Beiträge von the_seus

    Das sind zwei völlig verschiedene Bücher. Die Erstausgabe von "Der Rattenfänger" erschien ebenfalls bei Volk und Welt. Suhrkamp lizensierte die Sammlung später für die Phantastische Bibliothek. Inhaltliche Überschneidungen gibt es mit "Fandango" (Kiepenheuer, 1984).

    Ich vergebe 5 von 5 möglichen Daumen. :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

    Oh ja, Alexander Grin ist großartig. Ein später Romantiker durch und durch, aber mit feinfühligem Blick für Not und Elend seiner Zeit. Inhaltlich verwandt mit "Wogengleiter" ist "Das Purpursegel". Fast ein Kunstmärchen, in dem sich ebenfalls seine Leidenschaft für die See spiegelt.

    In der DDR gab es ein paar schöne Ausgaben von ihm, die noch gut und günstig zu bekommen sind.

    [...] aber er schrieb wohl auch Geistergeschichten als eine moralische Fingerzeig-Warnung, der die Leser unter der Drohung, sonst ähnliches erleben zu können, auf dem ‚rechten Weg‘ halten sollte.

    Okay, das würde auf jeden Fall zu seinem background passen. Möglicherweise ließ er sich von der teils paternalistischen Moral der Schauerromantik dazu inspirieren? Als Christ sind einem natürlich von Haus aus Geister nicht völlig fern.


    Gerade bei M. R. James sollte man nicht zu viel hineininterpretieren. Im Gegensatz zu schreibenden Zeitgenossen mit ausgeprägtem Interesse am Okkulten (Blackwood, Machen) oder jenen, die felsenfest von der Existenz übersinnlicher Phänomene überzeugt waren (Wakefield), hatte James mit Geistern überhaupt nichts am Hut. Er schrieb einfach aus Lust am Erzählen. Nicht nur zu Lektüre, sondern auch zum Vortag. Er erzählte seine Geschichten gerne selbst im privaten Rahmen vor Freunden oder um Pfadfinder zu erschrecken ;)

    Ja, stimmt. "Grüner Tee" wurde von Elisabeth Schnack übersetzt. Wahrscheinlich für eine Anthologie. Den Rest des Bandes hat dann Degner besorgt.


    "Carmilla" muss ich auch unbedingt noch einmal lesen. Die homosexuellen Anklänge, die in der Rezeption immer gerne herausgestrichen werden, sind mir damals entgangen. Ich habe die Beziehung eher als typische BFF-Mädchenfreundschaft in Erinnerung :rolleyes:

    Dateien

    • Le Fanu.jpg

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    Schöner Beitrag!

    Das muss dann eine Lizenzausgabe von Diogenes sein. Dort ist in den 60ern eine Sammlung mit eben diesen vier Geschichten erschienen. Illustriert von Edward Ardizzone, übersetzt von Helmut Degner. Daneben gibt es auch noch eine ansprechende Ausgabe von "Carmilla".


    Le Fanus Dr. Hesselius ist mir einfach der liebste unter den Occult Detectives.

    Arkham Insider Axel

    Gibt es in deutschen Städten etwa keine Hundezonen? 8|

    Das ist ein meist eingezäunter Bereich auf einer öffentlichen (Grün)Fläche, wo man seinen Hund buchstäblich von der Leine lassen kann.


    In den alten Lovecraft-Bänden hatten sie tw. eine deutlich bessere Schriftgröße.

    Bei fast allen Titeln, die aus den beiden Insel-Reihen übernommen wurden, hat man die Schriftart beibehalten. Die sind dann wesentlich angenehmer gedruckt. Die späteren Lovecraft-Bände, etwa "Die Katzen von Ulthar", "Azathoth" oder "In der Gruft", haben dann den Satz, wie er für die Phantastische Bibliothek typisch war. Die alten Bücher von Fischer (egal ob die Gespenstergeschichten oder Fischer Orbit) sind ein ähnlicher Fall. Aber das wär jetzt wohl sehr abschweifend... %X



    [...] und dann gabs noch eine schön illustrierte Suhrkamp Taschenbuch Ausgabe mit hochwertigem Papier.

