Beiträge von col.race

    ich hab bereits nen Stoker Band, und irgendwo gelesen, das dies schon das Beste von ihm in der Phantastik sei, alles andere eher nicht!

    Genauso ist es auch. Stoker hat sein Pulver mit Dracula weitgehend verschossen. Die nachfolgenden Romane sind allesamt entbehrlich. Unter den Kurzgeschichten tummeln sich nur wenige Perlen wie Das Festmahl der Ratten. Große Entdeckungen darf man sich da wirklich nicht erwarten.

    Dass man Aickman bringen will ist aber echt toll!

    Potentielle Kunden aus Österreich oder der Schweiz dürfte das auch eher weniger freuen.

    Du sagst es! Bram Stokers Erzählungen wurden eh schon x-mal bei verschiedenen Verlagen und sicher viel schöner als es bei Festa der Fall sein wird auf Deutsch veröffentlicht, aber auf die gesammelten Kurzgeschichten von Robert Aickman, über die an anderer Stelle hier bereits diskutiert wurde, war ich gespannt. Sehr schade!

    Die Startauflage dürfte wirklich nicht sehr hoch und das Buch offenbar kein sonderlicher Erfolg gewesen sein. Wie vermutlich alle seine Romane. Keiner hat eine zweite Auflage (oder Neuausgabe) erhalten. Es wird auch schon seinen Grund haben, dass er irgendwann komplett auf die Musik umgesattelt hat. Schade!


    Arkham Insider Axel

    Teil doch bitte deinen Eindruck mit, wenn du das Buch gelesen hast.


    Here I am and here I stay. Do you remember me, pretty woman?






    Ernst Molden:
    Austreiben - Vampirroman

    Deuticke, 1999, 238 Seiten




    Ernst Molden kennt man in Österreich mittlerweile in erster Linie als umtriebigen Dialekt-Liedermacher und vielleicht noch als (Ex-)Kolumnisten. Dass er auch von Ende der 90er bis in die frühen 00er-Jahre eine Reihe Romane geschrieben hat scheint heute fast völlig vergessen. Allen Qualitäten zum Trotz. Das ein oder andere seiner Werke dürfte ob seiner phantastischen bzw. grotesken Art auch für User dieses Forums von Interesse sein. Allen voran Austreiben, erschienen 1999.



    Die Au ist immer in Mimis Nähe. Noch denkt Mimi nicht, dass die Au böse ist. Aber ein gewisses Stück tiefer in ihrem Bewusstsein spürt sie es doch.



    Eine unheimliche Macht geht um in den urigen Auwäldern Wiens und wirft ihren verderblichen Schatten über die ganze Stadt. Alles beginnt damit, dass ein berühmt-berüchtigter, spitzzüngiger Radiomoderator in seiner mitternächtlichen Sendung intimste Details über die Elite des Landes verbreitet, die er unmöglich kennen kann. Zudem häufen sich bald makabre, brutale Morde, die die Behörden vor ein Rätsel stellen. Die bisher unscheinbare Kommissarin Mimi Sommer steht plötzlich im Zentrum dieser seltsamen Vorgänge und sucht sich letztlich ungewöhnlichen Beistand, um das drohende Unheil doch noch eindämmen zu können.



    Liebe Magister Sommer, Sie werden schon recht haben damit, dass die Leute in Ihrem Bereich übler sind als sonst, aber schieben Sie's doch bitte auf die Gelsen. Denken Sie einfach, wir haben die Zeit der Vampire.







    Der Untertitel Vampirroman täuscht. Hier geht kein spitzzahniger Blutsauger um, der sich zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang an arglosen Wienern delektiert. Das Grauen ist ein schwerer fassbareres, urtümlicheres. Molden hantiert mit Motiven des Folk Horrors und vermengt sie geschickt mit satirischen Elementen zu einer in einem Krimiszenario eingebetteten Geschichte. Diese Mischung mag auf den ersten Blick vielleicht krude wirken, funktioniert aber ausgesprochen gut. Wozu Moldens eigenständiger Stil erheblich beiträgt. Wie aus seinen Liedern bekannt, schürft der Autor - tief im heimatlichen Idiom verwurzelt - einen Lokalkolorit hervor, der sich nicht bloß in der Nennung bekannter Straßen und Plätze erschöpft, sondern tief in die Wiener Seele blicken lässt. Die ist bekanntlich abgründig und hinterfotzig, aber ungemein charmant und nicht ohne Humor.




    Der Arzt macht eine Pause. Müller stutzt.

    „Sie scheinen mir immer an den Fäden Gottes zu hängen.“
    „Sie glauben an Gott?“, fragt Müller.

    „Ich kenne keinen alten Mann, der nicht in der einen oder anderen Form an Gott zu glauben beginnt. Aber je später man es tut, umso hartherziger wird Gottes Angesicht.“

    Ja, das ist natürlich Geschmackssache. Mir wären schon aus Platzgründen zwei, drei dickere Bände lieber als sechs. Wie damals bei den Collected Strange Stories von Tartarus Press.


    Das Projekt selbst kann man nur begrüßen. Ich bin da aber noch sehr vorsichtig. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Festas Idee dann doch nicht umsetzen lässt oder das Programm mangels Resonanz vorzeitig abgebrochen werden muss. (Ligotti, Laymon, Howard, Festa SF, Lumleys Titus Crow,...)

    Der von col.race eingeworfene Hans Watzlik ist ein gutes Beispiel. Einge seiner Geschichten sind recht klassische Legenden. Gleichzeitg hatte er ein Händchen für die Schilderung unheimlich beseelter Naturzustände; unterm Strich war er auch ein historischer Erzähler par excellence. Oder kennst du irgendwelche modernistischen Anflüge von ihm, col.race ?

    Dafür habe ich nicht genug von ihm gelesen. Mir ist jedenfalls auch nichts dezidiert modernistisches bekannt. Neben den von dir angesprochenen legendenhaften Geschichten gibt es welche, die in vergangenen Jahrhunderten genauso spielen könnten wie zu seinen Lebzeiten. Die Erzählung Feindschaft der Toten etwa, eine Art Zombie/Wiedergänger-Geschichte. Die ist mir noch als sehr stimmungsvoll und richtig unheimlich in Erinnerung, obwohl ich mich normalerweise bei der Lektüre überhaupt nicht grusel.

    Der Untertitel dürfte also programmatisch zu verstehen sein... als Warnung!

    Ich muss gestehen, dass mich schon - so sehr ich seine anderen Sachen schätze - die Reisen durch Raum und Zeit und astrophysikalische Komponente am Ende von Das Haus an der Grenze echt genervt haben.