Beiträge von Lotte

    Für diese Kategorie habe ich ‚Der dunkle Wächter‘ von Carlos Ruiz Zafón gewählt. Es ist das erste Buch, was ich von Zafón lese und es wurde mir warm empfohlen.


    Ich bin sehr froh, dass wir im Regal noch die Hardcoverausgabe stehen hatten, weil meiner Meinung nach ist das Cover so viel passender und regt auch eher zum Lesen an: ein hell strahlender Leuchtturm inmitten von bedrohlicher Dunkelheit. Dies stellt die Atmosphäre des Buches sehr gut dar.


    In ‚Der dunkle Wächter‘ begegnen wir die Familie Sauvelle. Simone ist verwitwet und hat einen ganzen Haufen Schulden geerbt. Sie und ihre Kinder versuchen in Paris zu überleben, bis sie ein Jobangebot bekommt, eine Stelle als Haushälterin in Cravenmoore anzutreten. Cravenmoore ist ein geheimnisvolles Anwesen in der Normandie und im Besitz von Lazarus Jann. Er ist Spielzeugmacher und das ganze Gebäude ist dann auch überfüllt von den verschiedensten mechanischen Figuren. Am Anfang läuft alles noch ganz gut, bis eines Tages Hannah auf mysteriöse Art stirbt. Damit fängt das ganze Grauen an.


    Mir hat dieses Buch gut gefallen. Es fängt an mit einem Brief, der den Leser sehr neugierig macht. Sofort ist man in der Geschichte gefangen, die sich langsam aufbaut. Das Cravenmoore-Anwesen und dann noch die Spielzeugfiguren dazu sind ein grandioses Setting. Sofort spürt man, wie diese bedrohliche Atmosphäre auf die Protagonisten wirken muss. Dazu kommt noch die geheimnisvolle Leuchtturminsel und ein dunkles Wald, was Cravenmoore von der Wohnung der Sauvelles trennt. Auch streut der Autor ständig kleine Hinweise im Text, die die Spannung nur steigern lassen, wie:zum Beispiel bestimmte Zimmer darf man nicht betreten, eine rätselhafte Geschichte über eine vor Jahren ertrunkene Frau, das Doppelgängermotiv, usw. Als Leser versucht man ständig alle Puzzleteile zusammenzulegen, um verstehen zu können, was da eigentlich vor sich geht.


    Die Geschichte ist schauderhaft und faszinierend zugleich. Auf der eine Seite fiebert man mit. Man kann sich förmlich vorstellen, wie die mechanischen Spielzeuge auf Irene und Ismael wirken müssen, während sie nachts durch das Gebäude schleichen. Aber man ist auch fasziniert von der Phantasie dieses Mannes, der all diese Kreaturen entworfen hat. Im Geheimen möchte man am liebsten auch mal durch Cravenmoore streifen und alles auf sich wirklich lassen.

    Die Protagonisten, vor allem Ismael und Irene, schließt man sich sofort ins Herz. Deswegen fiebert man auch so mit. Man möchte nicht, dass den beiden was Schlimmes passiert. Eigentlich ist die Geschichte für die meisten Beteiligten tieftraurig. Alle haben ihre Verletzungen aus der Vergangenheit, die sich mit sich mitschleppen und sich auf ihre Gegenwart auswirken.


    Für mich persönlich ein toller Schauerroman, in den man sich schnell hineinversetzen kann. Von Anfang bis Ende ist die Spannung spürbar und das Setting hat mir sehr gut gefallen.

    Ich freue mich schon sehr auf die Lesechallenge 2021, aber planen finde ich da immer sehr schwierig, weil ich sehr impulsiv lese. Auf jeden Fall habe ich vor, mich jedes Mal vor meinem Regal zu stellen und mal zu schauen, ob ich noch ungelesene Bücher, die zu dem jeweiligen Thema passen, hier herumstehen habe.