    Toll! Welche Ausgabe ist das?

    Mich dünkt, es war einer der wenigen kontemporären Titel in der Phantastischen Bibliothek. Und war das dort die deutsche Erstveröffentlichung? Ich hätte gedacht, dass der Roman genug Potential besitzt, um nicht gleich vom Start weg in so ein Nischenprogramm – als Taschenbuch – untergebracht zu werden.

    Ja, das war die deutsche Erstveröffentlichung und einer der wenigen Titel der Phantastischen Bibliothek, der mehrere Auflagen erleben durfte. Wenig später erschien es dann auch als sehr schönes Hardcover bei Insel. Die Veröffentlichung kam durch Vermittlung Stanislaw Lems zustande. Dessen Sohn besuchte damals die American International School in Wien, wo Carroll unterrichtete.

    Es gab schon einige zeitgenössische Autoren in der Phantastischen Bibliothek. Vor allem deutschsprachige Autoren, aber auch internationale. Etwa Hebert W. Franke, Mihajlo Kažić, Barbara Neuwirth, Alev Tekinay, Herbert Genzmer, Michael Weisser, George Turner, Fabienne Pakleppa, Marcus Hammerschmitt oder der großartige Ady Henry Kiss fallen mir da ein. Darunter natürlich viele Erstveröffentlichungen.



    Deswegen wurde Caroll vielleicht auch nicht der neue Star der Phantastik, als welchen man ihn vielleicht nach "Das Land des Lachens" sehen konnte?

    Rudolf Hermstein bezeichnete "Die Stimme unseres Schattens" (neben Ballards "Hallo Amerika!") als schlechtestes Buch, das er für die Reihe übersetzt hat ;)




    Martin Cell 71 hardt

    Das trifft leider auf die meisten Bücher aus der Phantastischen Bibliothek zu. Ich finde den kleinen Druck ebenfalls furchtbar anstrengend zu lesen. Je kleiner die Schrift, desto schneller verfliegt mir nach einigen Seiten die Konzentration...

    Definitiv lesenswert! Sicher Carrolls bester. Leider dürfte er sein Pulver damit weitgehend verschossen haben. Die ein oder andere seiner Kurzgeschichten - gesammelt in "Die panische Hand" (Suhrkamp) - mochte ich ebenfalls gerne, aber die weiteren Romane fallen dagegen deutlich ab.

    Ein wenig vorher war die Reihe "Die Phantastischen Romane" im Paul Zsolnay Verlag, schicke HC Ausgaben.

    Hauptsächlich Perutz,Wells,Lernet-Holenia aber auch Vieles Neues, zB Peter Straub-Wenn du wüßtest, oder etwa Guy Endore-Der Werwolf von Paris. Eine Zeitlang gesammelt, etwa 10 Bände hab ich. Aber Zsolnay hat noch heute Perutz als schöne HC im Programm.

    Ja, inhallich eine sehr interessante Reihe. Aber die einheitlich-fade Umschlaggestaltung hat mich bisher davon abgehalten die Bücher sytematisch zu sammeln.

    "Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" war auch für mich eine äußerst positive Überraschung! Näher wird Ligotti einem Roman nicht kommen. Die Geschichte ist noch dazu ungemein spannend, ein regelrechter Pageturner. Nicht nur für Ligotti-Verhältnisse.

    Nachschub aus dem Archiv.

    Die Ausgabe zu Comics war - wenig verwunderlich - ein Produkt ihrer Zeit. So mussten die Redakteure noch einigen Vorurteilen entgegentreten, die mittlerweile (hoffentlich) längst überwunden sind. Auch amüsant, dass man Mangas wegen der Eigenheiten im Format und den starken Bezügen zur japanischen Kultur wenig Chancen am deutschsprachigen Markt eingeräumt hat.

    Dennoch lohnt sich die Lektüre, da das Heft einen guten Überblick über die Genese des Mediums, seine Probleme mit Zensur und eine tiefenpsychologische Deutung der Stereotype bietet.