Feuersignale – Hommage à Stefan Grabiński (Hrsg. Silke Brandt)

  • Felix Woitkowski: Violett


    Man merkt, Felix liest gerne Vergangenheit und so atmet die Geschichte eine vergangene Zeit. Reisende im Zug und einer liebt es, Gesprächen zu lauschen. Da niemand anstalten macht, eine Unterhaltung zu beginnen, fängt der Erzähler an und die Ankedote bezieht sich auf eine Geschichte von Grabinski, dem Lokführer Grot und das ist eine sehr schöne Idee. Ein anderer Fahrgast nimmt den Faden auf und berichtet erstaunliches, zwei Anekdoten, die zu einer verschmelzen und ihr Finale genau in diesem Abteil finden. Eine sehr lesenswerte Geschichte, die einen gefangen nimmt zwischen Eisenbahn, Golem und Unsterblichkeit, deren Ende, das ist mein einziger Wermutstropfen, aber ein wenig uninspiriert daher kommt. Trotzdem, das ist eine überaus großartige Geschichte.

    Wie schön! Das freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat. Im letzten Frühjahr, als ich die Geschichte verfasste, habe ich mir abgerungen, jeden Tag ein paar Minuten zu schreiben. Diese und eine andere Geschichte sind deshalb in tagtäglichen Häppchen entstanden, wodurch ich mehrere Wochen hindurch zumindest mit den Fingerspitzen immer auch ein Stück in ihnen und in einer von grabinski inspirierten vergangenen Welt verweilte. Umso mehr ist mir "Violett" ans Herz gewachsen und nun ist es einfach schön zu lesen, dass sie dir so gut gefällt!

  • Mammut Oh, mensch, war das aufregend! Ganz, ganz lieben Dank für deine Besprechungen. :*

    Gut, dass ich mich zurückgehalten hab, ich war ja 100% sicher, dass du Teemu magst und wollte schon schreiben: 'Warte mal, die letzte Geschichte wird bestimmt dein Favourite.' Echt irre, da lag ich ja sowas von daneben ... und so spannend dein Eindruck. Das war für mich der Text, der die destruktive, aber irgendwie liebenswert-nachvollziehbare Manie von Grabinskis Protas am authentischten erfasst hat. Toll, da deine Leseweise zu sehen.


    Felix Krass, die Entstehungsweise liest man dem Text aber wirklich nicht an.

    wodurch ich mehrere Wochen hindurch zumindest mit den Fingerspitzen immer auch ein Stück in ihnen und in einer von grabinski inspirierten vergangenen Welt verweilte.

    Ich finde ja auch immer noch, dass es ein gelungenes Grabinski-Bruno Schulz Crossover ist. 8) Auch, wenn das gar nicht deine Intention war. *gn*

  • Selber Ort, ein halbes Jahr später: Die Tallship Crew traf sich gestern zur Signierstunde im Pub Belge, Helsinki.

    Links -> rechts: Nalle Elmgren, Teemu Korpijärvi, yours truly, Tommi Ekholm. [Nerdine]


    Wer Interesse an einem signierten Exemplar hat, gern PM an mich.


  • Ich habe das Buch jetzt auch durch und bin schwer begeistert. Auch wenn nicht alles für mich gezündet hat, ist FEUERSIGNALE am Ende doch eine runde, kompakte Sache geworden. Eine bunte Autorenmischung auf gemeinsamer Augenhöhe, mal was Anderes als nur deutsche Autoren. Einmal ganz davon abgesehen, dass sich mit den vier Erstübersetzungen von Grabinski hervorragend wuchern lässt.


    Den Tem-Beitrag fand ich sehr faul und beliebig und UNSERE GEBIRGE empfand ich ebenfalls als thematischen Ausreißer.

    Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Ich halte sogar die Reihenfolge der Geschichten für außerordentlich gelungen. Nach Silkes Einstimmung gleich DER VERLASSENE ORT, die mich mit ihrer Melancholie sofort gefesselt hat, ein Highlight gleich zu Beginn. Es geht weiter ein wenig wie eine Zugfahrt durch moderates Gebirge, wobei bestimmt jeder seine eigenen Gipfel und Täler ausmachen kann.

