Beiträge von Frank Duwald

    Erwähnen möchte ich noch die Neuübersetzung, insbesondere der ersten Trilogie durch Karen Nölle. Diese Übersetzung macht die ursprüngliche Trilogie sprachlich wesentlich hochwertiger und kunstvoller, erstaunlicherweise aber auch gleichzeitig viel gradliniger, schnörkelloser.
    Einen paar schöne Gedanken von Karen zu ihrer Übersetzung finden sich hier:

    Der Elfenbein Verlag hat zum wiederholten Male den Deutschen Verlagspreis gewonnen. "Mit Arthur Machen werden Sie noch bis in den nächsten Herbst verwöhnt" schreibt Verleger Ingo Držečnik in seinem Statement. Diesen Herbst (Oktober 2020) erscheint der nächste Band der Auswahl-Werkausgabe, Die leuchtende Pyramide. Es handelt sich dabei um die von Joachim Kalka durchgesehene Neuausgabe des einstigen Piper-Bandes Die weißen Gestalten. Als Bonus ist diesmal die noch nie auf Deutsch erschienene Geschichte "Die Kinder des Teichs" ("The Children of the Pool") enthalten.

    Sehr interessantes Interview. Du hattest da aber auch einen Trauminterviewpartner, was die Auskunftsfreude betrifft, Erik. :)
    Das mit "unter dem Radar" trifft eindeutig auch auf mich zu. Der Name "Michael Marrak" ist mir seit Lord Gamma ein Begriff, aber ich dachte tatsächlich immer, er schreibe ausschließlich SF.

    Das Ziel der neuen Elfenbeinausgabe ist laut Verleger in erster Linie, die Piper-Ausgabe wieder zugänglich zu machen. Die neuen deutschen Erstveröffentlichungen sind hier eher ein schöner Bonus. Ich persönlich glaube nicht, dass die jemals als Sammelband erscheinen werden.
    Ornaments in Jade ist im Moment im Elfenbein Verlag in zusammenhängender Form wohl nicht geplant, zumal zwei Episoden daraus ja schon in Der geheime Glanz als Bonus erschienen. Ich selbst übersetze Ornaments in Jade seit einiger Zeit just for fun, was sich aber noch etwas hinziehen wird, da es wirklich nicht einfach zu übersetzen ist.
    Ich habe dem Verleger und Joachim Kalka übrigens intensiv empfohlen, in einem der nächsten Bände unbedingt den Kurzroman A Fragment of Life zu bringen, das letzte Meisterwerk aus Machens kreativster und subtilster Schreibphase um Der Berg der Träume, Ornaments in Jade und "Die weißen Gestalten".

    Der dritte Band Der Schreckenist aktuell in Druck und erscheint Ende dieses Monats. Ich bin inzwischen etwas beratend tätig für die Machen-Werkausgabe, weshalb auf jeden Fall jetzt sichergestellt ist, dass als neue Zugaben zur alten Piper-Ausgabe ausschließlich deutsche Erstveröffentlichungen genommen werden und es keine Dopplungen mehr geben wird. Material genug dafür gibt es ja noch.

    Vincent, du scheinst das Buch ja wirklich zu mögen. Das findet man selten. Das sind so Bücher, die viele besitzen, aber niemals lesen. Ich liebe Mrs Dalloway, aber mit Zum Leuchtturm wurde ich irgendwie nicht warm. Hab's bisher auch nur durch das erste Kapitel geschafft. Kann aber auch daran liegen, dass ich einfach zu viel Ablenkung hatte, denn genau wie du ja auch sagst, kann man so etwas nicht nebenbei durchziehen. Definitiv ein Buch, das ich noch in meinem Leben bezwingen will.

    Leute, lest unbedingt den neuen Roman Hinter den Gesichtern von Richard Lorenz. Läuft zwar unter "Kriminalroman", spricht aber die geballte Sprache der Horror-Literatur. Ein absoluter Kracher. Hab's gestern morgen in der Post gehabt, den ganzen Tag gestern gelesen, heute beendet und rezensiert - das passiert mir nicht oft!

    Im Zuge meiner Rezension zu Dracula habe ich mich mit den Übersetzungen auseinandergesetzt. Ich erlaube mir mal, aus meiner damaligen Einschätzung zu zitieren:


    Zitat

    Anmerkung: Es existieren alte Übersetzungen von Dracula, die man lieber meiden sollte, will man nicht auf all die zum Teil subtil verborgenen sexuellen Anspielungen verzichten. Die hier gewählte moderne Neuübersetzung von Andreas Nohl ist nicht unproblematisch, da Nohl (und dafür ist er inzwischen in der Branche bekannt) dazu neigt, den Originaltext zu glätten, sperrige Sätze zu begradigen und damit die Leseerfahrung zu vereinfachen.


    Beinahe zeitgleich mit der Nohl-Übersetzung erschien die Neuübersetzung von Ulrich Bossier (Stuttgart: Reclam, 2012), von der ich dringend abraten möchte. Bossier erlaubt sich darin schlichtweg inakzeptable, das Original völlig verfälschende Freiheiten. So ist beispielsweise das letzte – sehr wichtige – Zitat meiner Besprechung in der Bossier-Übersetzung deratig schlampig und falsch übersetzt, dass es in dieser Version restlos unbrauchbar ist und von mir überhaupt nicht als bedeutsam erkannt worden wäre.


    So hat man als Leser leider lediglich die Wahl, aus zwei Übeln das Geringere zu wählen.



    Mir ist nichts bekannt über neuere Übersetzungen als die Nohls und Bossiers.

    Die Übersetzung von Andreas Nohl ist in meinen Augen äußerst zweifelhaft. Ich hatte auf Facebook mal eine längere Diskussion angezettelt, weil Nohl sich in einem Zeitungsartikel damit brüstete, dass er mit seiner Dracula-Übersetzung aus einem schwachen Roman einen richtig guten gemacht habe. An Bescheidenheit leidet der gute Mann nicht.
    Wie man immer wieder hört, glättet Nohl die Originaltexte sehr und nimmt ihnen ihre Kanten. Ich habe selbst einmal am Beispiel "Ligeia" seine Poe-Neuübersetzung gecheckt und musste exakt das feststellen: absolut weichgespült, wahrscheinlich für ein modernes Publikum mit Gleitmittel eingeschmiert.
    Dass Fischer Tor bei so einer Prachtausgabe auf diese Übersetzung zurückgegriffen hat, kann ich wirklich nicht verstehen. Gerade die Tor-Leute haben ja für durchaus tolle Neuübersetzungen gesorgt, wenn ich daran denke, was Karen Nölle mit ihren Erdsee-Übersetzungen gezaubert hat.