    Eine Frage hatte ich noch. Beim ersten Thema ‚Ein im Original weder deutsch- noch englischsprachiges Buch‘ ist gar kein Genre angegeben. Heißt das dann auch, dass das egal ist oder soll es in dem Bereich der Phantastik bleiben?

    Glückwunsch für die Challenge. Hat sich die Lektüre denn insgesamt für dich gelohnt?

    Danke. Es hat sich schon gelohnt. Einige Bücher hatte ich schon im Regal stehen und habe ich jetzt endlich mal gelesen, aber ich habe auch viele neue Sachen entdeckt, einfach weil man sich auf der Suche macht etwas zu finden, ohne sich früher schon mal Gedanken über die spezifischen Themen gemacht zu haben.

    Ich würde mich sehr über eine neue Lesechallenge freuen. Sowohl die Kategorien, die Royston vorgeschlagen hat als das was Mammut hier noch reingeschrieben hat, sind interessant. Das mit den Schwierigkeitsstufen find ich eine richtig gute Idee.

    So, es hat ein wenig gedauert, aber ich glaube, ich bin jetzt auch durch.


    Kategorie 1 - Romanneuerscheinung aus 2019 / 2020: ‘The Twisted Ones’ von T. Kingfisher:


    Kategorie 2 - Kurzgeschichtensammlung / Anthologie: ‘Erntenacht - Dunkle Folklore’ von Bruno E. Thyke (Hrsg.)


    Kategorie 3 - Die einflussreichsten Werke des Genre Horror und unheimliche Phantastik: ‘Call of Cthulhu’ von H.P. Lovecraft


    Kategorie 4 - Preisträger des Vincent Preis, Bram Stoker Award, August Derleth Award, bzw. für das Jahr 2020 nominiert: ‘Klammroth’ von Isa Grimm


    Kategorie 5 - Ein im Original weder deutsch- noch englischsprachiges Buch: ‘Himmelstrand’ von John Ajvide Lindqvist


    Kategorie 6 - Ein im Original deutschsprachiges Buch: 'Requiem für Miss Artemisia Jones' von Isa Theobald und David Gray


    Kategorie 7 - Heftroman Grusel / Horror: ‘Gespensterkrimi 9: Das Sanatorium’ von Curd Cornelius und D. J. Franzen

    Mit Heftromanen hatte ich bisher eigentlich noch fast gar keine Erfahrung, deswegen war dies auch ziemlich neu für mich und habe einfach mal geschaut, was es so alles gibt und dann ‚Gespensterkrimi 9: Das Sanatorium‘ von Curd Cornelius und D.J. Franzen ausgewählt. Es hörte sich interessant an.


    Die Geschichte spielt in einer kleine Stadt bzw. Dorf. Am Anfang weiß man nicht genau, was los ist. Einige Männer befinden sich in einem Wald, wo sie auf dem Weg zu einer Verabredung sind. Sie werden aber angegriffen. Eine Person kann wegkommen und läuft zurück zu dem Zeltplatz, wo er sieht, dass die krakenähnlichen Wesen auch hier alle andere Menschen angreifen und sogar verschleppen. Er kann sich verstecken und wird später von der Polizei eingesammelt.


    Es stellt sich heraus, dass Michael dort undercover unterwegs war, um eine Motorbande auszuspionieren. Mit dem, was passiert ist, hat er natürlich nicht gerechnet. Aber bald ist Hilfe unterwegs. Es gibt eine Organisation: ‚Die Schattenchronik‘, die sich spezialisiert haben auf Bedrohungen aus dem Jenseits. Einige Agenten werden hingeschickt, unter anderem Kruger, der ein alter Freund von Michael ist, um zu versuchen herauszufinden, was da eigentlich los ist. Schon bald befindet man sich als Leser in ein spannendes Abenteuer, das sich manchmal sehr schnell entwickelt.


