Beiträge von Katla

    Moin dear ralphomat ,


    die Ausgabe wundert mich ziemlich, es gibt ja die Collected Works (wirklich alles, was er geschrieben hatte) bereits seit längerem und das sind nun mal fast alles Ghost Stories.


    "Whistle ..." ist zu Recht im Klassiker-Kanon ganz oben und das wäre ein must read. (Steht aber glaube ich auch frei online.) Ich besaß mal die Collected Works und fand alles andere, das er geschrieben hat, unglaublich schnarchig und stilistisch erstaunlich schwach, heißt: Lahme Ideen, laberige Sprache ohne Modulation im Tempo, vom Vokabular / Syntax her sehr basic = unästhetisch, kein Spannungsbogen, vorhersehbar, kein anständiges Ende. Vieles beginnt mit einer interessanten Prämisse und einer netten Atmosphäre, führt dann aber irgendwie zu nix. ImA war "Whistle ..." so Art 'auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn'.

    Ich hab auch in jede Geschichte dort mit viel gutem Willen zumindest reingelesen, wenn nicht ganz durch. Kapiere absolut nicht, wie James zu dieser Berühmtheit kam, ganz ehrlich.


    Es hilft jetzt gar nix, dass James ein ultra-reaktionärer Spießertyp mit Stock im *beep* war, der seine lesbische Autoren-Schwester aktiv vom Veröffentlichen abhalten - und sie sogar ganz aus der Öffentlichkeit drängen - wollte. (Als ich seine Geschichten versuchte zu lesen, wusste ich allerdings von all dem noch nix - eigentlich hatte er bei mir massig Vorschusslorbeeren wegen dieser einen tollen Story.) Für Tipps, wo man ihre Texte bekäme, wäre ich nun wieder dankbar, ich hab mal irgendwo gelesen, dass sie wesentlich besser schrieb als er (und er ihr Ideen klaute? weiß nicht mehr genau).


    Du kannst dir jetzt sicher denken, was ich dir rate ... Meine Collected Works hätte ich dir sehr gern geschenkt, hab sie aber schon vor Jahren im offenen Bücherschrank unserer Bibliothek ausgesetzt.

    Allerdings muss ich nach 90 Seiten einräumen, der Roman ist schwülstig, die Personen selbstgefällig und Viktor Frankenstein ein eitler Popanz. Ach, das wird ein schwerer Gang und ich bin nicht sicher, ob ich bis zum Ende durchhalte.

    Oh oh. Ich bin inzwischen zur Überzeugung gelangt, dass wir damals im Seminar bereits die Urfassung von 1918 lasen. Da ist dann nur Percys 70-Seiten-Anfang nervig (kitschig, laberig), aber der Rest eigentlich nicht. Wenn ich dein Urteil höre, Michael, rate ich fast: brech das ab und lies die Urfassung. Gibt es auch bei Penguin DE / Anaconda, und zwar interessanterweise von Alexander Pechmann übersetzt.

    Die Presse schrieb dazu:

    »Alexander Pechmanns Neuübersetzung der Erstausgabe von 1818 bringt das aus heutiger Sicht etwas verschnörkelte Englisch des frühen 19. Jahrhunderts in ein klares Deutsch, ohne seinen oft schwärmerischen Ton zu verfälschen. Die Ausgabe ist darüberhinaus besser kommentiert als manche englische.«

    Süddeutsche Zeitung, Nicolas Freund (04. January 2018)


    Das jedenfalls entspricht meinem - überwältigend positiven - Leseerlebnis damals, wobei wir ja auch eine englische Penguin-Classics-Ausgabe vorliegen hatten. Da kann ich Tintenkiller s schönem Lob kaum etwas zufügen. Ich nehme jetzt im Nachhinein an, dass ich die editierte Version nie gelesen hab. Es wäre doch schade, wenn sich deine Meinung zum Buch so durch das Edit/Rewrite verziehen würde. Das ist eigentlich ein sehr frischer, moderner Roman (Form Follows Function bzw. Follows Motif, wenn man den Untertitel - der moderne Prometheus - bedenkt).

