Beiträge von Cheddar Goblin

    Inzwischen ist die Neuauflage auch ganz offiziell für November 22 beim Blitz-Verlag angekündigt:



    Zitat

    Die Sammlung von insgesamt 15 dunkel-phantastischen Geschichten führt in Realitäten, die andersartig, fremd und meist erschreckend sind. Den Schwerpunkt bildet, wie in der Titelgeschichte anklingt, Lovecrafts kosmischer Schrecken. Während das mysteriöse Arkheim auf ehemals deutschem Boden liegt, führt der Arrandak-Horror in das dunkle Neu-England Anfang des 20. Jahrhunderts. In den Sümpfen ruft Von Junzt geheimnisvolle Kulte in Erinnerung. Die weiteren Geschichten orientieren sich mehr oder weniger lose am Thema, haben jedoch gemein, dass sie in finstere, albtraumhafte Welten führen. Stilistisch und inhaltlich orientieren sich die Erzählungen am Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts. Allzu moderne Einflüsse wurden vermieden.

    Quelle: https://blitz-verlag.de/index.php?action=buch&id=3825


    Gegenüber der Erstveröffentlichung bei der Goblin Press scheint es drei neue Geschichten zu geben. Und den Titel hat man auch geändert, wahrscheinlich damit es mehr nach Lovecraft klingt.

    Infinite Frontier – Joshua Williamson & Xermanico



    Meine Meinung:

    Okay, ich hab hier zwar schon zwei Batman-Comics vorgestellt und lese mich gerade mit großer Begeisterung durch den genialen "X-Men"-Run von Jonathan Hickman, aber zu Superheldencomics greife ich trotzdem eher selten. "Infinite Frontier" habe ich mir aber geholt, weil die Geschichte u.a. stark auf Jack Kirby "Fourth World"-Epos und Grant Morrisons "Multiversity" und "Final Crisis" aufbaut.

    Ersteres hatte es damals völlig zu Recht in die Liste der 100 besten Comic aller Zeiten geschafft. In der Begründung (von Cord Wiljes) hieß es: "Das Werk ist durchzogen von einer tiefgreifenden Symbolik, deren Interpretation ganze Doktorarbeiten füllen würde." Wenn also irgendwo die New Gods auftauchen, bin ich zumindest vorsichtig interessiert.

    Und die "Final Crisis" war damals auch ein kleines Meisterwerk, oder um mal Marc-Oliver-Frisch von Comicgate.de zu zitieren: "Leidenschaftlicher und aufsässiger, ambitionierter und dringlicher als in Final Crisis waren Superhelden-Comics nie - auch bei Alan Moore nicht."

    Nachdem Snyder (Scott nicht Zack) sich zuletzt an den erwähnten Werken versucht hatte und dabei mMn eine ziemlich unlesbare, überfrachtete und pseudo-komplexe Sauce namens "Metal" und "Death Metal" fabrizierte, darf jetzt also Joshua Willamson ran. Und gleich vorweg: Er stellt sich wesentlich besser an. Eine morrison'eske Mindfuck-Orgie darf man aber nicht erwarten. Und ein neuer Kirby wird aus ihm sicher auch nicht.

    Doch worum geht's eigentlich? Die Menschheit ist sich neuerdings bewusst, dass es ein Multiversum gibt und steht deshalb kurz vor einer kollektiven Panikattacke. (Auch wenn ein paar das Ganze als reine Verschwörungstheorie oder Massenhalluzination abtun.) Der Gott Darkseid (bekannt aus Fourth World) verspricht den Verängstigten, die einfach nur wollen dass ihr Universum so bleibt wie es ist und es zu keinerlei Durchmischung kommt, nun eine Mauer Lösung. Als Gegenzug sollen sie ihn nur ein paar Metawesen beschaffen, damit er ihr Adrenochrom aberneten kann...

    Okay, Letzteres hab ich erfunden, aber im Prinzip ist Darkseid hier so eine Art Donald Trump, der einen wütenden und verunsicherten Mob um sich schart, um so die absolute Macht zu erlangen. Da passt es auch ganz gut, dass das Heldenteam, welches u.a. aus einem sprechenden Hasen besteht, von einem PoC-Superman angeführt wird, der zufällig auch noch Präsident der Vereinigten Staaten ist. I love it!