    Gegen Ende für mich mit Felix VIOLETT nochmal ein deutlicher Anstieg. Ganz großartige Story, auch wenn ich bei Mammut bin, dass das Ende der Geschichte ein wenig so wirkt, als müsste jetzt eben ein Abschluss her.
    Auch bei DIE STÄHLERNE GRIMASSE vermisse ich eine Erklärung, warum der Protagonist der Meinung ist, dass sein geliebtes Urlaubsrefugium mit dem Einzug der Eisenbahn dem Untergang geweiht ist. Trotzdem hat für mich die Story als Ausklang funktioniert.


    Liebe Silke Katla : Von vorne bis hinten gelungen und selbst die Punkte, die ich jetzt angekrittelt habe, tun dem keinen Abbruch. Das ist nur meine Meinung und solche Ecken und Kanten machen das Ganze insgesamt gesehen lebendig.

  • Lieber Elmar Hui, das freut mich selbstverständlich ungeheuer - auf mehr hätte ich nicht hoffen können. Es ist wirklich irre spannend, eure teils ähnlichen, teils unterschiedlichen Meinungen zu hören, und für mich auch wirklich wichtig, um bei - hoffentlich - zukünftigen Projekten einen kleinen 'Leitstrahl' zu bekommen.


    Dass dir die Reihenfolge zusagt, freut mich ebenfalls, weil ich mir da einen irren Kopp drum gemacht und sogar einen Verleger (Grey Gulls Nico Pietschmann) um einen Tipp gebeten hatte. Der Tipp war dann wirklich sehr hilfreich, ich hab mich dann letztlich aber nicht ganz dran gehalten.


    Cross-Kommunikations-Anmerkung: Da zeigt sich, dass ein klassisches Vorwort auch nicht schlecht ist, denn dass sich die Hommage nicht nur auf den Dämon der Bewegung, sondern auch auf das Buch des Feuers bezieht, steht nirgends. (Daher aber die Feuerwerksgeschichte.) Ich hatte freigestellt, ob die Autoren Eisenbahn und/oder Feuer behandeln, überraschenderweise hat aber keiner 'Feuer' allein als Motiv gewählt.


    DER VERLASSENE ORT, die mich mit ihrer Melancholie sofort gefesselt hat, ein Highlight gleich zu Beginn.

    Die Geschichte ist auch unter allen Grabinski-Texten unter meinen allerliebsten, freut mich sehr, dass sie dir auch so gut gefiel.


    Bleibt mir nur noch zu sagen: Riesenfreude, ganz, ganz herzlichen Dank für deine Rückmeldung und Eindrücke! :*


    Liebe Grüsse,

    Katla [Cof]

  • Ganz lieben Dank, Nils! :* Rezensionen sind ja immer extrem spannend, auch um zu lernen. Dies ist die erste durchwachsene Rueckmeldung, die ich bislang las. (Fuer das Schwerpunkt-Thema deines Nachwortes uebernehme ich jedenfalls alle Verantwortung! ;- ))


    Dabei sehe ich immer wieder, wie toll es ist, viele Rueckmeldungen per Mail oder hier im Forum bekommen zu haben - da kann man ja einfach ungeniert und unverkrampft nachfragen. In diesem Fall wäre ich neugierig, was fuer eine Verortung / Einbindung von Grabinski in einer Grabinski-Hommage erwartet worden wäre. Auf die Idee käme ich ehrlich gesagt gar nicht, selbst wenn mein Vorwort ein klassisches gewesen wäre. (Dann hätte ich nur erwähnt, dass sich die Hommage an den Dämon der Bewegung und das Buch des Feuers gleichermassen bezieht, das mag doch etwas untergegangen sein.)


    Es ist jedenfalls immer wirklich toll, einen Einblick in die 'Leserköpfe' zu bekommen - was erwartet wird, warum, was gern gelesen wird und was irritiert.

    [Gh2]

  • Zu der Rezension von Andreas Giesbert: Mit seinen beiden schärfsten Kritikpunkten stimme ich nicht überein. Die Originalität des Bandes sehe ich gerade in dem Vor- und dem Nachwort, welche ihn von den üblichen Geschichtensammlungen abhebt. Wobei es verwunderlich ist, dass Andreas auf letzteres eingeht wie auf sonst keinen der übrigen Beiträge, ja sich scheinbar etwas daran abarbeitet. Was den angekreideten "unnötig komplizierten Stil" angeht: Nun, der scheint auf den Rezensenten selbst abgefärbt zu haben; wie sonst wäre z. Bsp. ein rätselhafter Satz zu erklären wie:


    Zitat

    So kulminiert der Text etwa in einer äußerst kondensierten Verdringlichungskritik die identitätsphilosophisch aufgelöst wird.

