Beiträge von Moonseeker

    Daniel Kraus‘ Whalefall wurde verfilmt… wie kann man *das* halbwegs glaubwürdig darstellen? 🐋🦑🤿

    Hier der Trailer, der recht vielversprechend aussieht:

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    Die Erzählung ist durchaus voller seltsamer Gestalten und kurliger Ereignisse, es hat auch viele Schweizer Insider-Witze drin. Schon die Prämisse der ganzen Reise ist sehr seltsam, aber man kennt das aus dem Literaturbetrieb: keiner will das Gesicht verlieren, alle machen mit und stellen die Koryphäe nicht in Frage.

    Mich erinnerte es auch an „Das Neue Meer“, eine der Geschichten von Erik Andara in seiner neusten Anthologie „Niemand erfüllt deine Wünsche“, wo einige Künstler zusammen in einer Alpenkommune in eine andere apokalyptische Dimension geraten. Hier gefällt mir Eriks Geschichte wesentlich besser.

    Ich fand Die Holländerinnen gut, nur das Ende war etwas seltsam, nachdem es im ganzen Buch kaum etwas klar umrissen Phantastisches gab, kam es mir wie ein Nachgedanke vor…

    Der berühmte Kunstmaler und Regisseur Julian Schnabel hat mit „In the Hand of Dante“ mit grossem Staraufgebot (Oscar Isaacs, Al Pacino, John Malkovich, Gerard Butler, Gal Gadot, Jason Momoa etc.) einen Stoff verfilmt, der sich mit der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri befasst. Genauer gesagt mit dessen Original-Manuskript. Das Resultat ist ein mit Symbolismus beladener mystischer Heist Movie.
    Ich habe als Teenie meine Maturarbeit in Italienisch zu la Commedia Divina geschrieben und soweit ich sehen kann, kommen im Film viele der Figuren, denen Dante auf seiner phantastischen Reise begegnet in diesem Film als Archetypen auf und es könnte deshalb für den einen oder anderen Kinogänger unter uns von Interesse sein. Es lohnt sich auch so immer La Commedia Divina zu lesen, weil es so ein Standardwerk der Phantastik ist. Vielleicht bringt dieser Film einer neuen Generation diese Texte näher. Es wäre zu hoffen!


    In the Hand of Dante – Wikipedia

    Aschemeer
    =========
    Bei der Lektüre musste ich automatisch an Poor Things und auch an Stranger Things denken. Eine mysteriöse stumme junge Frau / Mädchen erscheint und entspricht nicht den Erwartungen. Sehr oft in der phantastischen Literatur werden Frauenfiguren mit Symbolismus überfrachtet, die Sprachlosigkeit und die Handlungsunfähigkeit des Wesens treibt die Geschichte voran. Aber hier nimmt alles eine unvorhergesehene Wendung und der Spass fängt ab dann erst richtig an. Als Sammlerin alter Bücher und seltsamer (verfluchter) Artefakte liebe ich solche Geschichten und finde mich selbst sehr im Protagonisten wieder. Eine tolle Geschichte mit vielen kurligen Figuren und Ideen.

    Hier noch die Originaldarstellung „Dreams are dark“ von Travis Anthony Soumis, welche als Inspiration für beide Werke Feuermeer und Aschemeer diente:

    Ja, ich fand Feuermeer vor allem soziologisch von meiner eigenen Migrationsgeschichte her sehr interessant (auch weil ich aktuell mit einem Künstlerkollektiv hier in Basel im Bereich bildende Kunst an einem literarischen Projekt [keine Phantastik] arbeite, das sich mit diesen Themen auseinandersetzt). Und natürlich das Thema der häuslichen Gewalt, welche für mich nach dem grausamen Mord an meiner Freundin / Nachbarin sehr aktuell ist und wo ich mich auch seit Jahrzehnten sowieso politisch engagiere.

    Die Geschichte hätte in den white saviour complex kippen können, aber die Ratlosigkeit des Protagonisten und das Ende ist da wirklich grossartig.