    Fazit:

    Um mich kurz zu fassen: Ich hatte meinen Spaß mit dem Teil. Man sollte allerdings wissen, dass "Infinite Frontier" nur die Vorgeschichte zur bald startenden "Dark Crisis" ist und dazwischen auch noch "Justice Incarnate" kommt (Beides ebenfalls von Williamson).

    Und um hier wirklich komplett durchzusteigen, sollte man nicht nur sämtliche oben erwähnten Werke kennen, sondern auch noch mindestens irgendwann mal "Crisis on Infinite Earths" und "Infinite Crisis" gelesen haben...

    Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Superheldencomics nicht nur häufig eine recht alberne, sondern auch genauso häufig eine albern elitäre Angelegenheit sind? Ich bin trotzdem gespannt wie es weitergeht und kämpfe mich bis dahin durch Hickmans Mutantenepos...

    Ein ehrenwertes Unterfangen!

    Ach, ich werde das hier eher sporadisch betreiben, Axel. Aktuell hab ich wirklich nur die 3 EP-Bände auf dem Plan. Wollte aber nicht zu jedem Buch einen extra Thread aufmachen, daher dieser allgemeingültige "Sammelplatz". Natürlich auch in der Hoffnung, dass hier vielleicht noch andere Mitglieder ein paar Werke besprechen und wir uns ein bisschen über Empfehlungen austauschen können.

    Schon lange vor der EP hat sich übrigens der Verlag Paul Zsolnay mit H. G. Wells befasst und eine Werkausgabe vorgelegt. Auch die verlegerische Leistung von Diogenes ist erwähnenswert.

    Das stimmt natürlich und sollte nicht unterschlagen werden. Das ein oder andere Buch aus den erwähnten Verlagen hab ich auch schon ins Auge gefasst.

    Das Buch ist eigentlich nicht unbekannt und wurde von dem erwähnten Zsolnay Verlag immer und immer wieder aufgelegt: Die Geschichte unserer Welt

    Mit Wells Sachbüchern habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Ich werde es auch erst einmal bei seinen fiktionalen Werken belassen. Dein kurzen Eindrücke lesen sich aber ganz spannend.

    Der neue Stern 21 vom 21.9.2016 widmet sich aus Anlass des 250. Geburtstags Wells und bringt neben Besprechungen die Geschichte The Last Trump,

    Danke für den Tipp, Mammut. "The Last Trump"... was für eine schöne Zukunftsmusik :D. Ich setzt es mir mal auf die Liste.

    Ich muss gestehen das die Welt der Magazine für mich ein weitestgehend unerschlossenes Mysterium darstellt und ich da noch großen Nachholbedarf habe.


    Über H. G. Wells muss man hier ja nicht viele Worte verlieren. Sicher hat ein Großteil der Community seine Bücher "Krieg der Welten", "Die Insel des Dr. Moreau", "Der Unsichtbare" und "Die Zeitmaschine" gelesen, oder zumindest schon mal davon gehört. Abgesehen von den Klassikern (die ich alle mag) hatte ich mich ehrlichgesagt jedoch nie besonders intensiv mit ihm beschäftigt. Die Edition Phantasia widmet sich glücklicherweise seit ein paar Jahren seinen eher unbekannteren Werken und bietet für mich somit eine gute Gelegenheit diese Bildungslücke mal zu schließen.

    Fünf Bücher (teilweise bereits erschienen, teilweise nur angekündigt) stechen dabei besonders heraus: Hochglanzkaschierte Bände im "Pulp-Look" & im Samtschuber, limitiert auf 250 Stück, mit Illustrationen und einem von der Illustratorin handsignierten Porträt von H. G. Wells.

    Ich werde nicht alle lesen, aber zumindest drei davon hab ich mir inzwischen gekauft bzw. vorbestellt. Begonnen habe ich meine Lektüre mit:


    DIE ERSCHEINUNG VON CAMFORD (The Camford Visitation)



    Klappentext:

    "Etwas Unerhörtes geschieht in dem ruhigen Universitätsstädtchen Camford: An der dortigen Universität ertönt plötzlich wie aus dem Nichts eine körperlose Stimme. Die rätselhafte Erscheinung von Camford sorgt für nicht wenig Wirbel in den akademischen Kreisen, denn nicht nur plaudert sie ungeniert aus dem Nähkästchen, sie versichert den bestürzten Professoren auch, dass sie zwar an der Spitze der Bildung, dieser Bildung jedoch auch gleichzeitig im Weg stünden. Und sie warnt vor einem verheerenden Krieg und dem Ende der Welt.