    Wenn Andreas zum Vorwort schreibt, dass es "durchaus gelungen" einstimme – so ist doch das Ziel erreicht. Ob Katla damit zur "Erhellung" des Bandes beitragen wollte, ist erst einmal eine unbestätigte Annahme.

  • Hi,


    ich habe die Diskussion einmal als Anlass genommen mich auch hier anzumelden. Erst einmal freut es mich riesig, dass Rezensionen gelesen und diskutiert werden. Sehr oft schreibt man doch fürs Nirvana.



    Katla Mein Problem ist vermutlich, dass ich die Hommage erstmal wie eine Geschichtensammlung gelesen habe. Das mag dem Untertitel nicht gerecht werden, ich glaube aber, dass es genau so (auch) rezipiert werden kann und darf. Es ist für mich eine Sammlung die sich um das literarische Universum von Grabinski dreht. Nun kenne ich Grabinski zwar aus der CLN, insgesamt ist er aber ja (leider) keine allzu bekannte Figur in unseren Landen. Hier wäre mir also ein recht klassischer Ansatz der Grabinskis Leben und Werk umreißt, besonders relevante Themen für die Sammlung vorstellt, einen Aspekt benennt den man beim Lesen im Hinterkopf haben sollte o.ä. gewinnbringend gewesen. Um es kurz zu sagen: Wenn ich die Hommage nicht zur Hand nehme, weil ich Grabinski kenne und eben eine Hommage suche, dann bin ich eingestimmt aber etwas verloren. Und das ist schade, weil das Buch ja auch für Nicht-Grabinski-Kenner*innen durchaus lesenswert ist. Es mag zudem auch ein bisschen an meinem theoretisch orientierten Hintergrund liegen. Ich funktioniere beim lesen viel über historischen Kontext, Themen, theoretische Debatten . Vielleicht wird es so klarer.



    @Axel Hinter der Kritik an Nils‘ Artikel stehe ich. Ich kritisierte dabei nicht, das (!) eine theoretische Auseinandersetzung stattfindet – die finde ich im Gegenteil sehr gut und wichtig. Ich finde aber, dass die Fragestellung wenig fruchtbar ist (Nils legt ja sehr genau dar, warum der Lovecraftbezug eigentlich nichtig ist) und die Argumentation zu große Felder aufmacht, die sie nicht einholt. Das möchte ich aber wohlgemerkt als eine solidarische Kritik verstanden wissen.


    Bezüglich des komplizierten Stils. Ich finde das angeführte Zitat bis auf das peinliche „r“ der Verdringlichungskritik nicht rätselhaft. Nils macht eine Verdinglichungskritik auf. Die ist bis zur Unverständlichkeit kondensiert und soll durch ein ebenfalls sehr vage gehaltenes identitätsphilosophisches Konzept aufgelöst werden. Mein Satz leidet also eigentlich genau unter dem Problem, dass es die wirklich großen Themen des Essays aufnimmt und in dem Rahmen nicht bestimmen kann. Wenn man genau in Nils Text guckt (auf Zitatangaben und Co habe ich verzichtet um nicht in eine Detailkritik umzuschlagen), beziehe ich mich damit auf eine der letzten Passagen im Text, in der sich Nils mEn wirklich überschlägt und genau diesen Argumentationszug in ein oder zwei komplexen Schachtelsätzen durchführt.


    Tatsächlich fiel meine Auseinandersetzung mit dem Essay übrigens ursprünglich übrigens sehr kurz aus. Ich bin aber – auch in Rücksprache mit Nils - zu dem Schluss gekommen, dass, wenn ich Kritik übe, ich auch eine gewisse Präzision schuldig bin und nicht nur meinen Eindruck in den Raum stellen kann. In sofern musste ich konkret werden um nicht auf eine zu simple Allgemeinkritik zurückzufallen die Nils Arbeit entwertet.

