Deine Analyse der Lizenzprobleme kann ich nur bestätigen. Und wenn ich als Verleger im Vorhinein annehmen kann, dass ich von einem Buch sagen wir mal 500 Exemplare über einen Zeitraum von 5 Jahren (das wäre ein typischer Zeitraum für die Lizensierung einer deutschen Ausgabe) nicht zumindest kostendeckend verkaufen kann, dann wird das Ganze zur Liebhaberei.
Das verhält sich allerdings in anderen Genres und bei großen Publikumsverlagen nicht anders.
Das Gros der erscheinenden Titel ist nicht kostendeckend und wird von einigen wenigen Bestsellern kompensiert.
Bei der Attraktivität von Weird Fiction und "anspruchsvollem" Horror im deutschsprachigen Raum gehe ich weitgehend auch mit euch konform, trotzdem bin ich guter Hoffnung, dass sich das ändern lässt. Es geht sicher darum, neue Zielgruppen zu erschließen. Festa versucht es, wir versuchen es, Buchheim versucht es, Wandler versucht es, und viele andere auch.
Ich halte es auch für ein Problem, dass der Markt im deutschsprachigen Raum mit drittklassiger More-of-the-same-Fantasy und Young Adult Romance (auch von Selfpublishern) überschwemmt wird, nur weil sich das scheinbar im Moment leichter verkaufen lässt - da wird es immer schwieriger, die wenigen Perlen im Einheitsbrei zu finden. Es gibt offenbar auch ganz allgemein eine deutliche Trennung in Unterhaltungsliteratur und künstlerisch wertvoller "gehobener" Literatur - preisgekrönte Autoren wie Daniel Kehlmann oder Clemens Setz, die durchaus genretypische Elemente in ihre Bücher integrieren, werden jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht damit assoziiert bzw. entsprechend vermarktet.
Andererseits darf man auch nicht vergessen, dass nur ganz wenige Autoren von Ihrem Schreiben leben können - das gilt im deutschsprachigen Raum genauso wie international und für Genre-Literatur ebenso wie für Mainstream.
Im englischsprachigen Raum ist man da schon deutlich weiter. Auch ein Stephen King hat etliche Jahre gebraucht, um sich seinen Markt zu erobern, Millionen Leser zu erreichen und diesen für andere aufzubereiten. Ein Ramsey Campbell hat Jahrzehnte damit verbracht, für die literarische Anerkennung zu kämpfen, die dem Genre seiner Meinung nach gebührt. Der Amerikaner Paul Tremblay ist sogar der Meinung, dass aktuell gerade ein "Goldenes Zeitalter" für Weird Fiction vorherrscht und die Nachfrage so groß ist wie noch nie. Ein Laird Barron hat von seiner neuen Storysammlung innerhalb von ein paar Monaten über 10.000 Stück verkauft. Und im Film- und Serienbereich gehören Horror und Mystery zu den zugkräftigsten Genres.
Letztlich muss eh jede/r für sich selbst entscheiden, was er oder sie lesen möchte - mich interessiert als Leser und Autor jedenfalls genreübergreifend das Neuartige, Innovative und Anspruchsvolle und nicht der tausendste Abklatsch. Als Verleger sehe ich mich in der Rolle, Inspiration und Anreiz dafür zu bieten.
Wie seht ihr das?
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Erst mal, ich bin SO unendlich FROH, dass Leute wie du (Jojo Media) und Wandler, Buchheim, dass ihr macht was ihr macht und damit auch meine Träume und Wünsche verwirklicht. Das macht mich unglaublich glücklich.
Das Kernproblem verstehe ich, aber das muss doch irgendwie lösbar sein, nehme ich zumindest an. Es wird doch irgendeinen Weg geben müssen z.B. Laird Barron in den deutschen Markt rein zu kriegen...
Es gibt da ja verschiedene Probleme und Ebenen und dementsprechend auch verschiedene Lösungswege auf unterschiedlichen Ebenen. Die Rechte sind ein Thema, was ist denn da eigentlich ganz genau das Problem?
Beim Thema, dass du hier anbringst:
"von einem Buch sagen wir mal 500 Exemplare über einen Zeitraum von 5 Jahren (das wäre ein typischer Zeitraum für die Lizensierung einer deutschen Ausgabe) nicht zumindest kostendeckend verkaufen kann, dann wird das Ganze zur Liebhaberei."
Kann es sa sinnvoll sein, eine mehrmonatige/mehrjährige Crowdfunding-Kampagne zu starten, um also ein gewisses Kapital für eine gewisse (oder höhere) Stückzahl zu generieren und Kosten zu decken?
