Neu entdeckte Erzählung von Bruno Schulz

  • Ich bin mir nicht sicher, in welchen Bereich das passt, aber es ist eine erfreuliche Neuigkeit, an der hier wohl noch einige andere Interesse haben sollten: Es wurde eine bisher unbekannte Kurzgeschichte gefunden, die höchstwahrscheinlich von Bruno Schulz stammt. Infos zur Entdeckung und eine englische Übertragung kann man hier lesen:


    "Undula": a newly discovered story by Bruno Schulz


    Edit: Ich weiß nicht, warum der Link nicht funzt. Ich hoffe ihr kommt mit der Adresse aus.

  • Eduard Sam Wow, holy moly! Das klingt ja wirklich sensationell. Ganz herzlichen Dank fürs Ausgraben. Überhaupt eine spannende Website (der Link funktioniert übrigens einwandfrei).


    Den Artikel hab ich schon mit großem Interesse gelesen, die Geschichte nehme ich mir heute Abend in Ruhe vor. :*

  • Ha, ha, wusste ich doch, dass es noch jemanden freuen würde. Für den funktionierenden Link hast du allerdings Shadowmann zu danken.

    Das allergrößte wäre es natürlich, wenn auch noch der Messias irgendwo gefunden wird, selbst wenn es nur ein Fragment wäre; aber seien wir Schulz-Fans dankbar für das, was wir haben.

  • Zitat

    Once more there will be silence, and the old lamp will sweeten its boredom with a sleepy hiss.

    Allein deswegen muss man die Geschichte schon lieben.


    Sie klingt - trotz einem etwas sprunghaften Plot - tatsächlich sehr nach Schulz, allerdings: wer weiß, wieviel Schreibkultur auch anderer, uns heute völlig unbekannter Autoren, in den Verfolgungen und dem Krieg verlorengingen.


    Eduard Sam Lieben Dank nochmal fürs ausgraben!

  • Katla

    Wobei Sprunghaftigkeit ja nicht eben untypisch für den frühen Schulz ist. Viele der wahrscheinlich älteren Geschichten in "Das Sanatorium zur Sanduhr" sind recht fragmentarisch geraten, sprunghaft halt, wenn sie nicht sehr kurz sind. In den reiferen Erzählungen, wie sie "Die Zimtläden" ausmachen, hat er es dann gemeistert, traumhaft ein Bild ins nächste übergehen zu lassen, oder zumindest die Schnitte und Gedankensprünge etwas harmonischer und subtiler zu setzen.


    Aber ja, sie ist auch ansonsten typisch. Am verräterischten fand ich in Kombination mit dem Stil das Auftreten Adelas; das müsste schon ein absurd großer Zufall sein, wenn ein anderer Autor erst sehr schulzisch schreibt und dann auch noch die selbe Figur ersinnt.

  • "Das Sanatorium zur Sanduhr" sind recht fragmentarisch geraten, sprunghaft halt,

    Ich verstehe gut, was du meinst, sehe es aber etwas anders. Das "Sanatorium" hat zwar überraschende Entwicklungen (der 'Wachhund' z.B.) und spielt mit Raum-/Zeitdimensionen (ist der Vater un/tot im Bett oder betreibt er einen Laden? etc.), aber alles wirkt unter surrealistischem Gesichtspunkt wie aus einem Guß und absolut folgerichtig, bzw. auch mit nachvollziehbaren Konsequenzen für den Erzähler.

    In dieser Geschichte sehe ich den roten Faden nicht, da werden Motive und Themen angrissen und nicht mehr aufgegriffen (die Frau z.B.). Das meinte ich mit "sprunghaft".


    Tendenziell hast du sicher Recht, was die Verwendung gerade dieser Figur angeht, v.a. weil es vor allen Veröffentlichungen geschah. Sehr interessante Sache, auch dass die Literaturexerten oder - historiker nun auch andere Quellen nach Schulz' Werken absuchen. Vielleicht können wir in 10 Jahren eine Sammlung in den Händen halten, zu wünschen wäre es.

  • Hört sich gut an, mal sehn ob die auch auf deutsch gedruckt wird, und in welche Richtung sie geht.

    Ich fand "Die Zimtläden" grandios, mit dieser anderen Sammlung hatte ich etwas mühe, dennoch ist

    sie gelungen. Auf Arte lief mal ne Doku über Bruno Schulz, und eine Wiener Indie Band hat einen Song

    zu Ihm geschrieben, "Wer erschoss Bruno Schulz".

  • Ich verstehe gut, was du meinst, sehe es aber etwas anders. Das "Sanatorium" hat zwar überraschende Entwicklungen (der 'Wachhund' z.B.) und spielt mit Raum-/Zeitdimensionen (ist der Vater un/tot im Bett oder betreibt er einen Laden? etc.), aber alles wirkt unter surrealistischem Gesichtspunkt wie aus einem Guß und absolut folgerichtig, bzw. auch mit nachvollziehbaren Konsequenzen für den Erzähler.

    In dieser Geschichte sehe ich den roten Faden nicht, da werden Motive und Themen angrissen und nicht mehr aufgegriffen (die Frau z.B.). Das meinte ich mit "sprunghaft".

    Ich fürchte, du hast mich missverstanden; ich meinte nämlich den Erzählungsband und nicht die spezifizische Geschichte – die ist konsequent gearbeitet, da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich dachte eher an Stücke wie "Die geniale Epoche" , "Der Frühling" (die mit Bianka und der Briefmarkensammlung die ansonsten recht disparaten Teile verbindende Leitmotive hat, aber selbst für die Maßstäbe von Schulz' grundsätzlich eher assoziativer Erzählweise ungewöhnlich mäandernd ausgefallen ist) und "Edzio". Ich will keine der Erzählungen kleinreden, sie sind schon reifer als die neu entdeckte – und ich mag auch so ziemlich alle seiner Geschichten; mir ging es darum, dass sich eine über die Zeit stattfindende kompositorische Verfeinerung feststellen lässt, in die sich "Undula" als früheres Werk durchaus einfügt.

  • mir ging es darum, dass sich eine über die Zeit stattfindende kompositorische Verfeinerung feststellen lässt, in die sich "Undula" als früheres Werk durchaus einfügt.

    ?§" Ah, alles klar! Mit dem "Sanatorium" hast du in der Erwähnung zufällig einfach meine Lieblingsgeschichte erwischt (nicht nur von Schulz, sondern unter meinen Top 10 überhaupt),


    Also, falls jemand hier Interesse an der verlinkten Geschichte hat, sie aber wegen der Fremdsprache nicht oder nur sehr ungern lesen möchte: das sind nur drei Seiten, die bin ich gern bereit, zu übersetzen. Allerdings kann ich nur versprechen, dass sie dann gut lesbar ist, nicht, dass man sie genauso genießen kann wie die Englische Fassung.

    ( Martin Cell 71 )