    ‚Das Sanatorium‘ ist eine sehr kurzweilige Geschichte. Mir hat‘s gefallen, obwohl es sich manchmal sehr schnell entwickelte und man ab und zu das Gefühl hatte, dass die Schriftsteller gerne mehr Platz gehabt hatten. Es gibt stellen, wo versucht wird, kurz und knapp ganz viel Hintergrundinformationen zu vermitteln. Meiner Meinung nach hatte man das viel schöner und detaillierter ausarbeiten können.


    Die Geschichte an sich ist spannend und mysteriös. Man fiebert als Leser mit und fragt sich ständig, ob alle heil aus dem Abenteuer rauskommen werden. Ab und zu wird es auch ein wenig unheimlich, was mir gut gefallen hat.


    Insgesamt eine tolle Geschichte, wenn man mal was Kurzes und Spannendes zwischendurch lesen möchte. Es macht Spaß, bleibt aber nicht lange im Kopf hängen.

    ja, das stimmt. 'Die Bewegung' steht bei mir im Bücherregal, aber habe ich noch nicht geschafft zu lesen. 'Himmelstrand' ist Teil 1 der Trilogie, 'Die Bewegung' soll dann eine Art Prequel zu Himmelstrand sein und der dritte Teil der Trilogie heißt auf Schwedisch 'X - den sista platsen', aber da habe ich keine Ahnung, ob es schon eine Übersetzung auf Deutsch gibt.

    John Ajvide Lindqvist ist ein schwedischer Autor, dessen Bücher ich sehr mag. Für diese Kategorie habe ich ‚Himmelstrand‘ gelesen. Das Cover und auch den Klappentext hatten mich neugierig gemacht. Es handelt sich um zehn Menschen, die eigentlich auf einem Campingplatz Urlaub machen. Als sie morgens aufwachen, stehen sie aber auf eine leere Wiese, die sich unendlich auszustrecken scheint. Der Himmel ist makellos blau, aber eine Sonne ist nicht zu sehen. Langsam wachen alle auf und überdenken die Situation. Wo sind sie gelandet? Wie kommen sie hier wieder weg? Und vor allem: warum?


    Die Geschichte geht langsam los. Als Leser muss man sich, genauso wie die Personen im Buch, erst mal zurechtfinden. Man hat keinen blassen Schimmer, was passiert ist und wer die Protagonisten sind. Am Anfang ist alles auch noch ganz harmlos. Es handelt sich eher um die Frage, was passiert ist und wie man jetzt überleben soll. Aber langsam merkt man, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Irgendetwas stimmt nicht. Nicht mit der Umgebung, aber auch nicht mit den Personen, die da gelandet sind. Alle haben Geheimnisse und Traumata, die sie aus der Vergangenheit mitschleppen. Die Spannung steigert sich und beim Lesen muss man sich von der Geschichte führen lassen, weil es doch manchmal sehr skurril wird.


    Mir hat dieses Buch gut gefallen. Am Anfang habe ich ein wenig gebraucht, um rein zu kommen, aber nach etwa 150 Seiten wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte sich entwickeln wurde. Man braucht halt die Zeit, um sich orientieren und die Protagonisten kennenlernen zu können. Einige fand ich sehr sympathisch, mit anderen hatte ich Mitleid und dann gab‘s noch einige Personen, die ich einfach nur gehasst habe. Weil alle so unterschiedlich sind, entsteht auch eine gewisse Dynamik in der Gruppe, weil sie ja mehr oder weniger gezwungen sind, gemeinsam mit den Geschehnissen klarzukommen.


    Aber nicht nur das Klarkommen miteinander spielt eine große Rolle. In dieser Welt, in der diese Personen gelandet sind, müssen sie sich mit ihren Traumen und Geheimnissen, die sie schon seit Ewigkeiten mit sich tragen, auseinandersetzen. Als Leser wird man nach und nach darüber informiert, was jede einzelne Person miterlebt hat und was für einen Einfluss das auf seinem Leben hatte. So versteht man auch besser, warum sie handeln, wie sie handeln, aber es macht die Personen nicht unbedingt sympathischer.


