Jonathan Carroll: Das Land des Lachens

  • "Fragen Sie nicht, was mir durch den Kopf ging, ich könnte es nicht erklären. Ich sitze nackt auf Anna Frances Bett und unterhalte mich mit einer Bullterrier-Hündin, die mir erzählt, dass sie morgen kein Bullterrier mehr sein wird."


    Es dauert lange, bis in diesem Buch die (allgegenwärtigen) Bullterrier zu reden beginnen, doch von Beginn an liegt über dem beschaulichen Ort Galen, Missouri eine bedrohliche Atmosphäre. Hier hat der Lieblingsschriftsteller des Protagonisten gelebt, und hierher kommt dieser, ein Englischlehrer im Urlaubssemester, begleitet von seiner Freundin, um dessen Biographie zu schreiben. Es waren Kinderbücher, die Marshall France schrieb, doch es müssen seltsame Kinderbücher gewesen sein: "Das Land des Lachens war von Augen hell, die sahn das Licht, das keiner sah." Nach allem, was unser Möchtegern-Biograph gehört hat, fürchtet er sich vor der Begegnung mit der Tochter seines Idols, doch Anna France ist offenbar sehr begierig auf eine Biographie ihres Vaters, sie fragt sich nur, ob er der Richtige ist, sie zu schreiben. Als klar wird, dass er das gewünschte Talent hat, ist jeder Einwohner des Städtchens erpicht darauf, dass er das verdammte Buch so schnell wie möglich zu Ende schreibt. Sie haben dafür gute Gründe, und leider wohl auch Mittel und Wege, ihm auf die Sprünge zu helfen ...


    Kein einfaches Buch, auch nicht wirklich Horror, ich würde es unter "magischer Realismus" einordnen. Hat mir sehr gut gefallen.

  • Definitiv lesenswert! Sicher Carrolls bester. Leider dürfte er sein Pulver damit weitgehend verschossen haben. Die ein oder andere seiner Kurzgeschichten - gesammelt in "Die panische Hand" (Suhrkamp) - mochte ich ebenfalls gerne, aber die weiteren Romane fallen dagegen deutlich ab.

  • Eines dieser "Buch-im-Buch-Bücher". Ich habe es auch gerne gelesen und fand es unterhaltsam. Gut erzählt und man ist immer bereit, dem Autor bei seiner verrätselten Geschichte zu folgen. Daher meine ich schon, dass es "ein einfaches Buch" ist.


    aber die weiteren Romane fallen dagegen deutlich ab.

    Deswegen wurde Caroll vielleicht auch nicht der neue Star der Phantastik, als welchen man ihn vielleicht nach "Das Land des Lachens" sehen konnte?


    Mich dünkt, es war einer der wenigen kontemporären Titel in der Phantastischen Bibliothek. Und war das dort die deutsche Erstveröffentlichung? Ich hätte gedacht, dass der Roman genug Potential besitzt, um nicht gleich vom Start weg in so ein Nischenprogramm – als Taschenbuch – untergebracht zu werden.

  • War mein Einstieg ins Carroll Universum, mir gefällt der Österreich Bezug in seinen Werken.

    Ich fand eigentlich Alles gut von ihm, mag sein das Eines des Suhrkamp Taschenbücher noch

    ungelesen im Regal steht, da ich den Druck nicht lesefreundlich fand.

  • Habe ich hier schon einmal erwähnt, dass Jonathan Carroll und ich dieselbe Hundezone besuchen und dass er quasi meinen Buchhändler und seine Frau zusammengebracht hat? Allerdings haben wir uns außerhalb von Höflichkeitsfloskeln noch nicht unterhalten, weil wir beide die morgentliche Ruhe sehr zu schätzen wissen.

  • Daher meine ich schon, dass es "ein einfaches Buch" ist.


    Mit "kein einfaches Buch" meinte ich nicht, dass es kompliziert zu lesen wäre. Allerdings ist es auf verschiedenste Arten zu interpretieren und jetzt kurz und knackig anzugeben, "was der Dichter damit sagen wollte", stelle ich mir schwierig vor.


    mag sein das Eines des Suhrkamp Taschenbücher noch

    ungelesen im Regal steht, da ich den Druck nicht lesefreundlich fand.

    Vom Druck her kam ich hier echt an meine Grenzen. Bei diesem Buch habe ich deutlich gemerkt, dass ich eigentlich eine Lesebrille bräuchte. Dazu bin ich aber noch zu eitel, drum habe ich meinen Kindle auch in dieser Beziehung sehr zu schätzen gelernt.

  • Mich dünkt, es war einer der wenigen kontemporären Titel in der Phantastischen Bibliothek. Und war das dort die deutsche Erstveröffentlichung? Ich hätte gedacht, dass der Roman genug Potential besitzt, um nicht gleich vom Start weg in so ein Nischenprogramm – als Taschenbuch – untergebracht zu werden.

    Ja, das war die deutsche Erstveröffentlichung und einer der wenigen Titel der Phantastischen Bibliothek, der mehrere Auflagen erleben durfte. Wenig später erschien es dann auch als sehr schönes Hardcover bei Insel. Die Veröffentlichung kam durch Vermittlung Stanislaw Lems zustande. Dessen Sohn besuchte damals die American International School in Wien, wo Carroll unterrichtete.

