Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein Autor sich offen dazu bekennt, die woke Ideologie nicht zu befürworten?
Das ist in meinen Augen erstmal nicht schlimm. Ich sehe die Dinge zwar entschieden anders, kann den Leute da aber die Meinung lassen. Ich will dann nicht unbedingt mit den Leuten viel zu tun haben - aber das tut ja erst einmal nichts zur Sache.
Ja, ich habe die Diskussion hier mitverfolgt und ich sehe, warum sie Dich 'anfasst'. Aber kannst Du nachvollziehen, dass auch einige andere ebenso von sowohl Manifest als auch Resolution 'angefasst' sind?
Wichtiger ist es mir an dieser Stelle, auf einen anderen Punkt einzugehen, den Du nennst.
Hm, du hast geschrieben, dass Außerungen (von den Unterzeichnern) getan werden, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind.
Ich finde nicht, dass es rechts ist, wenn man eine nackte Frau auf einem Bild nicht per se sexistisch findet.
Mir ging es grundsätzlich um die Phrasen, die sich in Manifest und auch Resolution finden. Um hier ein paar Beispiel zu nennen, die zweifelsfrei dem rechten Spektrum angehören:
1) "Empörungsindustrie" - ein Begriff, der schon in seinem Aufbau dem rechten Kampfbegriff "Asylindustrie" sehr ähnelt, wo die Behauptung gerne ist, Geflüchtete würden mittels Klanstrukturen Steuergelder erbeuten. Wäre erst einmal nicht auffällig, denn es gibt ja bspw. auch die Unterhaltungsindustrie, und und und. Aber konkret heißt es unter anderem: "Die Zahl der Gleichstellungsbeauftragten, Gender-Experten, Diversitäts-Garanten sowie der Missbrauchsopfer aller Geschlechter ist inzwischen Legion und bewegt zu ihrer Finanzierung beträchtliche Geldsummen, auch beachtliche Steuergelder. Die Empörungsindustrie hat ein Schmarotzer-Geschäftsmodell etabliert, das auf der Verdrängung von qualifizierten Kräften aus Politik, Wirtschaft, Sozial- und Bildungswesen beruht."
Das wird noch einmal weiter vertieft im nächsten Beispiel:
2) "Die Vertreter der Empörungsindustrie zielen mit klar faschistoiden Tendenzen auf die Herstellung parasitärer mafiöser Strukturen ab, um einander unter den heutigen schwierigen ökonomischen Bedingungen zu Posten, Wohlstand, Pfründen und Privilegien zu verhelfen.
--> Hier scheint es nun gar eine eine Art Geheimbund zu geben, der faschistoid und mafiös zugleich ist. D.h. hier wird Wokeness nun mit Faschismus gleichgesetzt - auf eine ähnliche Weise, wie auch das Wort "Feminazi" es tut, das seinen Ursprung im US-amerikanischen Rechtskonservatismus hat.
3) Unmengen an Transphobie, die ich hier, ehrlich gesagt, nicht einmal zitieren mag. Da wird von der Verstümmelung heranwachsender Mädchen gesprochen, Therapeuten, die Kindern geschlechtliche Identitätszweifel einreden; fiesen Pharma-Konzernen, die mit all diesen mächtigen Trans-Aktivist*innen gemeinsame Sache machen (weil es denen ja bekanntlich so gut geht). Das erinnert alles an die Rede Beatrix von Storchs im Bundestag 2021 - um mal nur eines von vielen Beispielen zu nennen, wo ähnliches Wording genutzt wird.
4) Die Vorstellung eines Machtgefälles: "Schon vielfältig sind die Machtpositionen, in denen Wokeness-Aktivisten Missbrauch durch schikanöse Bevormundung betreiben." Diese Behauptung spiegelt weder die aktuelle Politik noch die aktuelle Gesellschaft wider. Denn wenn es so wäre, könne es die Resolution faktisch nicht geben - sie wäre unterbunden worden von den mächtigen Aktivist*innen. Aber eigentlich ist es ja eher so: Gewisse Strukturen werden kritisiert - und das passt nun einmal nicht allen Leuten der Phantastik-Szene.
Es gibt so, so viele weitere Beispiele in beiden Statements, die, ehrlich gesagt, schmerzhaft zu lesen sind. Und ja, davon fühle ich mich angefasst.
Schauen wir uns doch einmal genauer an, wofür die Kemmler-Illustration eigentlich kritisiert wurde. Denn darauf findet sich ja im Forum scifinet.org ein Hinweis, der, zugegebenermaßen, aber nicht verifiziert werden kann. Dort schreibt der Use Yoginaut:
"Ich habe Olaf auf seine Anfrage hin die Begründungen anonymisiert weitergegeben. Darin wurde mehrfach mokiert, dass es dazu keine passende Szene im Roman gebe, das man die Frau zum Objekt mache, vor allem hat es wohl alle an Werbebilder erinnert, an 'sex sells'."
Das bedeutet, die Illustration wurde nicht dafür kritisiert, dass sie eine nackte Frau darstellte. Sondern dafür, dass es keinen Grund gab, eine nackte Frau darzustellen. Und dass die Illustration somit wie Sexbaiting wirke.
Ist das wirklich fatal und schlimm? Nein, machen zig andere Medien auch so. Ich wünschte mir zwar, wir wären weiter als das, aber ist nun einmal nicht so. Aber ich finde es auch berechtigt, wenn eine Jury sagt: "Unsere Ansprüche sind höher als das".