  • Hallo AndreasG , herzlich willkommen im Forum, klasse, dass du dich angemeldet hast! (Sorry, dein FB-Profil kann ich irgendwie nicht aufrufen, aber Austausch ist ja jetzt hier möglich, ich freue mich).


    Da wir uns nicht kennen und ja auch Nicht-Angemeldete mitlesen können, stelle ich mal voran:

    Ich gehe davon aus, dass ein Autor keinerlei Kontrolle / Einfluss mehr über seinen Text hat, sobald dieser veröffentlicht ist. Leser haben verschiedene Erfahrungen, Assoziationen, Interpretationen und Erwartungen, die man als Autor nur bedingt antizipieren kann (oder das bewusst nicht tut). Daher kann und will ich niemandem vorschreiben, wie er meine Texte oder meine Herausgabeprojekte zu sehen hat - wenn ich mich dazu äußere, hat meine Stimme nicht mehr und nicht weniger Gewicht als die eines jeden Rezipienten. Und das ist auch richtig so, denn sonst wären die Texte Propaganda, keine Prosa oder Sekundärliteratur.


    Mein Problem ist vermutlich, dass ich die Hommage erstmal wie eine Geschichtensammlung gelesen habe.

    Okay, dafür kann ich dann allerdings nix, der Band ist ja adäquat benannt. Selbstverständlich kann auch eine Sammlung (oder Roman) eines einzigen Autors eine Hommage sein, nicht nur eine Anthologie. Dann aber müsste es ein aktueller Autor sein, denn Grabinskis eigene Texte sind ja keine Hommage an sich selbst. Da wüsste ich nicht, wie ich das hätte anders machen sollen.


    Hier wäre mir also ein recht klassischer Ansatz der Grabinskis Leben und Werk umreißt, besonders relevante Themen für die Sammlung vorstellt, einen Aspekt benennt den man beim Lesen im Hinterkopf haben sollte o.ä. gewinnbringend gewesen. Um es kurz zu sagen: Wenn ich die Hommage nicht zur Hand nehme, weil ich Grabinski kenne und eben eine Hommage suche, dann bin ich eingestimmt aber etwas verloren.

    Ah, verstehe. Das wäre sicher eine Möglichkeit gewesen, ich hab mich aber aus folgenden Gründen dagegen entschieden:


    - Feuersignale folgte direkt auf das Cthulhu Libria Neo 2 - Horror in Eisenbahnen. Beides erschien im selben Verlag, beides hat keine Tausenderauflagen. Auch, wenn du völlig recht hast, dass nicht jeder Feuersignale-Käufer (v.a. Abonnent der Reihe) das CLN 2 oder überhaupt Grabinski kennen wird, habe ich mich dagegen entschieden, Inhalte meines CLN-Beitrages in Feuersignale zu wiederholen. Einfach von mir selbst ausgehend: Wenn mich etwas langweilt (alles aus einem Buch desselben Verlags gleich noch mal in einem zweiten aufgewärmt zu bekommen), steige ich vllt. ganz aus dem Thema aus; muss ich mir etwas ergooglen oder ein weiteres Buch / Magazin zur Hintergrund-Info hinzuziehen, bleibe ich als Leser neugierig und engagiert. Daher steht für die Einordnung eine Kurzbiographie Grabinskis über allen anderen und dort sind Verweise zum Weiterlesen.


    - In Sullivans Sinne von 'form follows function' wollte ich die Aktualität seiner Phantastik, seinen Individualismus / Innovation nicht als etwas rein Historisches präsentieren, sondern einen Brückenschlag ins Jetzt versuchen, die Frische und Aktualität seines 100-Jahre alten Werkes neben aktuelle deutschsprachige wie auch internationale Autoren stellen. Damit auch eine Unterscheidung von historischem und aktuellem, nationalem und internationalem Schreiben aufheben, die ich oft als künstlich empfinde.


    Ob Katla damit zur "Erhellung" des Bandes beitragen wollte, ist erst einmal eine unbestätigte Annahme.

    Axel kennt mich sehr gut. [Cof] Nein, ich wollte einen Prosatext, der Aspekte, Themen oder Bilder aus jeder präsentierten Geschichte aufnimmt. Sozusagen 'hidden in plain sight' - denn das wird ja erst deutlich, nachdem man die anderen Texte gelesen hat. Ich mache aber auch einfach nur ungern, was man häufig finden kann und wollte etwas, das mir ebensolchen Spaß macht wie Grabinskis Geschichten selbst zu lesen.