    Es gab schon einige zeitgenössische Autoren in der Phantastischen Bibliothek. Vor allem deutschsprachige Autoren, aber auch internationale. Etwa Hebert W. Franke, Mihajlo Kažić, Barbara Neuwirth, Alev Tekinay, Herbert Genzmer, Michael Weisser, George Turner, Fabienne Pakleppa, Marcus Hammerschmitt oder der großartige Ady Henry Kiss fallen mir da ein. Darunter natürlich viele Erstveröffentlichungen.



    Deswegen wurde Caroll vielleicht auch nicht der neue Star der Phantastik, als welchen man ihn vielleicht nach "Das Land des Lachens" sehen konnte?

    Rudolf Hermstein bezeichnete "Die Stimme unseres Schattens" (neben Ballards "Hallo Amerika!") als schlechtestes Buch, das er für die Reihe übersetzt hat ;)




    Martin Cell 71 hardt

    Das trifft leider auf die meisten Bücher aus der Phantastischen Bibliothek zu. Ich finde den kleinen Druck ebenfalls furchtbar anstrengend zu lesen. Je kleiner die Schrift, desto schneller verfliegt mir nach einigen Seiten die Konzentration...

  • the_seus Danke für die Hintergrundinfos, immer interessant zu erfahren! Das gilt natürlich auch für

    Erik R. Andara , wobei ich kurz nachdenken musste, was mit Hundezone gemeint ist (irgend so ein crazy weird shit aus dem Multiversum? Der Titel einer Story, die ich sträflich ignoriert habe? Dann habe ich es aber – glaube ich – kapiert …)


    Was die Schriftgröße betrifft: Der Gedanke kam mir jetzt auch, nachdem ich wieder einen Roman aus der Reihe gelesen habe. Auch der Satzspiegel ist nicht optimal: die Ränder fallen für meinen Geschmack zu schmal aus. Unterm Strich machen die Seiten einen überlasteten Eindruck. Ja, das tut der Konzentration nicht gut.


    In den alten Lovecraft-Bänden hatten sie tw. eine deutlich bessere Schriftgröße.

  • Ich hab "Das Land des Lachens" auch doppelt, die Insel HC Ausgabe, und dann gabs noch eine

    schön illustrierte Suhrkamp Taschenbuch Ausgabe mit hochwertigem Papier. Die Phantastische Bibliothek war schon eine gute Reihe,aber leider sehr leseunfreundlich. Von Ballard gabs einige Titel.

    Ich glaub ich hab noch um 100 PhB Bücher im Regal.

    Davon sinds 6 Carroll Titel. Von den HC Ausgaben gefielen mir die 2 Eichborn am besten.

    Ich glaub "Das hölzerne Meer" war Carroll s letztes Buch auf deutsch, das lose eine Trilogie mit "Fieberglas" und "Pauline,umschwärmt" bildet. Fand ich gut. Wird Zeit wieder mal was von Carroll

    zu lesen.

  • Arkham Insider Axel

    Gibt es in deutschen Städten etwa keine Hundezonen? 8|

    Das ist ein meist eingezäunter Bereich auf einer öffentlichen (Grün)Fläche, wo man seinen Hund buchstäblich von der Leine lassen kann.


    In den alten Lovecraft-Bänden hatten sie tw. eine deutlich bessere Schriftgröße.

    Bei fast allen Titeln, die aus den beiden Insel-Reihen übernommen wurden, hat man die Schriftart beibehalten. Die sind dann wesentlich angenehmer gedruckt. Die späteren Lovecraft-Bände, etwa "Die Katzen von Ulthar", "Azathoth" oder "In der Gruft", haben dann den Satz, wie er für die Phantastische Bibliothek typisch war. Die alten Bücher von Fischer (egal ob die Gespenstergeschichten oder Fischer Orbit) sind ein ähnlicher Fall. Aber das wär jetzt wohl sehr abschweifend... %X



    [...] und dann gabs noch eine schön illustrierte Suhrkamp Taschenbuch Ausgabe mit hochwertigem Papier.

    Toll! Welche Ausgabe ist das?

  • the_seus Solche Zonen mag es geben; ich kenne sie nicht. Hier (Westdeutschland) lassen viele (nicht alle!) Leute ihre Hunde überall und zu jeder Jahreszeit von der Leine. Was okay ist, – wenn die Tiere cool sind. Man merkt wohl, dass ich hier etwas gespalten bin.


    Also, die Frage von Satz und Typografie könnte man durchaus vertiefen. Dafür müsste dann freilich ein eigener Thread her.


    Ansonsten: Ich werde es mal mit einem weiteren Carroll probieren, einige Titel wurden ja nun schon genannt. Aber strenggenommen habe ich mich ja gar nicht an dieser Challenge beteiligt. X/

  • Hab mit der Lektüre gestern begonnen, dachte die HC Insel Ausgabe sei vom Schriftbild besser.

    Gar nicht, zurück zum Taschenbuch gewechselt, da die Illus schon gut sind.

    Die Geschichte entwickelt rasch eine Sogwirkung, derer man sich nicht entziehen kann.

    Großartig!