Beiträge von E. F. Benson

    Folge 164 - "Die Toten vergeben nichts"

    Hm, nanu? Das paßt ja mal gar nicht ins Schema. Robert E. Howard hatten wir zwar schon öfter, aber eine simple "Rache aus dem Totenreich"-Geschichte, und dann noch im Wildwest-Setting und so ganz ohne Romantik-Sülze und Kitsch? Tatsächlich, und dann geht das Hörspiel auch nur 45 Minuten.

    Anfangs schwant einem zwar wieder Furchtbares, als nach durchaus gelungenem Einstieg zwei alte Klatschweiber erstmal gefühlt minutenlang mit (nicht mal unbedingt notwendigem) Plotwissen um sich werfen, aber sobald der Ich-Erzähler übernimmt, ist wieder alles in Butter, lediglich die abschließende Gerichtsverhandlung zieht sich dann wieder etwas (ich hätte nur zwei der Zeugen beibehalten), aber dann wäre man wohl unter die 40 Minuten-Marke gerutscht. Ansonsten ist das eine Story, die auch aus der alten H. G. Francis-Gruselserie stammen könnte - schnörkellos auf den Punkt und etwas fies. Überraschend auch der Gebrauch von diskriminierenden Äußerungen, der teilweise von (natürlich negativ gezeichneten) Figuren ausgeht, da wird bei Titania doch sonst der Rotstift lieber einmal zuviel als zuwenig angesetzt.

    Sprecher - endlich mal wieder ein erfreuliches Thema. Nach Daniela Hoffmann in der vorherigen Folge ist es nun David Nathan, der die ersten zwei Drittel dominiert und zwar nicht ganz so engagiert agiert wie seine Kollegin, aber immerhin seinen Standard abruft, was bei ihm deutlich mehr ist als bei den zuvor gerne eingesetzten No-Names. Als Gegenpart kommt nun - nach zwei Mini-Auftritten in den vorherigen Folgen - endlich auch Ingeborg Kallweit, eine weitere altgediente Europa-Sprecherin, zum Zuge, die als Jezebel ein vielleicht klischeehaftes, aber überzeugendes Porträt abgibt. Der Rest ist (trotz großer Namen wie Wunder, Koehn, John, Thormann und Naumann) wieder nur Staffage, was der neue Standard zu sein scheint - 2-3 Hauptrollen, der Rest nur Beiwerk.

    Inszenatorisch jedenfalls zufriedenstellend, die Wildwest-Atmosphäre wird gut vermittelt, lediglich das Piano im Saloon scheint mir etwas zu laut eingemischt zu sein.

    Möglicherweise bin ich diesmal etwas zu euphorisch, aber nach dermaßen viel Mittelmaß (oder schlechter) war diese Folge eine sehr angenehme und erfrischende Abwechslung, ich fürchte nur, die kommenden Folgen werden wieder anstrengender...

    Folge 163 - "Der letzte Wille der der Stanislawa d'Asp"

    Hanns Heinz Ewers... es wird schon seinen Grund haben, daß abgesehen von "Die Spinne" und "Alraune" kaum eines seiner weiteren Werke bekannt ist. "Die Topharbraut" fiel gegenüber diesen beiden Titeln schon ab, und diese Story hier ist noch mal eine ganze Ecke schlechter. Die Schilderung einer von Anfang an und Grund auf toxischen Beziehung, ohne daß man für eine der Personen so etwas wie Mitgefühl oder auch nur Genugtuung für ihr Schicksal entwickeln würde. Und dann auch noch wieder mit satter Überlänge - einfach nur schwülstig und öde.

    Daß die Bearbeitung einem packenden (oder wenigstens leidlich unterhaltsamen) Hörspielerlebnis mal wieder im Weg steht, versteht sich da wohl von selbst.

    Und für dieses Machwerk wurde nun eine Top-Sprecherin wie Daniela Hoffmann gebucht, die hier auch noch wirklich alles gibt und diesen Schmonz mit einer Klasse erfüllt, die er gar nicht verdient. Eine der ganz Großen, absolut verschwendet...

    Einen Erzähler gibt es auch, Peter Weis mal wieder, der desinteressiert regelmäßig Hintergrundinfos reinsabbelt, Patrick Bach gibt die Winselsissi und Dietmar Wunder den Chauvie-Arsch. Es stehen zwar noch 13 weitere Sprecher (u. a. Jürgen Thormann, Ingeborg Kallweit, Bodo Primus, David Nathan und Horst Naumann) im Booklet, aber die kann man aufgrund der Kürze ihrer Rollen vernachlässigen.

