Beiträge von the_seus

    Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Macher von Lost eine bestimmte Mythologie modernisieren wollten. Die Frage, was nach dem Tod geschieht, ist ja universell und findet sich in allen Kulturen.

    Ob jetzt Fegefeuer oder Duat ist für die Serie wohl wirklich einerlei. Eine exakte, religionsgetreue Abhandlung darf (und will) man sich von Hollywood ohnehin nicht erwarten. Da geht es einfach darum, sich aus verschiedenen Quellen passende Elemente herauszuklauben und zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.

    Bei "Lost" ist das nur bedingt gelungen. Die schwachen letzten Staffeln halten mich davon ab, die Serie noch einmal anzugehen...

    Weißt du den / die Titel noch?


    Die Bände mit den Kurzgeschichten heißen (vor zehn Jahren zumindest):

    "Der letzte Wunsch"

    und

    "Das Schwert der Vorsehung"



    Dann gibt es noch "Etwas endet, etwas beginnt". Darin finden sich zwei Geschichten mit Hexer-Bezug. Die eine erzählt, wie sich Geralts Eltern kennengelernt haben und die andere bietet - obwohl Jahre vor den den Romanen verfasst - ein romantisches, alternatives Ende für den Zyklus.

    Die weiteren Erzählungen des Bandes changieren zwischen Fantasy, Horror und Science Fiction.

    Mein Eindruck:


    Eine eher durchwachsene Angelegenheit. Henry Cavill erweist sich allen Unkenrufen zum Trotz als guter Geralt. Und Yennefers Handlungsstrang stiehlt ihm fast die Show. Zumindest in den ersten Folgen, die ihre Transformation vom Krüppel zur selbstbewussten Zauberin zeigen. Schreihals Ciri nervt dagagen gewaltig. Das dürften auch die Produzenten so gesehen und ihre Präsenz deswegen auf das Notwenige zurückgeschraubt haben.

    Sauer aufgestoßen sind mir auch Ausstattung und Spezialeffekte. Für ein Prestigeprojekt eher mager und weit weg von einem Fantasy-Blockbuster.


    Ich bezweifle, dass man ohne Vorkenntnisse aus Literatur oder Spielen viel Freude haben wird, da einem die Serie doch gleich mit der ersten Folge unvermittelt direkt und durch die verschiedenen Zeitebenen verwirrend ins Hexer-Universum stößt. Fans sollten aber auf ihre Kosten kommen!

    Leider sind gerade die frühen Ausgaben allesamt vergriffen. Dabei gäbe es den ein oder anderen Beitrag, der mich sehr interessiert hätte. Etwa:


    Das Dunkle Gespräch - Uwe Voehl im Gespräch mit Eddie M. Angerhuber und Thomas Wagner (No. 1)


    Montague Summers’ klassische Gespenster-Anthologien - Michael Siefener (No. 4)



    Wenn man sich so durch die Inhaltsverzeichnisse liest, wiegt der Verlust nur noch schwerer.

    Diese Überschneidungen sind jedoch geringfügig und schmälern nicht den Reiz der Arbeit, die sich – man muss es ja so sagen – etwas „stickum“ in einem Band mit allgemein gehaltenen Beiträgen zur Phantastik verbirgt. Aber was heißt schon „allgemein“ in diesem Zusammenhang? Mit je einem Beitrag zu Algernon Blackwood und M. R. James von Michael Koseler ist das Buch (im Prinzip ein verkappter Polaris oder Quarber Merkur) auch für diejenigen interessant, die sich für den weiter gefassten Lovecraft-Kreis interessieren.


    Naja, gerade einmal die ersten drei Beiträge behandeln allgemeine Themen. Die anderen Texte widmen sich bestimmten Autoren bzw. besondere Aspekte in deren Werk. Wie eben die Arbeit zu Lovecaft.

    Inhaltlich ist man damit nahe an den Phaïcon Almanachen. Polaris war ja stets auf die Science Fiction beschränkt.


    Aber auf jeden Fall eine empfehlenswerte Sammlung, die einen repräsentativen Querschnitt durch das 19. und 20. Jahrhundert bietet.

    Woran machst du das fest?

    Weil er mittlerweile auch in den etablierten Medien präsent ist. Mir fällt das besonders seit der Veröffentlichung seiner Biographie bei Golkonda auf. Egal ob NZZ, FAZ oder Zeit. In Österreich Standard, Wiener Zeitung oder zuletzt Kurier. Überall gab es in den letzten Jahren Beiträge. Aktuell kann man das gut in den Rezensionen zu Robert Eggers "Der Leuchtturm" sehen, wo er immer wieder als Referenz herhalten muss. Lovecraft ist der Nische längst entwachsen.

    Sicherlich - ich fand es aber grundsätzlich bemerkenswert, dass ein Verlag wie Reclam überhaupt einen Autor wie Lovecraft einbindet. Vielleicht kenne ich aber auch das Verlagsprogramm einfach zu schlecht und es ist gar nichts so besonderes.

    Lovecraft besitzt doch mittlerweile längst Klassiker-Status und wird zum Kanon der (unheimlichen) Phantastik gezählt. Auch aus der "seriösen" Warte. Der bietet sich für eine solche Anthologie einfach an. Insbesondere da er lizenzfrei ist.

    Kann mir jemand erklären, warum in dem Roman "Dracula", übersetzt von Stasi Kull, der Vorname von Dr. Seward beständig zwischen Jack und John wechselt?

