Beiträge von Vincent Voss

    Ich finde es, wie von Felix Woitkowski für mich zu erwarten war, ganz anders. Abseitig und phantastisch. Und vor allem: wirklich stark geschrieben! Allerdings musste ich erst einmal gängige Lesegewohnheiten über Bord schmeißen, denn : Leichte Kost war es nicht. Das Western-Setting war ja schon mal anders, noch Steampunk dazu; Okay, Ratten und Tauben verquickt mit einer indianischen Schöpfungsmythologie, das war dann doch allerhand. Und vor allem geballt. Aber so und genauso muss es geschrieben werden, damit es für die Phantastik richtungsweisend ist. Trifft wahrscheinlich nicht den Geschmack aller Leser. Leider. 9 tote Ratten für Innovation, Mut und komprimierte Literatur.

    Ich habe den Romanvor der FESTA-Ausgabe als ebook gelesen und freue mich reichlich darüber. Denn ... das Teil ist endlich mal wieder ein 10-Punkte Buch. Zur Handlung muss ich wahrscheinlich gar nicht sehr viel sagen, weil wohl so ziemlich jeder den Film kennen müsste (und wenn nicht, MUSS man das dringend nachholen), aber wie nahe der Film an dem Buch ist, ist schon beeindruckend. Und überhaupt nicht verwunderlich, denn was Blatty da an erzählerischer Dichte erzeugt, ist Weltklasse. Die Figuren sind wahnsinnig authentisch und dazu gibt es einen spannenden wissenschaftlichen Background, etwas das ich als Leser sehr zu schätzen weiß. Wow! Also ... 10 von 10 Punkten und ich wünsche mir weitere Blatty-Bücher als ebook. Oder Buch.

    Hm, die ersten drei Folgen fand ich durchaus gelungen, aber mittöerweile trifft es zeichnerisch nicht mehr meinen Geschmach. "Der Zeuge" fand ich vom Plot und von der Umsetzung aber wirklich grandios. Diese Folge würde von Spanner von mir bekommen.

    Ich habe diese Serie tatsächlich noch nicht gesehen und auch nach diesen Kommentaren bin ich mir nicht sicher, ob ich damit beginnen sollte. Mal sehen. Hab sie geschenkt bekommen.

    Ich lese den Thread jetzt erst. Ist es nicht Strategie, sich in diese Rolle des Opfers mehr oder minder geschickt hineinzuwinden, nur um am Schluss dann sagen zu können, man habe seine Meinung nicht sagen dürfen? Vielleicht auch hier der Fall. Schade.


    Katla Dein Kommentar dazu finde ich genial großartig! Messerscharf analysiert.

    Kannte weder die Bücher noch das Spiel und habe die erste Staffel jetzt durchgesuchtet. Durchaus ansprechend, wie ich fand, wobei, und ich denke, das ist jetzt kein Spoiler, es mir gut getan hat, irgendwo aufgeschnappt zu haben, dass es in verschiedenen Zeiten spielt. Hätte ich dieses Vorwissen nicht gehabt, wäre mir ein Einstieg schwer gefallen. Die Figur des Witchers ist cool, schön wie er Antworten einfach grunzt. :) Und selbst der Sidekickbarde gefällt mir, auch wenn er anfangs drohte in eine (für mich) nervige Danny de Vito Rolle abzugleiten. Jupp, war geil. 8 von 10 goldenen Drachen.

    Ganz im Stile seiner Romane "Furcht" und "Verderben" kommt Littles "Der Berater" auch wieder mit einer großen Portion Gesellschaftskritik daher. Ich würde sagen, der Anteil einer Groteske ist hier höher als der Anteil eines klassischen Horrorromans. Wer Little kennt, weiß, worauf amn sich einzustellen hat ...


    Worum geht es? Dem Konzerngiganten CompWare geht es schlecht und er holt sich externe Hilfe durch die BFG Association, eine Beraterfirma, die die internen Abläufe prüfen und Prozesse optimieren soll. Der Protagonist Craig Horne ist Abteilungsleiter für die Softwareentwicklung und sieht seinen Job am wenigsten gefährdet, sollte es zu Personalmaßnahmen kommen. Dennoch ist er als Familienvater bedrückt, gerade ein Haus gekauft und die Versicherungsbeiträge verschlingen Summen. Der typische amerikanische mittelständische Familie, die Little hier also zeigt und dieses bewusste Arrangement tickerte beim mir während des Lesens natürlich im Hinterstübchen mit.


    Regus Patoff istz GF der BFG Association und für ihn scheint der Tag nicht auf 24 Stunden limitiert zu sein. Schnell stellen die Mitarbeitenden und selbst der Firmengründer fest, dass Patoff unter jeden Stein sieht, selbst im Privatleben schnüffelt er herum. Ich werde ie Handlung jetzt nicht weiter beschreiben, aber jeder der Little kennt, weiß, wie er aus einer Alltagssituation mehr und mehr in die derbe gewalttätige und auch sexistische Groteske driften kann. Und hier sehe ich auch eine Gefahr. Man kennt es. Zum Glück überrascht Little immer wieder mit kleinen Seitenhieben, hier sind es zum Beispiel



    die er gekonnt persifliert. Aber das Schema ist halt bekannt. Im Vergleich zu meinem ersten Little war das also nicht mehr ganz so magisch, wie ich es zum Beispiel in "Verderben". Dafür aber schaffte er es, Craigs Entscheidung, der Firma doch die Stange zu halten, glaubwürdig zu gestalten. Vor allem durch seinen sehr kritischen Kollegen Phil, der sich weniger als Craig selbst an Vorgaben Patoffs halten mag. Und genau daran kondensiert sich auch Littles ätzendes Gift, seine Kritik an kapitalistischen Zwängen. Die Angst, den Job zu verlieren, die Angst, seinen Status aufgeben zu müssen, das verdammte Hamsterrad eben. Schön auch, dass Craigs Frau Angie in einer Notfallambulanz arbeitet und Little hier ganz andere Zustände darstellt, als in einem Megakonzern.