    Tja, eine hervorragende Besetzung (speziell in der Hauptrolle) kämpft gegen das Skript zu einer grandios miesen Story. Der berühmte tote Fisch im Mondschein - er glänzt, aber stinkt.

    Folge 162 - "Das gemiedene Haus"

    Lovecraft & Titania - meist geht das gut. Nun ja, die Vorlage ist hier nicht mehr als der gepflegte Spukhaus-Standard, wobei das Hörspiel in 4 Teile zerfällt.

    Die Einführung durch den Ich-Erzähler Howard nebst Rückblende in seine Jugend ist noch recht stimmungsvoll, doch sobald er dann sein Onkelchen, den Geisterexperten aufsucht, ist mal wieder "Titania-Teatime" angesagt - Bene Gutjan und Jürgen Thormann labern und labern und labern, als gäbe es kein Morgen. Da sie aber nichts weiter als die inzwischen gängigen Spukhaus-Konventionen zu erzählen haben, erwischt sich der Hörer doch mehr als einmal beim Blick zur Uhr, da helfen auch die eingestreuten "Stimmen aus der Vergangenheit" nichts. 16 Namen stehen auf der Besetzungsliste, von denen jedoch nur Gutjan und Thormann zum Zuge kommen.

    Geht es dann endlich mal auf ins Spukhaus, wird es auch mal ordentlich spannend, aber leider wieder viel zu schnell. Fast wie ein lästiger Nachklapp folgt dann noch der Epilog, der das Problem des Hauses offenbar löst.

    Die Geschichte selbst ist sicher keiner von Lovecrafts größten Würfen, und die Bearbeitung steht sich durch den betulichen Gruppe-Style mal wieder selbst im Weg, aber man muß diese Folge wohl leider zur besseren Hälfte der letzten Jahre rechnen.

    Der Blick ins Inlay überrascht - nach langer Zeit mal nicht ausschließlich die unmarkanten Regionalschauspieler, sondern endlich mal wieder ein paar bekanntere Namen. Neben Thormann etwa Monika John, Ingeborg Kallweit, Herma Koehn, David Nathan, Dietmar Wunder und - nach ein paar Folgen Pause - auch mal wieder Horst "der Unvermeidliche" Naumann. Marc Gruppe selbst hat sich auch mal wieder verewigt. Offenbar führte der Beginn der Corona-Pandemie immerhin zu einem gewissen Umdenken in Sachen Besetzungskonventionen, da persönliche Anwesenheit der Regie im Studio zeitweise einfach nicht möglich war und man daher auch mal über den Tellerrand blickte. Immerhin macht das Mut für die kommenden zu rezensierenden Folgen...

    Was die übrigen Franckh-Anthos angeht: Lohnt sich da mal eine Separierung? Die 4 Bände, die der Verlag hierzulande als Hitchcocks Gruselkabinett veröffentlichte, speisen sich ja noch aus weiteren Quellen. Und dann kommt noch der Name Peter Haining ins Spiel …

    Die Mühe haben sich dankenswerter Weise schon die Fans der "Drei ???" gemacht: https://www.rocky-beach.com/cover/kabinett/kabinett.html

    Wobei es allerdings zu beachten gilt, daß es in den USA tatsächlich zwei Anthos mit dem Titel "Witch's Brew" gab, die unterschiedliche Stories beinhalteten. Die erste Fassung von 1965 war die Grundlage für den deutschen Band "Hexengebräu", einzelne Erzählungen aus der zweiten Version von 1975 fanden Eingang in den Band "Die Hunde von Molicote".

    Näheres zu den Originalbänden hier: https://the.hitchcock.zone/wiki/Alfred_Hi…s%27_Brew_(book)

    Besten Dank für die Rezi! Eine... interessante Mischung, die Mr. ??? hier vorlegt. Wird die Auswahl im Vorwort irgendwie begründet? Von wann ist die Anthologie eigentlich?