Ich würde mich z.B. dafür einsetzen, vielleicht kann man ein paar Leute dafür gewinnen?
Dann wäre es vielleicht denkbar, dass die Kosten sich so decken lassen und/oder eine größere Nachfrage entstehen kann wenn eine höhere Stückzahl unter Leser gerät.
Dann denke ich braucht es Werbung. Wer Laird Barron oder Cosmic/Weird Fiction/Horror nicht kennt, greift auch nicht zu. Aber Lovecraft Fans vielleicht mit Festa-Zusammenarbeit Werbung für dieses Stück Literatur zu generieren, würde den Bekanntheitsgrad steigern.
Ich kenne viele Lovecraft-Fans, aber viele von denen wissen glaube ich gar nicht was Cosmic Horror oder Weird Fiction sein soll, also in welchem Gerne man verortet ist. Dann wüsste man wahrscheinlich auch nicht, dass man Bezugspunkte zu Laird Barron haben könnte.
Ich gehe also voll mit dabei "neue Zielgruppen erschließen" zu müssen.
Ich frage mich, ob man mit GoFundMe auch ein Kapital für Book-Influencer generieren könnte, die vielleicht öffentlichkeitswirksamer Weird Fiction oder bestimmte Autoren bewerben. Es erscheint ja als Nischengenre so sonst niemand auf der Landkarte der verschiedenen Genres. Evtl. Anfragen bei Mayersche, Kooperationen eigene kleine Weird Fiction/Cosmic Horror-Ecken einzurichten, vielleicht auch mit Hilfe von Petitionen. Zusammenarbeit die Bücher die es schon gibt in Thalia und Mayersche unterzubringen, z.B. Swift To The Chase/Wilde Jags (von Jojo Media) oder die Wandler Weird Anthologie.
GoFundMe-Kampagnen könnten doch hier helfen. Über Jahre laufen. Immer wieder, auch in Foren beworben werden. Auf Messen und Veranstaltungen präsentiert werden. Bestimmte Buch-Projekt-Visionen anpeilen.
"Markt im deutschsprachigen Raum mit drittklassiger More-of-the-same-Fantasy und Young Adult Romance (auch von Selfpublishern) überschwemmt wird"
Nachvollziehbare Problematik. Ich denke es wird dann wichtig, dass die eigenen Bücher oder angestrebten Projekte sehr sehr laut werden, Marketing, Petitionen, Werbetrommeln gerührt werden. Kooperationen für Werbungen gegenseitiger Bücher mit Festa? Werbeanzeigen bei Thalia/Mayersche? Halloween-Events mit eigenem Stand vor Ort?
"wenige Autoren von Ihrem Schreiben leben können" - Ja, das verstehe ich, das ist wirklich krass.
"Film- und Serienbereich gehören Horror und Mystery zu den zugkräftigsten Genres."
Ich sehe da auch ein Aufflammen, besonders mit China Mieville und den VanderMeers.
Ich denke, das ist eigentlich der beste Zeitpunkt um mit diesen Genres jetzt Öffentlichkeit zu generieren, gerade wo der Mainstreammarkt so viele begristert mit Alien, The Witch, Hereditary, Annhilation, Stranger Things, Cabinet Of Curiosities, etc. Da sollte sofort mit Literatur hinterhergezogen werden.
Ich gehe schon stark davon aus, dass es viele Fans und Interessenten gibt. Ich gehe aber auch davon aus, dass es da keine organosierte Szene gibt, keine markante Community und die Interessenten vielleicht noch gar nicht wissen, dass es sie Interessenten sind oder wären.
So sehe ich daa ungefähr. Kurz: Es fehlen bindende Elemente um eine richtige Szene entstehen lassen zu können, es fehlt die Lautstärke und Sichtbarkeit. Es gibt quasi keinen Nährboden.
Ich sehe da aber gute Tendenzen und starke Entwicklungen mit euch/Jojo Media und Wandler. Mit Wandler Weird, Wilde Jagd, Brian Evenson-Übersetzungen (Festa war das glaube ich)?
Leider sind mir viele Autoren und Werke, die ich hier nicht nenne (Übersetzungen) bei Wandler und Jojo Media selber noch nicht bekannt.
Ich würde gerne was für eine solche Szene machen. Ich weiß kaum was oder wie.
Ich würde für eine GoFundMe-Kampagne definitiv spenden, das Freunden und Familie schicken, in Fan Communities bewerben.
LG
Weird-Fiction-Fan