Mein Senf kommt in kleinen Schüben…
Einleitung
Die Einleitung von Rainer Zuch ist sehr fundiert und erhellend. Die historische Einordnung der Werke Lovecrafts in der Zeitgeschichte und den politischen Rahmenumständen der Zeit, die auch heute wieder tagesaktuell sind (Rassismus, Klansmen, White supremacy, Exotismus etc.), ist auch umfassend und macht auf offene Fragen in Lovecrafts Werken, aber auch der Widersprüche darin, aufmerksam.
Für mich als nichtweisse Person mit einem Hintergrund in der kolonialen Zeit und der aktuellen Situation in Mitteleuropa mit dem Erstarken rechtsnational-xenophober Parteien ist die Lektüre deshalb besonders auch unter diesem Aspekt von Interesse.
Lovecraft hat viele Urängste gegenüber dem Fremden überspitzt und fassbar gemacht, jahrhundertelange Traumata und Aversionen, die im Geiste zwar bezwungen scheinen, in der Krise jedoch hervorquellen; so wie der Blutsud eines lang vergessenen Verbrechens aus dem Boden rinnt. Erst wenn man Angst benennt, kann man sich ihr stellen.
In diesem Sinne ist auch das Zitat von Geoffrey zum Beginn der ersten Geschichte von Kleudgen: und in dunklen Stunden wird sich zeigen, dass noch der letzte Abkömmling den Keim des Bösen in sich trägt, so dass das verderben, immer fort, weiter gedeiht…