Beiträge von Ender

    Könnte man nicht einfach einen Publikumspreis machen, jeder nominiert, was er will und es wird geschaut, ob das regelkonform ist.

    Mal ganz doof nachgefragt: War das nicht schon immer so? Sprich: war der Vincent nicht ohnehin ein Publikumspreis?

    Jede/r konnte mit abstimmen, dafür reichte ja schon eine bloße Anmeldung hier im Forum (bzw. dem Vorgängerforum).

    Ein netter Sonntagnachmittagsfilm für Bibliophile, finde ich. Wobei ich "Feelgood" nun nicht unbedingt unterschreiben würde. Schon auch ziemlich traurig bzw frustrierend. Aber trotzdem sehenswert, wenn man es ruhig mag.

    Ich habe auch ein- oder zweimal gedacht: Na, widerspricht er sich hier nicht gerade selbst ein bisschen? Oder klang das nicht vorhin noch ganz anders?

    Aber andererseits: Wenn jemand jahrzehntelang hunderte von Fragen beantwortet und in verschiedensten Lebensabschnitten und Stimmungen Interviews gibt, dann finde ich es nur natürlich, wenn dabei nicht ausschließlich druckreife und bis ins kleinste Detail stimmige Statements herauskommen.

    Mir hat sie auch sehr gut gefallen. Vor allem: Eine Doku, die zu 80% aus Originaltönen des Portraitierten besteht. Da wird gar nicht übertrieben viel interpretiert oder analysiert, sondern jeder kann sich selbst sein eigenes Bild von Mr. King machen.

    Gut gemacht. Und natürlich den Umstand genutzt, dass es vermutlich von kaum einem anderen Autor dermaßen viele über Jahrzehnte angesammelte Aufnahmen und Interviews gibt ...



    14 SF-Storys zum ewig jungen Thema "Erstkontakt"

    Erschienen: September 2020

    Begedia Verlag

    214 Seiten



    "Ein Erstkontakt ist die Begegnung mit dem Unbekannten, Neuen, Fremden. Es ist der Moment, der neue Horizonte eröffnet und das Selbstverständnis ändert. Er kann friedlich verlaufen oder mit Gewalt einhergehen, sehnlich erwartet werden oder unvermittelt in den Alltag einbrechen. Fand er gerade eben statt oder schon vor langer Zeit? War in jenem Augenblick allen Parteien bewusst, was da passierte? Eines ist ein Erstkontakt auf jeden Fall immer: eine Erweiterung der Möglichkeiten."


    "[…] ist es der Kontrast zwischen dem Erwarteten und dem Ganz Anderen, aber ebenfalls Denkbaren, auf den es ankommt und in dem solche Geschichten letztendlich auszuloten versuchen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.[…]"

    Aus dem Vorwort von Andreas Eschbach



    Inhalt:

    Andreas Eschbach - Vorwort

    Axel Kruse - Rock around the Clock

    Uwe Hermann - Die Fremden

    Melanie Vogltanz - Defekt

    Gerhard Huber - Die kurze Reise der HAWKING

    Guido Krain - Der Elefantenantrieb

    Peter R. Krüger - Drei Tage des Erwachens

    Frank Lauenroth - Delter

    Uwe Post - Terra Halbpension

    Alexandra Trinley - Auf gute Nachbarschaft

    Ralf Boldt - Cosmic K9

    Thorsten Küper - Unsere Freunde von Epsilon Eridani

    Arno Behrend - Das Jubiläum

    Gabriele Behrend - Meerwasser

    John Dodd - Geschichte wird geschrieben von ...


    Mir auch! Ein im wahrsten Sinne des Wortes interessanter Trip.

    Der Einstieg in diese Novelle ist nicht ganz einfach: Alles wirkt zunächst ziemlich wirr, die Sprache ist fordernd, der Inhalt unklar. Doch schon bald fügt sich dann doch einiges zusammen, die ganze Sache wird nachvollziehbarer und es wird vor allem auch klar, warum es zeitweise etwas konfus und ungeordnet zugeht. Stichwort „Träumen“.

    Zum Inhalt nur so viel: Der namenlose Ich-Erzähler reist spontan nach Tokio, um an neurologischen Tests bzw. Experimenten mitzuwirken, mit deren Hilfe sein im Koma liegender Bruder ins Leben zurückgeholt werden soll (und die übrigens das SF-Element in dieser Geschichte darstellen).

    Irgendwo zwischen Übermüdung, MRT, Jetlag und Wachtraum vermischen sich seine frischen Eindrücke aus der fremden Stadt mit alten wie neuen Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken.

    Klingt verwirrend? Ist es auf den ersten Blick auch. Auf den zweiten allerdings greift dann doch alles ineinander und wird verständlich. Überhaupt werden die traumartigen Sequenzen im Verlauf der Handlung seltener, um mehr und mehr den Blick auf eine unsichere, mit sich selbst unzufriedene Hauptfigur und ihr Innenleben freizugeben.

    Zitat

    Als ich ihn da liegen sah, nach meiner Ankunft, da spürte ich irgendwie nichts, gar nichts. Ohnehin bin ich schlecht darin, etwas zu spüren, abgesehen von: mich unwohl. Das kann ich ganz gut.


