Beiträge von Pinkgogo

    Ich fand das Buch großartig - eben weil es so simpel und zunehmend in Richtung "menschenförmige Pappaufsteller" avanciert. Für mich war das letztlich der Kern der Sache: Eine Umkehr dessen, wie asiatische (Neben-)Figuren selbst heute noch häufig völlig selbstverständlich dargestellt werden. Arbeit mit gewollten Kartikaturen, quasi.


    Ich bin mir auch nicht sicher, dass ich sagen könnte, dass die "Bösen" irgendwann im Roman auftauchen, denn irgendwie sind sie ja von Anfang an da. Nur ist eben das familiäre Umfeld der Hauptfigur deutlich komplexer zu bewerten als alle, die von außen hinzustoßen - teilweise auch durch ihre eigene Wahrnehmung bedingt. Was ich auch nicht unterschätzen würde: Die Sachen, die nicht-Asiat*innen tatsächlich und wortwörtlich zu Menschen mit asiatischer Abstammung sagen. Sowohl hierzulande als insbesondere auch überm großen Teich. Ich fürchte, diese zeitgleiche Fetishisierung und Infantilisierung ist erschreckend nah an der Lebensrealität vieler Menschen.


    Fan von Dark Romance bin ich übrigens nicht ;) sehe auch die Verbindung dorthin nicht wirklich. Kannst Du hier vielleicht noch einmal näher drauf eingehen? Oder geht es Dir da wirklich nur darum, dass das Buch einen Farbschnitt hat?

    Aber, wie dem auch sei: Diese Diskussion bewegt sich nun wirklich vom ursprünglichen Thema - Michael Tillmanns Buch - weg. Ich denke, ich habe von meiner Seite alles gesagt, was mir für diese Diskussion hier in diesem Thread (nicht aber zum Thema (Anit-)Wokeness) wichtig war.


    Aus sowohl Buchpublikation als auch Manifest habe ich meine Schlüsse gezogen. Beides hat mich eindeutig zu mehr "Aktivismus", wie es das Aktionsbündnis wohl bezeichnen würde, motiviert.

    Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein Autor sich offen dazu bekennt, die woke Ideologie nicht zu befürworten?

    Das ist in meinen Augen erstmal nicht schlimm. Ich sehe die Dinge zwar entschieden anders, kann den Leute da aber die Meinung lassen. Ich will dann nicht unbedingt mit den Leuten viel zu tun haben - aber das tut ja erst einmal nichts zur Sache.


    Ja, ich habe die Diskussion hier mitverfolgt und ich sehe, warum sie Dich 'anfasst'. Aber kannst Du nachvollziehen, dass auch einige andere ebenso von sowohl Manifest als auch Resolution 'angefasst' sind?


    Wichtiger ist es mir an dieser Stelle, auf einen anderen Punkt einzugehen, den Du nennst.

    Hm, du hast geschrieben, dass Außerungen (von den Unterzeichnern) getan werden, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind.

    Ich finde nicht, dass es rechts ist, wenn man eine nackte Frau auf einem Bild nicht per se sexistisch findet.

    Mir ging es grundsätzlich um die Phrasen, die sich in Manifest und auch Resolution finden. Um hier ein paar Beispiel zu nennen, die zweifelsfrei dem rechten Spektrum angehören:


    1) "Empörungsindustrie" - ein Begriff, der schon in seinem Aufbau dem rechten Kampfbegriff "Asylindustrie" sehr ähnelt, wo die Behauptung gerne ist, Geflüchtete würden mittels Klanstrukturen Steuergelder erbeuten. Wäre erst einmal nicht auffällig, denn es gibt ja bspw. auch die Unterhaltungsindustrie, und und und. Aber konkret heißt es unter anderem: "Die Zahl der Gleichstellungsbeauftragten, Gender-Experten, Diversitäts-Garanten sowie der Missbrauchsopfer aller Geschlechter ist inzwischen Legion und bewegt zu ihrer Finanzierung beträchtliche Geldsummen, auch beachtliche Steuergelder. Die Empörungsindustrie hat ein Schmarotzer-Geschäftsmodell etabliert, das auf der Verdrängung von qualifizierten Kräften aus Politik, Wirtschaft, Sozial- und Bildungswesen beruht."


    Das wird noch einmal weiter vertieft im nächsten Beispiel:


    2) "Die Vertreter der Empörungsindustrie zielen mit klar faschistoiden Tendenzen auf die Herstellung parasitärer mafiöser Strukturen ab, um einander unter den heutigen schwierigen ökonomischen Bedingungen zu Posten, Wohlstand, Pfründen und Privilegien zu verhelfen.

