Beiträge von Katla

    Der kleine entrechtete Pluto, der so wunderschön ist.


    Eure Eindrücke und die Online-Infos zum Buch sind überzeugend genug, das ganz dringend auf meine Leseliste zu setzen. Und als kleines, zusätzliches Plus schafft es jemand, einen Roman in unter 500 Seiten zu erzählen. Dreistunden-Spielfilme und Romane mit Tolkienschen Ausmaßen nerven mich ab & zu ganz schön.

    Das klingt gut, und ich hab grad mal ein Blick ins Buch geworfen. Hat gut Tempo und Spannung, und als am Rhein geborene Quasi-Norddeutsche interessierte mich auch das Setting sehr. (Ich finde ja, der Rhein und der Taunus sind zu wenig genutzte Schauerorte!)

    Keine Kritik, nur Vorliebe: Nicht ganz meine Tasse Tee ist der alltägliche Backdrop, obwohl das bei dem Thema natürlich zwingend notwendig ist.

    Langsam muss ich mir eine Liste machen, was alles ich mir mal näher ansehen möchte ... X/

    Unabhängig davon, dass das Buch auch so spannend und sehr aktuell ist, trägt er gleich im ersten Kapitel eine Vierteilung in Paris historisch-chronologisch zusammen und bestätigt deinen Post. Vielleicht war sogar die gemeint. Mir war auf jeden Fall danach schlecht.

    Oh, spannend, danke! Um Foucault hab ich bisher einen weiten Bogen gemacht, weil ich ihn für das Entgleisen des Feminismus in den 80ern verantwortlich mache (okay, das ist jetzt OT :D), aber was du schreibst klingt so, als ob ich da auf jeden Fall mal reinschauen sollte. Ich hab grad in meinem Buch nachgesehen, und das ist tatsächlich der auch von Ewers verarbeitete Fall des französischen Attentäters Robert-François Damiens, der versuchte, König Louis XV zu ermorden und 1757 von einem Mitglied der berühmten Scharfrichterfamilie Sanson hingerichtet wurde. Wenn dir davon schlecht wurde, lies besser nix über die Folter vorher ...


    Das aus dem ersten Sachbuch dieser Art, das ich (in der Annahme, es sei Horror-Trash) 1980 vom Grabbeltisch gefischt hatte. Es stellte sich aber als sehr gut recherchiertes Historikbuch heraus, das aktuellen Erkenntnissen standhält und das ich immer noch zur Recherche hernehme. Mit alten Stichen und Archivphotos: John F. Mortimer: Henker - Dokumente menschlicher Grausamkeit. Selbstzeugnisse, Tagebücher, zeitgenössische Berichte. Wuppertal / Genf 1976, Ariston Verlag.

    Die beiden Bücher sehen echt wunderschön aus. Danke für die spannende, detaillierte Vorstellung! (Ich kann das Forum hier wirklich nicht genug loben: was ich in diesem halben Jahr für tolle Anregungen bekommen habe, und es hat meinen Phantastikonsum von - aus Mangel an Interessantem - nahezu Null zur fast ausschließlichen Lektüre gesteigert!) :*[Nerdine]


    Die Damiens-Story finde ich ebenfalls lesenswert, zumindest was die historische Tatsache betrifft. Das ändert nichts daran, dass sie doch auch irgendwie Ewers-like "cheesy" ist.

    Ich hab das mal in dem netterweise von hardt angegebenem Link gelesen, und stimme dir zu - der 'Tagebucheintrag' bzw. historische Teil ist absolut toll, schnörkellos und harsch, das - sorry - Geschwätz davor um Flirt & Beziehungen fand ich arg langweilig und für jeglichen Plot irrelevant, auch wenn ich weiß, wozu das dienen soll. Die Beispiele aus der Tierwelt kennt man ja (immerhin sind sie nicht falsch). Ich werde dennoch alle Geschichten lesen, der Autor schreibt ja sehr speziell, sowas kenne ich nur aus den ganz frühen Britischen Gothic Tales 1780-1820 rum.

    Die historische Tatsache, nun ja: Die Hinrichtungsmethoden waren sogar zu dieser Zeit noch unglaublich grausam. Das Publikum liebte schon damals das blutige Spektakel und geilte sich an den Qualen eines Menschen auf.

    Herzlichen Dank für den Link, hardt!