    Kann man wohl sagen, auf jeden Fall eine nicht alltägliche Sammlung. Eine tiefere Intention für die Zusammenstellung liefert das Vorwort von "Hitch" nicht, allgemein sollen diverse Geister vorgestellt und der Umgang mit ihnen illustriert werden. Da der Covertext zudem noch den Hinweis "For fearless readers of ten upwards" enthält, wollen wir mal großzügig darüber hinwegsehen...

    Die US-Erstausgabe erschien 1962.

    Was soll uns das sagen? Steht Sheila Hodgson mit dem hier vorgestellten Buch in Verbindung?

    Ich hatte "Die Bronzetür" zumindest erwähnt (eben, weil zwei der Erzählungen aus der "Ghostly Gallery" hier auf deutsch enthalten sind). Allgemein sind diese ganzen Franckh-Anthos kleine Schatzkästlein mit vielen seltenen (und teilweise einmaligen) deutschsprachigen Veröffentlichungen, auch wenn die Übersetzungen stellenweise etwas merkwürdig ausfallen. Und daß man nicht die US-Zusammenstellungen übernahm, sondern immer eigene Selektionen aus mehreren Bänden zusammenstellte (oder nur eine halbe Antho herausbrachte, wie bei der "Insel der Stimmen"), ist ein ganz gewaltiger Schönheitsfehler. Aber für mich (und sicher auch viele andere) stellten diese Anthos die ersten Schritte in die Welt des Übernatürlichen dar, da muß man manchmal etwas verklärt draufblicken.

    Alfred Hitchcock’s Ghostly Gallery (ACHTUNG, SPOILER!)

    Eine der unzähligen unter Hitchcocks Namen herausgegebenen Anthologien, tatsächlich ist der Editor niemand geringeres als Robert Arthur, der hier allein mit drei Erzählungen vertreten ist und dem der angebliche Herausgeber Hitch in einer wortreichen Vorbemerkung für seine freundliche Mitarbeit dankt.

    Eine „mixed bag“, wie der Amerikaner sagt, präsentiert sich dem interessierten Leser hier, und zumindest große Teile richten sich an ein eher jugendliches Publikum, denn hier steht mehr Humor als Grusel im Vordergrund, auch wenn er mitunter recht makaber ist.

    Die Auftaktgeschichte „The Waxwork“ von A. M. Burrage (zumindest ist sie das in der mir vorliegenden TB-Ausgabe, in einer anderen ist sie erst als vorletzte Story abgedruckt) ist davon jedoch noch unberührt, das ist ein fieser kleiner Schocker der alten Schule, dem Kenner natürlich wohlbekannt, da auch schon unzählige Male anthologisiert. Mehr als klassisch ist natürlich die Ausgangssituation, in der ein Journalist dem Besitzer eines Wachsfigurenkabinetts die Erlaubnis aus dem Kreuz leiert, eine Nacht bei den Wachsfiguren zu verbringen, um sich zu einem (hoffentlich) verkaufsträchtigen Artikel inspirieren zu lassen. Scheint zu funktionieren, denn die Nacht unter den Wachspuppen beflügelt seine Phantasie anscheinend mehr, als ihm lieb ist – oder spielen doch übernatürliche Mächte mit hinein? – Die Story wurde nicht nur oft gedruckt, sondern auch als Hörspiel bearbeitet; so gibt es etwa eine Version mit Vincent Price als Erzähler (aus seiner BBC-Reihe „The Price of Fear“) und eine Solo-Version als inszenierte Lesung aus der Serie „Suspense“ mit William Conrad („Cannon“, „Nero Wolfe“, „Jake & McCabe“). Speziell letztere ist trotz ihres hohen Alters sehr zu empfehlen.

    Weitaus harmloser geht es in Walter Brooks‘ „Miss Emmeline Takes Off“ zu, in der eine alte Dame ungeahnte ererbte Familientalente entdeckt, die bei der Bewältigung von persönlichen Differenzen mit dem Nachbarn mehr als hilfreich sind (und von der Umwelt erstaunlich gleichmütig hingenommen werden).

    Algernon Blackwood beackert in „The Valley of the Beasts“ mal wieder sein Lieblingsthema „Der Mensch und (bzw. gegen) die Natur“. Ein blutgieriger Jäger erfährt durch einen Totemzauber die Wunder der Natur und ist fortan geläutert. Inhaltlich nicht originell, aber überaus atmosphärisch und sogar mit einem gewissen Anspruch, der sich eher an ältere Leser richtet.