    In „Die Erscheinung von Camford“ warnt H. G. Wells die Weltöffentlichkeit vor einem bevorstehenden Krieg und kritisiert zugleich die Tatenlosigkeit, mit der Europa das Treiben des Faschismus mit ansieht, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Nur wenige Jahre später sollten sich die Prophezeiungen der Stimme von Camford als geradezu prophetisch erweisen."


    Meine Meinung:

    Hierbei handelt es sich nicht nur um ein eher unbekanntes Buch von Wells, es war auch nie besonders erfolgreich. 1937 wurden zehntausend Exemplare angefertigt, wovon sich in den folgenden Jahren allerdings nur zweitausend Stück verkauften. Der Rest wurde dann später vernichtet oder verramscht. Ein Schicksal, um schon mal vorzugreifen, welches die Novelle nicht wirklich verdient hat.

    "Die Erscheinung von Camford" ist mMn eine wirklich nette Gesellschaftssatire, welche sich die Ignoranz bzw. gnadenlose Verblendung der Menschheit zum Thema macht und dabei verdeutlicht, dass es meist nicht wichtig ist, was jemand sagt, sondern wer es sagt. Statt auf die Stimme zu hören, die die Erdbevölkerung vor ihrem drohendem Untergang warnen will, sind die Professoren nämlich vielmehr daran interessiert, was es denn eigentlich mit dem Phänomen auf sich hat. Die Botschaft wird dabei schnell und eher beiläufig als ein "Angriff auf unser Selbstwertgefühl" abgetan. Und dann beginnt das große Rätselraten:

    Einer von ihnen vermutet hinter der Stimme einen unsichtbaren Mann. Wells nutz diese Gelegenheit gleich mal um sich über seinen eigenen Roman von 1897 lustig zu machen: "Es gibt tausend Gründe, weshalb ein unsichtbarer Mann unmöglich ist (...) Sichtbare Pupillen der Augen. Essen. Schmutz. Und so weiter." Es scheint fast so als wäre er 40 Jahre nach der Veröffentlichung nicht mehr ganz so glücklich über die wissenschaftliche Unkorrektheit seines alten Sci-Fi-Klassikers.

    Ein Andere hält die Stimme für ein Alien und schreibt darüber später eine Abhandlung namens "Außerirdische Einflüsse auf den menschlichen Geist". Das erinnert wiederum etwas an das spätere Schicksal von Philip K Dick und seine Exegese, in der zu ergründen versuchte, ob die Visionen oder Stimmen die er sah und hörte außerirdischen oder gar göttlichen Ursprung waren oder ob er nicht einfach "nur" eine Psychose hatte. (Auch wenn PKD beim Erscheinen von Wells Geschichte erst 9 Jahre alt war und wahrscheinlich noch ganz andere Sorgen hatte.)

    Jedenfalls erscheint die Stimme im Verlauf der Handlung noch einer Vielzahl weiterer Personen und führt mit ihnen philosophische Grundsatzdiskussionen. Das macht "Die Erscheinung" auch eher zu einem Thesenroman. Wells bzw. die Stimme reflektieren hier munter über Literatur, Bildung, Kommunismus, Krieg... eine stringente Handlung sollte man dabei nicht erwarten – Eher eine Abrechnung mit der damaligen Gesellschaft, die sich allerdings gar nicht so sehr von der heutigen unterscheidet.

    Am Ende (und hier folgt ein kleiner Spoiler) wird die Stimme dann so lange ignoriert, bis sie schließlich verstummt. Nun können alle endlich so weiter machen wie bisher und sich wieder mit wirklich wichtigen Themen auseinandersetzen - "Ich fand, die Prinzessin hat heute ganz bezaubernd ausgesehen."

    Ergänzt wird das Ganze schließlich noch durch ein gelungenes Nachwort von Horst Illmer – "Die Hälfte aller Sterne am Himmel sind brennende Überreste von Welten die hätten sein können". Alles in allem also eine äußerst lesenswerte Angelegenheit. Ob man dafür allerdings 65,- ausgeben will, muss jeder für sich entscheiden. Ich habe den Kauf jedenfalls nicht bereut.


