Dennis M. Clausen – Die Rache des Toten (Ghost Lover)

  • Dennis M. Clausen – Die Rache des Toten (Ghost Lover). Ein Reinkarnations-Roman

    Deutsche Übersetzung von Monika Koch.

    Broschur, 223 Seiten. Wilhelm Heyne Verlag. München 1983



    Für das Horror-Genre waren die 1980er Jahre ein goldenes Jahrzehnt. In Deutschland begann Stephen King einen regelrechten Siegeszug. Sein Erfolg sorgte für gesteigertes Interesse an ebenso phantastischen wie auch blutrünstigen Büchern und Filmen. Beide Aspekte deckt Dennis M. Clausens Roman Die Rache des Toten ab, 1983 in der Heyne-Reihe „Die unheimlichen Bücher“ erschienen (Selbstbeschreibung: „Romane aus den Grenzbereichen Horror, Okkultes, Schwarze Magie“).

    Vorgeschichte

    Das Carver County im Mittleren Westen, Oktober 1926: Judd McCarthy stiefelt im Auftrag der Hanley Brothers Construction von Danvers nach Carson, um die Lohngelder abzuholen. Doch McCarthy kehrt nicht nach Danvers zurück. Nicht an diesem Tag, nicht am nächsten – überhaupt nicht mehr. Naheliegender Verdacht: Er ist mit dem Geld durchgebrannt.


    Handlung

    Die eigentliche Handlung setzt rund 30 Jahre später ein, in einem Ort namens Farmington. Hier lebt der junge Rechtsanwalt Joel Hampton mit seiner Frau Susan und der Tochter Seneca. Joel leidet unter Wahnvorstellungen, die sich bis zu lebensbedrohlichen Gewaltausbrüchen gegen Frau und Tochter steigern. Der Nervenarzt Ned Finley wird zu Rate gezogen. Er hypnotisiert den als Kind adoptierten Joel. Während der Hypnose-Sitzung benimmt sich dieser, als lebe er in den 1920er Jahren im Caver County. Der Arzt erhält von Susan die Adoptionsurkunde ihres Mannes. Daraus geht hervor, dass Joels leibliche Mutter eine gewisse Katherine McCarthy war.


    Dr. Finley fährt nach Caver County, um etwas über diese Frau herauszufinden. Er hört von einer Maureen McCarthy, die um 1890 in Danvers lebte und 1895 in die Nervenheilanstalt von Farmington eingewiesen wurde. Auch die Episode um Judd McCarthy und die angeblich veruntreuten Lohngelder bleibt ihm nicht verborgen. Doch wie hängt all dies mit den Wahnvorstellungen Joel Hamptons zusammen? Während Dr. Finley einerseits freundliche Unterstützung erfährt, wird er andererseits bedroht. Irgendwer ist offenbar ganz und gar nicht mit seinen Nachforschungen einverstanden …


    Zitat

    „Bisher habe ich jedenfalls noch mit keinem Patienten gearbeitet, der sich so klar an Ereignisse in einem früheren Leben erinnern konnte. Wir dürfen daran doch nicht einfach vorbeigehen. Freud hat uns gelehrt, in der frühesten Kindheit nach den Ursachen für die Probleme zu forschen. Vielleicht hat er uns nur nicht gelehrt, noch weiter unten anzufangen. Nicht erst in der frühesten Kindheit, sondern bereits vor der Empfängnis!“ (S. 101/102)


    Eindruck

    Bereits auf den ersten Seiten wird erkenntlich, dass es sich bei Joel Hampton um eine Reinkarnation von Judd McCarthy handelt. Dass dieser nicht mit den Geldern durchbrannte, sondern einem Mordanschlag zum Opfer fiel – auch das verrät der Prolog. Der Reiz der Geschichten besteht nun darin, diesen 30 Jahr alten Mord aufzudecken, mithin das Dunkel von Joel Hamptons Herkunft zu beleuchten und ihn zu heilen. Auf dass dieser wieder zu einem liebevollen Ehemann und treusorgenden Vater werde.


    Statt unheimliche Stimmung zu erzeugen (wie es der Titel der Buchreihe verspricht), hält uns der Roman eher durch Rätselraten in Spannung. Ein leichter Unterhaltungswert ist dank der ausgeklügelten Konstruktion nicht zu leugnen. Stilistisch unspektakulär, in den Horrorszenen klischeehaft – Joel Hampton als messerschwingender Psychopath – vertritt Die Rache des Toten freilich nur einen geringen Anspruch.