    --> Hier scheint es nun gar eine eine Art Geheimbund zu geben, der faschistoid und mafiös zugleich ist. D.h. hier wird Wokeness nun mit Faschismus gleichgesetzt - auf eine ähnliche Weise, wie auch das Wort "Feminazi" es tut, das seinen Ursprung im US-amerikanischen Rechtskonservatismus hat.


    3) Unmengen an Transphobie, die ich hier, ehrlich gesagt, nicht einmal zitieren mag. Da wird von der Verstümmelung heranwachsender Mädchen gesprochen, Therapeuten, die Kindern geschlechtliche Identitätszweifel einreden; fiesen Pharma-Konzernen, die mit all diesen mächtigen Trans-Aktivist*innen gemeinsame Sache machen (weil es denen ja bekanntlich so gut geht). Das erinnert alles an die Rede Beatrix von Storchs im Bundestag 2021 - um mal nur eines von vielen Beispielen zu nennen, wo ähnliches Wording genutzt wird.


    4) Die Vorstellung eines Machtgefälles: "Schon vielfältig sind die Machtpositionen, in denen Wokeness-Aktivisten Missbrauch durch schikanöse Bevormundung betreiben." Diese Behauptung spiegelt weder die aktuelle Politik noch die aktuelle Gesellschaft wider. Denn wenn es so wäre, könne es die Resolution faktisch nicht geben - sie wäre unterbunden worden von den mächtigen Aktivist*innen. Aber eigentlich ist es ja eher so: Gewisse Strukturen werden kritisiert - und das passt nun einmal nicht allen Leuten der Phantastik-Szene.


    Es gibt so, so viele weitere Beispiele in beiden Statements, die, ehrlich gesagt, schmerzhaft zu lesen sind. Und ja, davon fühle ich mich angefasst.


    Schauen wir uns doch einmal genauer an, wofür die Kemmler-Illustration eigentlich kritisiert wurde. Denn darauf findet sich ja im Forum scifinet.org ein Hinweis, der, zugegebenermaßen, aber nicht verifiziert werden kann. Dort schreibt der Use Yoginaut:

    "Ich habe Olaf auf seine Anfrage hin die Begründungen anonymisiert weitergegeben. Darin wurde mehrfach mokiert, dass es dazu keine passende Szene im Roman gebe, das man die Frau zum Objekt mache, vor allem hat es wohl alle an Werbebilder erinnert, an 'sex sells'."

    Das bedeutet, die Illustration wurde nicht dafür kritisiert, dass sie eine nackte Frau darstellte. Sondern dafür, dass es keinen Grund gab, eine nackte Frau darzustellen. Und dass die Illustration somit wie Sexbaiting wirke.

    Ist das wirklich fatal und schlimm? Nein, machen zig andere Medien auch so. Ich wünschte mir zwar, wir wären weiter als das, aber ist nun einmal nicht so. Aber ich finde es auch berechtigt, wenn eine Jury sagt: "Unsere Ansprüche sind höher als das".

    […]

    Ich finde es immer sehr fragwürdig, einer Person rechtes Gedankengut zu unterstellen, wenn man sich nicht einmal die Mühe macht, diese Peron überhaupt erst einmal kennenzulernen.

    Genau das habe ich nicht getan - mein Kommentar bezog sich an der Stelle schließlich explizit auf das Manifest. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass Du eine Resolution, die aus diesem Manifest entspringt, unterzeichnet hast. Auch hier wieder: Ich habe hier kein Bild gemacht - das hast Du mittels einer Unterschrift.


    […]

    Die einen - woken - sind die Guten, die ganz alleine wissen, was gut fürs Volk ist, die anderen sind die Gestrigen, Männer, weiß, alt, Vergewaltiger, Rechts und was weiß ich nicht noch.

    In meinen Augen bedienst Du hier gezielt Totschlagargumente, die jede weitere Diskussion unterbinden sollen. Du forcierst ein künstliches Schwarz-Weiß-Bild und unterstellst anderen - auch mir - dieses Entweder-Oder-Bild. Das möchte ich gezielt nicht vermitteln, daher würde ich Dich bitten, aufzuweisen, wo ich das in meinen Kommentaren getan habe. (Mir geht es wirklich darum, genau das zu vermeiden, um eben ein Gespräch führen zu können)

    Was jedenfalls durch dieses künstliche Schwarz-Weiß-Denken passiert: Jede weitere Diskussion ist in Deinen Augen müßig. Gleichzeitig sind es aber scheinbar immer andere, die Diskussionen unterbinden wollen, wenn ich Dich richtig verstehe.

