Beiträge von inferninho

    Mich würde interessieren, ob wir jemanden im Forum haben, der/die Kubins Roman vielleicht nichts abgewinnen kann oder zumindest Kritik an ihm hat.

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    Da muss ich leider die Hand heben. Mit steigender Seitenzahl fiel mir der Roman immer schwerer zu lesen. Die Unrast, die unter den Bewohnern von Perle herrscht, hat auf mich abgefärbt und teilweise musste ich mit mir kämpfen, um nicht abzubrechen. Für mich war "Die andere Seite" einfach zu viel und zu wild. Dennoch halte ich den Roman für ein Meisterwerk, besonders in seiner Zeit und Kubin verfügte offensichtlich über eine unfassbare Kreativität, die mich völlig erschlagen hat. ^^ Tatsächlich musste ich bei der Lektüre an "Aguirre" von Werner Herzog denken. Der machte wurde mit zunehmender Laufzeit auch immer anstrengender für mich, hat aber eine starke Faszination ausgeübt.

    Zitat

    Zwei Frauen sind gestorben und diese beinahe als naturgegebene Gewalt gezeichnete Tatsache - ihr Tod wird auch posthum von Männern für den eigenen Ruhm instrumentalisiert - wird kaum wirklich wahrgenommen. Wie hiessen die Mädels aus Leiden/NL? Alle haben ihre Namen vergessen.

    Das finde ich etwas überinterpretiert, daher hat es mich wohl auch zum Nachdenken angeregt. Den direkten Bezug hätte die Autorin meiner Meinung nach lassen sollen und daür ein fiktives oder historisches Geschehniss wählen. Der wahre Fall ist ncht lange her tut im Buch nichts zur Sache, aber die beiden Frauen haben wohl noch lebende Eltern, Geschwister, Freund:innen usw. Daher finde ich es aus der Ferne schon pietätlos, den Tot der beiden Studentinnen als Ausgangspunkt zubwählen.

    Habe es heute Morgen beendet und bin schwer vom Schreibstil und der Anziehung dessen beeindruckt. Die vielen Referenzen scheinen mir teilweise ein wenig zu zahlreich Es eriinnerte mich beimesen teils ein wenig an die alten Romane von Juli Zeh, wo ich imer irgendwann dachte: "Ist ja gut jetzt, wir haben alle verstanden, dass du schlau bist!"

    Dorothee Elminger gelingt allerdings, was ich bei "Hochliteratur" selten erlebt habe. Sie hat einen Pageturner geschrieben, den ich wohl in einem Rutsch gelesen hätte, wären nicht so triviale Dinge wie soziale Verpflichtungen, Müdigkeit oder die Arbeit dazwischen gekommen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ich schließe mich Nils an, der Schluss ist tatsächlich im weirden anzusiedeln.

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    Bezüge zu tagesaktueller Politik habe ich im Übrigen nirgends herausgelesen. Das wäre eine ziemlich bemühte Interpretation meiner Ansicht nach.

    Bin jetzt etwas bei der Hälfte. Sie schreibt einmal im Rückblick der Produktionsassistentin, sie habe sich über die Drohnenangriffe auf Odessa und das neue Werk von Erivon unterhalten. Das wäre dann "Rückkehr nach Reims" zu dem Zeitpunkt der dt. Verffentlichung und damit ja ein sehr politisches Buch über den Rechtsruck. In der Beschreibung der Geschichte der frz. Autorin zum Gespräch mit dem indigenen Führer und dessen Reaktion kann man schon mit wenig Phantasie einen Verweis auf die damals noch stärkere postkoloniale Debatte sehen. Aber eine Allegorie auf unsere heutige Welt sehe ich in dem Buch bisher nicht.

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    Die Geschichte bzw. die Art der Unterhaltung erinnerte mich stark an den Film "Strange Days" von Kathryn Bigelow, in einer Verknüpfung mit "Ein Junge und sein Hund" von Harland Ellison. Das Ende war zwar absehbar, aber imho stimmig. Insgesamt fand ich die Sammlung sehr schön zusammengestellt und ohne Ausfälle. Die letzte Geschichte passte für mich nicht ganz in die Antho, ist aber trotzdem sehr gut.

    Immerhin haben sie den Titel übernommen. Da ist man ja teilweise furchtbare Übersetzungen bzw Änderungen gewohnt.

    Penguin spuckt btw große Töne, die mich eher abschrecken, als ansprechen.

    "Ein literarisches Meisterwerk von der Wucht eines Kazuo Ishiguro und Haruki Murakami"