Auguste Hauschner: Der Tod des Löwen

  • Ich habe die Novelle – „Der Tod des Löwen“ erfüllt die klassischen Gattungskriterien mustergültig – nun ausgelesen. Der insgesamt günstige Eindruck bleibt bestehen.


    Trotz des historischen Themas, der mystischen und schaurigen Komponenten, mache man sich aber klar, dass wir es hier nicht mit einem Schmöker zu tun haben (was ja ohnehin dem Roman vorenthalten bleibt). Durch die scharf konturierte, auch ein bisschen manierierte Sprache hält Auguste Hauschner eine beständige Barriere zwischen Autorin und Lesenden aufrecht. Keine der Figuren ist so entworfen, dass man mit ihnen recht atmet, lebt und fühlt. Natürlich ist der funktionelle Charakter des Personals der gedrängten Form geschuldet. Aber gerade das Zufällige, Redundante und auch Ungezwungen hauchen ja mancher Geschichte erst Leben ein.


    Auguste Hauschners „Der Tod des Löwen“ ist eine präzise, fast schon streng gestaltete Erzählung, bei der ich mir allerdings manches Mal gewünscht hätte, ich hätte mich mehr in ihr verlieren können …

  • Der Vergleich mit Meyrinks "Golem" führt meiner Meinung nach nicht weit. Das scheitert schon an den verschiedenen Gattungen: Da der Roman, hier die Novelle. Meyrink kann ja ein richtiges Panorama entfalten, mit vielen Figuren, Erzählsträngen und Motiven: Doppelgänger, Zauberbuch und Magie, Mord und Totschlag, Vater-Sohn-Konflikt (Charousek/Wassertrum) …


    Hauschner schaut eher durch ein Brennglas und muss naturgemäß konzentrierter vorgehen. Bei ihr schreitet die Erzählung mehr linear und folgerichtig auf das unvermeidliche Ende zu: Tod des Löwen, Tod des Kaisers. Was wir bei ihr finden, ist Geschichte im Spiegelbild der Dichtung, eine alternativ-bereichernde Darstellung eines historischen Ereignisses. Die phantastischen Elemente sind im "Tod des Löwen" – nach meinem Dafürhalten – mehr Mittel zum Zweck, während "Der Golem" natürlich eine einzige, schillernde Phantasie darstellt.