Spekulative Kunst (außerhalb von Graphic Novels)

  • H. R. Giger & Mire Lee

    Ausstellungskatalog Schinkel Pavillon Berlin 2022

    Texte / Hrsg: A. Gryczkowska, C. Fox, H. U. Obrist

    Verleger: Tina Kim Gallery

    124 Seiten, Softcover Fadenheftung, 24 cm × 33 cm


    Anders als die nette Dame des Schinkel Pavillons mir damals am Telefon versicherte, wurde der Katalog nie in deren Webshop gestellt und ob man 124 Seiten als "es wird auch ein richtig dicker Wälzer" bezeichnen kann, weiß ich auch nicht. Nachdem ich es online doch fand, es oftmals vergriffen war oder $120,- in einem US-Shop kostete, hab ich mein Ostergeschenk-Budget doch spontan überzogen und mir deren letztes Exemplar der Erstausgabe für € 50,- + Porto im niederländischen Kunstshop Le Petit Voyeur bestellt. Mag sein, dass es mit etwas Suchen second hand oder neu billiger gegeben hätte, aber da ich Giger seit fast 45 Jahren verehre und Lees Installationen auch extrem toll finde, dachte ich: zugreifen.


  • Boah, Katla, musst das sein?! Jetzt muss ich wieder eine Niere verpfänden und mich auf die Suche machen. Naja, vielleicht kommt es erstmal auf die Wunschliste. Aber im ernst, danke für den Tipp.

    Wie gesagt, das Giger-Museum ist toll. Auch das Schloss, das ihm gehörte, in dem seine Kunstsammlung (inklusive einer "Hand of Glory") zu sehen gibt.
    Das war damals ein schöner Trip in die Schweiz. Erst das Grabmal von Maurice Sandoz besuchen, wobei mich dort leider die Lichtdichtungen des Filmmagazins meiner dicken Bronica im Stich ließen. Auf dem Heimweg wäre ich noch gerne ins Maison d'Ailleur, das aber leider geschlossen hatte. Je mehr ich drüber rede, um so mehr merke ich, dass das Potential der Trips größer war als die Ausführung. :) Ich sollte wohl noch einmal hin.

  • Keine Ahnung, wie das physisch überhaupt möglich ist, aber der Giger / Lee Band war innerhalb von 3 Tagen aus den Niederlanden bei mir (und das noch mit DHL *gn*!).

    Es ist ein relativ großformatiges, recht schmales Bändchen, das extrem liebevoll gestaltet ist und auch (Weiß auf Schwarz) Sachtexte sowie ein sehr persönliches, interessantes Interview, das Gigers Partnerin mit ihm geführt hatte.

    Die grellweiße Schrift auf dem Cover ist echt ein designerisches Verbrechen, das wirkt, als hätte jemand vergessen, da vielleicht Bilder oder zumindest eine passende Farbe (Grau reichte ja) drunterzulegen. Ansonsten ist das Cover toll, es hat geprägte organische Strukturen, was richtig schön aussieht. Tolle Photos, sehr schön aufgemacht. Die ersten 2/3 circa sind Mattglanz (mehr matt als Glanz), das letzte Drittel sehr raues Papier mit Recycling/Pappstruktur, was von der Haptik her erstaunlich gut funktioniert.


    Ich hatte den Band wirklich wegen beider gleichermaßen gekauft, und bin wegen einer Sache enttäuscht: Der Druck hat eine Art Grauschleier. Bei Gigers Bildern ist das noch okay (lange nicht die Qualität der Erstausgaben der Necronomicons / New York-Bände, aber das hat auch sonst keine Veröffentlichung), aber bei Mire Lee unterdrückt das all die wunderbaren organischen Farbtöne, ihre Werke verlieren sehr stark an Wirkung, was wirklich äußerst schade ist. Gerade der Kontrast zwischen Silbergrau/Anthrazit Gigers und den feuchten, starken Rosé/Rottönen Lees fand ich so extrem reizvoll bei der Kombination. Es sieht so aus, als müsste ich über kurz oder lang eine Monografie von Lee kaufen, so es das gibt. Dann eben ohne den tollen klinischen Background der Berliner Räume. Dass mein Buch eine Raubkopie ist, halte ich für ausgeschlossen, weil sie von einem Kunstbuchhandel/Verlag kam.


    Ich bin doppelt und dreifach froh, dass ich das Buch zum Originalpreis und nicht überteuert füs Dreifache gekauft hab. Und auch heilfroh, es noch bekommen zu haben. Insgesamt ein ganz wunderbarer Band, das mit viel Liebe zum Detail und mit gutem Verständnis der beiden Präsentierten gestaltet wurde.


    EDIT: Lieber Carsten Ui, Crosspost! Sorry, Mensch! Ich weiß ... werde aber mal berichten, und Photos hier einstellen. Besuch im Gigermuseum scheiterte bei mir bislang am Geld. Das ist ohne Auto (ich hab keinen Führerschein, will auch keinen) ohne Hotel nicht gangbar. Eines Tages, verdammt!!!

  • EDIT: Lieber Carsten Ui, Crosspost! Sorry, Mensch! Ich weiß ... werde aber mal berichten, und Photos hier einstellen. Besuch im Gigermuseum scheiterte bei mir bislang am Geld. Das ist ohne Auto (ich hab keinen Führerschein, will auch keinen) ohne Hotel nicht gangbar. Eines Tages, verdammt!!!

    Ja, ob Gruyère so gut mit den Öffis zu erreichen ist, weiß ich nicht. Wir haben damals etwas Geld gespart, in dem wir auf der frz. Seite des Genfer Sees gewohnt haben, aber das macht es logistisch ohne eigenes Auto noch schwerer. Und ja, die Ecke ist halt echt teuer, nix, was man so eben mal aus dem Ärmel schüttelt.

  • Ein Gemälde von Leonora Carrington, Les Distractions de Dagobert (1945), erzielte gestern bei Sothebys einen Preis von $ 28,5 Mill.

    Carrington ist damit die britische Künstlerin mit der höchsten Verkaufssumme eines Werkes je. Wie grandios, dass es hier um Surrealismus geht! Sie war erst 28 Jahre alt, als sie das Bild malte.


    Gegen einen US-amerikanischen und einen chinesischen Bonzen setzte sich der argentinische Gründer des Museum of Latin American Art in Buenos Aires durch, der vor 30 Jahren beim gleichen Bild überboten worden war. Damit ist es in den richtigen Händen!

    Ein schöner Artikel dazu hier (Engl.).


    (Über den Kunstmarkt in dieser Form kann man - genau wie bei den Produktionskosten für Blockbusterfilme - selbstverständlich streiten, aber das Fass wollte ich hier nicht aufmachen,)