Falls hier Forum-Mitglieder mitlesen, die das Buch ebenfalls gelesen haben, würden mich eure Meinungen zum Roman sehr interessieren! ![]()
Beiträge von Rabenpoet
-
-
Als eine „Anhäufung von symbolisch aufgeladenen Geschmackslosigkeiten“ bezeichnet Zondergeld den Roman Der Zauberlehrling oder Die Teufelsjäger in seinem Lexikon der phantastischen Literatur. Ob dies der Grund dafür ist, dass der Name Ewers hier im Forum zwar nicht selten fällt, in Literaturlisten jedoch meist nur seine Erzählungen oder sein erfolgreichster Roman Alraune auftauchen? Nach meiner frisch abgeschlossenen Lektüre möchte ich daher nun einmal Ewers Debütroman aus dem Jahre 1909 kurz besprechen.
In Gestalt eines von Allmachtsfantasien geprägten, rassistischen Nihilisten mit deutlich misanthropischen Zügen präsentiert der Roman mit Frank Braun alles andere als einen Sympathieträger als Protagonisten. Braun ist ein Manipulator, der mit Menschen spielt wie mit Puppen und sich an deren „Theaterschauspiel“ unter seiner Regie erfreut. Die Bewohner des kleinen Alpendorfes Val di Scodra, in das Braun eigentlich reist, um ein Buch fertigzustellen (selbstverständlich zur Rassenlehre), kommen ihm dabei gerade recht. In seinen Augen sind sie nichts weiter als stupide „Bauerntrottel“, die sich zwar jüngst von der Kirche abgewendet haben, nun aber in einer christlichen Sekte organisiert sind. Braun, selbst erklärter Ungläubiger, erkennt darin die ideale Spielwiese für sein perfides Menschenspiel. Er beginnt, zentrale Figuren der Dorfgemeinschaft gezielt zu beeinflussen, und radikalisiert die religiöse Gruppierung in Glauben und Handeln zunehmend. Dass dies nicht lange gut gehen kann, liegt auf der Hand – und so wird das malerische Tal schließlich zum Schauplatz schockierender und grausamer Ereignisse.
Die Handlung greift dabei ein spätestens seit Frankenstein bekanntes Motiv auf: das Genie glaubt, alles unter Kontrolle zu haben – bis es das eben nicht mehr hat. Wie sich dort das Monster gegen seinen Schöpfer wendet, so wandelt sich auch hier die Dorfbevölkerung vom Spielball zum Gegner der Hauptfigur. Wie in anderen Texten von Ewers ist auch Der Zauberlehrling dabei nicht von Grund auf phantastischer Natur; das Phantastische setzt erst in dem Augenblick ein, als Braun die Situation zu entgleiten beginnt. Die Grenze zwischen Kontrolle und Kontrollverlust markiert somit das phantastische Moment. Dabei wahrt die Handlung bis zum Schluss eine gewisse Ambiguität: Die unerklärlichen Geschehnisse werden von Braun krampfhaft rationalisiert und stellen das Phantastische konsequent in Frage.
Die bemerkenswerte Mühe, die Ewers beharrlich darauf verwendet, dem Leser die Psyche Frank Brauns nahezubringen, hat allerdings ihren Preis: seitenlange Monologe mit ausufernden Exkursen in dessen Weltanschauung sind die Folge. Zudem ist der Roman stark durchsetzt von jeweils breit erläuterter christlicher Mystik und esoterischen Motiven. Wer jedoch die nötige Geduld aufbringt, wird mit einem für Ewers typisch schockierend überspitzten Finale belohnt, das mich definitiv nicht kaltgelassen hat.
-
Als treuer Hörer der Gruselkabinettreihe finde ich deine Beiträge hier sehr interessant E. F. Benson ! Ich bin gespannt, welche Folgen du dir als nächstes vornehmen wirst...
-
-
"A Pleasing Terror" bleibt wohl weiterhin das Standardwerk,
denn M.R. James Essays fehlen leider völlig in dieser Edition.
Gibt es vielleicht irgendwo einzelne dt. Beiträge von/über ihn in einer älteren Ausgabe?
Lovecraft ist hierzu auch ein gutes Stichwort, denn er hat M.R. James mehrere Seiten in seiner Abhandlung "Supernatural Horror in Literature" gewidmet. Hiervon gibt es ebenfalls im Rahmen der Phantastischen Bibliothek eine deutsche Ausgabe:
Lovecraft, Howard Philipps: Die Literatur der Angst. Zur Geschichte der Phantastik (=Phantastische Bibliothek 320). Suhrkamp, Frankfurt 1995. (Abschnitt zu James S.129-136)
Mehr deutschsprachige Sekundärliteratur zu M. R. James ist mir leider auch nicht bekannt, wenn hierzu jemand etwas ergänzen kann, würde ich mich als James-Fan ebenfalls darüber freuen!
-
"A Pleasing Terror" bleibt wohl weiterhin das Standardwerk,
denn M.R. James Essays fehlen leider völlig in dieser Edition.
Gibt es vielleicht irgendwo einzelne dt. Beiträge von/über ihn in einer älteren Ausgabe?
Es gibt einen deutschen Aufsatz von Michael Koseler, der sich mit James Geschichten und deren Stil auf einer analytischen Ebene auseinandersetzt. Ursprünglich ist dieser im Quarber Merkur Nr. 62 (1984) erschienen, ich bin allerdings in einer Aufsatzsammlung der Phantastischen Bibliothek von Suhrkamp auf den Text gestoßen. Vielleicht könnte sich die Anschaffung lohnen; eventuell könnten auch ein paar der anderen Aufsätze für dich interessant sein, die Ausgabe bietet unter anderem noch Essays zu Algernon Blackwood und H.P Lovecraft. Der Band ist bei Booklooker immer wieder ziemlich günstig erhältlich:
Rottensteiner, Franz (Hrsg.): Die dunkle Seite der Wirklichkeit. Aufsätze zur Phantastik (=Phantastische Bibliothek 199). Suhrkamp, Frankfurt 1987.