    Denke auch nicht, dass ich es im Nachhinein geschönt sehe, denn wir lasen im gleichen Seminar auch Ann Radcliffe, und der Kitsch-/Laber-Overkill da hätte mich um ein Haar gekillt.


    Albico Dass Pechmann Shelley auch übersetzte - und wenn man der Süddeutschen glaubt, wohl mit extrem sensibler Hand - macht seine Biografie natürlich extrem interessant. Vielleicht ist dann ja auch der so gelobte Kommentar in der deutschen Penguin-Übersetzung von ihm, würde zumindest sehr nahe liegen. Vielleicht schaffe ich mir die an, obwohl meine Tendenz da automatisch in Richtung englischsprachiges Original gegangen wäre. Wirklich super Tipp, danke sehr!

    Ah puha, @lieber Felix , dann ist ja gut. Dachte schon du denkst: Herrje, das weiß ich doch alles, wollte nur ...

    Ich muss wohl mindestens ein Buch kaufen, aber ob von Suhrkamp oder von Nautilus ist für mich noch nicht ganz klar.

    Hehe, das Kaufenmüssen sehe ich auch so.


    Als Entscheidungshilfe vielleicht:

    Das Hörrohr ist etwas 'wärmer', freundlicher und humorvoller als die meisten Kurzgeschichten und vielleicht besser zu genießen, wenn man die Art der Figuren und Motive bei ihr bereits kennt. Hauptprota ist eine sehr verschmitzte alte Frau (Dame, Hexe ...), eben die mit dem Hörrohr.


    Typischer für das Gesamtwerk wären imA die Geschichten in Die ovale Dame, ganz vor allem rate ich mit enthusiastischem Nachdruck, als erstes "Die Debütantin" zu lesen. Nicht nur, weil es eine ganz gemeine (und etwas blutige), aber auch empathische und extrem verrückte Geschichte ist, sondern weil sie mMn exemplarisch für das Werk steht. Das war auch mein Einstieg und danach wollte ich restlos alles lesen, was sie geschrieben hat.


    Unten wäre dann eine gute Ergänzung - denn obwohl es das reale Leben erzählt, fehlt es hier absolut nicht an phantastischen Eindrücken ... oder Albträumen.


    Das Haus der Angst hat imA einen etwas anderen drive als Die ovale Dame. Es ist düsterer, unheimlicher, bedrückender, aber wirkt teils auch etwas fragmentarischer vom Aufbau der Texte her (manches kam mir kaleidoskopartig vor, ohne Ende).


    In Kürze würd ich raten zu allem auf einmal dieser Reihenfolge:

    - Die ovale Dame (Qumran, auch, weil die Übersetzung toll und das Buch haptisch/optisch schön ist)

    - Unten (Suhrkamp)

    - Das Haus der Angst (Suhrkamp)

    - Das Hörrohr (Suhrkamp)


    Und weil du dann nicht genug hast, kaufst du die Theaterstücke und die Windsbraut, einfach der Vollständigkeit halber. :) [Cof]


    Die Theaterstücke sind very nice to have, wenn man mit der Prosa durch ist. Hier werden einige storylines und Figurenkonzepte aufgegriffen und neu erzählt, es wiederholt sich dann einiges (wobei das auch wunderbar ist, nix von dem, was ich sage , ist irgendwie negativ gemeint).

    Viel Spaß und berichte bitte, wie es bei dir ankam. [Gh2]

    Boa, super Faden, Hospes , vielen, vielen Dank! :*


    Blake in Hamburg, das ist ja der Hammer!

    Obwohl ich schon auf ner Riesenmenge Ausstellungen war und früher mit Muttern auch mal für spezielle (u.a. Präraffaeliten Werkschau im Victoria & Albert) nach London bin, kann ich mich grad nicht erinnern, je ein Original von Blake gesehen zu haben. Hm, ich wollte im Sommer eigentlich nach Klaipeda und segeln, aber wenn ich keinen Urlaub dafür bekomme, ist das gut machbar. Ein Trostpflaster ...


    Schöne Ausstellungshalle übrigens, die neben Einzelkünstlern auch oft interessante, ungewöhnliche Themen-Ausstellungen bieten. Hab vor Jahren - auch mit Mutter - eine große und wirklich sehr gut kuratierte Helene Schjerfbeck Ausstellung dort gesehen. Liegt quasi direkt neben dem Busbahnhof / Nähe Hbf und ist bequem erreichbar. Hat außerdem ein sehr gutes, schönes Café/Restaurant.

    Besitzt jemand von euch eine ältere Auflage des Buches und kann etwas dazu sagen?

    Was meinst du genau mit "was sagen", lieber Felix ? Als Abgleich der verschiedenen Übersetzungen, oder ganz generell? Von dem Buch gab es bislang nur eine weitere Auflage: die erste von 2010, oder? Die hat eine identische Aufmachung, Seitenzahl, Klappentext ... Da würde ich von einer einfachen Neuauflage ausgehen.



    Falls du Carrington an sich nicht kanntest (was ich mir jetzt eigentlich nicht vorstellen kann):

    Ich hab ältere Auflagen von ihren Kurzgeschichten bzw. vermutlich alles, was es bis in die 2000er auf Deutsch von ihr herauskam. (Weil ich sie Mitte der 80er anfing zu lesen, als Englisch noch nicht so arg flüssig ging und sie glaube ich auch in anderen Sprachen schrieb, die ich nicht kann - Französisch & Spanisch) Die Kompilationen der Geschichten überschneiden sich teils, da fehlt mir bissl der Durchblick grad, aber ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass ihre Werke vergriffen gewesen sein sollen. Antiquarisch ist glaube ich alles noch erhältlich, ich hatte zwischendurch ab & zu mal was als Geschenk bestellt gehabt.


    Die schönste Ausgabe ist imA die Sammlung Die ovale Dame bei Qumran, die sich meiner Erinnerung nach nur teils überschneidet mit einem sehr schmalen (und optisch recht hässlichen) Ullstein-Bändchen gleichen Titels. Dann gibt es bei Suhrkamp noch die Sammlung Das Haus der Angst. Extrem empfehlenswert ist auch ihr Roman, Das Hörrohr (Suhrkamp) sowie ihre Theaterstücke (gesammelt in Das Flannellnachthemd, Qumran, darunter auch Fragmente). Absolut wichtig auch ihr autobiografischer Bericht der Zwangseinweisung in die Psychiatrie (nach einem Zusammenbruch, weil sie die - zum Glück unwahre - Nachricht erreichte, Max Ernst wäre von den spanischen Faschisten auf der Flucht ermordet worden): Unten (Suhrkamp).


    Ihre Texte (und Malerei / Skulpturen) sind neben selbstverständlich Surrealismus und dem Phantastischen gleichzeitig verstörend, schön, gruselig, bedrückend, aber auch sehr humorvoll und geistreich.


    Die Windsbraut hab ich nun grad nicht, weil es zu viele Überschneidungen (oder eine vollständige?) mit Texten in meinem Bestand hat, auch würde ich da keine Neuübersetzung benötigen (falls das welche wären).


    Ich halte Carrington für eine der brillantesten und fantasiebegabtesten sowie auf ihr Leben bezogen eine der radikal konsequentesten Künstler*innen der Geschichte. Auch wesentlich besser als die oft mit ihr verglichene (recht romatisch-verträumte) Leonor Fini, Remedios Varo und sogar immer noch besser als die wunderbare Dorothea Tanning. Auf Englisch gibt es eine Werkschau: Leonora Carrington Surrealism, Alchemy and Art.


