Äh, ja. Und wir haben ja schon 2026. Ich bin gerade verwirrt.
Beiträge von Vincent Voss
-
-
Dorothee Elmiger - Die Holländerinnen
-
"Dorothee Elmigers bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Bayerischen Buchpreis 2025
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen."My 5 pence. Vorab, um es einordnen zu können, geschrieben wir in indirekter Rede in der Ich-Perspektive. Es gibt nicht einen Dialog. Daran muss man sich eingangs gewöhnen. Ich habe es genossen, denn als Gesamtwerk funktioniert es genau so. Die Reise, um die es geht, erinnert sehr an den Dokumentarfilm "Mein liebster Fein" von Werner Herzog. Das ist das Fundament der Geschichte, dass die Erzählerin mit uns teilt. Von einem Theatermacher in sein Ensemble geholt, um sich in Brasilien auf die Spuren zweier vermisster, junger holländischer Frauen zu begeben. Diese Suche wird immer wieder aufgenommen, gleichwohl nimmt uns Elmiger mit auf bizarre Beobachtungen der Erzählerinnen, auf unbehaglicher Episoden anderer Figuren und der zunehmenden Bedrohlichkeit eines südamerikanischen Dschungels. Ein Dschungel, der so beschrieben, eigentlich einsam hätte sein sollen, doch ständig drängen sich immer merkwürdigere Begegnungen auf. Insgesamt wird hier ein subtiles abseitiges Grauen erzeugt, das Lovecraft in nichts nachsteht und mich eindringlich an Danielewski House of Leaves erinnerte. Die Geschichten werden zunehmend klebriger, verstörender und werden alle literarisch unterschiedlich angegangen. kein einfaches Lesen, nein, aber äußerst lohnenswert. Für mich daher auch ein Kandidat für den VP, da hier ausreichend Horrorelemente vorhanden sind. Anders, aber spürbar.
9,5 von 10 Fledermäusen.
-
"Schlafen. Träumen. Sterben.
Stell dir vor, deine Träume wären nach dem Aufwachen nicht verschwunden, sondern aufgezeichnet worden. Du könntest sie dir jederzeit ansehen. Doch dann wäre dein nächster Schlaf dein letzter ...
Dies ist kein Fitzek-Thriller, wie du ihn erwartest. Annika Strauss und Sebastian Fitzek nehmen dich mit in eine neue, dunkle, übernatürliche Welt. Ein Albtraum, so intensiv, dass er dich nicht mehr loslässt.
»Du darfst nicht einschlafen!« Alysee ist vier Jahre alt, als ihr Vater sie panisch anfleht, um Himmels willen wach zu bleiben. Doch dem Mädchen fallen die Augen zu. Als sie wieder aufwacht, ist ihr Vater tot. Bestialisch ermordet. Das ist Alysees letzte und einzige Erinnerung an ihn. Ihre Mutter, die ebenfalls vor Jahren starb, hat sie nie kennengelernt. Als Vollwaise wächst Alysee mit ihrem besten Freund Nico bei einer Pflegefamilie auf; die Angst vor dem Einschlafen verlässt sie nie.
Jahre später erfährt sie, dass ihr Vater ihr etwas vererbt hat, was das Geheimnis seines Todes lüften könnte. Sie tritt das Erbe an und lernt schnell, dass das grauenhafte Sterben erst seinen Anfang genommen hat ...
Psychothrill meets Horror: Thriller-König Sebastian Fitzek und »German Screamqueen« Annika Strauss legen mit REM ihren ersten psychologischen Horror-Thriller vor.
Dich erwarten:
- Gänsehaut-Atmosphäre in einem unheimlichen alten Hotel
- Nervenkitzel mit echten Schock-Momenten
- Deine schlimmsten Albträume ..."
My five pence: Vorab: Ich habe zwei Romane von Sebastian Fitzek gelesen und dieser hat mir gefallen.
Ich habe den Roman aber erst einmal unter dem Fokus gelesen, ob auch drin ist, was draufsteht: Horror. Das Etikett stimmt definitiv, da ist lupenreiner Horror drin und wer auf actionreichen Horror mit vielen Wendepunkten, klaren und mysteriösen oder bösen Figuren, Spukhausklassikerelementen, Mad Professor- Backstory steht, der wird hier bestens bedient. Kurze knackige Kapitel, Figurenvorstellungen, die schnell auf die wichtigsten Punkte kommen, all das lässt REM zu einem Page-Turner für ein breites Publikum werden, dass Thriller kennt. Toll! Ich wünsche mir, dass diese Lesenden auch am Horror Interesse finden! Einen weiteren Pluspunkt erfährt das Buch für mich, weil ich als Horror-Nerd immer wieder kleine versteckte Ostereier gefunden haben. Film-Spielehinweise, was auch immer. Und der letzte Plotwist hat mich kalt erwischt.
