Afrikanische Phantastik im Film

  • Bis jetzt ging es hauptsächlich um Literatur. Schön wäre, wenn jemand etwas zu "Afrikanische Phantastik im Film" sagen könnte. PS: Ich meine damit KEINE Zombie-Sachen.

    Das wäre sicher interessant, im Filmthread.


    Zombies kann man bei afrikanischer Phantastik aber eh nicht erwarten, denn das ist ein Konzept der Diaspora / kreolischen Kultur und auf Haiti beschränkt.


    Der Glaube an Wiedergänger - also 'im Fleisch' aus dem Grab zurückkehrende Totengeister - in Afrika gleicht dem europäischen der "Nachzehrer", der sicher uralt ist. Das Konzept des Zombie ist eigentlich ein soziales Korrektiv im Voudon, existiert erst seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts und hängt mit dem Katholizismus genauso zusammen wie mit der Weiterentwicklung der präkolonialen Religionen Afrikas, soweit ich weiß, Yoruba.

    Würde ein Zombie in einem afrikanischen Film auftauchen, wäre der genauso ein Kulturimport wie bei uns in den westlichen Ländern. Und die Idee, dass Zombies Menschen essen, kommt ja eh aus der weißen Unterhaltungskultur der USA, nicht aus dem Voudun selbst. [LiZ]

  • Genau. Deshalb wäre es interessant zu wissen, welche echte afrikanische Spuren sich im Film niederschlagen. Ob das genug Stoff für einen eigenen Tread ist? Schwer zu sagen.

  • Ob das genug Stoff für einen eigenen Tread ist?

    Ganz sicher, und zumindest ich finde immer wahnsinnig nervig, wenn Threads zu Literatur in Filmrezensionen ausarten, weil das einfach zwei völlig verschiedene Medien sind, denen völlig verschiedene Mittel zur Verfügung stehen, Geschichten zu erzählen.


    Es gibt tolle afrikanische Filme, ich kenne aber leider nur sozialrealistische Dramen und Dokus, keine Phantastik.


    Haiti hat eine Literatur, die ganz dezent an Magischen Realismus angelehnt ist, z. B. (aus der amerikanischen Diaspora) Etwidge Danticats frühe Kurzgeschichten. Richtiggehend Phantastik ist das allerdings nicht.


    "Echte afrikanische Spuren" wird man wohl kaum finden, dafür veränderte die Kolonisierung und v.a. der Einfluss der beiden größten abrahamistischen Religionen einfach zu stark die Ursprungskultur. Christentum und Islam verschmolzen so stark mit den angetroffenen Religionen, dass man nicht mehr feststellen kann, wie diese eigentlich aussahen.

  • Genau. Deshalb wäre es interessant zu wissen, welche echte afrikanische Spuren sich im Film niederschlagen. Ob das genug Stoff für einen eigenen Tread ist? Schwer zu sagen.

    Das wird sich zeigen... mir persönlich sind ein paar Threads ohne nennenswerte Aktivität ja lieber, als ein Thread, in dem mehrere (evtl. auch nicht am Titel erkennbare) Diskussionen parallel laufen. War das ursprüngliche Konzept von Threads nicht auch eher so gedacht?;)

  • Ich war jetzt einfach mal so frei und habe ein entsprechendes Thema erstellt... damit haben wir einen passenden Thread, der auch noch in der passenden Kategorie zu finden ist.

  • Es gibt doch diesen bekannten SF-Film "District 9". Da geht um auf der Erde gestrandete Alien-Flüchtlinge, die Handlung spielt in Südafrika. Ich glaube, es ist kein Kunststück, da irgendwelche Parallelen zur Jetztzeit herzustellen.


    Natürlich ist das Werk sicher auch recht westlich geprägt, aber einen Film, der in einem afrikanischen Hinterhof entsteht, wird man bei uns wohl auch nicht zu sehen bekommen.

  • 8 a.k.a. Soul Eater (Kanada, Setting, Mythos & Schauspieler aus Südafrika) oder The Tokoloshe (SA).


    Wenn man auf YT "African Horror Films" eingibt, bekommt man auch ne Menge dieser 'backyard movies' v.a. zu "Hexerei" (Nigeria). Letzteres ist allerdings nicht so arg witzig, wenn man bedenkt, dass dort wie auch in u.a. Kenya in steigender Anzahl Menschen unter der Anklage der "Hexerei" gefoltert, gelyncht und lebendig verbrannt werden.


    Die beiden erstgenannten, v.a. 8, sehen allerdings sehr gut aus, wenn auch recht ähnlich zu westlicher Bildsprache / Plots. Sie verarbeiten aber wohl regionale Mythen.

    Ich hab 'farbenblind' gesucht, man könnte jetzt natürlich auch sagen, Filme von Weißen würden nicht gelten ...

  • Nina

    Wie Du selber schon andeutest lebt "District 9" mehr von den Parallelen zur Gegenwart. Afrikanische Mystik erkenne ich da wenig.

    Ich zernartere mir wirklich den Kopf, aber mir fällt kein Film ein, der passen würde.

    Hat aber die Ursprungsfrage nicht verlangt. Aber wir leben auch in einer globalisierten Welt, nicht erst seit gestern. Das kann zu ganz schrägen Sachen führen wie "The Sound of Music", hier kennt den kaum wer, bestenfalls vom Namen und die Amerikaner denken aber, dass das ein österreichischer Film ist. Und der ist voll beliebt da.

  • Wenn es um den ganzen Kontinent Afrika geht, zählen eigentlich alle Mumien Filme dazu wie "Die Mumie" von 1932 und 1999, "Das Erwachen der Sphinx" oder "Der Fluch des Tut-ench-Amun"...


    Der Film "Der Exorzist: Der Anfang" spielt in der Kenianischen Turkana-Region und man untersucht eine christlich-byzantinische Kirche. Das Byzantinische Reich erstreckte sich auch bis Nord-Afrika.

    Wobei der Mythos des Dämons Pazuzu wohl aus dem Mesipotamischen stammt, welches im heutigen Irak lag.

  • Ich zernartere mir wirklich den Kopf, aber mir fällt kein Film ein, der passen würde.

    Internet?

    Der Film "Der Exorzist: Der Anfang" spielt in der Kenianischen Turkana-Region und man untersucht eine christlich-byzantinische Kirche. Das Byzantinische Reich erstreckte sich auch bis Nord-Afrika.

    Wobei der Mythos des Dämons Pazuzu wohl aus dem Mesipotamischen stammt, welches im heutigen Irak lag.

    Sehr guter Punkt, das war echt gut aufgezogen.

    Ägypten rangiert bei mir immer unter "mittlerer Osten", irgendwie. Öhem.


    The Serpent and the Rainbow (Die Schlange im Regenbogen. USA 1988) sollte auch erwähnt werden, obwohl der Film auf allen Ebenen versagte.

    Er basiert allerdings auf einem Sachbuch gleichen Titels, das einen ehrlichen (wenn auch zum Scheitern verurteilten) Versuch unternahm, der religiösen Weltordnung und dem Mystizismus Haitis naturwissenschaftlich nachzugehen. Der Film verlässt Haiti für die Exil-Community des Voudun und ist leider ein Beispiel für die "Angst vor dem schwarzen Mann" (bzw. seines Glaubens). Das Buch ist - obwohl es nicht die angestrebten Beweise liefern konnte - immer noch lesenswert.


    Hatte Angel Heart nicht auch Voudun- oder Santeria-Anklänge (Lisa Bonets Figur)? Cooler Film jedenfalls, und ein grandioses Buch.