Beiträge von Cheddar Goblin

    Vermutlich wollte Dick seine Terraner wie typische weiße US-Männer darstellen...

    So habe ich das auch verstanden. Xenophobie war hier sicher das Hauptthema der Geschichte. Wie bereits erwähnt, fand ich diesbezüglich auch den Perspektivwechsel am Ende ganz nett. Genauso wie die Tatsache dass die seltsamen Riesenspinnen eben nicht "die kosmischen Wilderer" sind, sondern die Terraner. Für 50er Jahre Sci-Fi eher ungewöhnlich. Das ganze war aber natürlich trotzdem eher mittelmäßig.

    Absicht: Gut. Umsetzung: Ausbaufähig.

    ...bei Dick sind Spinnen sogar noch Insekten

    Okay. Den Fehler habe ich in meinem Text oben auch gemacht :/.

    Der Titel "Die kosmischen Wilderer" klingt mal wieder eher nach einer Lovecraft-Geschichte. Mit dem ollen HP hat das Ganze aber nicht das Geringste zu tun. Anders als bei Lovecraft, dessen Xenophobie sich in unzähligen seiner Geschichten wiederfindet, sind hier nämlich die Menschen die Schurken bzw. die im Titel erwähnen „Wilderer“ - Und eben nicht die Weltraum-Spinnen.

    Was besagte Insekten auf dem Planten wollen, ahnt man allerdings wirklich sofort. Generell fallen die Geschichten in diesem Band bisher extrem überraschungsarm aus und sind mMn deutlich schwächer als die meisten Stories aus „Und jenseits - Das Wobb“. Besonders das Ende von „Die kosmischen Wilderer“ leidet stark an seiner Vorhersehbarkeit. Es wäre durchaus eine interessante/fiese Pointe gewesen, wenn man den „Twist“ denn nicht schon von Anfang an hätte kommen gesehen.

    Wesentlich besser fällt da schon der anschließende Perspektivwechsel aus, in dem der Überfall aus Sicht der Spinnen rekapituliert wird: Für sie ist das Handeln der Menschen nämlich völlig unbegreiflich und sie können absolut nicht verstehen, was diese denn mit den ganzen Spinneneiern wollen. Ein gelungenes Beispiel für misslungene völkische Verständigung. Rettet die Erzählung aber auch nicht mehr. (2,5/5)

    Dick fällt es arg schwer, Figuren zu erschaffen, deren Schicksal mich interessiert.

    Stimmt. Dick funktioniert eher aufgrund seiner Handlung/verrückter Ideen und weniger über seine Figuren. Wobei seine Kurzgeschichten bisher doch manchmal an ihrer extremen Vorhersehbarkeit leiden und sich Dick auch in Sachen Crazyness noch deutlich zurückhält. Seine Mainstream-Romane sind für mich aus ähnlichen Gründen geradezu unlesbar - Dort fehlt Dicks "Ideen-Overkill" nämlich völlig. Größtenteils folgt man dort nur einem Haufen unerträglich unsympathischer und langweiliger Figuren, bei ihren banalen, selbstverschuldeten Beziehungs- und Eheproblemen. Besonders in seinen späten Sci-Fi-Romanen kriegt er die Figurenzeichnung mMn aber deutlich besser hin.


    +++


    Jons Welt

    Worum geht’s: Aufgrund des dritten Weltkriegs hat sich die Menschheit auf den Mond geflüchtet. Nach Kriegsende kehrt sie jedoch in ihre alte Heimat zurück und versuchen die Erde wieder bewohnbar zu machen. Professor Kastner und Caleb Ryan arbeiten zu diesem Zweck an einem Zeitschiff („Projekt Uhr“). Ziel ist es in die Vergangenheit zurückzukehren, um an Schonermans Papiere zu gelangen - Forschungsunterlagen, die zur Erfindung der Greifer geführt haben (siehe „Variante Zwei“). Durch den dritten Weltkrieg gingen diese Aufzeichnungen verloren und damit auch das Wissen über die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz.