    Ebenfalls in Basel demnächst etwas, das eher in Richtung Futurismus, Utopien und Cyberpunk geht:


    Cao Fei
    Testimonies to the Near Future
    30.05.–11.10.2026
    Kunstmuseum Basel

    Cao Fei
    Die chinesische Künstlerin Cao Fei (* 1978, Guangzhou) zählt zu den prägenden Stimmen ihrer Generation. Für ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz…
    kunstmuseumbasel.ch

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    Feuermeer
    =========
    Feuermeer hat mich (selbst Asian-Goth) sofort in die Geschichte reingezogen und viele der in der Geschichte aufgezeigten Dramen sind sehr aktuell. Bei den Geschichten von Jeffrey Thomas mag ich das in der Realität verwurzelte seiner Figuren sehr und wie sich die Geschichten langsam zu einem Desaster zuspitzen, das man als Leserin früh schon antizipiert und sich alle möglichen grauenhaften Szenarien vorstellt.

    Ich kenne Jeffrey Thomas schon länger privat als Co-Autorin aus der Weird Fiction Quarterly Reihe und es war sehr interessant mit ihm über dieses Buch zu reden. Er kennt die vietnamesische Kultur durch seine Familie sehr gut und wir haben beide Asian-Nerd Teenies zuhause mit ähnlichen Interessen und das spiegelt sich auch in den Erfahrungen von Dot. Die Erfahrungen von Dot und Mai sind so gegensätzlich und es zeigt so schön wie nur eine Generation Unterschied total andere Lebensrealitäten schaffen kann.

    Diese Geschichte ist trotz aller phantstischer und Horror-Elemente eine Liebesgeschichte im Erwachsenenalter geprägt durch die ganzen Altlasten und Traumata der Protagonistinnen und Protagonisten mit tragischem Ausgang.

    Mein Senf kommt in kleinen Schüben…


    Einleitung
    Die Einleitung von Rainer Zuch ist sehr fundiert und erhellend. Die historische Einordnung der Werke Lovecrafts in der Zeitgeschichte und den politischen Rahmenumständen der Zeit, die auch heute wieder tagesaktuell sind (Rassismus, Klansmen, White supremacy, Exotismus etc.), ist auch umfassend und macht auf offene Fragen in Lovecrafts Werken, aber auch der Widersprüche darin, aufmerksam.

    Für mich als nichtweisse Person mit einem Hintergrund in der kolonialen Zeit und der aktuellen Situation in Mitteleuropa mit dem Erstarken rechtsnational-xenophober Parteien ist die Lektüre deshalb besonders auch unter diesem Aspekt von Interesse.

    Lovecraft hat viele Urängste gegenüber dem Fremden überspitzt und fassbar gemacht, jahrhundertelange Traumata und Aversionen, die im Geiste zwar bezwungen scheinen, in der Krise jedoch hervorquellen; so wie der Blutsud eines lang vergessenen Verbrechens aus dem Boden rinnt. Erst wenn man Angst benennt, kann man sich ihr stellen.

    In diesem Sinne ist auch das Zitat von Geoffrey zum Beginn der ersten Geschichte von Kleudgen: und in dunklen Stunden wird sich zeigen, dass noch der letzte Abkömmling den Keim des Bösen in sich trägt, so dass das verderben, immer fort, weiter gedeiht…

    Ich war an der FantasyBasel wieder am Stand von SkinlessCrow und habe mir endlich die von Simona Turini übersetzte Ferienlagerschlampe von John Ryan geholt, dann die zwei neuen Dept. Bücher von Matt Kindt, dessen Mind Mgmt ich einfach grandios finde, die zwei verfügbaren Bände der Graphic Novel Adaptation von Adept des Assassinen von Robin Hobb. Schlussendlich wurde mir noch Time before Time empfohlen, das richtig gut sein soll…

    Nicht wirklich gruselig, aber hervorragend erzählt sind die Bücher eines meiner Nicht-Phantastik Lieblingsautoren Amitav Ghosh aus meiner Heimat Kalkutta, vor allem „Sea of Poppies“ / „Das mohnrote Meer“. Im Sinne der sieben Samurai treffen sich einige sehr unterschiedliche Menschen auf der Flucht aufeinander und raufen sich zu einer Freibeutercrew zusammen.