Beiträge von Rezensionsnerdista

    Von Metro 2033 habe ich mir mal eine Leseprobe heruntergeladen.

    Wenn ich je eine Postapokalypse schreibe, hätte ich dich ja gern als Testleser. Ziemlich cool, diese vernünftige Strenge! Das meiste davon hat mich bei Station 11 nicht gestört, aber jetzt, wo du es sagst ... und ja, wo waren eigentlich die zig Leichen? Ich habe den Eindruck, die Serie hat sich damit mehr auseinandergesetzt, aber da ich kaum noch zum Fernsehen komme, habe ich bisher nur Folge 1 geguckt.

    Hi, ich hab's jetzt durch und werde auch noch eine Rezension machen.

    Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Gekauft hatte ich das Buch auch wegen einer Empfehlung (Leseprobe und die erste Seite hat mir so gut gefallen, dass ich es gleich gekauft habe). Kann mir aber vorstellen, dass der Roman zusammengefasst ziemlich bekloppt klingt. :)

    Nein, eine Satire ist es absolut nicht, der Roman nimmt sich schon ernst! Er hat unglaublich plastische Figuren, wahnsinnig eklige Szenen, richtig viele gute postapokalyptische Ideen, die ich so noch nicht gelesen habe (und das ist ein Genre, in dem ich viel gelesen habe) und beeindruckende Sex-Szenen (ich überblättere sowas sonst, aber hier trägt es richtig zur Handlung und zu den Figuren bei).

    Ich kann mir vorstellen, dass es in dieser Deutlichkeit nicht für alle etwas ist. Ich bin z. B. eine stinknormale Wald-und-Wiesen Frau (cis), die in einer Ehe mit einem Mann lebt und zwei Kinder hat. In dem Roman treiben fast nur trans Frauen und ein trans Mann die Handlung voran. Das ist alles ziemlich weit weg von meiner eigenen Körperrealität und sehr, extrem weit entfernt von allen sexuellen Erfahrungen, die ich jemals in meinem Leben gemacht habe. (Die meiste Zeit fühle ich mich beim Lesen der Szenen wie eine verhältnismäßige Jungfrau.)


    Es gibt glaube ich im Hauptcast nur zwei cis-Frauen. Und die sind definitiv auch total anders drauf als ich.

    Die Übersetzung scheint auch richtig gut zu sein (eine trans Person hatte die Übersetzung noch mal geprüft) und es ist sprachlich sehr eindringlich, sehr traurig.

    Und natürlich geht es eigentlich um etwas anderes. Wie oft bei Phantastik geht es eigentlich um uns. Nur dass es natürlich alles viel dringlicher ist, wenn ein fieser Virus tobt, der alle befällt, die zu viel Testosteron in sich haben.

    In den USA hat der Roman viele Preise gewonnen und ich wage nicht zu raten, was hierzulande damit passiert (vermutlich: nichts).

    Arabella Kenealy: Das heimgesuchte Kind

    Interessante Übersetzung für "haunted". Super interessante Geschichte. Fand ich tatsächlich spannend und ungewöhnlich. Und das bei einem so alten Schinken! Manchmal ist es frustrierend, was alles schon da gewesen ist.

    Klar, dem Erzählstil merkt man das Alter an, aber ich fand es unterhaltsam und durchaus fesselnd!

    Und fies :)

    Andreas Müller: Zwölf Uhr mittags

    Gut, dass der Erzähler mich vorher schon mit seinem Kater und seinem Kneipenjob gekapert hat - als es dann darum ging, rechtzeitig eine Horror-Story zur Zwielicht-Anthologie abzugeben, war es mir einen Hauch zu selbstreferentiell.

    Die echten Probleme hatte ich aber mit dem Showdown. Da muss ich vorher unaufmerksam gewesen sein, das kam für mich aus dem Nichts und wirkte daher irgendwie unecht.

    Gut gefallen hat mir das Einflechten des Klimawandels und die Tonalität war eben super-passend für den Charakter und das Szenario.

    Philip Krömer: Alles hat seine Zeit

    Das ist auch wieder der SF sehr nahe. Da die "Methusalems" nicht sooo fürchterlich gruselig für mich waren, auch eher näher als dem Horror. Die Weltenbau-Idee ist schon böse, vor allem der Grund "die Arbeitskraft zu erhalten". Insofern fand ich den Schluss jetzt auch nicht so böse. Da ist der Erzähler ja fast eher bei den Guten gelandet.

    Die Beschreibungen, Dialoge und den "Beruf" des Erzählers fand ich schlüssig, gut zu lesen. Das war für mich jetzt keine der Spitzenstorys der Ausgabe, aber alleine schon als Beitrag zum Thema "eine Welt, in der es eigentlich keine alten Menschen geben sollte" absolut berechtigt.

    Utz Anhalt: Das Schwert

    Kaum begonnen, war es auch schon wieder vorbei. Wirklich kurze Story, mit nettem Plot und schön fand ich, wie sie am Ende gerätselt haben.

    Allerdings kam der Schluss sehr abrupt für mich. Zwar sage ich sonst immer, dass es nett ist, wenn nicht alles erklärt wird, aber hier wurde doch arg viel meiner Interpretation überlassen.

    Karin Reddemann: Vergissmeinnicht

    Diese Autorin ist mir jetzt schon mehrfach positiv aufgefallen. Die Tonalität der Story ist großartig und sehr authentisch, während der Plot ja eigentlich eher klassisch ist - inklusive der erwartbaren Pointe.