    Selbstverständlich bleibt - egal, für welche Formen oder Texte man sich entscheidet - immer ein Teil der Leser / Rezipienten auf der Strecke, die eben grad diese Vorlieben nicht teilen.


    Sehr schade - einfach unter einem journalistischen Standpunkt - fand ich an deiner Rezension, Andreas, dass der überwiegende Teil der Rezi ca. 15 Seiten des Nachwortes betrifft, damit locker 285 Seiten links liegen lässt und auch für mich eindeutig klang, als wenn du und Nils euch bekannt seid und eigentlich irgendein privater Konflikt kommentiert wird. Wie gesagt, Leseeindruck! Der Vergleich Innsmouth / Tunnelkreaturen ist auf meinem Mist gewachsen, da muss ich Nils einfach entlasten (und vielleicht schreibe ich das Thema ja selbst mal unter anderen Gesichtspunkten, ich bin in der Finnischen Lovecraft-Society, da gibt es ein hübsches Mitgliedermagazin).


    Noch mal ganz ausdrücklich betont: Mir liegt es vollkommen fern, einem Rezipienten und schon gar einem Rezensenten seine Meinung / Beurteilung abzusprechen oder gar infrage zu stellen. Ich finde es auch umgekehrt sehr spannend, wenn ich mit Lesern über meine Texte oder Artikel sprechen kann, weil es einfach zeigt, was Leute 'da draußen' (außerhalb meines eigenen Kopfes) denken, erwarten und sich wünschen.

    Vermutlich ist es eleganter, sich als Schreiber / Herausgeber aller Kommentare zu Eigenproduktionen zu enthalten, aber ich bin einfach zu sehr an Austausch und Textarbeit interessiert. :*

  • Code
    1. Okay, dafür kann ich dann allerdings nix, der Band ist ja adäquat benannt.

    Formal magst du recht haben, die Gattung Hommage ist aber ja erstmal nicht ganz klar umrissen und ich finde nicht, dass man voraussetzen kann, dass die Lesendenschaft das gleiche Verständnis teilt. In sofern glaube ich schon, dass meine Lesart „Textsammlung mir Nähe zu Grabinski“ garnicht so abwegig ist.
    Mein Punkt ist recht simpel. Ich glaube das ein anderes Vorwort dem Buch einen klareren Erwartungshorizont gegeben hätte und zumindest meine Leseerfahrung dadurch verbessert hätte.

    Aber ich weiß auch, dass es viele anders sehen und eine grundsätzliche Frage ist.

    Anders gesagt: du hättest(!) es anders machen können indem du voranstellst wie du diese Hommage konzipiert hast und was uns erwartet. Wohlgemerkt: Hättest. Für viele war dein Weg ja genau der richtige.

    Zitat

    Daher steht für die Einordnung eine Kurzbiographie Grabinskis über allen anderen und dort sind Verweise zum Weiterlesen.

    Die finde ich auch gut und wichtig, aber natürlich sehr knapp und weit hinten versteckt.

    Zitat

    Sehr schade - einfach unter einem journalistischen Standpunkt - fand ich an deiner Rezension, Andreas, dass der überwiegende Teil der Rezi ca. 15 Seiten des Nachwortes betrifft, damit locker 285 Seiten links liegen lässt und auch für mich eindeutig klang, als wenn du und Nils euch bekannt seid und eigentlich irgendein privater Konflikt kommentiert wird.

    Zu einem Teil gebe ich dir recht. Ich habe ja schon etwas erklärt, warum ich in dem Fall die Kritik etwas ausführlicher gehalten habe. Ich fände es falsch gar keine Argumente und nur Eindrücke zu schreiben. Ich habe aber trotzdem versucht knapp zu bleiben und keinen Essay zu schreiben.