    Das Ende hat mir eigentlich auch gefallen, obwohl noch viele Fragen offenbleiben. Es passiert unglaublich viel in diesem Buch und man folgt als Leser einfach die Geschichte. Man versucht so viel wie möglich zu verstehen, eine Logik zu finden, aber verliert sich immer wieder in die Unendlichkeit der grünen Wiese. Die Geschichte ist stimmig, aber vieles wird nicht aufgeklärt. Als Leser kann man nach dem Lesen noch lange darüber nachdenken, was jetzt eigentlich passiert ist.


    John Ajvide Lindqvist hat es in ‚Himmelstrand‘ geschafft, eine sehr unheimliche Atmosphäre zu kreieren. Man fiebert mit, versucht, das Ganze zu verstehen, scheitert und will einfach nur weiterlesen, in der Hoffnung noch zu erfahren, was da eigentlich los sei. Obwohl die Unheimlichkeit vor allem auf psychologische Ebene stattfindet, gibt es einige Szenen, die nicht ohne sind. Falls man gerne Geschichten liest, die bedrohlich wirken, in der nicht alles bis ins Detail erklärt wird und die manchmal ein wenig wirr anmuten, dann könnte ‚Himmelstrand‘ gefallen.

    ‚Klammroth‘ von Isa Grimm bzw. Kai Meyer hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte schon einiges über das Buch gehört und wollte es schon seit einer Weile lesen, was ich jetzt endlich geschafft habe. Es hat sich gelohnt.


    Die Geschichte handelt sich um Anais, die mit ihrer Tochter Lily nach Klammroth fährt, nachdem ihr elterliches Haus abgebrannt ist und ihre Stiefmutter dabei ums Leben gekommen ist. Da ist die Frage: Was ist genau passiert? War es ein Unfall, Selbstmord oder vielleicht Mord? Aber dabei bleibt es nicht. Als Leser merkt man ziemlich schnell, dass das nur der Aufhänger der Handlung ist und in Klammroth viel mehr los ist. Von Anfang an wird klar, dass der unheimliche Tunnel eine sehr große Rolle spielen wird und natürlich die Vergangenheit von Anais. Sofort wird eine bedrohliche Atmosphäre dargestellt, in der man als Leser ziemlich schnell gefangen wird.


    Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Man kann sich alles ganz gut vorstellen und das Buch liest sich wie einem Film. Das hat auch mit der Geschwindigkeit der Geschichte zu tun. Die Kapitel sind kurz gehalten und erhöhen deswegen das Tempo. Es gibt keine Seite, wo nichts passiert. Als Leser wird man auch ständig dazu gezwungen mitzudenken. Auf der eine Seite möchte man entdecken, was mit Anais‘ Stiefmutter passiert ist, anderseits ist es aber noch viel spannender herauszufinden, was genau während des großen Busunfalls passiert ist, wovon man die Spuren bei den Bewohnern in Klammroth noch deutlich sehen kann.


    Anais war für mich eine interessante Protagonistin. Dazu muss ich sagen, dass die anderen Protagonisten eher weniger ausgearbeitet wirkten. Sie waren da, weil man sie für die Geschichte gebraucht hat, aber eine tiefere Emotionalität habe ich während des Lesens nicht gespürt. Trotzdem hat es mich nicht so gestört, weil Anais ganz klar im Vordergrund stand und die ganze Handlung sich um sie gedreht hat. Sie will eigentlich gar nicht in Klammroth sein, hat aber keine Wahl, und wird durch die Geschehnisse gezwungen sich ihre Vergangenheit zu stellen. Man merkt schnell, dass sie schwerwiegende Probleme hat, und das wird auch in der Geschichte immer deutlicher. Der Autor versucht, den Leser zu verwirren, in dem er den Eindruck erweckt, dass Anais durch ihre psychische Erkrankung, die Welt manchmal anders wahrnimmt und man deswegen nicht genau sagen kann, ob das, was man als Leser aus ihren Augen erfährt, echt ist oder doch eher Wahnvorstellungen sind. Das erhöht meiner Meinung nach die Spannung, weil man nicht mehr weiß, ob man sie, die Hauptprotagonisten, vertrauen kann oder nicht.


