Beiträge von hardt

    So, ich bin ebenfalls durch.


    Kategorie 1 - Romanneuerscheinung aus 2019 / 2020


    Brad Harmer-Barnes: Vietnam Black


    Kategorie 2 - Kurzgeschichtensammlung / Anthologie


    Thomas Ligotti: Grimscribe - Sein Leben und Werk


    Kategorie 3 - Die einflussreichsten Werke des Genre Horror und unheimliche Phantastik


    Jonathan Carroll: Das Land des Lachens


    Kategorie 4 - Preisträger des Vincent Preis, Bram Stoker Award, August Derleth Award, bzw. für das Jahr 2020 nominiert


    Stephen King: Doctor Sleep


    Kategorie 5 - Ein im Original weder deutsch- noch englischsprachiges Buch


    Ahmed Saadawi: Frankenstein in Bagdad


    Kategorie 6 - Ein im Original deutschsprachiges Buch


    Christian Heinrich Spieß - Das Petermännchen


    Kategorie 7 - Heftroman Grusel / Horror


    Geisterjäger John Sinclair - Computer-Monster



    Mir hat die Lesechallenge sehr viel Spaß gemacht. In manchen Kategorien habe ich auch tatsächlich manche Versuche abgebrochen, sodass ich mit den Büchern, die jetzt oben in der Liste stehen, ganz zufrieden bin (bis auf die Kategorie Heftroman, aber die ist nun mal nicht meins).

    Dieser Roman hat 2013 sowohl den Vincent Preis als auch den Bram Stoker Award gewonnen. Das war eine gute Gelegenheit, sich nach längerer Zeit mal wieder einem Stephen-King-Roman widmen. Außerdem greift er die Figuren von Shining auf, was ja einer meiner Lieblingsromane von King ist. Allerdings hatte mich die Fortsetzung zu meinem anderen Favoriten (Der Talisman) maßlos enttäuscht, sodass ich auch hier eine gewisse Gefahr sah.


    Mir hat der Roman gut gefallen, allerdings ist er überhaupt kein Vergleich zu Shining. King sagt selbst: "Der Mensch, der Doctor Sleep geschrieben hat, ist ein ganz anderer als der wohlmeinende Alkoholiker, der Shining schrieb ...", und das merkt man. King ist für meinen Geschmack zu milde geworden, und auch die Handlung ist eigentlich für den Umfang des Buches viel zu dünn.


    Die Hauptfigur ist Dan Torrance, der kleine Junge aus Shining. Zunächst einmal legt er eine grandiose Talfahrt als Alkoholiker hin, bis er schließlich in einer Kleinstadt strandet und sich mit letzter Kraft zu den Anonymen Alkoholikern schleppt. Kaum hat er wieder etwas Halt im Leben gefunden, wird er in den Kampf zwischen einem ebenfalls mit dem Shining geschlagenen Mädchen und und einer dazu passenden Art reisender Vampire hineingezogen.


    Wie immer spielt King seine große Stärke aus, lebensechte Figuren zu erschaffen. Hat er dem Leser früher schlaflose Nächte bereitet, dadurch, dass er diese dann durchs Fegefeuer zu schicken pflegte, so geht hier doch alles vergleichsweise glimpflich über die Bühne. Die Fehlschläge der Streiter für das Gute sind kaum der Rede wert und Pläne klappen häufig genau so, wie sie ausgetüftelt wurden. Und wie nett und sofort einsichtig alle sind ... Wirkt dadurch ein wenig wie eine Achterbahnfahrt mit angezogener Handbremse. Trotzdem hat es mir viel Spaß gemacht, mal wieder was vom Meister zu lesen.

    Es ist Ewigkeiten her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich weiß noch, dass es mir sehr gut gefiel. Und die Figuren haben mir damals unglaublich gefallen. Die bedrohliche Situation wird wirklich sehr langsam aufgebaut, während dieser Zeit sind mir die Figuren ans Herz gewachsen. Ich dachte echt: Von mir aus müsste gar nichts wirklich passieren, ich würde auch so gern noch etwas Zeit mit euch verbringen. Sollte das Buch unbedingt nochmal lesen um zu sehen, ob es mir heute immer noch so geht.

    Interessant.


    Achmed Abdullah hat es seinerzeit geschafft, um sich als Autor herum den Nimbus des exotischen Dandys aufzubauen, aber was ich von ihm gelesen habe (Freibeuter im Frack, sowie auf Englisch "Night drums"), hat mich nicht wirklich überzeugt.

    Heftromane sind nicht meins. Man muss diesem Snobismus zugute halten, dass mich die Mauer als Kind und Jugendlichen davon ferngehalten hat und ich dann gleich mit Stephen King und Clive Barker in den Horror eingestiegen bin.


