfundenem gelingt“. Hier kann sich auch der Leser phantastischer Literatur wiederfinden, der auf der Suche nach diesen speziellen Atmosphären ist, als kleine Flucht aus seinen eigenen realen Schauplätzen.


    Dass der großartige Vincent Price himself in einer der auffallend spärlichen filmischen Adaptionen von Stoffen Clark Aston Smith mitgespielt hat war mir bislang auch nicht geläufig (S. 35). Auf jeden Fall ein Anlass für mich, einmal in dieser Richtung nach neuen Eindrücken zu suchen.


    Der Essay von Stephen Jones erschien übrigens erstmals im Original 2002 nicht als Einführung, sondern als Nachwort zu seiner Anthologie mit Werken von Smith „The Emperor of Dreams“:


    Emperor of Dreams

  • Die Stadt der singenden Flamme


    Die Erzählung besticht zunächst durch den Rahmen, in dem ein Ich-Erzähler (Hastane) das Tagebuch eines Freundes (Giles Angarth) wiedergibt. Dieser berichtet von einer stimmungsvollen Wanderung in der realen Landschaft von Crater Ridge (die Landschaft Nord-Kaliforniens, in der Smith selber sich zu der Erzählung inspirieren ließ), in der er durch eine Art Dimensionstor "stürzt" und in besagte Stadt der singenden Flamme gelangt. Nach seiner Rückkehr und wiederholten Reise mit einem Begleiter dorthin gipfelt die Erzählung in einem drogenrausch-artigen Reigen.


    Als Auftakt für das Werk Smith´ scheint mir die Erzählung sehr gut geeignet:


    Die Darstellung des Verlustes und Auflösung der gewohnten menschlichen Umgebung. Die Überlagerung fremder Dimensionen mit unserer Realität im Beiläufigen (hier: das Dimensionstor zwischen merkwürdigen Felsen). Das passive Erleben eines gesichtslosen Protagonisten. Vollkommen exotische Settings aus bizarren Landschaften, Architekturen und fremdartigen (nicht immer bedrohlichen) Wesen. Rauschartig besinnungslose Abläufe. Der Zwang, sich der Erkenntnis des Unbekannten unter Lebensgefahr hinzugeben.


    Ich habe das Lesen sehr genossen, mit der üblichen Neugier beim Beginn eines Buches. Definitiv eine Story, die ich irgendwann wieder zur Hand nehmen werde, die sich einprägt.


    Eine gute Zusammenfassung und weitere Hinweise hält übrigens Wikipedia bereit:


    Wikipedia: Die Erzählung "Die Stadt der singenden Flamme"