    Insgesamt eine sehr tolle Horror-Geschichte, wo man als Leser richtig gut mitfiebern kann. Durch das Setting: Klammroth, ein kleines Dorf, inzwischen still und vergessen, dass aber viele alten Wunden mit sich schleppt, und dazu noch das dunkle Regenwetter, dass sich durch die ganze Geschichte zieht, wird eine düstere Atmosphäre hervorgerufen, die das Bedrohliche noch verstärkt. Auf jeden Fall eine lesenswerte Geschichte.

    Obwohl die Geschichte schon länger bei mir im Bücherregal stand, hatte ich sie noch nicht gelesen. Die Lesechallenge hat mich motiviert, das jetzt endlich mal zu tun.

    Mir hat den Text gut gefallen. Ich mag den Schreibstil von H.P. Lovecraft sehr und habe sie auch in dieser Geschichte sehr genossen. Die Art und Weise, wie er alles beschreibt, sowohl die Stadt, aber auch die Gedanken der Ich-Person fand ich grandios.


    Die Handlung wird angenehm aufgebaut. Am Anfang lernt man den Ich-Protagonisten kennen. Sein Großonkel ist verstorben und er erbt alles. So findet er einige Dokumente mit als Thema ‚Cuthulhu Cult‘. Von Neugier angetrieben, versucht er Schlau aus der Sache zu werden. Es hat Spaß gemacht zu lesen, wie er am Anfang ständig versucht rationale Erklärungen zu finden, aber unterschwellig die Unheimlichkeit schon anwesend ist, die sich dann auch ständig steigert. Wie mehr er über diesen Kult erfährt, wie klarer ihm wird, dass es keine rationalen Erklärungen gibt.


    Die Geschichte ist in drei Teilen verteilt. Im ersten Teil setzt er sich mit seinem Erbe und mit Wilcox, und die Träume, die er hatte, auseinander, danach liest man, was Inspektor Legrasse entdeckt hat und im letzten Teil wird erzählt, was mit dem Seemann Johansen passiert ist. Man merkt, wie sich alles steigert und immer mehr Sinn ergibt. Man wird während des Lesens immer neugieriger, bis man dann durch die Notizen von Johansen ziemlich viel erfährt und sehr gut verstehen kann, dass die Ich-Person sich sehr unwohl fühlt.


    Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und ich kann nachvollziehen, warum sie zu einem Klassiker geworden ist. Die Art und Weise, wie sie geschrieben ist, ist großartig und die Geschehnisse sind unglaublich unheimlich, weil sie in einer realistischen Welt spielen und man sich alles ganz gut vorstellen kann.

    Vor einigen Tagen habe ich die 'Basement Tales 8: Kopflos' bekommen und habe mich sehr darüber gefreut. Inzwischen habe ich das Heft auch schon zu Ende gelesen und hier ist meine Besprechung:


    ‚Kopflos‘ heißt das 8. Heft der Basement Tales. Ein Thema, das ziemlich deutlich zu verstehen ist, obwohl man es in viele verschiedenen Richtungen ausarbeiten kann. Ich war also sehr neugierig, wie die Autoren es umgesetzt hatten. Das Cover finde ich auf jeden Fall sehr passend.