    Während sie mit „Projekt Uhr“ immer weiter vorankommen, leidet Ryans Sohn Jon unter seltsamen Anfällen, die er selbst als Visionen bezeichnet. In diesen Visionen sieht er eine Art Garten Eden - Endlose Wiesen, große Seen, frische Luft, unzählige Tiere. Sein Vater hält ihn allerdings für geisteskrank und lässt ihn lobotomieren. Kurz danach tritt er mit Kastner seine Reise in die Vergangenheit an… und erlebt eine kleine Überraschung.


    Der Titel ließ mich sofort an „The World that Jones made“ („Die seltsame Welt des Mister Jones“) denken. Mit dem mittelmäßigen PKD-Roman hat das Ganze aber nichts zu tun. Tatsächlich handelt es sich hier um eine Fortsetzung von „Variante Zwei“. Sie erschien 1954 in „Time to come“, herausgegeben von einem gewissen August Darleth!

    Zum Inhalt: Jons Anfälle erinnert etwas an „Marsianischer Zeitsturz“. Er selbst sagt dazu: „Sie sind anders als alles andere (…) Echter als alles andere! Als würde man durch ein Fenster schauen. Ein Fenster in eine andere Welt. Eine echte Welt. Sehr viel echter als unsere.“

    Es geht also mal wieder um die große Dick-Frage: Was ist Realität? Und leben wir überhaupt in einer? Jons erkennt quasi die Matrix. Und seine Visionen/Bilder überlagern zunehmend die vermeintliche Wirklichkeit und legen sich wie ein Filter darüber. Ryans Lösung für dieses „Problem“ - Er lässt seinen Sohn einweisen und lobotimieren. Danach ist Jons „geheilt“, d.h. er hat keine Visionen mehr.

    Zur Realitäts-Frage kommt also hier noch eine weitere hinzu: Was ist Wahnsinn? Und sind die Wahnsinnigen vielleicht in Wahrheit die Normalen? Oder um es mal mit Edgar Allan Poe zu sagen: „Es ist noch die Frage, ob der Wahnsinn nicht die höchste Stufe der Geistigkeit bedeutet, ob nicht vieles Glorreiche und alles Tiefe seinen Ursprung in einer Krankhaftigkeit des Gedankens, in dem besonderen Wesen eines Zustandes hat, der auf Kosten des allgemeinen Verstandes aufs äußerste, und zwar einseitig, erregt ist.”

    Bis hierhin hat mir „Jons Welt“ extrem gut gefallen, der zweite Teil (die Zeitreise) fällt mMn aber deutlich schwächer aus. Die Zwischenstopps, die Kastner und Ryan einlegen, bringen die Handlung beispielsweise nicht wirklich weiter und sind eher verzichtbar. Und das Ende ist genau wie schon in „Variante Zwei“ mal wieder extrem vorhersehbar. Als Leser weiß man eigentlich schon die ganze Zeit, was es mit Jons Visionen auf sich hat. Zumindest ging es mir so.

    Mir hat sich auch nicht so ganz erschlossen, warum es nicht von Anfang an das Ziel von „Projekt Uhr“ war, den dritten Weltkrieg bzw. die Erfindung der Greifer zu verhindern, anstatt einfach nur Schonermans Aufzeichnungen zu stehlen. Statt die Vernichtung der Erde durch die Roboter zu verhindern, wollen sie die Baupläne besagter Roboter retten, um diese in der Zukunft für die Aufräumarbeiten der zerstörten Erde zu nutzen… Das ergibt einfach keinen Sinn. Oder übersehe ich hier irgendetwas?

    Ich finde es auch nicht besonders glaubhaft, dass der Tod eines einzigen Menschen, den Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte verändern soll, aber darüber kann man diskutieren.


    Noch erwähnenswert: Wir erfahren hier eher beiläufig, dass Variante Zwei a.k.a Tasso mit ihrer Mission nicht erfolgreich war. Die Menschen konnten sie auf der Mondoberfläche sofort ausschalten. Der große Plottwist der vorangegangenen Geschichte, wird hier schnell in einem Nebensatz abgefrühstückt. Trotz dieser Bezüge funktioniert „Jons Welt“ aber auch als eigenständige Geschichte. Vorwissen ist nicht zwingend notwendig.