    Als nächstes werde ich nun "Der Krocketspieler" lesen. Susanne hat hier ja bereits "Die Meerjungfrau" vorgestellt. Sonst noch jemand Erfahrungen mit den unbekannten Werken von Wells?

    ...wenn ich mir das zulege, wird es wohl ausnahmsweise das Deutsche sein.

    Lohnt sich allein schon weil in der deutschen Ausgabe noch zwei zusätzliche Erzählungen drin sind. Eine davon sogar als Erstveröffentlichung. (Gerade die Bonusgeschichten empfand ich jedoch als etwas schwächer als der Rest. Schwächer heißt in diesem Fall aber definitiv nicht schwach.)

    Heute gelesen:




    Department of Truth Vol.3 - Free Country - James Tynion IV & Martin Simmonds

    "Cole Turner hat sein Leben damit verbracht, Verschwörungstheorien zu studieren und als FBI-Ausbilder eine Karriere daraus gemacht, Wahrheit von Unwahrheit zu trennen. Doch auf einer Flat-Earth-Convention lernt Cole die Wahrheit hinter der Wahrheit kennen: Kubrick hat die Mondlandung inszeniert, die Erde ist eine Scheibe, an deren Rand eine riesige Eismauer wartet, und die Regierung wird seit langem von Echsenmenschen unterwandert. Das sind Fakten. Oder könnten es werden, denn eine streng geheime Organisation stemmt sich gegen das Einsickern der alternativen Realität: das Department of Truth. Und Cole soll ihr neuester Agent werden…" (Klappentext zum ersten Band bei Splitter)

    Ich hab "Department of Truth" hier ja schon als eine der besten Image-Serien bezeichnet, die man momentan lesen kann - Das hat sich auch mit Volume 3 nicht im Geringsten geändert. Auch wenn hier diverse Gastzeichner am Werk sind, die mit den brillanten Bildern von Martin Simmonds nicht mithalten können und in "Free Country" auch strenggenommen nur die Backstory von Lee Harvey Oswald erzählt wird und die Haupthandlung dafür erst einmal pausiert wird. Trotzdem gibt es hier wieder jede Menge Input: Der Fall von Rom und die "Erfindung" von Karl dem Großen, die Entstehung des Hexenglaubens und die katholische Kirche als das Urböse, Aleister Crowley und L Ron Hubbard, die zusammen eine "Göttin" heraufbeschwören, Kiffer-Paranoia, MKUltra. Aluhut-Träger, UFOs und Hitlers geheime Bibliothek...

    Der erste deutschsprachige Band von "Department of Truth" ist übrigens gerade bei Splitter erschienen. Egal in welcher Form oder auf welcher Sprache - Die Serie ist eine absolute Empfehlung!



    Batman vs Bigby! A Wolf In Gotham - Bill Willingham & Brian Level

    "After a series of murders that leave Batman stumped, the streets of Gotham are buzzing with the rumors of a werewolf. Batman finds himself left with no choice but to face off against the famed Fables wolf in Batman Vs. Bigby! A Wolf in Gotham."

    Ich bin ja nicht der größte Crossover-Fan, aber wenn Willingham circa 7 Jahre nach dem Ende wieder zu seiner großartigen Vertigo-Serie "Fables" zurückkehrt, weckt das schon mein Interesse - Selbst wenn dies nur für einen Batman-Band für das Black Label bei DC passiert. Wie der Titel schon andeutet beschränkt er sich dabei aber leider nur auf den großen bösen Wolf bzw. Bigby. Ansonsten darf noch Cinderella für ein paar Panel auftauchen und das wars dann auch schon mit den Märchengestalten. Alles Andere hätte aber vielleicht auch nicht zur düsteren und brutalen Stimmung gepasst.

    Generell geht die Handlung deutlich in die "Crime Noir"-Richtung der Videospielumsetzung "A Wolf Among Us" und ist eher eine typische Batman- als eine Fables-Story. Der Fledermaus-Mann agiert allerdings permanent out of character und bewegt sich dabei oft an der Grenze zur Parodie. Die eigentliche Geschichte ist auch nichts Besonderes und mit ihren 6 Heften zudem deutlich zu lang. Der beste Gag ist noch dass hier eine Schädlingsbekämpfungsfirma namens Kafka auftaucht... der Rest ist nicht der Rede wert. Erst recht nicht für "Fables"-Fans.