Kritik: Wahrscheinlich Geschmacksache. Für mich waren es zu viele Red herings, zu viele Nebenfiguren, zu viele Wendepunkte. Das wirkte zeitweise sehr erzwungen und künstlich auf mich. Dazu gab es für mich ein großes Logikloch.
Fazit: Yeah! Toll, frisch und mutig. So kann Horror endlich ein breiteres Lesepublikum erreichen, da das Buch ziemlich cineastisch geschrieben ist. Die beiden Nachwörter runden das Werk ab und als Sahnehäubchen gönnt man sich Innenillustrationen von Jörn Stollmann.
-
Elmar Würde mich doch sehr freuen. Markus hat schon bei vielen anderen Büchern dafür gesorgt, dass es mit Horror etikettiert wird, wenn Horror drin ist. Die Villa ziehe ich mir auf jeden Fall. Übrigens REM gefällt auf den ersten 100 Seiten.
-
Cover von Bettina Pudmensky
Neues Leben 2.0
(Simona Turini)
Charlie ist nicht sicher, was sie von der seltsamen »Bewegung« halten soll, der ihre neue Freundin Anne angehört. Allerdings ist alles besser, als ewig auf der Flucht vor der eigenen Familie zu sein, also lässt sie sich darauf ein.
Aber dann häufen sich die bizarren Strafen, die Charlie aufgebrummt werden und das Benehmen des Führers dieser kleinen Gemeinde wird immer beunruhigender. Als dann noch eine Gegenbewegung auf den Plan tritt, die den Anführer stürzen will, muss Charlie sich entscheiden: Loyalität oder Aufstand?
216 Seiten Taschenbuch
ISBN 978-3-96629-057-9
Preis 14,90 EuroMy five pence: Es geht um die großen Dinge im Leben: Liebe, Verzweiflung, Wahnsinn, Schuld. Alles komprimiert zu einem knappen Roman auf etwas über 200 Seiten. Turini schafft das. Großes Kino in Kürze. Charlie, die selbst als Waisenkind, eine absolut krasse Kindheit hatte, verliebt sich in Anne, die in der Bewegung "Neues Leben 2.0" lebt. Diese Bewegung wird angeführt von Guru Herwig, der auf die Erlösung aller wartet. Die Bewegung lebt nach bestimmten Regeln, die sich je nach Stimmungslage verändert, und mit einer kosmischen Heilserwartung. Kaleidoskopartige Szenen zu Ritualen oder Ansprachen beschreibt und liest Turini großartig grotesk. Mit feinem Blick für die Details wird dann auch ein Zeremonienbecken als aufblasbares Planschbecken enttarnt. Selbstverständlich spitzt sich alles zu und endet wundervoll überraschend.
Kritik: Ich finde, es wurde Potential liegengelassen. Turini baut Figuren, Konflikte und spannende Nebenhandlungen auf, löst sie am Ende aber nicht alle ein.
Fazit: Horror meets Satire, das funzt in diesem Fall. Und leider befürchte ich, dass solche Bewegungen gar nicht ganz so realitätsfern sind. Mehr davon!
-
Klappentext: "Ein abgelegener Ort in den japanischen Bergen wird einer Gruppe von Besuchern zum Verhängnis - wer kann dem Iwaiyama entkommen?
Die Autorin Minami steht in Tokio unter enormem Druck: Die Deadline für ihren neuen Horrorroman rückt näher – doch die richtigen Worte wollen ihr nicht mehr einfallen. Da meldet sich plötzlich Asako, eine frühere Freundin, und bittet Minami um Hilfe.
Asako erzählt von einem Ausflug auf einen abgelegenen Berg, von einer düsteren Ruine, und von einem Schrein, den man besser nicht betreten hätte. Vier Menschen waren dort – und keiner von ihnen ist unverändert zurückgekehrt. Seitdem geschehen Dinge, die sich jeder Erklärung entziehen.
Je mehr Minamo hört, je mehr sie die verstörenden Fotografien des Ortes betrachtet, desto stärker gerät sie selbst in den Bann der Geschichte. Was als Recherche beginnt, dringt bald in ihr eigenes Leben ein. Geräusche, Schatten, Erinnerungen – und eine Angst, die sie nicht mehr abschütteln kann.
Fasziniert und zunehmend beunruhigt beginnt Minami zu recherchieren und stößt auf beängstigende alte Legenden über den Berg.
Als die Situation eskaliert, muss Minami erkennen, dass sie nicht länger nur Beobachterin ist. Was in den Bergen begann, hat Tokio längst erreicht – und fordert seinen Preis."