    „The Haunted Trailer“ von Robert Arthur ist dann wieder eher für jüngeres Publikum geeignet, denn hier wird weniger gegruselt, als humoristischer Gewinn aus der Situation gezogen, in die der Ich-Erzähler hier stolpert. Weil er seinen Wohnwagen am falschen Ort abstellt, hat er fortan den Geist eines toten Landstreichers am Hals, der durch widrige Umstände an ihn (bzw. seinen Wohnwagen) gebunden ist und daher einfach nicht abzuschütteln ist. Noch unangenehmer wird die Situation, als der unerwünschte Gast weitere untote Freunde aufgabelt, die fortan den Wohnwagen besetzen…

    F. Marion Crawfords „The Upper Berth“ ist dagegen wieder ein weiterer Klassiker, findet sich auch in jeder zweiten Sammlung von Spukgeschichten und gehört mehr oder weniger zur Allgemeinbildung des Genrefreunds. Eine gewisse Staubschicht läßt sich zwar nicht leugnen, die sich schon darin zeigt, daß Mr. Brisbane seine Erlebnisse im Rahmen eines Herrenabends erzählt und damit schon von Anfang an klar ist, daß er nicht ernsthaft zu Schaden kommt; dennoch hat die Vorstellung, daß ein schon lange Ertrunkener eine Schiffskoje okkupiert hat und auch nicht willens ist, sie mit einem Lebenden zu teilen, einen ordentlichen Gruselfaktor, und man fragt sich lediglich, warum alle anderen Bewohner der Kabine sich über Bord gestürzt haben, nur eben unser Mr. Brisbane nicht. Untypisch ist, daß Crawford sich jeder Erklärung über die Herkunft des Spukes verweigert und die Vorfälle für sich stehen läßt. Die Story wurde übrigens im "Gruselkabinett" von Titania Medien als Folge 34 vertont.

    Es folgt Robert Arthurs „The Wonderful Day“, wo es wieder eher humorig zugeht, wenn ein fiebernder Knirps mit halbem Ohr verschiedene Lästereien seiner Familie aufnimmt und im folgenden Traum wörtlich in die Tat umsetzt, was dann aber auch im wirklichen Leben eintrifft. Leider ist die Story etwas lang geraten (die längste in dieser Sammlung), denn nach der zweiten oder dritten eingetretenen „Verwünschung“ setzt dann doch recht schnell ein gewisser Abnutzungseffekt ein, auf eine besondere Pointe wartet man leider vergebens (sieht man von einer etwas halbgaren Erklärung für die Erfüllung der „Wünsche“ des Jungen ab). Dennoch leidlich amüsant.

    In „The Truth About Pyecraft“ erzählt H. G. Wells die Geschichte einer ganz besonderen Diät, die mal wieder verdeutlicht, wie wichtig es ist, seine Wünsche präzise zu formulieren, denn Gewicht hat nicht zwangsläufig etwas mit der Figur zu tun. Auch eine eher witzig-abstruse Angelegenheit.

    Das Ehepaar in Henry Kuttners „Housing Problem“ muß sich – nach langem hin und her – nicht nur mit der Existenz, sondern auch den Auswirkungen der Anwesenheit von Wichteln herumschlagen. Auch wieder ein eher witzig gemeinter als gruseliger Beitrag, der sich zudem leider etwas zieht.

    „In a Dim Room“ von Lord Dunsany erzählt Mr. Jorkens ein paar Kindern eine Geschichte, die diese wirklich das Gruseln lehrt. Im Grunde eher ein makaberer (und kurzer) Witz als eine wirkliche Erzählung, aber – wie die meisten Clubgeschichten von Dunsany – höchst amüsant zu lesen.

    In seiner dritten und letzten Erzählung in diesem Band erzählt Robert Arthur von „Obstinacle Uncle Otis“, einem derart sturköpfigen alten Esel, der durch schiere Leugnung und Unglauben feststehende Tatsachen ändern kann. Eine große Gefahr für die Menschheit, sollte man meinen. Doch diesmal ist die Pointe – wenn auch an den Haaren herbeigezogen – wirklich pfiffig und sitzt.