    Ebenfalls erwähnenswert: Das Verhältnis zwischen Ryan und Grant war mir beim Lesen irgendwie etwas unklar. Handelt es sich bei ihnen eventuell um ein homosexuelles Paar? Das wäre für 1954 ja progressiver Shit gewesen. Wie habt ihr es denn verstanden? (2,5/5).


    Das 8. HARD:LINE-Festival wird Corona-bedingt dieses Jahr größtenteils nur online stattfinden. Neben diversen Kurzfilmen, werden dort auch 11 Langfilme zu sehen sein. Leider ist Brandon Cronenbergs "Possessor" nicht dabei, dennoch ist das Programm mMn ganz interessant. Die Leihgebühr pro Film beträgt übrigens 8,-


    Meine Highlights:

    - Die beiden Folk-Horror-Filme "Luz: The Flower of Evil" und "Sator" (besonders "Luz" weckt dezente Erinnerungen an "The Witch")

    - Der Film "Schlaf", der als das "deutsche Twin Peaks" bezeichnet wird.

    - "Koko-Di Koko-Da", welcher wohl so etwas wie die verstörende Terror-Version von "Groundhog Day" darstellt - Im Stil von Haneke und Von Trier.


    Mit "The Deep Ones" gibt es auch noch eine Lovecraft-Verfilmung im Angebot. Der Trailer sieht aber nach enormen Trash aus... und auch "Dinner in America" wird es zu sehen geben. Beim Regisseur Adam Rehmeier bin ich aber eher vorsichtig.

    Mehr Infos, Trailer und eine Liste aller Filme gibt's hier: https://online.hardline-festival.de/

    Ich bin ja schon überrascht, was alles in der ersten Folge passiert ist. Damit hätte ich eher über den Verlauf der ersten Staffel gerechnet (Stichwort "Arche").

    Die Serie gibt wirklich vollgas und hat auch einen enorm hohen Bodycount.

    Es wurde jedenfalls recht deutlich, dass man sich mit Mutter besser nicht anlegen sollte.

    War ein ziemlich sperriger Einstieg.

    Definitiv. Ab Folge 2 war ich dann aber drin. Auch wenn ich noch nicht weiß, was ich von der dort begonnenen Parallelhandlung halten soll.

    Umso mehr überrascht es mich, dass die Serie jetzt schon um eine zweite Staffel verlängert wurde.

    Dito. Die News schreckt mich leider auch eher ab. Dachte eigentlich "Raised by Wolves" wäre eine in sich geschlossene Mini-Serie. Hoffe mal, dass sich Folge 8 trotzdem einigermaßen wie ein Ende anfühlt und nicht mit einem Cliffhanger endet.

    Bei einer zweiten Staffel wäre ich (Stand: Heute) wohl eher raus. Bin prinzipiell kein großer Serien-Fan, u.a. weil dort häufig alles künstlich in die Länge gezogen wird.

    Interessant finde sie bisher aber schon. Ist anders, als die üblichen SF-Serien. Auf jeden Fall was Originelles, ohne irgendeine Vorlage.

    Stimmt. Aber wie schon oben geschrieben, halte ich die Serie eigentlich für eine logische Weiterentwicklung von Scotts letzen Filmen ("Prometheus" & "Covenant"). Auch wenn "Raised by Wolves" noch nicht dessen Niveau erreicht. U.a. weil weder Amanda Collin noch Abukakar Salim als Androiden Michael Fassbender das Wasser reichen können.

    Variante Zwei:

    Der dritte Weltkrieg befindet sich in der Endphase. Im Kampf gegen die Sowjetunion (natürlich!) haben die Amerikaner die sogenannten Greifer entwickelt - Schwebende Metallkugeln mit rasiermesserscharfen Waffen, die ihre Gegner innerhalb weniger Sekunden völlig zerfetzen können.

