Arthur Machen – Werke in 6 Bänden

  • Habe gerade den dritten Band der Machen-Reihe beendet.

    "Ein gestaltenloser Schrecken, wie ihn niemand je gekannt hatte" bricht über die Menschheit herein: Flugzeuge stürzen ab, Kinder verschwinden, mysteriöse Todesfälle häufen sich und auch die Tiere benehmen sich plötzlich äußerst seltsam und feindselig. Schnell bricht die britische Bevölkerung in Panik aus - Haben die Deutschen eventuell das Land untergraben und treiben nun alle mit Selbstmord-Strahlen in den Wahnsinn?


    Eine durchgehende Handlung gibt es in diesem Roman strenggenommen nicht. Machen schildert stattdessen eher episodenhaft von den einzelnen Opfern des titelgebenden "Schreckens" . Dort zeichnet er das Bild einer, durch den ersten Weltkrieg, zutiefst paranoid gewordenen Gesellschaft, die kurz vor dem totalen Kontrollverlust steht. Das liest sich anfangs extrem spannend und beklemmend, gerät im Mittelteil leider stellenweise etwas repetitiv (da sich manche Geschichten einfach zu sehr ähneln), gibt im Finale dann aber glücklicherweise wieder Vollgas.

    Zudem hat Machen für die mysteriösen Vorfälle noch eine überraschend philosophische Erklärung in petto, die mir außerordentlich gut gefallen hat.


    Daneben enthält das Buch noch drei (in Deutschland zuvor unveröffentlichte) Gespenstergeschichten, die den Roman thematisch perfekt ergänzen und ein informatives Nachwort von Joachim Kalka, welches den historischen Backround des Romans etwas genauer erläutert. Runde Sache.

  • Collecting Arthur Machen, by R. B. Russell - Part 1


    Zitat

    The first part of a series of videos about collecting the publications of Arthur Machen (1863--1947 ). This part covers his earliest publications, up until his translations of The Memoirs of Casanova (1894.)

  • Der Elfenbein Verlag hat zum wiederholten Male den Deutschen Verlagspreis gewonnen. "Mit Arthur Machen werden Sie noch bis in den nächsten Herbst verwöhnt" schreibt Verleger Ingo Držečnik in seinem Statement. Diesen Herbst (Oktober 2020) erscheint der nächste Band der Auswahl-Werkausgabe, Die leuchtende Pyramide. Es handelt sich dabei um die von Joachim Kalka durchgesehene Neuausgabe des einstigen Piper-Bandes Die weißen Gestalten. Als Bonus ist diesmal die noch nie auf Deutsch erschienene Geschichte "Die Kinder des Teichs" ("The Children of the Pool") enthalten.

  • Diesen Herbst (Oktober 2020) erscheint der nächste Band der Auswahl-Werkausgabe.

    Ich freue mich schon drauf. Auch wenn ich von "Die leuchtende Pyramide" bereits ein altes Exemplar besitze und der Band daher wenig Neues bieten dürfte.

  • Inzwischen ist der vierte Band erschienen und enthält mit "Die Kinder des Teichs" auch eine bisher nicht übersetzte Geschichte (circa 30 Seiten). Darin geht es um Meyrick der in seiner Heimatgrafschaft Urlaub macht, um den Krach und Gestank der Großstadt für ein paar Tage zu entkommen. Bei einer Wanderung stößt er schließlich auf einen Teich voller Schlick. "Schwarzes, öliges Zeug, gar nicht wie Wasser, mit Schaum drauf und Unkraut wie ein Haufen von Monstern." Ein alter Freund erzählt ihm kurz danach von einer unheimlichen Begegnung, die er vor wenigen Tagen gemacht hat. Seitdem hört er ständig die Stimme eines Mädchens, die seinen Namen ruft...

    Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

    Jedenfalls ist "Die Kinder des Teichs" eine äußerst gelungene Erzählung über Schuld und Verdrängung - Auch wenn die, der Geschichte zugrunde liegende Moralvorstellung heute reichlich antiquiert wirkt. Es ist aber zweifelsfrei interessant zu lesen, wie sich Machen mit dem damals noch recht neuem Gebiet der Psychoanalyse beschäftigt bzw. mit ihr abrechnet. "Wie ich hörte, gibt es gebildete Leute, die an dieses Zeug glauben." :D


    Daneben enthält die Sammlung noch:

    - Die leuchtende Pyramide

    -Die rote Hand

    - Die weißen Gestalten

    - N

    und ein informatives Nachwort von Joachim Kalka. Also mal wieder ein sehr gelungener Band - Auch wenn er für mich diesmal wenig Neues bot.

  • Es ist aber zweifelsfrei interessant zu lesen, wie sich Machen mit dem damals noch recht neuem Gebiet der Psychoanalyse beschäftigt bzw. mit ihr abrechnet. "Wie ich hörte, gibt es gebildete Leute, die an dieses Zeug glauben." :D

    In der Tat! Sowas liest man doch immer gern. :D


    Ich bin erneut sehr in Versuchung, hier zu investieren. Vielleicht zu Weihnachten.

  • "Der geheime Glanz" hat mich jetzt nicht wirklich umgehauen, wahrscheinlich habe ich durch die getragene Euphorie über die Neuerscheinungen ein Feuerwerk erwartet, aber das war es für mich nicht. Für mich las es sich wie eine innovative und schriftstellerisch aus der Zeit hochwertige Abrechnung mit dem Schulsystem, gepaart mit ein paar magischen Realismen bezüglich alter verschütteter Religionen. Letzteres gibt es sprachgewaltig auch bei Frazers "Der goldene Zweig" nachzulesen.


    Stimmungsvoll hat mich Machen immer wieder mit seinen Ortsbeschreibungen in seinen Bann ziehen können, das war großes Schwarz-Weiß-Kopfkino. Alles in allem habe ich mich gut und gerne unterhalten gefühlt.


    Im Anschluss las ich direkt "Drei Häscher" und dieser Episodenroman hat mich doch gleich wesentlich mehr begeistert, vielleicht, weil die persönliche Abrechnung, die im ersten Band immer mitschwang, ausblieb, bzw. sich nur fein pointiert zeigte, wie an jener Stelle wie aus der Sicht eines "dogmatischen" Naturwissenschaftlers die Welt in dessen Beschreibung ins doch sehr Armselige schrumpft. Genial auch die Verknüpfungen sowie die Klammer, die den gesamten Roman umfasst. Es macht durchhaus Sinn nach dem Ende doch noch einmal das erste Kapitel zu lesen. Fein, fein!

  • Eine lokale Würdigung aus Joachim Kalkas Geburtsstadt:


    Zitat

    Joachim Kalka, geboren im emsigen Stuttgart, übersetzte Arthur Machens Werke bereits Anfang der 1990er Jahre für den Piper-Verlag; der Berliner Verlag Elfenbein legt nun ebendiese Übersetzungen, neu durchgesehen, in einer sehr schön gestalteten Ausgabe vor. Jeder Band enthält zusätzliche Erzählungen, die bisher nicht auf Deutsch erschienen sind, und ein neues Nachwort Kalkas, das biografische, zeitgeschichtliche Hintergründe mit Deutungen verbindet.

    https://www.stuttgarter-nachri…21-8aee-f336a3a8af89.html

  • Die Machen-Rezeption geht weiter.


    Zitat

    Arthur Machen genießt im englischen Sprachraum den Ruf des Vaters der modernen Horrorgeschichte. Dort wurde er allerdings, obwohl sich Autoren wie H. P. Lovecraft, Stephen King oder Jorge Luis Borges auf ihn beriefen, wiederholt gern vergessen. Im deutschsprachigen Raum ist er über den Rang eines Geheimtipps nie groß hinausgekommen.


    https://taz.de/Vergessener-Hor…r-Arthur-Machen/!5733840/

  • Band 1 (und 2) liegt mir jetzt auch vor und wird umgehend gelesen. Irgendwie bin ich doch sehr neugierig und habe auch recht hohe Erwartungen. Ist eigentlich mittlerweile bekannt, ob die Reihe weiter fortgesetzt wird?

    Die Aufmachung gefällt mir auch sehr gut :love: