Stephen King - Das Institut

  • Mein Buch für die Kategorie Neuerscheinung was "Das Institut". Ich glaube, grundsätzlich zum Inhalt muss ich hier gar nicht mehr viel sagen. Die Story beginnt mit einem gescheiterten Cop aus Florida, der sich etwas treiben lässt und in einer Kleinstadt in South Carolina einen Neuanfang wagt (zufälligerweise aufgrund einer verfügbaren Stelle wieder bei der Polizei, wobei mir immer noch nicht völlig klar ist, was die Aufgaben eines Nachtklopfers sind und ob das eine gängigere Position ist).


    Dieser wird nach der Einleitung für den Großteil des Buches wieder verlassen, hier geht es um Luke, ein zwölfjähriges Genie, das in Kürze sein Studium an zwei renommierten Universitäten beginnen möchte und darüber hinaus noch etwas übernatürlich begabt ist (Telekinese). Dieser wird in das namensgebende Institut entführt.

    Um Luke dorthinzubekommen und dazubehalten wird so ziemlich alles aufgefahren, was man klassisch als böse bezeichnen würde: Luke wird in der Nacht aus seinem Bett entführt, unter Drogen gesetzt, seine Eltern werden ermordet. Im Institut wird er gedemütigt (zum Teil mit drastischen Eingriffen in die Intimsphäre), gefoltert (klassisches, intensives Waterboarding), geschlagen, operiert, unter unbekannte Medikamente gesetzt, betäubt, er bekommt einen Überwachungschip implantiert und Ähnliches. Seinen Mitinsassen, ebenfalls Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre, ergeht es dabei genauso. So ziemlich alle Aufseher (seien es Ärzte oder sonstiges Personal) haben darüber hinaus mindestens eine unangenehme Eigenheit (penetrantes, an Esel erinnerndes Lachen, Hang zur Gewalt, falsches Lächeln etc.), so dass hier kein Zweifel darüber besteht, wer die Antagonisten sind.


    Aufgrund seiner Cleverness kann Luke einer Haushälterin nützliche Tipps für ihr wirtschaftlich zerüttetes Privatleben geben, so dass diese ihm hilft, aus dem Institut zu fliehen. Selbige Haushälterin hatte nebenbei bisher die Zusatzaufgabe, sich bei den Kindern einzuschmeicheln, um Informationen wie etwa einen Ausbruchsversuch möglichst früh in Erfahrung zu bringen. Der Ausbruch gelingt und letztendlich landet Luke in der Kleinstadt in South Carolina, in der der Cop aus der Einleitung beginnt, sich einzuleben. Durch Verrat erfahren die Betreiber des Instituts allerdings relativ schnell von dem Ausbruch und dem aktuellen Aufenthaltsort von Luke und entsenden dorthin eine größere Einsatzgruppe zum Einfangen von Luke. In einer Art Showdown bekommt Luke Hilfe vom Cop und den Bewohnern der Stadt, so dass es gelingt, die erneute Entführung von Luke zu verhindern.


    Die anderen Kinder im Institut beginnen in der Zwischenzeit, ihre paranormalen Fähigkeiten für ihre eigenen Zwecke zu nutzen und versuchen ebenfalls zu entkommen. Dies gelingt mit der Hilfe von Luke und Cop auch zumindest teilweise, da diese unter anderem die Leiterin des Instituts in ihre Gewalt bekommen.


    Das Ende ist dann etwas zwiespältig... ein paar Kinder konnten entkommen, aber nicht alle. Ein Teil des Personals vom Institut ist tot, allerdings nicht das ganze Personal. Das Institut in seiner bisherigen Größe wird nicht fortgeführt, aber ein gewisser Rumpf bleibt an unbekanntem Ort noch bestehen. Immerhin Luke hat überlebt und wird sein Studium in Kürze wohl antreten. Auch waren in der Vergangenheit wohl nicht alle Einsätze des Instituts negativ, sondern zur Erhaltung des Weltfriedens durchgeführt, dies wurde allerdings mit den eingangs erwähnten zynischen, bösen Handlungen an Kindern erreicht (und hätten evtl. auch mit humaneren Bedingungen für die Kinder erreicht werden können).