    Hallo Ender, ich habe nirgendwo gesagt oder geschrieben, dass ich nicht mehr sagen dürfte, was ich möchte, Das Recht lasse ich mir auch von der woken Blase nicht absprechen.

    Um aus dem von Dir unterschriebenen Manifest zu zitiereren:

    1) "[...] eine ernsthafte Bedrohung der Meinungs-, Kunst- und Publikationsfreiheit [...]"

    2) "[...] Cancel Culture [...]"

    3) "Offene Diskussionen und freie Meinungsäußerungen über strittige Themen lehnt sie [die 'Bewegung der Gender-Extremisten'] ab."


    Klingt für mich alles sehr nach "Ich darf nicht mehr sagen, was ich will." - während sehr laut Äußerungen getätigt werden, die eindeutig dem politisch rechten Spektrum zugeordnet werden können.


    Ich kann mich Ender nur anschließen, wenn auch etwas anders formuliert: Du schreibst hier, dass Du nicht allen Einzelheiten des Manifests zustimmen würdest. Das glaube ich Dir sogar. Der Punkt ist aber, dass Dir die menschenfeindlichen Dinge, die dort drinstehen, offenbar nicht wichtig genug waren, um von diesem Text Abstand zu nehmen. Und da kannst Du nun toben wie Du willst, aber es sagt schon einiges über Dich aus. Du schreibst hier, Leute hätten sich vorschnell ein Bild von Dir gemacht. Aber strenggenommen hast Du das mit Deiner Unterschrift unter solch einem Text auch selbst geschaffen.



    Um die Sache einmal anders zu betrachten: Sowohl die Veröffentlichung im Blitz-Verlag als auch das "Aktionsbündnis" schaffen es offenbar, mancherlei Leute zur Diskussion anzuregen. Vermutlich nur nicht so, wie die Beteiligten sich das gerne erhofft hätten.


    EDIT: Kurz richtigstellen - Ja, Du hast 'nur' die Resolution unterzeichnet. Aber ich vermute, das Manifest dürfte Dir nicht unbekannt sein - oder die Nähe der Resolution dazu unangenehm.

    Übermorgen geht es passend zum Jubiläum los mit Lovecraft Lore, dem cthulhoiden Newsletter der Deutschen Lovecraft Gesellschaft. Tagesaktuell erhalten die Abonennt*innen Informationen über Ereignisse, die sich in verschiedenen Lovecraft-Erzählungen ereignen. Wann reiste der Student Olmstead nach Innsmouth? Wann entdeckte die Expedition der Miskatonic University die Berge des Wahnsinns? Wann wurde der Hexenmeister Joseph Curwen geboren?


    Das und vieles mehr erfährt man im kostenlosen Newsletter Lovecraft Lore. Zur Anmeldung geht es hier: https://www.deutschelovecraftg…aft.de/verein/newsletter/

    Hallo zusammen,


    die Deutsche Lovecraft Gesellschaft e. V. (dLG) feiert 2024 ihr zehnjähriges Bestehen. Passend dazu erarbeitet der Verein grade ein Rahmenprogramm, das sowohl Vereinsmitglieder als auch solche, die es noch werden wollen, zum gemeinsamen Feiern einlädt.


    Erste Infos, was das Jubiläumsjahr zu bieten hat, gibt es auf dieser Seite: https://www.deutschelovecraftg…de/verein/zehn-jahre-dlg/

    Die Seite wird fortlaufend aktualisiert. Wer sie nicht selbst im Blick haben möchte, sollte sich für den Newsletter anmelden: https://www.deutschelovecraftg…aft.de/verein/newsletter/

    Hallo zusammen,


    im Kunstpalast Düsseldorf startet demnächst eine Sonderausstellung zum Thema Tod & Teufel. Sponsor der Ausstellung ist die Männermodefirma Mey & Edlich, die die Ausstellung mit umfangreichem Rahmenprogramm versehen. Zu diesem Rahmenprogramm gehört auch der Podcast Memento Macabre: Der Mey & Edlich Podcast über Tod und Teufel, bei dem ich eine der beiden Sprechenden bin. Insgesamt soll der Podcast 12 Folgen haben, bei der sich jede Folge einem eigenem Thema widmet.


    Wer möchte, kann hier einmal reinhören: https://www.mey-edlich.de/tod_und_teufel/podcast