Ich habe jetzt den einleitenden Aufsatz durchgelesen, und ich muss sagen: ein schöner “Rundumschlag” zu den Themen “Lovecraft und die Deutschen” und “Die Deutschen und Lovecraft”. Besonders gefreut hatte ich mich zunächst, als ich dort auf den Namen Georg Klein stieß, den ich für einen der interessantesten deutschsprachigen Phantastik-Autoren halte (auch wenn er eher selten in diesem Kontext rezipiert wird), war dann aber etwas enttäuscht, dass die Volltextsuche keine weiteren Nennungen seines Namens hervorbrachte… Hat Klein selbst denn irgendwo auf Lovecraft Bezug genommen? In seiner Essaysammlung “Schund und Segen” taucht Lovecraft jedenfalls nicht auf, wenn ich mich recht erinnere, obwohl dort einiges an Phantastik und Populärliteratur verhandelt wird…
(Dafür finden sich aber mit den Aufsätzen zum “Vogelgott” und zu “Imperium” zwei andere zeitgenössische deutschsprachige Romane wieder, die schon lange auf meinem “to read”-Stapel liegen, und die ich mir aus diesem Anlass jetzt vielleicht endlich mal vornehme!)
Ein anderer Name, den ich im Kontext des Themas schmerzlich vermisst habe, ist derjenige von H.C. Artmann, den man in meinen Augen als den Anfang jeglicher deutschsprachigen Lovecraft-Rezeption betrachten muss. In dem (ansonsten überaus gelungenen) “Lovecrafter”-Beitrag zur Rezeptionsgeschichte Lovecrafts in Deutschland (in Nr. 3, glaube ich) wird es so dargestellt, als wäre die Erstausgabe von “Cthulhu. Geistergeschichten von H.P. Lovecraft” im Insel Verlag 1968 auf das Engagement von Kalju Kirde zurückgegangen, was ich aber für sehr fraglich halte. Kirde mag Lovecraft schon vor Artmann “für sich entdeckt” haben (seinen eigenen Berichten nach schon als Kind, in Form von “Weird Tales”-Heften, die ihren Weg in’s Baltikum gefunden hatten), aber der Anstoß zu dem Insel-Band ging dennoch von Artmann aus, wie Kirde selbst 1993 in seinem Artikel “Lovecraft in Deutschland” betont:
Weiterhin dürfte Artmann mit seiner Story “Im Golf von Carpentaria” auch das erste deutschsprachige Lovecraft-Pastiche verfasst haben, veröffentlicht 1969 in dem Band “Die Anfangsbuchstaben der Flagge”, der übrigens jedem Freund der Pulp-Literatur an’s Herz gelegt sei:
Nichtsdestotrotz ist die Sammlung wirklich toll geworden, und eine echte Wegmarke für die Arbeit der Dt. Lovecraft-Gesellschaft. Hattet Ihr schon vorher etwas in eine solche Richtung gemacht, oder stellt der Band das erste derartige Unterfangen dar?
(Ach ja, und falls Ihr einen Nachfolgeband plant, dann wäre H.C. Artmann auf jeden Fall ein nahe liegendes Thema, an dessen Aufarbeitung ich mich gerne beteiligen würde!)
(Nachtrag: ich sehe gerade, dass es bereits eine Bachelor-Arbeit gibt, die sich mit H.C. Artmann und H.P. Lovecraft beschäftigt; hier der Link für alle Interessierten: https://is.muni.cz/th/327464/p…ska_prace-Petr_Gruber.pdf)
Zu guter Letzt auch noch eine Ergänzung zur akademischen Lovecraft-Rezeption in Deutschland: hier scheint mir der erste Beitrag eine Diplomarbeit am Fachbereich Bibliothekswesen der FH Hamburg gewesen zu sein, vorgelegt im Mai 1971 von Rolf-Ingo Behnke:
Um eine wirkliche “Veröffentlichung” im Wortsinn handelt es sich dabei allerdings nicht, sondern um ein abgezogenes Typoskript der Prüfungsarbeit, das vermutlich nur in wenigen Exemplaren privat zirkulierte. Nichtsdestotrotz wurde es von Kalji Kirde in seiner Lovecraft-Bibliographie in der Sparte für deutschsprachige Sekundärliteratur aufgenommen. Eine gekürzte Fassung der Diplomarbeit erschien dann später im “Quarber Merkur” (Nr.30, 1972).