    Trotzdem hatte ich beim Lesen Spaß, viel Freude. Einige Konflikte fand ich auch einfach toll, wie "Schwänze ich jetzt wirklich die beiden wichtigen Seminare, oder gehe ich hin und laufe Gefahr, einer nachweislich tödlichen Gefahr ausgesetzt zu werden?".

    Man fühlt sich ja aber offenbar immer so unbesiegbar, wenn man 22 ist.

    Den weiteren Verlauf fand ich zwar erwartbar, das hat meine Lesefreude aber nicht wirklich geschmälert.

    Beim Lesen dachte ich nur: Der wahre Horror liegt eigentlich darin, dass es Menschen (oft Frauen) eben passieren kann, dem Begehren eines anderen Menschen (oft Männer) ausgesetzt zu sein, was dann rasch an Leib und Leben geht. Das muss nicht zwingend übernatürlich sein. Was der Ich-Erzählerin ja auch auffällt (wenn auch zunächst subtil, sie fühlt sich nur von dem Verehrer gestört). Ich habe beim Lesen jedenfalls gedacht, dass ich es interessant fände, mal eine wirklich gruselige Stalker-Geschichte zu lesen, die ein wenig subtiler beginnt. Gibt ja eigentlich genug. Selbst möchte ich das nicht schreiben, ist nicht so mein Thema.

    Glen Sedi: Unsere Anhängsel

    Das ist fieser Body-Horror, den ich normalerweise nicht lese. Es war aber so gut geschrieben, dass ich es doch gelesen habe, manchmal allerdings etwas rascher (aus Selbstschutz), daher kann es sein, dass einiges über meinen Kopf gegangen ist.

    Eigentlich finde ich es ja immer gruselig genug, wenn jemandem Körperteile abhanden kommen, hier habe ich gelernt, dass auch das Gegenteil gruselig ist.

    Schön sind solche Sätze "Wie die 30 cm lange Charrière Knochensäge mit jedem Eingriff ihre Schärfe einbüßte, wurde sein Verstand immer stumpfer und unempfänglicher für diese kleinen Gesten". Das freut mich als Leserin!

    Ich glaube, dass ich das Ende nicht komplett durchdrungen habe, aber ja, die Story hatte was. Nur halte ich mich von dieser Art Horror sonst einfach gern fern. So eindringlich, dass es mich jetzt verfolgen wird, war es aber nicht, da habe ich gestern was anderes im Magazin Dark Matter gelesen, uff, das verfolgt mich schon die ganze Zeit und wird mir sicher noch wochenlang hinterher laufen (die Story war aber auch insgesamt einfach sehr viel besser).

    Brian Evenson: Die Abfolge

    Die Idee war okay und es gab auch Spannung - aber so richtig mitgenommen hat mich die Story nicht. Einige Aspekte fand ich interessant (grau, und die beiden Welten, auch, dass nur eine Abfolge dorthin führte) und die Dynamik zwischen den Zwillingen war überzeugend.

    Ich glaube, mir hat einfach am Ende was gefehlt, es ist nur so ausgedudelt, wie ein Lied aus den Neunziger Jahren. Ich hätte hier lieber ein Beethoven-Ende gehabt, nochmal richtig auftafeln und dann Paukenschlag, Schluss (was nicht heißt, dass ich ein eher ruhiges Ende nicht auch mal zu schätzen wüsste ...)

    J. H. Schneider: Piotrek lebt

    Das ist der SF oder der normalen Phantastik für mich näher als dem Horror, was mich aber nicht stört. Es bleibt ein wenig im Dunkeln, der "du" ist (meiner Interpretation nach ein Ex-Partner), aber ich liebe die Idee, dass "plötzlich" (seit sechs Jahren mindestens) wir nicht mehr außen auf der Erde, sondern innen wohnen und es wird auch so schön nicht erklärt, wieso eigentlich. (Das wäre auch sicher schief gegangen.) Ich kann mit dieser veränderten Weltsicht voll mitgehen und liebe die Gedanken dazu! Klasse! Hey, diese Story wäre mir auch in einer meiner geliebten angloamerikanischen Horror-Zines nicht negativ aufgefallen. Das wäre was, was ich vielleicht zum Vincent-Preis nominieren sollte, nur bin ich unsicher, ob der Horror-Gehalt ausreicht. Klar, die neue Weltsicht hat genügend Horror, vor allem, da so viel verschwindet, nur ist das erzählende Ich dabei so klar und sachlich, dass die Atmosphäre viel näher an der SF als am Horror ist.

    Die gesamte Sideline mit Piotrek (die nicht so sehr an der Seite ist, siehe Titel), ist ja sowieso voll mein Ding. Geliebte sterbende Verwandte, da habe ich einen ganz weichen Keks in mir. Das ist auch toll geschildert, so respektvoll, immer mit subtilen Hinweise, wie Piotrek war, bevor er alt und krank wurde. Und wie er das jetzt sieht oder nicht mehr sehen will. Richtig gut! Eine Story, die eine deutlich längere Rezension verdient, nur jetzt habe ich ein Kind auf dem Schoß und kann so schwer meine vielen Notizen sehen. Vielleicht mache ich später noch was auf dem Blog oder bei amazon, wenn ich das gesamte Magazin durch habe.

    Aber ja, hey, genau wegen sowas lese ich seit drei Jahren treu das Zwielicht!

    Wie findet ihr nur immer wieder solche Perlen?

    Ich stecke noch in der Übersetzung mit den Zwillingsschwestern, der Anfang war auch klasse, nur sind dann all meine Kinder aufgewacht ...