    Als ein paar US-Soldaten eine Botschaft der Sowjets erhalten, macht sich Major Hendricks sofort auf den Weg ins feindliche Lager. Unterwegs trifft er einen kleinen Jungen und nimmt ihn mit. Doch David benimmt sich äußerst merkwürdig. Hendricks führt das auf ein erlebtes Trauma zurück. Ein Fehler, wie sich schon schnell herausstellen soll…


    Mal wieder eine Kriegsgeschichte (Gähn!). Wie u.a. in „Die Verteidiger“ lassen die Menschen hier Maschinen für sich kämpfen. Doch die Greifer scheinen selbst ihren eigenen Schöpfern Angst zu machen - Diese fragen sich permanent, ob sie bei deren Entwicklung nicht vielleicht doch zu weit gegangen sind. Andererseits: „Wenn wir sie nicht erfunden hätten, dann der Iwan.“ Dick spielt hier wahrscheinlich auf die Erfindung der Atombombe (bzw. das Manhattan-Projekt) an.

    Durch den Krieg ist die Erde jedenfalls fast vollständig vernichtet und größtenteils unbewohnbar geworden. „Europa existiert nicht mehr, es war nur noch ein Haufen Schlacke, auf dem aus Asche und Knochen dunkles Gestrüpp wucherte.“ Die Regierung der USA ist daher schon längst auf den Mond übergesiedelt (Elon Musk verfolgt momentan ja gerade ähnliche Pläne).

    Auf der Erde scheinen sich die Greifer währenddessen ungehindert und eigenständig weiterzuentwickeln/ zu evolutionieren, denn sie sind und „waren nicht wie andere Waffen. Praktisch gesehen waren sie lebendig, ob die Regierungen das nun zugeben wollten oder nicht.“ Das erinnert wiederum an die Black Mirror-Folge „Metalhead“, die sich sehr, sehr großzügig bei „Variante Zwei“ bedient.


    Im späteren Verlauf wirkt die Geschichte dann jedoch zunehmend wie eine erste Fingerübung für „Blade Runner“ (fast unbewohnbare Erde, Weltraum-Kolonien, Androiden, deren Menschlichkeit verhandelt wird usw.). Das hinter David ein Roboter steckt, ahnt man als Leser allerdings recht früh. Mit ihm präsentiert uns Dick aber durchaus eine recht interessante Variante eines Kindersoldaten. Die Idee dahinter: Der Feind tarnt sich in der Gestalt eines kleinen Jungen mit Teddybär, um möglichst unschuldig zu wirken und bei den Menschen sofort Vertrauen/Mitleid zu erwecken. So schleusen sie sich in menschliche Lager ein, um diese anschließend vollständig auszulöschen. Im Prinzip nutzen sie bei den Menschen also die eine Sache aus, die ihnen selbst fehlt - Empathie.

    Von David (Variante 3) gibt es unzählige Kopien, die alle gleich aussehen. Passenderweise trägt das Modell den gleichen Namen wie der Android aus Ridley Scotts „Prometheus“ (ebenfalls ein „Freund“ der Menschen). Bei Variante 1 (der ebenfalls auf das erwähnte Empathie-Prinzip setzt) handelt es sich übrigens um einen verwundeten Soldaten, der sein Opfer um Hilfe bittet. Wer oder was hinter der titelgebenden Variante 2 steckt, weiß zunächst niemand.

    Mit den Klonkriegern hat Dick aber jedenfalls eine ziemlich unheimliche Bedrohung geschaffen, die längst nicht mehr zwischen Freund und Feind bzw. Ami und Sowjet unterscheidet und einfach alles und jeden vernichtet - Auch ihre eigene Spezies. In diesem Punkt sind sie also wirklich die perfekten Imitationen von uns.


    Die zweite Hälfte der Geschichte (Hendricks Aufenthalt hinter feindlichen Linien + der anschließende Kampf) ist dann aber recht langatmig ausgefallen. Schnell wird die gegenwärtige Sachlage geklärt, danach gibt es überwiegend belanglosen Smalltalk, Kippen und jede Menge Action. 20 Seiten weniger, hätten der Geschichte durchaus gut getan.