    Und einen neueren, ganz wunderbaren Film (Doku), auch mit raren Interviews. The Lost Surrealist. BBC Four, 59' auf YT.


    Keine Ahnung, sorry falls ich dich vollgequatscht haben sollte und deine Frage auf was ganz Anderes, Spezielles abzielte. =O

    Carrington ist ein absolutes Must-Have und Must-Read (-See), es gibt wenige, die ich so sehr bewundere wie sie - ja, Giger, Ernst, Caravaggio, Genteleschi, Kahlo, Kubin ... Aber dann wirds echt schon dünn.


    Fun fact: Michael Perkampus übersetzte Carrington, ich muss noch mal nachfragen, ob das für eine Druck- oder Onlinepublikation war, und was genau.

    Ich muss gestehen, dass ich (wieder) passe. Zum einen liegt das an Foster, zum anderen daran, dass ich massenhaft Nordic Noir sehe. Der Trailer erinnert mich - auch von der Bildsprache - viel zu stark an Fortitude (das selbst bei The Thing, Miss Smilla und den X-Files abschaut), und vom Set-up auch an Fargo (wovon ich aber nur Ausschnitte kenne). [Sorry, ich wiederhole mich, hab ich grad gesehen - mein Gedächtnis!]


    Das Tolle an der ersten Staffel war ja, dass alles so neu war, ungewohnt erzählt und mit frischen Themen ungewohnte Figuren präsentierte. Klar, es ist schwer, sowas in mehreren Staffeln zu realisieren. Trotzdem kann (und will) ich mich von der Überraschung und Wirkung damals nicht lösen.


    Bin aber durchaus gespannt auf dein Urteil.

    Wo die Grenzen gezogen werden, weiß ich nicht genau, Jon Savage listete im Guardian z.B. diese Top 20 Songs/Bands.

    New York Dolls, oh ja, visuell auf jeden Fall (die musik hab ich grad gar nicht im Ohr).

    Aber ich finde diese ganze Synthie Pop Musik Anfang der 80er war androgyn, viele homosexuell und die Melodien eingängig.

    Oh ja, und ich würde hier sogar dezidiert auf bisexuell spezifizieren. Wobei es ja noch den 'dreckigen' Wave/Goth-whatever gab. Wegen bisexuell fällt mir da gleich Gavin Friday / die Virgin Prunes ein, die nach ihrem pagan look auch eine dekadente Glamourphase hatten, aber auch hier dann nicht mit klassischem Rock als Musikstil.

    Obwohl ich schon denke, dass Manson mit Antichrist das musikalische Rad wirklich neu erfand und die Prunes sicher nicht kannte, ist das ein verwandtes, fast identisches Konzept und ähnliche expressionistische Freiheit bzw. Chaos auf der Bühne: "A New Form of Beauty" und "The Beautiful People".


    Letztlich geht GlamRock als Idee doch auf die Burlesque der 1920er zurück, oder? Mit einem Schuss Hippie ... (Ich sehe schon, wie Marianne mir den Hals umdreht :-)).

    Den Manson und seine Band habe ich 1997 gesehen. Das war aber purere Rock, das hat mich echt weg gehauen.

    [Nerdine] Oh wow, jetzt packt mich fast der Konzert-Neid. Obwohl: Ich stand mittig in der 3. Reihe vorn, das war schon grandios - und: Manson hatte extrem gute Laune ...

    Die Phase hatte ich ganz knapp verpasst, ich stieg zwar mit Antichrist ein (vllt. sogar über das Video eines deutschen Konzerts: Bizarre 1997), aber als er grad in die Bowie-Phase ging.

    Die weibliche Variante des Glam wäre dann Anne Lennox von Eurythmics, die hat Dee Manson ja auch gecovert. Ist natürlich eine andere Art von Musik, die aber vielleicht auch auf Bowie zurück zu führen ist 😄

    Guter Punkt! (Wobei ich denke, dass Manson das Lied sogar pointierter / adäquater als sie selbst interpretierte). Aber eben ja: Lennox wäre nicht Glam. Wave weiblich mit einem Touch Glam-Optik wär vielleicht Danielle Dax, aber ich glaube nicht, dass sie sich in diesem Erbe sah. Das war eher die bunte Variante von Gothic, wie auch Toyah. Jedenfalls der gleiche Fankreis damals wie auch rein gothige Goth/Punk Bands.

    Marilyn Manson würde ich eher als Sohn oder Enkel von Alice Cooper sehen ...

    Oh, der ist aber doch das genaue Gegenteil: alles andere als androgyn / genderbending, nicht-kink, Republikaner und born again christian.


    Euer Faden lässt bei mir die Frage aufkommen, ob es weibliche GlamRock-Bands gibt. Ich verbinde damit stark eine androgyne oder cross dress-Optik - das müsste dann bei Mädels umgedreht gehen. Anzug & Krawatte? Oder wie ABBA damals? (Was aber Pop, kein Glam war.)

    Hanoi Rocks sind erst Ende der 70er aufgetaucht, da war Glam schon wieder gegessen.

    Offensichtlich nicht in Finnland. ;) Siehst du das echt so eng an eine Epoche gebunden? Nicht mehr an Stil / Klang?

    Marilyn Manson ist ja sehr wandelbar. Hier macht er einen auf Bowie

    Genau (allein schon die blaue Kontaktlinse und die ganze Men Who Fell to Earth- Optik bzw. auch Thema des Videos). Zu der Mechanical Animals-Zeit hab ich ihn das erste Mal live gesehen, in Hamburg, kleine Halle mit 300 Leuten, eines der besten Konzerte je. Apropos Glam: das hier tickt doch alle boxes - sorry, sauschlechte Qualität, aber zumindest nicht wie sonst gebeept:


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    Bowie ist natürlich sehr eigen. Aber diese Glamrock Attitüde hatte der auch, oder?

    Aber hallo! [Al4]  <3


    Glam Rock und Wave hatten doch eh starke Überschneidungen. Ich werfe da Hanoi Rocks und Japan in die Runde (bes. aus der Gentlemen Take Polaroids-Phase - mein erstes Live-Konzert, übrigens, und das Album höre ich heute noch). Und Marilyn Manson nicht zu vergessen, zumindest bis in die frühen 2000er (teils eben direkt an Bowie angelehnt, nachdem die beiden sich trafen).

    Eine sehr gute Entscheidung, Michael! Mammut Und ich bin sehr interessiert, wie es dir gefallen wird.


    Bitte nicht von dem entsetzlich drögen Intro abschrecken lassen.

    (Un)Fun fact: Mary Shelley hat den Roman an einem späteren Punkt beginnen lassen (zumindest im Original ist der auch ganz deutlich am Stilwechsel erkennbar), aber Percy redete ihr ein, dass das so nicht ginge und lektorierte ihr eben diesen Anfang rein - heißt, er formulierte auch wesentliche Teile davon. Soweit ich weiß ist leider bislang kein Versuch unternommen worden (oder vielleicht existiert das Material nicht mehr?), den Roman in der von Mary Shelley eigentlich intendierten Version zu veröffentlichen - also so eine Rekonstruktion wie Joshi es bei Lovecraft macht.

    EDIT: Ich muss mich korrigieren: diese Originalfassung gibt es!


    Als Studienausgabe gilt (oder galt Mitte der 90er) das Penguin Classics. Wenn es dir darum geht, eine passgenaue Übersetzung zu finden, könntest du dort in den Anfang reinlesen und dann eben vergleichend in die der deutschsprachigen Fassungen.