    Filmkomponistinnen - Ein paar spontane Empfehlungen:


    Nachdem "Censor" hierzulande ja bisher nur auf ein paar Festivals zu sehen war, kann man ihn nun endlich auch streamen. Der Film hat mich ziemlich enttäuscht und auch der Score von Emilie Levienaise-Farrouch ist mMn recht generisch - Aber zumindest der Titeltrack ist ganz nett. Außerdem hat er mich auf die Idee zu diesem Post gebracht:



    Inhaltlich hat mich "Censor" gerade am Anfang gelegentlich stark an "Berberian Sound Studio" erinnert. Nicht nur der deutlich bessere Film, sondern auch ein großartiger Soundtrack, der von der Band Broadcast stammt. Ein Großteil der Musik hat dabei die Frontfrau Trish Keenan beigesteuert:



    Wenn wir über tolle Filmkomponistinnen sprechen dürfen zwei Namen ganz sicher nicht fehlen: Mica Levi und Hildur Guðnadóttir.

    Für ihren "Joker"-Soundtrack hat Guðnadóttir, die viel mit Johan Johansson zusammengearbeitet hat, zwar den Oscar gewonnen, ihr Score zu "Chernobyl" fand ich aber schon immer wesentlich interessanter:



    Und Mica Levis "Under the Skin"-OST ist definitiv ebenfalls ein kleines Meisterwerk, der es damals bei der Spex sogar in die Top10 der besten Alben von 2010-2019 geschafft hatte. Ihren hypnotischen Charm entfacht die Musik aber nur, wenn man den Soundtrack am Stück hört. Hier trotzdem mal ein Song:



    Eine fantastische Künstlerin ist sicher auch Fatima Al Qadiri. Besonders ihre Filmmusik zu "Atlantic" fand ich immer extrem stark. Fast sogar noch besser, als ihre letzte reguläre Platte (die aber auch richtig gut ist):



    Als ich vor ein paar Monaten den Trailer zu "Was geschah mit Bus 670?" gesehen habe, blieb besonders die äußerst bedrückende Musik von Clarice Jensen hängen. Ihr Score zu dem mexikanischen Film, der im Original "Sin Señas Particulares" heißt, ist leider nur sehr kurz, aber dennoch hörenswert:



    Mir würden durchaus noch ein paar weitere interessante Komponistinnen einfallen (z.B.: SØS Gunver Ryberg, Chelsea Wolfe, Gazelle Twin), aber fürs Erste sollte das hier mal reichen.

    Inzwischen dann auch mal gesehen und ziemlich enttäuscht. Der Anfang erinnert stark an Peter Stricklands Giallo-Hommage und surreales Meisterwerk "Berberian Sound Studio", an Cronenbergs "Videodrome" musste ich gelegentlich auch denken, genau wie an Polanskis "Ekel" und am Ende kommt dann noch eine Prise David Lynchs "Inland Empire"/"Mulholland Drive" ins Spiel. Mit all den genannten Filmen kann "Censor" allerdings nicht mal ansatzweise mithalten. Vor allem weil von Anfang an absolut klar ist, was hier gespielt wird und worauf es hinauslaufen wird. Gerade das Finale, welches wohl als großer Mindfuck gedacht war, fand ich dahingehend wirklich äußerst flach. Schade, schade, dabei sah der Trailer richtig gut aus.

    Hab die Tage mal wieder ein paar aktuelle Comics gelesen:




    The Many Deaths Of Laila Starr - Ram V & Filipe Andrade

    "Angesiedelt in Mumbai, erzählen die Macher von der Göttin des Todes, welche in der jüngst verstorbenen Laila Starr wiedergeboren wird und auf der Suche nach einem Jungen ist, welcher der Menschheit die Unsterblichkeit bringen soll. Für eine Göttin des Todes sicher kein so attraktives Unterfangen." (bizzaroworlcomics.de)

    Ram V wird ja gerade ziemlich gehypt, bisher hatten mich seine Veröffentlichungen aber nicht immer abgeholt - Mit "The Many Deaths of Laila Starr" ist ihm aber definitiv eine absolute Comic-Perle gelungen, die völlig zu recht diverse Preise abgeräumt hat und am Ende des Jahres sehr wahrscheinlich auch in meiner Top10 landen wird. Eine wirklich berührende Geschichte über das Leben und den Tod, für die sich ganz sicher auch bald auch ein deutscher Verlag finden wird.