    Was mir jedoch gut gefallen hat, ist die immer größer werdende Paranoia, die sich wie ein Virus unter den überlebenden Menschen ausbreitet. Befindet sich Variante 2 eventuell schon längst unter ihnen? Niemand traut seinem Gegenüber und schnell kommt es zum ersten Toten. Das hat natürlich deutliche Parallelen zu „The Thing“/"Who goes there?", wird von Dick aber ziemlich gelungen umgesetzt.

    Das Ende ist dann allerdings leider auf der Negativ-Seite zu verbuchen, denn es fällt mal wieder extrem vorhersehbar und überraschungsarm aus. Es erscheint mir auch nur wenig glaubwürdig bzw. extrem naiv, dass Hendricks die Sache erst so spät durchschaut. Als Leser ist man ihm da schon mindestens zwei Schritte voraus.


    „Variante Zwei“ wurde erstmals 1953 in „Space Science Fiction“ veröffentlicht. Es handelt sich um eine relativ bekannte und beliebte Geschichte. Keine PKD-Story wurde in Amerika öfters in Sammlungen und Anthologien veröffentlicht. Im Anhang sagt Dick zur Handlung: „Mein großes Thema - wer ist Mensch und wer scheint nur (maskiert sich nur als) Mensch? - kommt hier voll zum Tragen. Wenn wir nicht individuell oder kollektiv eine sichere Antwort auf diese Frage geben können, sehen wir uns meiner Ansicht nach, dem ernstesten möglichen Problem gegenüber. Können wir die Frage nicht hinreichend beantworten, dann können wir uns unseres eigenen Ichs nicht mehr sicher sein. Ich kann nicht einmal mich selbst kennen, geschweige denn einen anderen. Also arbeite ich weiter an diesem Thema; für mich gibt es keine wichtigere Frage. Und eine Antwort ist schwer zu finden.“

    MMn hat Dick die Idee in Geschichten wie „Hochstapler“ oder dem bereits erwähnten Roman „Blade Runner“ später jedoch wesentlich überzeugender und tiefsinniger umgesetzt. (2,5/5)


    Seit gestern sind die ersten beiden Folgen online, bei denen Ridley Scott Regie geführt hat. Eine passende Wahl, denn mit Androiden kennt sich der Mann schließlich aus - Siehe „Blade Runner“ oder „Prometheus“ und „Covenant“. Schon bei seinen letzten „Alien“-Filmen wurde recht deutlich, dass er sich mehr für den künstlichen Menschen David als für die Xenomorphs interessiert. Die Serie ist für ihn daher nur ein konsequenter und logischer Schritt - Auch wenn Scott bei „Raised by Wolves“ eigentlich nur als Produzent und Regisseur (der ersten zwei Folgen) in Erscheinung tritt. Das Drehbuch stammt von Aaron Guzikowski („Prisoners“).

    Dennoch gibt es dort durchaus Parallelen zum „Alien“-Universum zu entdecken: Wenn der weibliche Android beispielsweise in der ersten Szene die Augen öffnet und mit den Worten „Hallo Mutter“ begrüßt wird, denkt man natürlich unweigerlich an die KI aus dem berühmten Sci-Fi-Horror-Franchise. Hinzu kommt noch das weiße, milchige „Blut“ der Maschinenmenschen...

    Die Prämisse „Roboter ziehen Kinder auf“ erinnert hingegen an Philip K. Dick, der dieses Thema schon in den Fünfzigern in diversen Kurzgeschichten behandelt hatte. Sowieso könnten die Space-Suits, die die Roboter bei ihrer Landung auf Kepler-22B tragen, dem Cover eines alten Sci-Fi-Pulp-Magazins entstammen.


    Neben der Erziehungsfrage geht es in „Raised by Wolves“ aber vor allem um Religion. Die Erde wurde in einem weltumspannenden Glaubenskrieg vollkommen ausradiert und die Menschheit hat sich in Gläubige (Mythraisten) und Atheisten gespalten. Die ersten Folgen stecken dementsprechend voller biblischer Motive (Adam & Eva, Garten Eden, Arche) - Auch das erinnert an Dick.