    Penguin bietet grad eine Deluxe-Ausgabe als kommentiertes Hardcover an, vielleicht nehme ich dein Lesevorhaben als Anlass, das als Zweitausgabe anzuschaffen und noch mal zu lesen. Es ist so anders als als die ganzen Mythen um das Motiv, und hat mir damals extrem gut gefallen. Passend dazu könntest du dich mit Ken Russells Gothic einstimmen - hab ich neulich zum x-Mal gesehen und der ist wahnsinnig gut gealtert. Auch, wenn er eigentlich auf die große Leinwand gehört.

    Felix Ich fürchte, das war ganz ernst genau so gemeint. Die Zeitschrift ist das wöchentliche Fachmagazin für den Baumarkt (weniger für Architekten / Designs, als wirklich auf neue Projekte und ihre Bauphasen, Materialien etc. fokussiert), und der generelle, editorische Ton ist eigentlich genau das Gegenteil. Aber das Zitat kommt aus einem opinion piece, und das war der Chef irgendeines Architektur-/Entwicklungsbüros, der wohl meinte, besonders cutting edge zu sein, wenn er diese 'weg mit dem ollen Schiet'-Haltung an den Tag legt. Der Rest seiner Glosse war nicht besser. Ihm ging es in erster Linie darum, ständig und weiträumig neue Ideen und Formsprachen, auch Materialien zu verwirklichen, quasi um jeden Preis. Ab & zu lese ich diese Haltung auch in anderen Medien, eben so betont unsentimental, aber auch - was den Klimaschutz angeht - arg tone deaf.

    Wirklich wie Fast Fashion.


    Momentan macht in Helsinki der bittere Scherz die Runde: "Ach, das Gebäude wird auch abgerissen - da waren wohl mal wieder die Decken 10 cm zu niedrig!" Ich rede hier nicht von irgendwelchen schnell hochgezogenen Bausünden der Nachkriegszeit, sondern von z. B. Gebäuden der Internationalen Moderne wie das unten: verkleidet mit schwarzem Granit, langgezogene Fensterfronten ... Kein Asbest. Mitten auf der Flaniermeile in der City, wo die ganze lange Straßenseite so aussieht. Was wird gebaut? Ein dunkles, verkleidetes Haus gleicher Größe, bei dem nur die Decken höher sind und die Fenster vertikal statt horizontal. Ich mache leider keine Witze.

    Wer braucht so hohe Decken? Und den ganzen Freiraum über'm Kopf muss man ja auch noch heizen, in einem Land, das eine 8-monatige Heizperiode hat!


    Dasselbe leistete sich die Åbo Akademi, einer der Unis in Turku. Abriss eines weißen, sehr großzügigen Gebäudes ("Gadolinia" genannt) eines berühmten finnischen Architekten. Neubau ist auch weiß und 'klotzig', ebenfalls mit etwas höheren Decken und vertikalen statt horizontalen Fenstern. To add insult to injury wurde das Erdgeschoss stehengelassen. (Weil das Gebäude durchaus berühmt war, und bis zur letzten Minute gab es Bemühungen, es denkmalzuschützen.)


    Hier die beiden Problemfälle: Alle Bilder meine - der Neuentwurf des Helsinkier Baus ist das gerenderte Projektbild da auf dem Bauzaun - bis auf Gadolinia die beiden rechts. Bei dem Rendering des Gadolinia-Neubaus haben die auch noch die Umgebung perspektivisch total verzogen, da drumrum ist gar kein Platz, und selbst wenn das modernistische Wohnhaus auf der anderen Straßenseite auch noch abreißen, stehen aber sonst denkmalgeschützte Häuser von 1850 dort. Das ist da alles auf kleinem Raum, so viel Freiraum um ihren Klotz werden die nie haben - das Bild der alten Gadolinia ja nämlich vom selben Punkt aus fotografiert, da macht man drei Schritte über die Straße und steht vor der Uni.