    Ja, ich bin absolut keine, die in Krankenwagen schaut oder bei Unfällen hinsieht, aber ein sucker für extrem blutige Folter-/Hinrichtungsmethoden in der Historie. Vierteilen zog sich wohl tatsächlich wie hier beschrieben oft über Stunden, und ich habe von einem Fall gelesen, in dem die Pferde so erschöpft waren, dass sie im Geschirr ausgetauscht werden mussten. Anscheinend lösen sich Gliedmaßen ohne Anschneiden nicht so gut vom Körper, wie man bei der extremen Gewalteinwirkung (4x750 kg!) meinen könnte.

    So, ich hab’s jetzt endlich durch – hat gar nicht wehgetan, aber ein echtes literarisches Vergnügen war es auch nicht.


    Vorab, ein echt grandioser Einstieg:

    „Etwas Animalisches lag in den Augen der zwölf bildhübschen Exotinnen, die an einem warmen Augusttag die Boeing 707 der Colombo Airlines verließen und mit katzengleichen Bewegungen die Gangway herunterschritten.“

    ^^[Ber]


    Plus:

    Original 70er-Jahre-Flair, unverstelltes Erzählen (s.o.), ein hübsches Setting und als tolles Thema „ursprüngliche Landesmythen/-halbgötter erwachen zum Leben und versuchen, ihre Heimat vor ausbeuterischer Invasion zu retten“. Zwei sehr starke, unabhängige Frauen im Zentrum der Geschichte + ein Held (wenn etwas an dem Text sexistisch ist, ist es gegen Männer gerichtet, die hier reihenweise beim Anblick einer schönen Frau alle Logik und Kontrolle fahren lassen und sich den Bewunderten unterwerfen). Der Plot ist straightforward vorangetrieben, und Geheimnisse werden nicht großartig aufgebaut, was einen leichten Konsum bietet. Am Ende kommt ein versöhnlicher, kontemplativer Moment rein, wenn die Gegenparteien feststellen, dass eine Zusammenarbeit bzw. Kommunikation dem Angriff/Morden vorzuziehen gewesen wäre und zu einem für alle verträglichen Ausgang/Kompromiss geführt hätte. Insofern ist das Stück seiner Zeit weit voraus. Die „Bestien/Göttinnen“ werden nicht durch brutale Gewalt bezwungen, sondern begehen quasi resigniert esoterischen Suizid.


    Minus:

    Dass nicht versucht wird, die Identität der Täter(innen) im Dunklen zu lassen, nimmt ganz enorm die Spannung – schon auf den ersten Seiten wird klar gesagt, dass die eingangs beschriebenen Frauen mystische Wesen / Monster sind, und wer die Opfer (z.B Bauarbeiter im Regenwald) da auf dem Gewissen hat. Insgesamt ist die story im Erzählton wie in Bezug auf ihre Protagonisten ziemlich brav, und dann gewinnen – für meine Sicht, aber auch den Zeitgeist der 2000er – die Falschen. Die Gefahr für die Menschen ist am Ende gebannt und business as usual. Die Sprache ist extrem simpel und ist nicht wirklich schön zu lesen (obwohl mich das nicht grundsätzlich stört, empfand ich das auch als Adjektiv-Overkill). Ein Touch zu humoresk für meinen Geschmack.


    Fazit:

    Nicht so arg gut geeignet, um mich für die Sparte Heftroman zu begeistern. War aber als Blick zurück in die 70er und als exotische Story mit vielen tatsächlich amüsanten Momenten ganz nett für Zwischendurch. Es reizt mich immer noch genug, mal Royston Vasey s Vorschlag zu folgen und mir Vampira anzuschauen, und mir ein, zwei Dämonenkiller-Bücher (erneut) anzuschaffen.

    Nach wie vor bin ich sehr glücklich, das Heft (in 1 a Kondition!) gekauft zu haben, weil das Cover ein echtes Schmuckstück und eine Augenweide ist. Das DIN A 5 Format gefällt mirsehr gut, auch wenn das dünne Papier das Lesen - bzw. Halten - umständlich macht, will man nicht das Cover knicken.


    In Punkten:

    5 von 10 mit einem Toleranzplus für a) das Genre Heftroman und b) die Entstehungszeit.

    Man könnte die Übersetzung eines solchen Werkes auch nutzen, um dem deutschen Publikum mittels eines einführenden Essays die Begrifflichkeit der "Weird Fiction" - und wie sie in die Welt kam - beizubiegen und somit auch auf bestehende Definitionsproblematiken hinweisen.

