Was ich meine ist folgendes: Ein jeder Text - egal ob von Menschen oder von LLMs hervorgebracht - ist letzten Endes eine Abfolge von Entscheidungen innerhalb eines Kontexts. Diesen Kontext bildet zum einen die jeweilige Sprache, aber eben beim Menschen auch die individuelle (Bildungs-)Biographie, Überzeugungen, Vorlieben, usw. - kurz gesagt, alles das was “uns eben ausmacht”. Bei den LLMs ist die Gewichtung eine andere: sie sind famos gut darin, die Sprachkorpora zu erschließen und deren wiederkehrende Muster zu abstrahieren, aber jenseits dessen ist ihr Kontext sehr “arm”: ein paar Zeilen Systemprompt und Userprompt, mehr nicht; der Rest ist randomisierte Reproduktion von Mustern, quasi ein Würfelwurf bei dem der Würfel ziemlich vielen Seiten hat.
Bei Übersetzungen hingegen wurden die relevanten Entscheidungen (im Kontext einer bestimmten Einzelsprache) ja schon getroffen, und die Herausforderung besteht nun “nur” noch darin, sie in einem quasi zu einer anderen Sprache “verschobenen” Kontextfenster möglichst adäquat zu rekonstruieren. Da spielt “Mustererkennung” letztlich eine größere Rolle als “individueller Ausdruck”, zumal letzteres sich in der Regel eher unter dem subsumieren lässt, was ich oben mit “Zeitgeschmack” meinte; ob man letztlich den Krege oder die Carroux beim “Herrn der Ringe” favorisiert, ist für mich eine reine Geschmacksfrage; beides sind “handwerklich solide” Übersetzungen, die eben unterschiedlichen ästhetisch-poetologischen Maximen folgen. Eine reine “Gebrauchsübersetzung”, anhand derer man sich den Inhalt eines fremdsprachlichen Textes möglichst ohne grobe Fehler oder Mißverständnisse erschließen können sollte, benötigt eine solche “literarische Schöpfungshöhe” aber nicht… und ich vermute, dass man heute ein Sprachmodell vermutlich auch schon “im Krege-Stil” oder “im Carroux-Stil” übersetzen lassen kann, da ja auch Stil letztlich Mustern und Regeln folgt…