Beiträge von Cheddar Goblin

    Hallo Cheddar Goblin,

    vielen Dank für das ausführliche und wertvolle Feedback!

    Und vielen Dank für die ausführliche und wertvolle Antwort. Hat mir tatsächlich geholfen, die Geschichte etwas genauer zu verorten. Ich wollte Morrow auch nie in Abrede stellen, ein humanistischer Autor zu sein. "Schreckliche Schatten" ist definitiv ein Statement gegen Lynchjustiz und die Auge-um-Auge-Mentalität im Allgemeinen. Ich hatte die Erzählung (durch deinen obigen Post) eben nur unter der Prämisse gelesen hier einen anti-rassistischen Text vor mir zu haben und daher ständig auf einen finalen Twist gewartet. Im Nachwort wird ja auch auf die Black Lives Matter-Bewegung eingegangen, die sich u.a. gegen die Tötung von Schwarzen durch Polizeibeamten einsetzt. Da passt "Schreckliche Schatten" allein schon wegen Ole Bony mMn jedoch nicht so ganz rein. Trotzdem genießt Morrow, der sich mit seien Texten sicher nicht nur Freunde gemacht hat, meinen vollen Respekt.

    (...) als wenn er vordergründig und mit dem "Holzhammer" die Gleichheit der Menschen propagieren würde.

    Manchmal reicht mit da tatsächlich auch der Holzhammer. Vor allem bei Rassisten.

    Und das ist es letztlich auch, was für mich große Literatur ausmacht - ein relevanter Subtext und vielschichtige Interpretationsmöglichkeiten, die auch noch 150 Jahre nach der Erstveröffentlichung einen Nerv treffen ...

    Absolut!

    Die Illus wird es natürlich auch in der Print-Version geben...

    :thumbup:

    Wird dann auch jede Geschichte so viel Illustrationen haben, wie "Schreckliche Schatten"? Wie du schon sagst, war das eBook ja fast schon eine Graphic Novel.

    Könnte ganz interessant werden...

    ...wurde es aber leider nicht. Circa 90 Minuten läuft man in einem Loop immer und immer wieder durch den gleichen Hausflur und bekommt dabei völlig random Jump-Scares vor den Kopf geknallt. Mehr als eine billige Geisterbahn ist "Evil Inside" leider nicht geworden. Das Geld kann man sich echt sparen.

    "Schreckliche Schatten" hinterließ bei mir einen recht zwiespältigen Eindruck. Wie Morrow den geschilderten Gewalttaten eine fast schon dämonische Komponente verleiht, ist definitiv ziemlich stark. Auch wenn ich dabei permanent auf einen Twist/ eine Pointe gewartet habe (wie wir sie in "Der Affe, der Idiot und andere Leute" zuhauf finden), die es diesmal aber gar nicht gab - What you see is what you get.

    Trotzdem blieben bei mir am Ende aber zu viele Fragezeichen übrig: War der Schwarze der Täter oder wurde er nur aufgrund seiner Hautfarbe verurteilt? Im Text heißt es eindeutig: "Es war der Verbrecher". Setzt Morrow hier (wie im Nachwort behauptet wird) also wirklich ein Statement gegen Rassismus/ Racial Profiling? MMn nicht. Zumal der Henker "Ole Bony" ja ebenfalls schwarz ist, den Weißen ständig Widerworte gibt und bei seiner "Arbeit" auch eine perverse Freude zu empfinden scheint - Also nichts unter Zwang tut. Das sagt alles nichts über die Qualität der Geschichte aus, die definitiv vorhanden ist, aber eine klare anti-rassistische Botschaft findet man bei Morrow dann mMn doch eher in "Der Held der Seuche".


    Jo Piccol: Sind die Illustrationen eigentlich nur ein Bonus für das eBook, oder wird es sie auch im zweiten Morrow-Band geben?

    "Grottig" ist zu hart, denn ich hatte mit "We sold our Souls" durchaus meinen Spaß. Wie schon bei den anderen Büchern des Autors, fand ich die erste Hälfte eben nur wesentlich stärker als die zweite. Das ist aber sicher Geschmackssache.