    Wie ich also seinerzeit überhaupt davon erfuhr, dass in der John-Sinclair-Zweitauflage eine "Horror-Story der Woche", also eine Kurzgeschichte von einem Leser, veröffentlicht wurde, weiß ich gar nicht mehr. Fakt ist jedoch, dass nun schon seit sehr langer Zeit drei von diesen Heften in Folie eingepackt in meinem Bücherschrank stehen, weil in darin meine ersten Veröffentlichungen enthalten sind. Um diese Kategorie zu absolvieren, habe ich mir also einen dieser Heftromane ausgesucht. Es handelt sich um Band 642 der Zweitauflage, in der ersten Auflage soll es Band 592 gewesen sein.


    "Computer-Monster". Nun ja. Es ist unglaublich spannend, wie Sinclair und Suko mit geweihten Kugeln Zombies und Dämonen einfach so umschießen. Wird es kniffliger, dann muss das Kreuz um den Hals die Aufgabe erledigen. Ja, richtig, Computer sind Teufelswerk. Die Monster sind "eklig". Die Dialoge grausig. Die Handlung ...


    Es bleibt dabei: Heftromane sind nicht meins.


    PS: Leider hatte ich auch die Kurzgeschichte von mir in dem Heft deutlich besser in Erinnerung.

    Man kann es auch übertreiben.


    Ich habe mich selbst schon in Foren-Diskussionen mit dem Autor herumgeärgert, aber deswegen jeden Hinweis eines Lesers auf sein Buch unterdrücken zu wollen, ist mehr als fragwürdig.

    Übrigens wollte ich auch mit meiner Bemerkung nicht sagen, dass die epub-Version von Mobileread vor Schreibfehlern strotzt.


    Abgesehen von der Tatsache, dass sie der ursprünglichen Rechtsschreibung folgt und deshalb mit Absicht falsch schreibt: "fieng" und "gieng" und "seyn" und "Veste".


    Dieses "Veste" wurde dann aber auch mal zur "Beste", und der gröbste Lapsus, der mir auffiel, war, dass zweimal das Peterweibchen sprach und die (kurze) Antwort von Rudolph völlig fehlte. An dieser Stelle habe ich übrigens auch in der digitalen PDF-Version von archive.org nachgesehen, warum die Frau zweimal spricht und was Rudolph sagt. (Ich reise, sagt er übrigens).


    Aber im Prinzip kann man nicht meckern, und ich glaube auch nicht, dass einer aktuellen gedruckten Versionen da besser ist.

    Da das Buch ja gemeinfrei ist, habe ich es mir bei Mobileread als epub geholt und für meinen Kindle umgewandelt. Ich war mit den aufbereiteten Klassikern aus jenem Forum eigentlich immer ganz zufrieden, die geben sich da wirklich Mühe. Mir sind zwar trotzdem manchmal Schreibfehler aufgefallen, aber es ist nunmal eine Herausforderung, alte Frakturschrift umzuwandeln.


    Für bibliophile Feinschmecker ist das natürlich nichts.

    Das klingt ziemlich nach Ann Radcliffes The Mysteries of Udolpho, die einige Gothic Novel, die ich nur quergelesen habe, weil das alles doch recht schmachtig und abenteuerlastig war.

    Ich vermute mal, kennt man eine gothic novel, kennt man alle.


    Allerdings rechnet man Frankenstein mit in diese Tradition hinein, obwohl mir da jetzt keine schmachtenden Jungfrauen in Erinnerung sind.

    So, nun habe ich auch den zweiten Band gelesen. Er ist leider über weite Strecken hinweg deutlich schwächer. Rudolph hat zum Ende des ersten Bandes eine nicht zu verzeihende Handlung begangen und jegliche Sympathie verspielt. Umso lächerlicher die Stelle, wo es so scheint, als könne er sich mit Gott und Welt wieder versöhnen. Dazu genügt einfach ehrliche Buße ...


    Durch den echten Teufelspakt wird es tatsächlich etwas schaurig, und es werden gleich zwei Menschen in blutige Fetzen gerissen. Ansonsten geht es sehr moralisierend zu und auch der Autor zeigt sich ziemlich verlogen:


    "Es ist die höchste Zeit, daß ich den Vorhang über diese schreckliche Szene fallen lasse. Sie muß schon längst das Gefühl meiner Leser empört haben! schon längst hätte ich sie geendigt, wäre es nicht des Erzählers Pflicht, nicht die Absicht des Ganzen, daß ich anschauend beweise, wie nach und nach menschliche Bosheit und Tücke, wird sie gewartet und gepflegt, fürchterlich emporwächst! wie sie aufsteigt bis zur höchsten Stufe, und unbarmherzig niedertritt, was sie auf dem Pfade des Fortwandelns hindert."


    Das Ende ist schön melodramatisch und die Auflösung, was sich hinter der Konstellation aus Petermännchen und Peterweibchen und ihrem Kampf um Rudolphs moralische Einstellung verbirgt, hat mir gut gefallen.