    Den Privatkonflikt muss Ich nachdrücklich zurückweisen. Es sind ganz klare inhaltliche Punkte die mich stören. Ich halte den Text für unnötig unverständlich, zu groß angesetzt und bei der Begriffsarbeit für mindestens unterbestimmt, wenn nicht falsch.
    Bekannt war ich mit Nils vorher nicht. Entscheidender ist eher mein eigener Hintergrund in der Philosophie, wodurch ich die Probleme nicht übersehen konnte. Ich mache es dann bei kritischen Abschnitten oft so, dass ich ganz offen frage ob sich der*die Gegenüber sehr fehlverstanden fühlt. Nicht um mir reinreden zu lassen, sondern um nicht ungerecht zu sein.
    Daraus ergab sich ein netter Kontakt mit Nils und ich habe den Absatz minimal ausgebaut um eben vom bloßen „Raunen” wegzukommen. Das war einfach der wichtigere weg. Das dadurch das Ungleichgewicht größer wurde ist ärgerlich aber war für mich die richtige Entscheidung.


    ich bin aber ehrlich, dass ich dieses mal nicht genug auf die Kurzgeschichten eingegangen bin. Das hat etwas damit zu tun, dass ich mit den meisten nicht warm wurde und auch zum Teil etwas mit meiner Zeitsituation. Ich hatte sogar überlegt die Rezension ganz sein zu lassen, weil ich mit dem Aspekt nixht zufrieden war. Am Ende war es mir aber wichtig, dass ich zu dem Buch etwas schreibe, einfach weil ich es wichtig finde, dass solche Projekte besprochen werden. Ich denke, dass ich dem Anspruch einer qualitative Rezension entsprochen habe, auch wenn man sicher noch etwas mehr Gewicht auf die Geschichten hätte legen sollen.

    Wenn die Rezension das Buch in ein paar Köpfe gebracht hat und potentielle Lesende wissen, was sie erwartet und vielleicht besser entscheiden können, ob das Buch was für sie ist, habe ich erstmal erreicht was ich wollte.

    Die Diskussion hier finde ich letztlich auch ein positives Ergebnis. Wir mögen nicht überall zusammen kommen, aber ich fände es ungleich trauriger wenn das Buch undiskutiert in den Bücherschränken verstaubt. Wir sollten viel mehr über phantastische Literatur sprechen und streiten!

  • Anders gesagt: du hättest(!) es anders machen können indem du voranstellst wie du diese Hommage konzipiert hast und was uns erwartet.

    =O Du machst mich fertig - half der Buchrücken / Onlineshop-Text denn gar nix?


    Nein, nein, alles gut. Ich habe einige Jahre in Marketing / Marktforschung gearbeitet und weiß, dass man nicht alle potentiellen Konsumenten zufriedenstellen kann. Es gibt die Haltung "Man muss die Leser / Konsumenten mitnehmen" bzw. "Wenn ich Leute mitnehmen wollte, wäre ich Busfahrer geworden" und ich bewege mich bewusst zwischen diesen beiden Extremen. Es ist sehr interessant, was es für Erwartungen, Lesehaltungen und Assoziationen gibt und freue mich daher über jede Rückmeldung! :*


    und so ein Austausch ist nicht vielen Titeln vergönnt.

    Das sehe ich auch so und freue mich wirklich sehr!

    Die Diskussion hier finde ich letztlich auch ein positives Ergebnis. Wir mögen nicht überall zusammen kommen, aber ich fände es ungleich trauriger wenn das Buch undiskutiert in den Bücherschränken verstaubt. Wir sollten viel mehr über phantastische Literatur sprechen und streiten!

    Ja, auf jeden Fall. Andere Perspektiven sind immer sehr interessant.

    Zumindest verstaubt das Buch nicht im Keller des Blitz-Verlages, Markus Korbs Treibgut und Feuersignale waren wohl die beiden Top-Seller der Frühjahrsauslieferung. Daher sehe ich das alles ganz entspannt.

  • =O Du machst mich fertig - half der Buchrücken / Onlineshop-Text denn gar nix?

    Im eBook geht der natürlich verloren. Aber ja: das ist besser als nichts, nur zum Konzept kommt da auch nicht wirklich was.
    Es ist ja auch kein großes Drama, ich hatte ja Spaß mit dem Buch und insbesondere die Grabinskitexte sind richtig toll.

    Aber ich bleibe dabei: Gute Vorworte sind für meinen Zugang zu Literatur richtig hilfreich. Vielleicht mag ich einfach etwas mehr an die Hand genommen werden als andere.