    Ich vergebe für das schöne Hardcoverbuch zu gutem Preis 8,25 Personalstellen von 10.

    Die Indikatoren für eine Geistergeschichte" sind sicherlich vorhanden, aber Die Fahrt zum Leuchtturm" ist keine klassische Geistergeschichte, die den Leser gruseln soll. Eher ... schön.

    Zum Buch: Es geht auf über 100 Seiten um 5 Stunden eines Tages in einem Sommerhaus der Ramsays, die mit ihren 8 Kindern und 4 Gästen dort auf einer Hebrideninsel wohnen. Und wahrscheinlich wird das Buch niemanden begeistern können, der sehr viel Wert auf eine Handlung legt, denn es passiert im ersten längeren Teil so gut wie nichts.

    Dann werden 10 Jahre aus der Perspektive des Hauses gerafft und anschließend wird ein Ausflug zum Leuchtturm unternommen, der aufgrund Schlechtwetters im ersten Teil nicht stattfinden konnte. Hört sich langweilig an? Geschmackssache.

    Das Buch legt großen Wert auf die Innenansichten der wechselnden Erzählfiguren und damit bricht es schon mal mit 2 aktuellen Paradigmen über erfolgreiches Schreiben. Aber ... die gelieferten Innenansichten sind sowas von gewaltig, so saugeil geschrieben, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Wohlgemerkt: Wegen der Innenansichten! Ich war gefesselt von den Geschehnissen im kleinen Raum, den Beziehungen, den Beschreibungen kleinster Handlungen und Konfrontationen. Induktion ist hier das Zauberwort, denn Woolf gelingt es brillant aus der Beschreibung des Alltäglichen die Brücke zum Allgemeinen zu zeigen.

    Ebenso spannend waren für mich die Perspektivwechsel in der fortlaufenden Handlung. Misses Ramsay beobachtet die Malerin Lily Briscoe und verfängt sich in philosophischen Gedanken, passiert die Künstlerin und ab da geht es weiter aus der Innenschau der Lily Briscoe und ihre Gedanken über ihre Beziehung zu Miss Ramsay. Und wieder: Genial! Hammer, wie Sprache da wirken kann!

    Fazit: Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt werden, aber ich kann Leser auch verstehen, die sich davon gelangweilt fühlen. Für meinen Geschmack gibt es 10 von 10 Punkten, das war wirklich ein nachhaltiges Leseerlebnis für mich.

    Nachtrag:


    Vorweg: Das Buch hat mich begeistert. Es ist gut bis sehr gut geschrieben, es hält die nötige Balance zwischen Innenansichten, um mit den Personen warm zu werden und Handlung, um mitgerissen zu werden. Das Setting ist für das Genre Z nix neues, aber es gefällt. Neu in der Kombination vielleicht, dass es drei Arten Zombies gibt, die Schleicher, die Sprinter und die Gehirne gibt. Ebenfalls positiv: Die Zombies sind auch wirklich gefährlich. Sie dienen nicht nur als Füllmaterial, sondern es gibt einen Haufen tragischer Verlust, im Grunde beginnt das Buch schon mal pessimistisch.

    Um was geht es: Um Harris. Harris lebt mit seiner Freundin Julie in Eden, einer Zombieenklave in/um(?) New York. Die Siedlung wird gleich auf den ersten Seiten überfallen und Harris gebissen, deshalb setze ich das ganze mal nicht als Spoiler, da es ja auch in der Buchbeschreibung so zu lesen steht und so als Opener funktionieren soll, denn Harris findet einen Hinweis darauf, dass das Tor zur Enklave von jemanden aus der Enklave geöffnet wurde und bewusst in der Nähe seiner Unterkunft stand. Jemand hat es auf ihn abgesehen. Im Folgenden sind unzählige Rückblenden zu lesen, Rückblenden zu Harris Vergangenheit und die einiger anderer Bewohner, die den Leser auch über das Ausmaß und das "Wie" der Z-Katastrophe aufklären. Es führt alles zum Finale, denn Harris verwandelt sich schleichend und will den Täter ans Messer liefern. Die Rückblenden, das Setting, die Figuren, die Handlung, alles ist sehr temporeich, ohne an einer einzigen Stelle überhastet zu wirken. Die Aufklärung und der in meinen Augen Epilog sind ebenfalls perfekt. Ein rundum gelungenes Buch, für das ich gerne 9,5 von 10 Punkten vergebe.

    Ich kann mich auch gut an den Roman erinnern, den ich damals im alten HF besprochen habe. Ich meine, er hat von mir mindestens 9 von 10 Punkten erhalten und war ein Leuchtturm unter den Zombieromanen.