    Ja, sowas wäre eindeutig 'File under: Ideale Welt'. Ich habe auch noch nie verstehen können, warum sich viele - auch Verleger - in Deutschland mit der Phantastik außerhalb von Fantasy (und vllt. noch SciFi) so schwertun.


    Wir könnten das ja als ehrenamtliches Projekt realisieren: Sagen wir, geschätzte 10 Forenmitglieder hier trauen sich eine Übersetzung zu, dann übernimmt jeder nicht mal ein Dutzend Geschichten ... :huh: Das wäre in einem Jahr zu schaffen, und dann werden wir mit der Herausgabe berühmt. (So scherzhaft das gemeint ist, wär ich aber sofort dabei.)

    Ich frage deshalb, weil ich überlege, wie zum Teufel man ein solches Werk im Deutschen anpreisen sollte … Der von mir gern gemochte Begriff Unheimliche Phantastik trifft es jedenfalls nicht unbedingt. Gerade Leute wie Franz Kafka, Bruno Schulz oder Julio Cortazar (ich liebe seine Axolotl!) machen es einem in der Hinsicht nicht leicht.

    Ich würde sagen, das Buch ist eindeutig und durchweg Dunkle Phantastik mit Anteilen aus dem Horror. Bruno Schulz' "Sanatorium Under the Sign of the Hourglass" - übrigens mit Abstand eine der besten Geschichten, die ich je gelesen habe - ist surrealistisch / expressionistischer Horror, auch wenn der Horror größtenteils psychologisch ist bzw. über das Setting erzählt wird, aber immerhin geht es - metaphorisch oder faktisch - um Untote. Ich fand die wirklich von der ersten Seite an gruselig, und mit dem 'Hund' hat es sogar eine Art Monster.

    Ja, "Axolotl" mag ich auch sehr.

    Na, wie immer halt: Indem man Thriller drunter schreibt und ein Zitat von Stephen King aufs Cover druckt.

    [Ber]Hehehe, ganz genau! Bei englischen Büchern ist es im Horror 'wie King' / 'King findet das gut' und bei Dunkler Phantatstik ist es 'wie M. R. James'. Das ist echt inflationär. Ich teile aber leider deine Einschätzung, dass sich da niemand ranwagen würde. Schade.

    Sar-Sargoth - Oh, das freut mich sehr! X/


    Ich hab bisher nur einen vergleichbaren (kleinformatigeren) Wälzer gefunden, das war eine Omnibus Horror Anthologie, bei der die Epochen sogar noch weiter gefasst waren - wenn ich mich richtig erinnere, sind die ältesten Gothic Tales da aus den 1750ern. Das ist aber klasssischer und nicht so spannend-innovativ in der Auswahl der Texte.

    Vielleicht wagt sich ja noch einmal ein deutscher Verlag an die Sache

    Das wäre auf jeden Fall klasse, aber sicher nicht einfach. Letztlich stellt sich dann die Frage, ob man für die verschiedenen Sprachen ein halbes Dutzend Übersetzer engagieren will, oder alles aus dem Englischen übersetzen liesse. (Dass es für sogar rennomierte Verlage Standard zu sein scheint, Romane aus z.B. dem Isländischen und sogar Dänischen aus einer Englischen Version ins Deutsche "doppelübersetzen" zu lassen, hab ich kürzlich erst erfahren.)

    Hm, macht neugierig.

    Schön, dass noch nicht alle hier das Buch kannten.


    Und lieben Dank für deine netten Worte im Simmons-Thread! :*

    Das Buch ist aber eine Art Fortsetzung von "Borne". Weiß daher nicht, ob vielleicht Vorwissen nötig ist.

    Vielen Dank, ja, das hab ich gesehen, aber ich lese öfter nur Teile aus Reihen / Trilogien, oder die Bände in falscher Reihenfolge, und bisher hat mich das nicht gestört.

    Besonders ausschweifend und wortreich fand ich die darin enthaltenen Beschreibungen eigentlich nicht

    Nee, nicht zu lang, sondern eine einzige Sache mit zu vielen Ansätzen ausgebreitet. Ich hab beim Abtippen gerade gesehen, warum ich den Eindruck habe: VanderMeer wiederholt sehr oft Satzteile oder einzelne Phrasen, und das gibt mir eben den Eindruck von Stillstand, so als ob jemand einen Ball lange in der Hand hin- und herwendet, anstatt ihn sofort zu werfen.