    Mit Robert Louis Stevensons „The Isle of Voices“ wird die Sammlung beschlossen, einem der ganz großen Klassiker, wenn auch eher ein düsteres Märchen im Karibik-Setting als eine wirkliche Gruselgeschichte. Doch die bildgewaltige Sprache Stevensons setzt zum Abschluß doch noch einen gewissen Höhepunkt, wenn wir einem faulen Insulaner, der lieber an den Zauberkräften seines Schwiegervaters partizipieren will statt zu arbeiten und fortan seines Lebens nicht mehr sicher ist, auf einer abenteuerlichen Reise folgen, die schließlich ein (fast unverdientes) Happy End nimmt.

    Wie weiter oben schon angeführt, richtet sich die „Ghostly Gallery“ eher an ein jüngeres Publikum, doch auch der erwachsenere Freund gruseliger Unterhaltung wird durch die Beigabe einiger Klassiker (Burrage, Blackwood, Crawford, Stevenson) bei der Stange gehalten. Da das Bändchen auf dem Second Hand-Markt (auch hierzulande) in großer Stückzahl im Umlauf und meist recht günstig zu bekommen ist, kann ich eine grundsätzliche Empfehlung aussprechen. Größtenteils leichte, abwechslungsreiche Kost für zwischendurch, ideal als Urlaubslektüre.

    Wer jedoch eine deutsche Ausgabe bevorzugt, muß ein paar Klimmzüge machen. Auch wenn der Band nur 11 Erzählungen (zzgl. Vorwort) umfaßt, müssen tatsächlich 5 Bücher zusammengetragen werden, um alle Beiträge in deutscher Fassung beisammen zu haben. Der Hauptteil findet sich in dem Franckh/Kosmos-Band „Alfred Hitchcocks Gruselkabinett – Die Insel der Stimmen“ (6 Erzählungen, Teile des ansonsten frei formulierten Vorworts), wobei ausgerechnet alle Geschichten von Robert Arthur fehlen. Diese finden sich in „Alfred Hitchcocks Gruselkabinett – Der alte Trödlerladen“ („The Haunted Trailer), „Alfred Hitchcocks Gruselkabinett – Die Bronzetür“ („The Wonderful Day“, zusammen mit Kuttners „Housing Problem“) sowie dem ebenfalls bei Franckh/Kosmos erschienenen Arthur-Band „Die Geister, die ich rief“ („Obstinacle Uncle Otis“). Die Erzählung von Lord Dunsany hingegen erschien im Diogenes Verlag in dem Band „Jorkens borgt sich einen Whisky“.

    Wenn "Agatha Christie" draufsteht, sind die geldgierigen Pritchards nie weit. Man denke etwa auch an Versuche, "Die Mausefalle" zu verfilmen. Obwohl die Filmrechte bereits in den 1950ern verkauft wurden, sind sie an eine Vertragsklausel gebunden, daß mit den Filmarbeiten erst begonnen werden darf, wenn das Stück mindestens 6 Monate nicht mehr gespielt wurde. Bei Corona wäre es theoretisch soweit gewesen - aber die Pritchards haben trotzdem einen Weg gefunden, die Regelung zu ihren Gunsten auszuhebeln.

    Was die Zugehörigkeit zu der Serie "Shades of Darkness" angeht - die IMDB führt die Folgen 8 & 9 (Bowen und Christie) als "2. Staffel", und ich meine mal gelesen zu haben, daß die Christie-Verfilmung nur "zugekauft" und nicht selbst produziert war. Muß ich noch mal nachschauen...

    Die Christie-Story wurde leider seit der Erstausstrahlung nicht wiederholt und auch auf DVD ausgelassen, weil die geldgierigen Erben die Rechte blockieren. Daher auch eine der wenigen AC-Verfilmungen, die ich nicht kenne. Wobei ich mir eine Verfilmung dieser Story (die ich mit 12 zugegebenermaßen echt verstörend fand) eher obskur vorstelle.

    Habe mir mal testhalber (weil ich mit Hugendubel einen Anbieter gefunden habe, der ohne 3,50€ Wucherporto verschickt) den Band 104 "Die Sonnenuhr" von Richard H. Malden geordert. Nach den beiden in "Berührungen der Nacht" enthaltenen Erzählungen "Die Grabplatte" sowie die titelgebende Story war ich doch neugierig, mehr von dem Mann zu lesen, der relativ vorlagengetreu im Kielwasser von M. R. James schwamm (und wie dieser seine Geistergeschichten rein zum persönlichen Amusement schrieb).