    Nur das Ende ist mMn wirklich enttäuschend und völlig antiklimaktisch.

    "Seit dieser Woche laufen in den USA die Dreharbeiten zur schrägen Exorzismus-Geschichte über die besten Freundinnen Abby Rivers und Gretchen Lang, die seit Kindestagen einfach unzertrennlich sind." (Quelle: blairwitch.de)


    Ich bin mal gespannt. Für mich (trotz diverser Schwächen) auch das beste Buch von Hendrix. Hab "The Southern Book Club's Guide To Slaying Vampires" aber noch nicht gelesen.


    ... glaube ich auch, dass Morrow die Stelle, wo der Protagonist mit der Frau ohne Unterleib "füßelt", bewusst eingebaut hat, um anzudeuten, dass sie in Wirklichkeit sehr wohl einen Unterleib mit Beinen besitzt ...

    So hatte ich das auch interpretiert. Fand die Geschichte generell ziemlich großartig. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

    ... daher habe ich auch vor, als über-übernächsten Band der UNTOTEN KLASSIKER (wenn es sich ausgeht noch im Herbst) eine weitere Morrow-Ausgabe zu bringen ...

    Da bin ich definitiv dabei.

    Wir haben die Geschichte, mit der Morrow sozusagen unter den Fittichen von Ambrose Bierce den Durchbruch geschafft hat, vorweg schon mal als Mini-Ebook (natürlich erstmals auf Deutsch übersetzt, und mit tollen Illustrationen versehen) herausgebracht ...

    Danke für die Info. Hab mir die Geschichte gleich mal runtergeladen.

    Auch mein dritter Hendrix-Roman hat mich ganz gut unterhalten, zum Hardcore-Fan werde ich aber wohl nicht werden.

    Auf der Haben-Seite steht diesmal eindeutig Hauptfigur Kris Pulaski. Nicht nur weil Frauen im Metal schrecklich unterrepräsentiert sind, sondern weil ihre Charakterisierung auch noch recht ungewöhnlich ausfällt und nicht unbedingt dem Bild entspricht, welches man sich von der typischen Heldin eines Horrorromans macht: Kris ist völlig abgebrannt, extrem erfolglos, chronisch angepisst und außerdem 47 Jahre alt (Auf das Buchcover hat man dann aber trotzdem eine Dame gesetzt, die nur halb so alt ist.)

    Ich fand es auch ziemlich amüsant, wie sich Hendrix über diverse Verschwörungstheorien (MKUltra, George Soros) und Nu-Metal-Bands wie Korn und Slipknot lustig macht. Dass der Oberbösewicht deutlich an Marilyn Manson angelehnt ist, passt auch ganz gut. Zumal ja gerade in letzter Zeit ein paar unschöne Dinge über Manson ans Tageslicht kamen.

    Außerdem gelingt es Hendrix durchaus Spannung zu erzeugen, denn man will als Leser schon unbedingt wissen, was damals zum Bruch von Dürt Würk geführt hat und was es genau mit dem Blind King auf sich hat. Diese Fragen werden jedoch schon nach der Hälfte des Romans beantwortet und danach war bei mir irgendwie die Luft raus. Pulaskis Aufenthalt im Umerziehungslager und anschließende Reise zum Hellstock-Festival fand ich stellenweise dann doch etwas langatmig. Und der Subplot mit Melanie war auch völlig unnötig.

    Und wie beschissen ist denn bitteschön das "Finale"? Wirkte auf mich so als wäre Hendrix absolut nicht eingefallen, wie er das Ganze zu Ende bringen soll.

    Das klingt ganz anders als die Klappentexte, viel komplexer, aber evt. auch verworrener...

    Ich hab das Buch ja gebraucht für ein paar Euro gekauft und dort fehlte leider der Buchumschlag. Zum Klappentext kann ich also nichts sagen. Ich hab "Alto Solo" gelesen, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. War aber auch ganz reizvoll.

    Kurzum: Stalinismus.

    So könnte man es vielleicht auch sagen ?(.