My 5 pence: Das Buch erzählt aus der Ich-Perspektive und beginnt wirklich gut. Leider verwässert die Handlung mehr und mehr in Selbstzweifel, sich wiederholenden Beschreibungen und einem mageren Plot. Am Ende ähnelt es dem Drehbuch einer Standalone-Supernaturalfolge mit altbewährter Lösung: Salz drauf streuen und verbrennen. So ist es natürlich nicht, aber sehr ähnlich. Ich will ja nicht spoilern. Ganz grundsätzlich gefiel mir der Ton, daher lande ich bei unterhaltsamen 5,5 Landkarten. Übrigens auf dem Cover steht "Thriller", der Verlag bewirbt es in social media auch gezielt als Horror-Thriller. Vielleicht passiert da ja ein Umdenken.
-
Tja, ich mich den Vorrednern nur anschließen. Ich habe mir erhofft, einen innovativen Ansatz zu Vampiren zu finden, wurde aber leider enttäuscht. Pulp, finde ich, kann ja auch gut geschrieben sein, hier fand ich es eher nicht. Die Aufmachung des Buches ist jedoch sehr, sehr schick.
-
Pia Lüddecke - Das Ende der Nacht
-
Den habe ich mir mal geordert.
-
Scheib lässt es wie gewohnt krachen und scheppern. Ludwigshafen wird an mehreren Spots wie in einem gutgemachten Katastrophenfilm aus den 80ern in Schutt und Asche gelegt. Eine Hochzeitsgesellschaft, ein Opa, der gegen seine Alkoholsucht kämpft und auf seinen Enkel aufpassen muss, eine Rivalengeschichte bis zum dritten Blut und allerorts kriechen die Kaijus aus dem Boden. Kurzweilig und unterhaltend, die Kaiju-Reihe hat ihre eigene Stimme und Scheib prägt diese außerordentlich mit. Kann gerne weitergehen!
-
Worum geht es?
Zuvorderst ordne ich den Roman in jenes Sujet ein, das sich mit menschgemachten Kreaturen und deren Wirken in einer sozialen Welt auseinandersetzt. Alraune ist ein Experiment, eine künstliche Befruchtung, ausgetragen von einer willig gemachten Prostituierten und gezeugt durch den Samen eines gewalttätigen und zum Tode verurteilten Schwerverbrechers. Eine der Hauptfiguren namens Frank Braun pflanzte seinem Oheim, dem Geheimrat Jakob ten Brinken diese Idee, diesen Gedanken ein. Und dieser setzte ihn in einem Allmachtswahn um. Wir erleben Alraune auf dem Weg vom kleinen Kind zur jungen Frau und verfolgen, wie sie Menschen einerseits zu Reichtümern verhilft und sie ebenso ins Unglück, in den Tod reißt.
Meine Meinung: Krasser Scheiß und überaus modern. Ewers spielt gekonnt mit sexueller Obsession, mit der Umkehr von Geschlechterrollen, mit Queerness. Bezeichnend dabei für mich eine Ballszene, in der sich Alraune mit Pagenschnitt als Soldat zeigt und ihr Freund aus Kindheitstagen als geschminkte Rosalinde. Die Szene atmet Lüsternheit und gewiss war ihm damit der Weg zur sogenannten ernsthaften Literatur verbaut. Obschon Ewers Talent zu schreiben niemandem nachsteht. Ehrlich gesagt fand ich es weder altbacken noch gestelzt. Zum Ende hin begegnen sich die tricksterhafte Figur Frank Braun und Alraune, ihr Schicksal verschränkt sich miteinander und führt zur obsesshafften Leidenschaft und im Ansatz dem Vampirismus.
Fazit: Sicherlich kein Pageturner, weil es beim Lesen wirken musste, dafür wirkt es umso nachhaltiger. Ich fand es wirklich grandios.
-
Mega-Danke für die Orga!
-
War mir vorher auch nicht bekannt. Sehr nett.
-
Beendet. Es war durchaus unterhaltsam, ohne dabei wirklich in die Tiefe zu gehen. Stimmung rund um das Haus und allen Akteuren daran und darin kann Roberts gut erzeugen, ebenso ein paar Red Herings auswerfen, die gut funzen. Auch der um sich greifende Wahnsinn wird gut und dem Genre entsprechend dargestellt. Gleichwohl fehlte mir während des Lesens eine wirkliche Stimme, etwas, das sich abhebt. Mein Urteil: Gut und überdurchschnittlich, um an Leseabenden einen wohligen Schauer zu erzeugen. Und das will doch schon etwas bedeuten!