    (SR - Annihilation)

    The effect of this cannot be understood without being there. The beauty of it cannot be understood, either, and when you see beauty in desolation it changes something inside you. Desolation tries to colonize you. (…)

    But I knew from experience how hopeless this persuit, this attempt to weed out bias, was. Nothing that lived and breathed was truely objective – even in a vaccum, even if all that possessed the brain was a self-immolating desire for truth.


    Vs.

    (Dead Astronauts)

    They sat at the border between the desert and the City. Hearts pumping fast. Motionless, but ready to leap, to run, to bite.

    Out across the desert came the Source. At a trot. With a familiar grin of fangs.


    Allerdings kommen da auch viele Neuansätze / Wiederholungen vor, nur, dass die Sätze oft kürzer sind, oder keine Nebensäze haben:

    But why should they have a leader? Why should they not roam like wild things? For they were wild things. Why should they have a purpose? For they were wild things.


    Ich denke aber, das funktioniert tatsächlich gut und kann Spaß machen, wenn man sich in diesen Stil einliest.

    Hallo Goblin,


    ich habe auch noch nicht alles gelesen, v.a. von den aktuelleren Geschichten. Hehe, 'unhandlich' trifft es (aber so schön, auch das Cover!). Nichts zum im-Bett-auf-dem-Rücken-liegend-lesen, wenn man doch mal einnicken sollte, bricht man sich damit die Nase ...

    Was hast du denn bisher von Jeff Vandermeer gelesen, Katla? Ich bin ja großer Fan - Besonders seine "Southern Reach"-Trilogie (Annihilation, Authority & Acceptance) halte ich für absolut genial.

    Hm, interessant, gelesen habe ich nichts, sondern nur in alle Bücher online reingelesen, und da auch tatasächlich in die Southern Reach-Reihe, weil ich den Titel toll fand. Das ist ein Jahr her, aber gerade beim Neuschauen hab ich mich erinnert, dass ich die Beschreibungen sehr langwierig und viel zu wortreich fand - selbst für indirekte Charakterisierungen und Setting etablieren etc.

    Ich will gar nicht sagen, dass ich den Stil irgendwie schlecht fände, aber ich fange ungewollt nach zwei, drei Absätzen mit einem Quickread an, ohne durch etwas neu reingezogen zu werden - daher 'kalt lassen'. Dabei schätze ich durchaus Autoren, die ein unglaublich bedächtiges Tempo haben, z.B. Robert Edric und frühe Gothic Tales von 1800.


    Scheint, auch nach deiner Begeisterung, ich sollte dem nochmal eine Chance geben, zumal mir die beiden durch die Intros in The Weird wirklich sympathisch geworden sind. Da würde ich vermutlich mal zu Dead Astronauts greifen. Das sieht mir einen ganzen Zacken elliptischer aus, da scheint mir auch die Satzlänge mehr zu variieren (so als Spontaneindruck).



    The Weird: A Compendium of Strange and Dark Stories

    Jeff & Ann VanderMeer (ed.), London 2012

    Tor Books, 1126 S.


    Auf die Gefahr hin, hier absolut nix Neues vorzustellen, muss ich einfach mal dieses Monster von einem Buch fangirlen. Die VanderMeers deren eigener Schreibstil mich ziemlich kalt lässt haben hier 110 Kurzerzählungen zusammengestellt, die neben den großen Namen auch viele zumindest mir unbekannte Autoren präsentieren, dabei auch Einblicke in die u.a. japanische, osteuropäische und südamerikanische bzw. romanische Phantastik bietet. Was mir extrem gut gefällt, ist die chronologische Reihenfolge, die Zeitgeist, Modethemen und -stile über Grenzen hinweg deutlich werden lassen. Obwohl es auch Dunkle Phantastik und Magischen Realismus / expressionistischen Surrealismus gibt, liegt die vorherrschende Grundstimmung eindeutig beim Horror.


    Bei wenigen Autoren (z.B. Jean Ray und Bruno Schulz) habe ich mir die Mühe gemacht, online andere Übersetzungen ins Englische zu vergleichen, und auch hier treffen die VanderMeers genau meinen Geschmack; in allen Fällen dachte ich: So und nicht anders muss es klingen.


    Vor jeder Geschichte steht eine kurze Biographie & Einleitung bzw. Kurzkommentare zur Entstehung dieser speziellen Erzählung oder dem Output des Autors allgemein; was auch wirklich sehr interessante, liebevoll recherchierte Details bietet und nicht nur das übliche BlaBla. Aus jedem Wort der Herausgeber klingt die Begeisterung für das jeweilige Stück durch, und das steckt beim Lesen tatsächlich an. Nicht nur für den beeindruckenden Umfang hat das Buch eine tolle Papierqualität und einen wunderschönen Schriftschnitt.


    Momentan hab ich das Werk aus der Bibliothek geliehen, aber obwohl es locker den Regalplatz von fünf oder sechs Taschenbüchern einnimmt, werde ich da zugreifen, sobald sich ein günstiger 2nd hand Preis bietet. Nicht nur als Nachschlagewerk unabdingbar, sondern auch, weil ich sicher einige der Geschichten mehrfach lesen werde.

    Das Buch ist soeben im SUB ganz nach unten gerutscht und teilt sich den Platz mit den Büchern von Akif Pirrinci.

    %X

    Ich mag Simmons SciFi teils ganz gern, auch, weil es da wirklich verrückte, tolle Ideen gibt und das Ganze Tempo hat (dabei fand ich Illium um Längen besser als die lahme Sequel, und ab irgendwann war ich auch vom genialen 'Shrike' in der Hyperion-Welt nicht mehr so fasziniert. Man kann die beste Idee totreiten). Flashback hatte ich aber nichtmal geplant, aus der Biblio zu leihen.

    seine Polemik gegen den Greta-Wahn

    Isoliert gesehen ist mir Greta nicht besonders sympatisch, aber diese Art von Polemik wird halt immer von aus der Form geratenen Männern jenseits der Midlife-Crisis ausgesprochen, die bräsig in ihren Autos sitzen und sonst nicht viel Sinnvolles auf die Reihe kriegen. Ich könnte mir eine halbe Million schlimmere Dinge vorstellen, die Teenager machen könnten, als Umweltthemen zu pushen. Und wer nicht in einer Vollblut High Performance Rennjacht einen Ozean überquert hat (mit 16 Jahren und Hang zur Seekrankheit), sollte sich da mal ganz zurückhalten, finde ich.

    Peinlich, wenn sich Erwachsene mit ihrem Hass auf einen Teenager zu profilieren versuchen, und wenn Flashback das ist, wonach es klingt - nämlich reines Meinungsmarketing - kann ich nicht Werk von Autor trennen.


    Ähnlich ging mir das auch mit anderer SciFi von Autoren, deren einzlene / andere Bücher ich außerordentlich schätze - und zwar wesentlich mehr als Simmons: Dmitri Gluchowski: Futu.re (human overbreeding als positive Rebellion), Joan Slonczewski: A Door Into Ocean, Daughter of Elysium (Feminismus, Pazifismus), China Miéville: Perdido Street Station & The Iron Council (Marxismus, Sozialismus). Dystopien funktionieren für mich besser, wenn die Autoren maximal eine Analyse, aber keine Lösungen anbieten.

    Steuerfinanzierte soziale Wohltaten, Windkraftanlagen und Elektroautos werden mit beißendem Spott beschrieben

    Komisch, in globalen Umfragen sind Bürger von Staaten, in denen all das die Norm ist, wesentlich glücklicher als die anderer Länder (vgl. meist Erstplazierte Norwegen, Dänemark und Finnland). Simmons' USA hat soziale Zustände und eine Kriminalitätsrate, dass sich einem die Haare sträuben, von der Allgmeinbildung mal ganz zu schweigen. Eine literarische Polemik gegen einen umwelt- und bildungsfreundlichen Sozialstaat halte ich daher für wenig intelligent. Da wüßte ich nicht, welche neuen Einsichten ich aus dem Buch mitnehmen sollte (was ja gewissermassen der Sinn einer jeden guten Dystopie ist).


    Als "Einblick in die Weltsicht von Konservativen aus den USA" taugt das auch nicht, davon hab ich eh schon mehr als mir lieb ist. Wenn ich "brisanten" Sarkasmus lesen will, würde ich da vermutlich zu Houellebecq greifen, oder noch mal zum ollen Marquis de Sade. Von SciFi erwarte ich einfach eine wesentlich komplexere Prämisse.

    Ihr macht mir echt Mut.

    :D Aaaaaaw! Hahahaha ... Aber sieh's so: Wenn du es durch hast und sicher was Spannendes dazu schreibst, hast du einen riesen Anteil daran, dass die hiesige Horrorcommunity (bzw. zwei Hanseln daraus) endlich mal diesen Klassiker beendet. :*