    Ach, das klingt irgendwie wie Platonows The Foundation Pit.

    Ein Buch, das schon seit Jahren auf meines Liste steht. Sollte ich vielleicht endlich mal lesen.

    Oh, aber du sagst 120 Seiten, dafür klang es eigentlich nach recht viel (Personal, Themen). Interessant.

    Stimmt. Der ständige Sprung von einer Person zur nächsten liest sich anfangs auch ziemlich unterhaltsam, nach einer Weile wurde es mir dann aber doch etwas too much bzw. zu ermüdend. Auch weil ich etwas gebraucht habe, bis ich verstanden habe, was Volodine überhaupt von mir will.

    Im zweiten Teil folgen wir dann nur noch dem eigentlichen Erzähler, dessen Schilderungen fand ich stellenweise dann aber wiederum etwas zu langatmig... Das klingt jetzt aber alles negativer, als es eigentlich ist.

    Ich freue mich schon riesig auf mein Radiant Terminus.

    Und ich bin schon auf deine Rückmeldung gespannt. Das Buch klingt extrem spannend.

    Ich bin mal gespannt, was du zu den anderen Büchern sagst, dann würde ich die auch bestellen.

    Mit "Alto Solo" bin ich jetzt durch:


    Drei Männer aus der Gefangenschaft entlassen, „mehr aus Platzmangel als der guten Führung wegen.“ Ein verletzter menschlicher Vogel, der nicht in den Süden fliegen konnte und unter Schmerzen und Einsamkeit leidet. Ein Clown, „der eine Phobie gegen alles entwickelt hat, was den Tod angeht.“ Der beste Pferdedieb des Landes, der einen so langen Schnurrbart hat, dass man ihm im Nacken zusammenbinden kann - Als Zeichen dafür dass „man ein hartes, mühseliges Leben hinter sich hat, (...) daß man die schlechte Behandlung durch Großgrundbesitzer nicht erleiden mußte“ - Und keine Haarschneidemaschine...

    Das sind die Protagonisten dieser kurzen Novelle (125 Seiten). Zumindest ein paar der Protagonisten. Denn was deren Menge angeht, scheint sich der Erzähler selbst nie wirklich sicher zu sein: „Dies ist die Geschichte eines Mannes. Zweier Männer. Tatsächlich sind es drei. (…) ein Mann und eine Frau, tatsächlich sind es vier (...) tatsächlich sind es fünfhundert, Tausende, sie sind Legion, Millionen...“ Sie alle sind Opfer eines totalitären Regimes. Das politische System - Frondismus - ein Konglomerat aus allem was scheiße ist: Gulags, Säuberungswellen, Kriegspropaganda, Feldzüge gegen intellektuelle, Zensur und ganz viele Männer in langen Mänteln.

    Eine richtige Handlung gibt es dabei nicht. Besonders im ersten Teil der Novelle springen wir scheinbar völlig wahllos von Person zu Person. Eine wirre Ansammlung skurriler Mini-Biographien, die uns aber sukzessiv die hässliche Welt von „Alto Solo“ aufzeigen - Und die Menschen, die unter ihr leiden und dagegen ankämpfen.

    Wie Volodine tickt wird besonders deutlich, als der Schriftsteller Khadschibakiro (eine Art Alter Ego) in Erscheinung tritt: „Die Abscheulichkeiten des Tagesgeschehens pflegte er in seinen Büchern durch seine eigenen absurden Bilder zu ersetzen. Durch seine eigenen, befangenen Halluzinationen, ängstlich und angsteinflößend.“

    Deutschlandfunkkultur bezeichnete das schmale Buch voller Massenentführungen und Massenwahn als eine „gelungene Rehabilitierung politischer Prosa“. Ich weiß nicht ob diese Art von Prosa rehabilitiert werden musste, für gelungen halte ich „Alto Solo“ aber ebenfalls. Auch wenn es (wie schon „Mevlidos Träume") etwas zu lang geraten ist. Beeindruckt hat mich diese extrem pessimistische, surreale und experimentelle Geschichte voller Hass und Ekel aber trotzdem. (7/10)