    Tja, "Die Sonnenuhr"... will man positiv sein, könnte man sagen "solides Handwerk". Die Handlung ist im Grunde, um es mal höflich auszudrücken, der James-Story "Der Rosengarten" entlehnt, sie ist recht knapp gefaßt und auch ebenso schnell vorbei, wie sie angefangen hat. Wozu es noch einer Rahmenhandlung mit einem auktorialen Erzähler bedarf (die Story selbst ist in der Ich-Form gehalten), läßt sich auch nur mit Zeilenschinden erklären. Etwas Stimmung kommt lediglich bei den Auftritten des Geistes auf, von denen die ersten beiden seeehr kurz gefaßt sind und der dritte schon minutiös auf dem Backcover steht. Die schlußendliche Aufklärung ist dann auch mehr obligatorisch.

    Unspektakulär, aber okay. Wäre diese Story allerdings der Erstkontakt mit Malden gewesen, hätte ich nicht nach weiteren Erzählungen aus seiner Feder gesucht. Zudem sind 9,00€ für gerade mal 36 Seiten Text (von denen allein 10 auf das relativ oberflächliche, größtenteils aus einer Nacherzählung der soeben gelesenen Geschichte sowie einer Kurzbio Maldens bestehende Nachwort von Heiko Postma entfallen) ziemlich happig, wie ich ohnehin das ganze Konzept der Reihe etwas fragwürdig finde. Dann lieber zu einer vernünftigen Antho greifen.

    Einen unoriginelleren Titel hätte sich wohl kein Verlag ausdenken können. "Gespenstergeschichten". Zumal er noch nicht mal den Kern wirklich trifft, denn es handelt sich hier nicht um eine lose zusammengestellte Sammlung einzelner Kurzgeschichten, sondern tatsächlich um eine Art episodischen Roman, in dessen Rahmenhandlung der Ich-Erzähler (Benson selbst) als (noch) Laie mit sieben anderen Geistlichen bei einem Symposion in Rom beisammensitzt und man über "Wunder" (gemeint sind hier allgemein rational nicht erklärbare Vorkommnisse und Erscheinungen) diskutiert. Da die Anwesenden aus aller Herren Länder (England, Frankreich, Kanada, Italien, Deutschland) kommen, hat natürlich jeder seine eigene Sichtweise auf das Thema, wie in dem mit "Einführung" betiteltem ersten Kapitel deutlich wird, und so wird schließlich vereinbart, daß an den folgenden Abenden jeder der Anwesenden eine Geschichte/Anekdote zum Thema erzählen soll, die ihm während seiner Amtszeit untergekommen ist, denn zumindest gehört hat jeder schon einmal etwas Passendes...

    Soweit die Einführung; sicher nicht die originellste welche, aber man sollte das Erscheinungsdatum des Buches (1907) dabei berücksichtigen. Auf jeden Fall ist es ein legitimer Ansatz, eine aufeinander aufbauende Geschichtensammlung (14 sind es insgesamt) zu entwerfen. Ich werde mich in den kommenden Wochen (hoffentlich!) durch dieses Werk arbeiten (Frakturschrift ist anstrengend...) und versuchen, zu jeder Geschichte meine Gedanken hier niederzuschreiben, vielleicht stoßen sie ja auf Interesse. Ich halte R. H. zwar für den... anstrengendsten der Benson-Brothers, aber da mir der Band in erfreulich gutem Zustand (und zu einem akzeptablen Preis) neulich erst unterkam, wollte ich mich mal ranwagen.

    Ein Wort noch zum Titel - die Originalsammlung heißt "A Mirror of Shalott" (Tennyson läßt grüßen: "Out flew the web and floated wide; The mirror crack'd from side to side; 'The Curse is come upon me,' cried the Lady of Shalott.") und trägt noch als Untertitel 'being a collection of tales told at an unprofessional symposium'.

    Die deutsche Übersetzung besorgte Friederike Freifrau von Moreau erst 1929, also 22 Jahre nach der englischen Veröffentlichung (und 15 Jahre nach Bensons Tod) für den Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet in München, soweit aus dem ersten Kapitel ersichtlich, durchaus ansprechend, wenn auch mit einer leichten (zeitgemäßen) Staubschicht. Erfreulich ist auch, daß tatsächlich alle 14 Erzählungen (+ Einführung) der Originalausgabe enthalten sind, aufgrund des profanen deutschen Titels hätte ich eher mit einer verlagseigenen Zusammenstellung gerechnet.