    Letztlich ergibt sich sowohl eine melancholische und sprachlich sehr beeindruckende Geschichte, als auch – so ganz nebenbei – ein interessanter Einblick in die Stadt Tokio.

    Ein erneutes Lesen lohnt sich nicht nur, es drängt sich geradezu auf.

    DIE UNHEIMLICHEN


    Das Wassergespenst von Harrowby Hall - John Kendrick Bangs

    Ach, wie cool! Das Ravensburger-Taschenbuch mit der Originalgeschichte kommt mir aus Kindheitstagen noch sehr bekannt vor. Daran habe ich ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr gedacht.

    Da muss ich mir die Comicadaption schon allein aus nostalgischen Gründen zulegen.

    Falls sich dieses Jahr keine akzeptable Lösung bzw. kein Hauptverantwortlicher finden sollte, halte ich persönlich es nicht für tragisch, wenn der Vincent ein Jahr lang "pausieren" würde, um ihn während dieser Zeit neu zu positionieren. Dafür könnten dann für den Neustart eventuell die Werke von 2020 und 2021 mit in die Wahl einfließen.

    Grundsätzlich wäre das sicher eine Alternative, aber es stellt sich die Frage, ob sich die Situation in einem Jahr anders darstellen wird. Das Problem ist ja jetzt nicht, dass die Zeit davon läuft, sondern dass sich schlicht und ergreifend niemand findet, der die Verantwortung übernehmen möchte.

    Ob das im nächsten Jahr anders wäre? Es bleibt spannend ...

    Mir hat diese mysteriös angehauchte Geistergeschichte auch sehr gut gefallen.Die Rahmenhandlung spielt überwiegend in Prag (was all jenen, die schon mal dort waren, ein paar schöne Aha-Momente beschert); ansonsten gibt es etliche ausführliche Rückblenden zu vielen verschiedenen Schauplätzen in den unterschiedlichsten Epochen. Es geht um Schuld und Buße, um Gewissen und Verdrängen, um das Gute und das Schlechte im Menschen.
    Wer eine spannende Gruselgeschichte zum Nägelkauen erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht oder gelangweilt sein. Wie Nina schon schrieb, ist das Ganze kein reißerischer Thriller, sondern ein sehr ruhig und langsam erzählter Roman mit interessanten Figuren (ziemlich vielen zudem) mit bewegenden oder dramatischen Schicksalen, der stilistisch eher altmodisch daherkommt (durchaus bewusst, möchte ich meinen).
    Ich fand ihn sehr atmosphärisch, intelligent und beeindruckend.

    Trotzdem frage ich mich seit längerem, ob Literaturpreise wirklich die Verkäufe ankurbeln.

    Die Frage lässt sich mit einem eindeutigen "Ja, aber ..." beantworten.

    Ein ganz klares JA, denn ich selbst habe mir schon viele Bücher gekauft, weil sie einen Preis gewonnen haben. Oder sogar, weil sie auf der Nominierungsliste standen. Und sei es "nur", um mit abstimmen zu können, wie übrigens gerade beim aktuellen VP geschehen.

    Und ein ganz klares ABER, weil natürlich klar ist, dass es lediglich eine Handvoll Nerds gibt, die sich so verhalten. Die durch solch einen Genrepreis motivierten zusätzlichen Verkäufe dürften sich vermutlich im einstelligen Bereich bewegen.


    Die nächste Frage ist aber: Sind denn solche Preise wirklich nur dazu da, die Verkäufe anzukurbeln? Ist das ihre einzige Aufgabe, haben sie nur dann eine Berechtigung?

    Als Autor oder Verleger eines Gewinner-Titels würde ich mir das natürlich wünschen. Als reiner Leser kann es mir hingegen ziemlich egal sein. Da dient so ein Preis als Orientierungshilfe: Wenn offensichtlich mehrere Leute, die sich im Genre auskennen, dieses Werk für besonders gut erachten, dann lohnt sich vielleicht mal ein Blick. Das kann ein Faktor sein (von mehreren, versteht sich), mein Interesse zu wecken.


    Also für mich ganz persönlich haben Literaturpreise einen Sinn und eine Berechtigung: Nicht als wirtschaftlicher Faktor, sondern als mögliche Leseempfehlung.



    Aber wie Michael sagt: Es bedauern zwar viele hier die Entwicklung, aber so richtig "Hier" schreien möchte auch keiner. (Ich selbst übrigens auch nicht. Bin seit einigen Jahren im DSFP-Komitee aktiv, und das ist schon mehr als genug. Zumal ich mich in erster Linie als SF-Fan sehe und nur am Rande auch als Horrorleser.)

    Ein allgemeines "Ich helfe gerne irgendwie mit, aber die Hauptverantwortung möchte ich nicht übernehmen" reicht halt nicht, um die Sache am Leben zu erhalten.


    Dann muss man das wohl oder übel akzeptieren, auch wenn es sehr sehr schade ist.

    Es sei denn, es gibt sich doch noch jemand einen Ruck ...