    Als Fazit lässt sich ziehen, dass ich den Blick auf diesen Schauerroman sehr interessant fand. Durch die strengen Regeln, denen er zu folgen hat, ist er natürlich etwas spannungsarm, aber ich fand es sehr erhellend, wie man sich schon damals so geschickt moralisch von dem distanzieren konnte, was man gleichzeitig derart sensationlüstern zur Schau stellte.

    Ich habe mir für diese Kategorie einen der ersten deutschen Vertreter des sogenannten Schauerromans herausgesucht. Zuerst hatte ich mit E.T.A. Hoffmann geliebäugelt, und zwar mit den "Elixieren des Teufels", dann aber gelesen, dass er dort Motive von Matthew Gregory Lewis' "Mönch" aufgreift, der jedoch soll nun wiederum vom Petermännchen beeinflusst gewesen sein.


    Das Buch erschien 1791 in zwei Bänden und war laut Wikipedia der meistgelesene phantastische Roman der Goethezeit. Ich habe bisher den ersten Teil gelesen, und weil jetzt beim Übergang vom ersten in den zweiten Band tatsächlich eine drastische Änderung in der Struktur der Geschichte zu erfolgen scheint, passt es ganz gut, schon einmal auf den ersten Band einzugehen.


    Heute würde man es eine Seifenoper nennen. Da haben wir Rudolph von Westerburg, einen jungen Ritter, der zufrieden von seiner Feste aus auf die Jagd geht, bis der seit Jahrhunderten seiner Familie zugehörige Geist ihn heimsucht und in ihm die Begierde auf das weibliche Geschlecht anstachelt. Dieser Geist ist das titelgebende Petermännchen, ein kaum zwei Schuh hohes Männlein mit einem Ranzen voll zweifelhafter Geschenke. Zu dem Männchen gehört aber auch ein Weiblein, mit dem Winzling verheiratet, allerdings verfeindet, und diese versucht nun stets, mit mahnenden Worten und vorwurfsvoll erhobenem Zeigefinger, den wackeren Rudolph zurück zur Tugend zu führen.


    Aber ach, das Petermännchen sorgt schon dafür, dass die Versuchung immer zu groß ist. Und wenn es auch für manche der bald nicht mehr Jungfrauen ein böses Ende nimmt und sich der betroffene Rudolph stets auf neue schwört, diese Dame seines Herzens dort nun auch bis ans Ende seiner Tage zu betrauern, so trifft es sich doch stets, dass ...


    Zumindest der erste Teil enthält jetzt nicht die Bestandteile, die ich von einem Schauerroman erwartet hätte. Wir haben einen Hausgeist, aber der ist nicht gruselig; es wird geköpft, auf Haken gespießt und entmannt, na gut, aber es ist doch eher eine magische, bunte Abenteuerreise bis hin in den Orient und immer wieder in die Gemächer schmachtender Jungfrauen, die reihenweise auf den schmucken Rudolph hereinfallen.


    Interessant ist, dass auch die Tugend nicht sonderlich gut wegkommt. Da haben wir den Ritter Waldeichen, der in Heilige Land zieht und seine Gattin zu Hause bedenkenlos verhungern lassen würde, aber als er Gerüchte hört, sie sei ihm nicht mehr treu, springt er sofort auf das nächste Schiff, um äußerst drastische Maßnahmen zu ergreifen. Gegen Waldeichen wirkt der lotterhafte Rudolph sympathisch, und erst am Ende des ersten Teils kippt diese Einschätzung, da sich sowohl Waldeichen als auch Rudolph drastisch ändern.


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    Habe mich schon gewundert, warum sich nicht jemand positiv zu dem Band äußert, bei der "kultischen Verehrung, die Ligotti genießt".


    Deine Ausführungen bestärken jedoch nur meinen Eindruck: Ligottis Geschichten sind als intellektuell ausgelebter Weltekel gedacht. Das mag als Kunstform seine Berechtigung haben, dürfte es aber schwer haben, beim Leser wirklich Grauen auszulösen (außer vielleicht vor den komplizierten Wortmonstern).

    sondern am Stil. Den finde ich nicht elegant oder komplex, sondern unsinnig verdreht und dabei auch ab und zu meiner bescheidenen Meinung nach semantisch falsch

    Ich denke, ich habe die deutschen Übersetzungen für deine Beispiele gefunden (Ebooks sind schon praktisch).


    "verschwiegene Legenden"


    Natürlich immer noch ein unsinniges Bild, aber klingt trotzdem schön.


    "drehte sich das Antlitz mit der geballten Gewalt eines Planeten, der seine ungeheure Masse in der Schwärze des Alls umwälzt"


    Das ist natürlich jenseits von Gut und Böse. Und auch hier ist der Erzähler ein Junge (allerdings kann man sagen, er erzählt es halt erst als gereifter Mann, aber das opfert sofort die Unmittelbarkeit der Erfahrung)