    Im Prinzip wird hier eine neue Genesis erzählt: Die Robo-Eltern (die von den Atheisten entworfen wurden), landen auf einem fremden Planeten und versuchen dort einen Neubeginn für die Menschheit - Nur diesmal eben ohne Religion. In ihrem Garten Eden existiert kein Gott - Und statt dem Baum der Erkenntnis findet man dort nur ein gigantisches Loch, das jeden verschluckt, der ihm zu nahekommt.


    Bisher macht die Serie einen guten Eindruck. Auch wenn der Einstieg etwas holprig war und sie sich mMn immer dann verhebt, wenn sie versucht ein großes Spektakel auf den Bildschirm zu zaubern. Generell funktioniert das Ganze eher auf der intellektuellen und weniger auf der optischen oder auf der Action-Ebene. Die leisen Töne mochte ich jedenfalls mehr, als die „Krach, Boom, Peng“-Momente (die zudem auch nicht immer gut aussehen).

    Und wo wir gerade bei Tönen sind: Vom Ben Frost-Soundtrack ("Dark") gab es bisher noch nicht viel zu hören, aber ich hoffe mal, dass dieser zeitnah veröffentlicht wird.


    Sonst schon jemand gesehen? Meinungen?

    Vielleicht denke ich einfach nicht so gruselig wie ihr.

    Absolut begeistert hat mich "Die Keksfrau" ja auch nicht - Siehe Bewertung.


    +++


    Jenseits der Tür:

    Worum geht’s: Als Doris von ihrem Mann Larry eine deutsche Kuckucksuhr geschenkt bekommt, ist sie von ihr sofort fasziniert und behandelt den Kuckuck schnell wie ein richtiges Lebewesen. Larrys scheint der mechanische Vogel jedoch schon bald in den Wahnsinn zu treiben. Als ihn dann auch noch Doris verlässt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.


    Mit 8 ½ Seiten mal wieder eine sehr kurze Geschichte. Sie erschien 1954 in „Fatastic Universe“, geschrieben wurde sie allerdings schon 2 Jahre zuvor. Vor ihrer Veröffentlichung hatte Dick erfolglos versucht sie im „Esquire“ und in „Today’s Woman“ unterzubringen. Eigentlich hieß sie auch „The Cuckoo Clock“, doch genau wie es schon mit „Entbehrlich“ geschehen ist, wurde sie vom Magazin einfach eigenmächtig umbenannt. In Frankreich gibt es überraschenderweise sogar eine PKD-Storysammlung, die den Titel der Geschichte trägt. Das liegt aber wahrscheinlich weniger an der Bekanntheit oder Qualität der Story (sie ist nämlich nicht besonders gut), sondern eher an der Tatsache, dass „Beyond the Door“ bzw. „Derriere la porte“ irgendwie mysteriös klingt und einen unweigerlich an „Twilight Zone“ denken lässt.

    Mit Sci-Fi hat „Jenseits der Tür“ jedoch nichts zu tun - Stattdessen handelt es sich mal wieder um eine reine Fantasy-Geschichte. Die Prämisse erinnert dabei etwas an „Das kurze glückliche Leben“ und „Die kleine Bewegung“, denn wir haben es hier erneut mit einem belebten Gegenstand zu tun. Oder vielleicht auch nicht? Dick lässt das offen.

    Ansonsten gibt es hier die typischen Eheprobleme, wie wir sie vor allem aus Dicks (größtenteils unerträglichen) Mainstream-Romanen kennen. Sympathieträger gibt es jedenfalls keine. Doris ist völlig neurotisch (quelle suprise), Larry ein chauvinistischer Vollpfosten... Die Kuckucksuhr ist hier also eindeutig nicht das einzige, was in dieser Geschichte nicht richtig tickt. Die Schlusspointe ist dann ebenfalls noch recht vorhersehbar. MMn eine äußerst verzichtbare Angelegenheit. (1,5/5)