    Interessant! Diese Übersetzung habe ich nie gelesen.

    H. C. Artmann wird es uns leider nicht mehr beantworten können...

    Sie bietet für KennerInnen sicherlich nichts neues, aber ich fand es bemerkenswert, dass Reclam auch auf Autoren wie Lovecraft und Shirley Jackson zurückgreift. Insgesamt bleibt der Band aber vermutlich in den Grenzen des Erwartbaren.

    Bei Lovecraft ist das Urheberrecht halt schon abgelaufen. Das ist und war für Verlage immer schon interessant. Gerade im Bereich der Anthologien.

    Immer noch mit der Einschränkung versehen, dass nicht klar ist, ob es sich wirklich um den von mir vermuteten Wissenschaftler handelt. Der Name kann ja öfters vorkommen. :-)

    Ja, das ist genau DER Engels. Offenbar seit jungen Jahren begeisteter Phantastik- und SF-Leser. Lovecraft und Tolkien werden einfach (unter anderem) beide im Zuge des seeehr ausführlichen Interviews behandelt, ohne die zwei Autoren jetzt nebeneinander zu stellen. Wobei das Hauptaugenmerk klar auf Letzterem liegt. Lovecraft dürfte mehr als Blickfang in die Headline geholt worden sein.

    Engels erweist sich dabei als überzeugter Kulturpessimist in der Nachfolge Oswald Spenglers und bemüht natürlich auch seinen "Hesperialismus". Erwartungsgemäß hochtheoretisch, disputabel, aber durchaus erhellend.



    "Aber die drei Autoren, die für mich bei weitem hervorstechen, wenn auch aus weit voneinander entfernten Bereichen, sind H. P. Lovecraft, Frank Herbert und J. R. R. Tolkien. Bezüge zu meinem engeren Fach waren dabei für mich nie ausschlaggebend, auch wenn ich natürlich nie umhin kommen konnte, die ja überall mehr oder weniger latenten Übernahmen aus der Antike zu sehen. Gleichzeitig habe ich diese Bücher auch immer mit einem wachen Blick dafür gelesen, was sie über den jeweiligen Zeitgeist aussagten und inwieweit sie auch in der einen oder anderen Weise die heutige Situationen erhellen können."




    Das ist ja bemerkenswert, weil dieselben Stoffe – Lovecraft und Tolkien – ebenso schon von der Hippie-Generation entdeckt worden waren.

    Diesen Widerspruch fand ich immer schon faszinierend. Da gibt es ja auch das schöne Bonmot von Cersowsky: "Als die Revolution ausblieb, legten die 68er ihren Lukács beiseite und vertrieben sich die Zeit mit Lovecraft."

    Wenn man es romantisch sehen möchte, könnte man es als Beleg für die verbindende Wirkung von Literatur werten. Der Pessimist bedenkt wohl eher die Missbrauchsmöglichkeiten.


    QUARBER MERKUR 120 (Oktober 2019)




    Inhalt:


    Franz Rottensteiner: Vorwort

    Sophie Holzberger: Das politische Unbewusste in Simulacron-3 und den Filmen Welt am Draht und The Matrix (2. Teil und Schluss)

    Bārbala Simsone: SF in der lettischen Literatur

    Franz Rottensteiner: Die wunderbare Welt des Wadim Schefner

    Didier Coste: BRUGES-LA-MORTE oder das Scheitern des Fantastischen

    Karlheinz Steinmüller: Eine Geschichte der deutschen SF – Anmerkungen zu Hans Esselborns „Die Erfindung der Zukunft in der Literatur“

    Marcel Schmutzler: Das digitale Grauen - Zum Einfluss Lovecrafts in Computerspielen

    Es geschieht morgen – Alexej Nilogow spricht mit Wladimir Borissow

    Michael K. Hageböck: Die alte Welt bei Lovecraft und Tolkien – Interview mit Prof. Dr. David Engels

    Dennis Mombauer: Alternative Zukünfte – Ein Blick auf die Science-Fiction in Südasien

    Andreas Heyer: Besuche auf Tahiti – Die Entdeckung und Zerstörung der Utopie im Vorfeld der Französischen Revolution

    Christian Hoffmann, Dr. Felix Holtschoppen, Franz Rottensteiner, Jacek Rzeszotnik, Matthias Schmid: Der Seziertisch



    Titelillustration: Helmut Wenskes „Der Geiger“ (Die Musik des Erich Zann)



    ISBN 978-3-934273-99-3


    Anlässlich des Erscheinens der neuen Nummer auch gleich ein Thread zum Quarber Merkur. Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik. Nicht nur im deutschsprachigen Raum seit 1963 federführend, der QM dürfte auch im internationalen Vergleich eines der am längsten durchgehend bestehenden Fachmagazine sein:


    „Der Quarber Merkur ist die einzige Zeitschrift im deutschen Sprachraum, die sich kritisch mit allen Erscheinungsformen des Phantastischen beschäftigt - von der unheimlichen Erzählung bis hin zur Science Fiction - und selbst in amerikanischen Nachschlagewerken berücksichtigt wird. Der Quarber Merkur enthält längere Aufsätze zu Themen aus allen Bereichen von Science Fiction, Utopie und Phantastik sowie einen Rezensionsteil "Der Seziertisch" mit kürzeren Kritiken aktueller Neuerscheinungen.“


    Lindenstruth