    Während des Lesens musst ich immer wieder an Neil Gaiman denken (besonders an sein "American Gods") und das ist sicher nicht die schlechteste Referenz. Aber auch die Zeichnungen sind gelungen und durch die bunte Kolorierung kommt noch eine leicht psychedelische Stimmung in Spiel. Stark!



    The Crows - Anders Fager & Peter Bergting

    "When Kim inherits an old family house in rural Sweden, there are notes posted everywhere. On the walls, the doors, even the ceiling. Reminders. And drawings. Of the monsters that still haunt this house and the land on which it sits. But the monsters aren’t just outside; they’re in Kim’s head, in the traumatic memories of an upbringing as different, other, alone."

    Ich kannte weder Autor noch Zeichner, doch als ich "The Crows" bei den Dark Horse-Solicitations entdeckte, hatte der Band sofort mein Interesse geweckt. Als ich das Teil dann das erste Mal aufschlug, stellte ich jedoch überrascht fest, dass "The Crows" gar kein Comic ist (auch wenn der Klappentext dies behauptet), sondern eine illustrierte Geschichte.

    Interessant ist dabei vor allem dass die Zeichnungen von Bergting vor dem Text entstanden sind. Gerade diese empfand ich in Sachen Qualität aber leider ziemlich schwankend: Mal extrem detailliert und stimmungsvoll, dann recht skizzenhaft und unspektakulär. Der ständige (Stil)Wechsel hat mich jedenfalls immer wieder herausgerissen. Hier merkt man doch sehr deutlich, dass die Bilder eigentlich mal Einzelstücke waren, die dann erst nachträglich zu einer zusammenhängenden Geschichte geformt wurden. Das macht Fager, der wohl ein schwedischer Horrorautor ist, aber zweifellos ziemlich gut. Familiäre Traumata, mysteriöse Vogelmenschen, ein Haus voller Post-Its... nur das völlig antiklimaktische Ende fand ich etwas enttäuschend. Trotzdem ziemlich gut.



    Cinema Purgatorio - Alan Moore und Kevin O’Neill

    "Willkommen im Fegefeuer, willkommen im Kino. Alan Moore und Kevin O’Neill wundern sich, warum es uns immer wieder in einen dunklen Raum zieht, in dem uns Geschichten und Bilder gezeigt werden (...). In Cinema Purgatorio gehen [sie] der Sache auf den Grund. Dabei tauchen sie ein in die an Skandalen und Tragödien nicht eben arme Geschichte Hollywoods und beleuchten anspielungsreich Konventionen und Klischees des Erzählkinos. Wiederholung und Variation … bis die Grenze zwischen Leinwand und Zuschauerraum verschwimmt."

    Nachdem die deutsche Veröffentlichung von "Cinema Purgatorio" immer wieder verschoben wurde, ist sie nun endlich da. Und ich bin wirklich froh, dass ich so lange gewartet habe und mir in der Zwischenzeit nicht einfach das US-Trade geholt habe - Der Dantes Verlag hat hier wirklich enorm viel Arbeit reingesteckt.

    Wie immer bei Moore wird hier ein enormes Referenz-Feuerwerk abgefeuert - Soll heißen: In jedem Panel und in jeder Sprechblase stecken mindesten 5 Anspielungen auf Filme, Serien, Schauspieler etc. In der deutschen Ausgabe, die fast doppelt so dick ist wie das englischsprachige Pendant, werden diese (nach jedem Kapitel) äußerst ausführlich erläutert, damit einem beim Lesen auch wirklich nichts entgeht.

    Ansonsten ist das hier (wie oft bei Moore) natürlich keine leichte Kost und mMn ähnlich wie beim Finale der Liga mitunter auch etwas überfrachtet. Definitiv ein anstrengendes Lesevergnügen - Aber ein Vergnügen. Am Besten genießt man die 18 Kapitel jedenfalls häppchenweise und liest sie nicht am Stück. Genau so war das Ganze ja ursprünglich auch mal gedacht.

    Zusammen mit dem letzten Teil der "Extraordinary Gentlemen" stellt dieser Band übrigens die finale Comic-Arbeit von Alan Moore da. Man darf und sollte dabei kein neues "Watchmen", "From Hell" oder "V wie Vendetta" erwarten, aber "Cinema Purgatorio" ist fraglos eine lohnenswerte Angelegenheit. Besonders in der fantastischen deutschsprachigen Version.