    Soweit ich ermitteln konnte, wurde das Buch später nicht mehr in deutscher Sprache nachgedruckt, lediglich die zweite und die fünfte Erzählung erschienen später einzeln in alternativer Übersetzung:

    "Würmer im lebenden Fleisch" (Father Meuron's Tale) in "Lautlos schleicht das Grauen", Hrsg.: Michael Parry

    "Father Girdlestones Geschichte" (Father Girdlestone's Tale) als "Kabinett der Phantasten Bd. 73", Hrsg.: Heiko Postma

    Fortsetzung folgt...

    Den Film mag ich sehr, ein schöner, stimmungsvoller, wenn auch eher "kleiner" Mystery-Thriller. Das Buch steht auch schon einige Zeit im Regal, allerdings (aufgrund seiner Dicke und Zeitmangels) bislang ungelesen; ebenso "Das Geheimnis der schwarzen Dame". Solider Film, der sich allerdings zu sehr auf das titelgebende Rätsel im Gemälde konzentriert und alles andere darüber vernachlässigt. Auch hier muß die Lektüre irgendwann noch nachgeholt werden.

    Als eine gequälte Seele, die selbst an Geister glaubte, bezeichnet Rein A. Zondergeld ihn in der einzigen deutschsprachigen Geschichtensammlung "Der Triumph des Todes", wie als Rechtfertigung für den folgenden Sermon, daß die versammelten Geschichten nicht allzu toll sind, man sie aber trotzdem herausgibt.

    Höchst unfair, denn Herbert Russell Wakefield ist zwar nicht ganz auf der Höhe etwa seiner Kollegen E. F. Benson und M. R. James, gleicht dies aber durch eine gute Extra-Dosis Bosheit und teilweise auch ungeahnte, aber wohldosierte Brutalität aus.

    "Der Triumph des Todes" (zunächst im Insel-Verlag, dann bei Suhrkamp)

    "Connie"/"Schreckensherrschaft" (in "Zehn Teufelsküsse" - Hrsg.: Michael Parry bzw. "Ullstein Kriminalmagazin 8" - Hrsg.: Ingrid & Walter Spiegl)

    "Die Grenzwächter" (in "Die Angst hat tausend Namen" - Hrsg.: Christopher Evans)

    "Der Weihnachtsbaum" (in "Geister zum Fest" - Hrsg.: Richard Dalby)

    "Die erste Garbe" (in "Die Geisterseher" - Hrsg: Reinhard Klein-Arendt)

    Alle weiteren mir bekannten Übersetzungen stehen auch in der Insel-/Suhrkamp-Sammlung, finden sich aber auch unter verschiedenen Titeln über unzählige Anthologien vertreut, vor allem die böse, kleine Kurzgeschichte "Blind Man's Bluff".

    Interessanterweise sind es (außer "Blindman's Bluff") tatsächlich die Einzelbeiträge, die mir eher im Gedächtnis geblieben sind, ob es nun die teilweise den "Wicker Man" vorwegnehmende "Erste Garbe", die Schilderung der mehr als toxischen Beziehung zu "Connie", der auch im gefällten Zustand noch höchst gefährliche "Weihnachtsbaum" oder die "Grenzwächter" sind, die ihren Job mehr als ernst nehmen.

    Wer sich für alte, amerikanische Radiohörspiele begeistern kann, sollte auch hier mal ein Ohr riskieren:

    Externer Inhalt www.youtube.com
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    Bei Verständnisschwierigkeiten kann man auch mitlesen: https://www.genericradio.com/show/37R8RN96A

    Ein fieses, kleines Gruselstück über eine Truppe hörbar überforderter Geisterjäger, mit denen es wohl kein gutes Ende nimmt... [Gho]

    Wem das Buch etwas zu trocken ist, dem sei übrigens die Hörbuchfassung von Bastei Lübbe ans Herz gelegt. Es liest Joachim Kerzel (zu dem muß man wohl nichts weiter sagen), und das Ganze wurde mit Musik, Geräuschen und Effekten etwas aufpoliert (nicht zu viel, wohlgemerkt). So habe ich jedenfalls den Zugang zum Buch gefunden, das ich danach auch (nach einem erfolglosen Anlauf zuvor) durchgehalten habe.