    Insgesamt wieder faszinierend, wie hier der Kingfaktor wieder bei mir durchschlägt: Die Story fand ich an sich gar nicht mal besonders innovativ, bei der Beschreibung des Instituts trägt King fast schon etwas sehr dick auf und man hätte das ganze wahrscheinlich auch gut und ohne Hast bei halber Seitenzahl erzählen können. Dennoch wurde ich sehr gut unterhalten und das Buch liest sich trotz seiner Länge erfreulich flott. Für mich ist King einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler, der es (zumindest bei mir) schafft, auch nur leicht überdurchschnittliche Stories unterhaltsam rüberzubringen.

  • Das ging mir auch so mit dem Kingfaktor. Ich fand, "Das Institut" hat an zwei Stellen einen derben Deus ex Machina-Moment und ich bin mir sicher, auch King wusste das, aber er umschifft das so elegant mit seinem King-Bonus, dass es mich nicht ärgerte, sondern ich eher dachte: Aha, so macht das also, wenn der Plot arg kostruiert ist. :)


    Seine Kernidee hingegen mag nicht neu sein, aber was King gut kann, ist, innovativ sein und neue Pfade betreten. Für mich ist das schon wieder mal etwas sehr Eigenständiges.

  • Habe das Buch im Urlaub gelesen. Ich habe bewusst einen King mit in den Urlaub genommen, weil ich die letzten Monate so fertig war, dass ich mir sicher war, zu scheitern, wenn ich es nicht mit leichter Kost versuche. War eine gute Entscheidung - habe das Buch beinahe in einem Rutsch durchgelesen. Zum Inhalt hat Björn schon alles geschrieben, das klemm ich mir mal.


    Obwohl das Thema an sich alles andere als neu ist, ist es eben typisch King, dass er einen durch die Geschichte treibt und, für mich, einen echten Pageturner draus gemacht hat. Die Hintergrundidee (nicht die begabten Kinder an sich, sonder wofür sie benutzt werden) gibt durchaus Anstoß zum Nachdenken und zum Diskutieren der Idee, muss ich sagen. Und ich nehme an, wir sind, dank der QAnon-Grütze, nicht weit davon entfernt, eine solche "Enthüllung" tatsächlich irgendwo zu lesen :rolleyes:


    Ich weiß nicht, wie King das manchmal, oder oft, hinkriegt, aber es hat mir wirklich gefallen. Dann hat er wieder Bücher dabei ("Love" ist immer noch so ein Ding, dass ich viermal angefangen habe und nicht über 100 Seiten komme, weil es einfach soooo drööööge ist), die nicht zünden bei mir, obwohl die Sprache/Erzählweise die gleiche ist. Hier hat alles gestimmt, bis auf das Ende - es ging mir dann doch ein wenig zu schnell und einfach auf den letzten Seiten - irgendwie nicht spektakulär genug, aber noch gut genug, um nicht mürrisch zu werden.


    Und, ist immer so ein Ding bei mir: ich hatte an keinem Charakter was zu meckern. Oft komme ich nicht in Geschichten rein, weil mich die Charaktere einfach nicht interessieren. Hier war alles prima.

    Ich lese gerade: Der Wüstenplanet von Frank Herbert


    “A reader lives a thousand lives before he dies.” said Jojen. “The man who never reads lives only one.” - A Song of Ice and Fire (George R. R. Martin)


  • Mit "Love" konnte ich als einzigem King-Roman auch nichts anfangen. Nicht besonders gelungen fand ich auch "Sprengstoff", aber das war ja ein Bachman-Buch. Mit dem "Institut" bin ich jedenfalls ebenfalls schnell warm geworden und habe die Geschichte sehr genossen.

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    Meine aktuellen Roman-Veröffentlichungen:
    Düsterer Horror-Thriller: "Die Verschwörung der Schatten"

    Chaotische Ermittler-Krimis: „Mord mit Seeblick“ + „Mord mit Massage“
    Franken-Krimis: „Auf den Hund gekommen“ + „Auf kurze Distanz“

    Packender Thriller: „Raststopp“

    Weitere Infos unterwww.soeren-prescher.de