    In diesem Band gab‘s leider nur vier Geschichten, sie war aber alle sehr unterschiedlich. Es fängt an mit ‚Panoptikum‘ von Ina Elbracht. Da lernen wir den Ich-Erzähler ‚Uno‘ kennen. Er arbeitet in einer Detektei, hat ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern und soll für eine Kundin herausfinden, ob ihr Bruder den Kopf von Peter Kürten gestohlen hat. Die Art und Weise, wie die Geschichte geschrieben war, hat mir sehr gut gefallen. Obwohl ich mich am Anfang ein wenig zurechtfinden musste, konnte ich mich doch relativ schnell in der Handlung hineinversetzen und hatte während des Lesens das Gefühl, als ob ich im Kopf die erzählende Stimme von Uno hören konnte. Die Spannung wird langsam, aber stetig aufgebaut und erst am Ende wird dann alles klar.

    Danach folgt ‚Der Weg der Vier‘ von Fabienne Siegmund. Ich wusste anhand des Titels nicht genau, was mich erwarten würde, aber war sofort begeistert. Als Leser ist man ab dem ersten Satz mitten im Geschehen drin und kommt auch bis zum Ende des Textes nicht mehr raus. ‚Der Weg der Vier‘ liest sich wie ein düsteres Märchen. Eine junge Frau ist Zeuge davon, dass ihr Bruder von elf Geister geköpft wird und bekommt die Möglichkeit ihm zu retten. Sie soll sich auf eine Reise begeben und die Bitten von vier Wesen, die sie unterwegs begegnen wird, erfüllen. Es liest sich sehr gut und ich konnte mich alles ziemlich gut vorstellen. Ich habe wirklich mit ihr mitgefühlt.

    Die Geschichte danach heißt ‚Angry Bird‘ und ist von Christian Endres. Raymond, der Protagonist, hat auf mich den Eindruck von einem alten, mürrischen Mann gemacht. Man merkt sehr schnell, dass mit ihm etwas nicht wirklich stimmt. Die Geschichte ist sehr kurz, fand ich aber nicht schlecht. Vor allem das Ende hat mir gefallen, obwohl man das schon ziemlich früh hat ankommen sehen.


    Der letzte Text heißt ‚Feuchtgebiete oder Ein Tee für Mrs. Stapleton‘ und wurde von David Gray geschrieben. Die Handlung spielt in 1955 und das merkt man auch. Es gibt noch eine total andere Idee, wenn es um die Rolle von Frauen geht, was in dieser Geschichte sehr schön dargestellt wird und auch mit zur Katastrophe führt. Wir lernen Cordelia und John kennen. Sie sind ein nicht so glückliches Ehepaar. John arbeitet bei der Bank, während Cordelia, obwohl studiert hat, zu Hause bleibt und sich um den Haushalt kümmert. Die Ehe ist kinderlos und beide haben sich auseinanderentwickelt. Es kommt wie es kommen muss: Während eines Streits tötet sie ihren Mann. Und das ist erst der Anfang der Geschichte. Ich fand es großartig und habe ganz oft schmunzeln müssen. Die Art und Weise, wie Cordelia dargestellt wird: eine Frau, die ständig darüber nachdenkt, wie sie sich benehmen soll, die eigentlich total feststeckt in dem gesellschaftlichen Denken, das damals herrschte und die trotzdem in einem kleinen unüberlegten Augenblick etwas Ungeheuerliches getan hat. Aber da hört die Handlung nicht auf. Auch John hatte seine schmutzigen Geheimnisse, die man nach und nach entdeckt. Das Ende war ziemlich vorhersehbar, aber trotzdem hat es mir sehr gut gefallen. Ein gelungener Abschluss dieser Kurzgeschichtensammlung.


    Insgesamt kann ich die ‚Basement Tales 8: Kopflos‘ empfehlen. Obwohl es leider nur vier Geschichten waren, hatte ich ganz viel Spaß beim Lesen. Die Texte sind gut geschrieben, spannend und sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall lesenswert.