    Fazit

    Da ich es schwer ertrage, einen einmal begonnenen Roman abzubrechen, habe ich auch diesen ausgelesen. Mein bescheidenes Urteil fällt jedoch dementsprechend aus: bescheiden. Für Mystery-Fans vielleicht interessant. Zwei von fünf Daumen.


    :thumbup: :thumbup:


    Postskriptum

    Der Autor Dennis M. Clausen zeigte sich übrigens nicht happy mit dem vom Verlag bestimmten Buchtitel, im Original Ghost Lover. Er hat ihn auf eigene Faust wiederveröffentlicht als The Search for Judd McCarthy und sogar noch einen Nachfolger verfasst (The Sins of Rachel Sims). Mehr Infos dazu auf Clausens Webseite: www.dennisclausen.com/books



  • Arkham Insider Axel Mal wieder eine wunderbare Rezension (die ich mal eher als Warnung vor dem Buch nehme ...), vielen Dank! [Cof]


    Sehr interessant finde ich, dass Clausens Originaltitel The Search for Judd McCarthy lautete - denn es gibt ja William H. Hallahans The Search for Joseph Tully, der ebenfalls ein - auch auf Spuk & Wahnvorstellungen bezogen paranormaler - Reinkarnations-Thriller ist. Im Original bereits 1974, auf Deutsch ein Jahr später als Das Stilett veröffentlicht.


    Auf Deutsch (das Original ist stilistisch total dröge) hab ich es mehrmals gelesen, es ist seit soliden 45 Jahren eines meiner Lieblingsbücher, das ich vor drei Jahren erneut las und hier im Faden fangirlte. Kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass es was für dich wäre. Ist auf den üblichen Plattformen für ein paar Cents gebunden zu haben.

  • Katla Auch wenn ich das Buch nicht empfehle, ist es doch — wie ich dank deiner Ausführungen bemerkt habe — bemerkenswert, nämlich:


    Sehr interessant finde ich, dass Clausens Originaltitel The Search for Judd McCarthy lautete - denn es gibt ja William H. Hallahans The Search for Joseph Tully, der ebenfalls ein - auch auf Spuk & Wahnvorstellungen bezogen paranormaler - Reinkarnations-Thriller ist. Im Original bereits 1974, auf Deutsch ein Jahr später als Das Stilett veröffentlicht.

    1. Deine Vorstellung dieses Buchs ist damals an mir vorbeigegangen, Asche auf mein Haupt! Deine Beschreibung liest sich ja hochinteressant, so dass ich mir den Titel bestellt habe. Lektüre und Wortmeldung folgen hoffentlich alsbald.
    2. In Danse Macabre schreibt Stephen King etwas von einer Hypnose- und Reinkarnationswelle, die nach The Search for Bridey Murphy folgte. Bei diesem Titel handelt es sich um einen Film und dessen Buchvorlage, basierend auf dem Fall der Virginia Tighe. Diese behauptete in den 1950er Jahren, sich an das früheres Leben einer Frau namens Bridey Murphey aus dem 19. Jahrhundert zu erinnern.
    3. Somit haben wir The Search for Bridey Murphy, The Search for Joseph Tully und The Search for Judd McCarthy. Es sieht so aus, als stünden die beiden Bücher, die wir erwähnen, im Zusammenhang mit der erwähnten Welle. Oder sollte der gleichbleibende Namensbestandteil In Search for … bloßer Zufall sein?
  • Hallo lieber Axel Arkham Insider Axel ,


    oh klasse, ich bin rasend gespannt, was du dazu sagst! Wie schön, wenn es dich interessieren konnte.


    Was du mit dem Fall aus den 1950ern schreibst, ist ja sehr spannend. Könnte sehr gut sein, dass Hallahan und Clausen sich beide darauf beziehen - zumindest bei Hallahan wäre es fast logisch, da er ja wohl tatsächlich an Reinkarnation (als Fakt) glaubte. Ich kenne weder den Judd-Film noch den Autor der Vorlage, Bridey Murphy. Und hab nebenher noch einen neuen Begriff gelernt, das ist ja extrem gruselig: Cryptomnesia. Das Hirn macht Sachen ...

    Die Liste der von dem 'Fall' beeinflussten Romane / Filme auf Wiki nennt keinen unserer beiden eventuellen Nachfolger.


    Spannend als cross-thread-reference zum "Fall" Enfield Haunting ( Nils ) ist, dass hier die Betroffene selbst gar nicht an Reinkarnation bzw. bzw, das Paranormale glaubte.