    Es hat ziemlich lange gedauert (einige Monate), bis ich diese Anthologie zu Ende gelesen habe, nicht weil sie nicht gut war, aber weil ich immer ganz viele Bücher durcheinander lese. Die ‚Erntenacht‘-Trilogie ist mir durch sein interessantes Cover aufgefallen. Die rote Farben und die bedrohliche Figur, die auf mich wie eine Vogelscheuche wirkt, springen sofort ins Auge. Auch der Untertitel ‚Dunkle Folklore‘ hatte mich neugierig gemacht.


    Das Buch hat mir gut gefallen, weil es aus vielen sehr unterschiedlichen Geschichten besteht. Manchmal spielen sie in der Gegenwart, manchmal in der Vergangenheit. In jedem Text spielt eine Figur aus den Volksgeschichten eine Rolle: Zwergen, Druden, Kornmütter, Getreidewölfe usw. Für mich waren die meisten Kreaturen neu. Deswegen habe ich mich auch sehr über die Auflistung der verschiedenen Wesen am Ende des Buches gefreut. Da werden sie kurz beschrieben und darauf hingewiesen in welcher Geschichte sie vorkommen.


    Die Geschichte sind alle recht gruselig. Sie ermitteln eine düstere Atmosphäre. Rache ist ein Thema, das sehr oft wieder vorkommt, aber manchmal kann der Protagonist auch gar nichts dafür, dass er in den Fängen eines Erntedämons gerät. Am meisten beeindruckt haben mir: ‚Die Roggenmuhme‘ von Stefanie Fahlteich, ‚Nichts wie raus aus Märchenstadt‘ von Thomas Williams und ‚Die siebte Tochter‘ von Katrin Ils.


    ‚Die Roggenmuhme‘ erzählt die Geschichte von Heinrich, ein Junge mit einer Behinderung. Er wird von den Dorfbewohnern gehänselt und der Roggenmuhme geopfert. Die Roggenmuhme aber frisst ihn nicht, wie es normalerweise mit ihren Opfern macht, aber mag ihn irgendwie. Sie lässt ihn am Leben, was für die Dorfbewohner natürlich nicht so erfreulich endet. Ich fand die Geschichte sehr gut geschrieben. Man lebt während des Lesens richtig mit, weil Heinrich als Protagonist so sympathisch beschrieben wird und man sehr gut nachvollziehen kann, welche Entscheidung er am Ende trifft.


    ‚Nichts wie raus aus Märchenwald‘ fand ich genial, weil sie total anders war, als die Texte, die sonst im Buch vorkommen. In dem Text handelt es sich um eine Gruppe Heinzelmännchen. Sie wohnen in einer Welt, wo sie früher mal als wertvoll angesehen worden sind, aber die Zeiten sich inzwischen geändert haben. Man hat nämlich entdeckt, dass ihr Blut ein ziemlich starker Rauscheffekt hervorrufen kann. Die Geschichte fängt damit an, dass das Versteck einige Heinzelmännchen entdeckt wird und sie die Flucht ergreifen müssen. Das Ganze wurde meiner Meinung nach sehr schön dargestellt und ist auch spannend geschrieben.


    Die letzte Geschichte des Buches ‚Die siebte Tochter‘ von Katrin Ils war ein sehr schöner Abschluss für diese Anthologie. In dem Text lernen wir eine junge Frau kennen: Grete. Grete ist eine Drud, weil als siebte Tochter geboren worden ist. Sie hat aber keine Familie mehr und die Dorfbewohner haben sich immer um sie gekümmert, weil sie ihr wahres Wesen nicht kennen. Am Anfang des Textes folgen wir Grete, die ein Drudenmesser in der Brust bekommen hat und es loswerden möchte. Das kann aber nur durch derjenige wieder entfernt werden, die es ihr zugeworfen hat. Die Geschichte nimmt einen sehr dramatische Lauf. Gefallen haben mir das historische Setting und die Darstellung der Bösartigkeit der Menschen. Grete hofft bis zum Ende, dass jemand ihr glauben und helfen wird, weil auch sie empfindet das Drud-sein als Fluch. Sehr schön geschrieben.


    Insgesamt muss ich sagen, dass das Buch mir gut gefallen hat. Es hat einen guten Aufbau. Jede Geschichte wird durch eine Illustration, in dem das Wesen, das im Text vorkommt, vorgestellt wird, vorangegangen. Und was mir extrem gut gefallen hat, ist, dass der Verfasser der Geschichte direkt nach dem Text kurz beschrieben wird und nicht erst ganz hinten im Buch, wie das in den meisten Anthologien üblich ist. So muss man nicht ständig umblättern, falls man von einer Geschichte begeistert ist und mehr über den Autor/ die Autorin erfahren möchte.


    Diese Anthologie kann ich weiterempfehlen, wenn man sich für Figuren aus der Folklore interessiert und düstere Geschichten mag.

    ‚Requiem für Miss Artemisia Jones‘ ist ein großartiges Buch. Von Isa Theobald und David Gray hatte ich schon einiges gelesen und deswegen war ich sehr gespannt auf dieses Buch, das sie gemeinsam geschrieben haben.


    Das düstere Cover hat mir sehr gefallen. Es springt sofort ins Auge, ist aber auch nicht überladen. Die Schlange mutet mysteriös, aber auch bedrohlich an. Man hat sofort Lust das hochwertige Hardcover mal in die Hand zu nehmen und durchzublättern.


    Die Geschichte handelt sich um Miss Artemisia Jones, eine jungfräuliche Bibliothekarin. Eines Tages wird sie von Sir Reginald Bullington eingeladen, um seine berühmte Bibliothek zu inventarisieren. Er und seine Freunde haben aber ganz andere Pläne mit Artemisia. Schon ziemlich schnell in der Geschichte wird klar, dass sie sie an Satan opfern wollen, was aber vollständig anders endet als die skrupellosen Herren erwartet haben.


    Dieses Buch hat richtig viel Spaß gemacht beim Lesen. Die Überschriften der Kapitel, zum Beispiel ‚Erde‘, ‚Hölle‘ oder ‚Dazwischen‘ machen klar, wo man sich als Leser gerade befindet und lockern die Geschichte auf. Die Idee, dass man den Teufel kennenlernt und die Situation auch aus seinem Blickwinkel erfährt, fand ich super. Ich mag es auch, wie der Teufel hier auftritt. Auf mich hat er einen sympathischen Eindruck gemacht.


    Die Art und Weise wie die Geschichte aufgebaut worden ist, fand ich grandios. Es wird ständig angedeutet, dass etwas passieren wird, aber als Leser muss man sich noch ein wenig gedulden. Dies erhöht die Spannung. Man weiß, dass man nichts tun kann, um Artemisia zu helfen, obwohl man es gerne möchte. Mir hat es sehr gefallen, dass sie eine starke Protagonistin ist. Man merkt sofort, dass auch sie ihre Geheimnisse und einen eigenen Willen hat.


    Sir Reginald Bullington und seine Freunde dagegen fand ich schon von Anfang an ziemlich unsympathisch. Es sind so die typisch reichen, mächtigen Männer, die die Idee haben, dass sie mit allem wegkommen können. Deswegen identifiziert man sich als Leser sehr schnell mit Artemisia und steht voll und ganz auf ihrer Seite.


    Meiner Meinung nach eine sehr gelungene Geschichte. Sie ist spannend, blutig und macht unheimlich viel Spaß beim Lesen. Dazu noch das Setting, ein Manor im viktorianischen England, dessen Besitzer ganz viele okkultistische Bücher besitzt, was wunderbar zu der Handlung passt, macht dieses Buch unglaublich lesenswert.