Beiträge von Katla

    Hallo dear Detective,


    cool, ich wäre gespannt, was du sagst. Oft lese ich in deinen Filmrezensionen ähnliche Kritikpunkte, wie ich sie auch hatte.

    Vandermeer hatte ihn auf Facebook kürzlich auch ziemlich gefeiert. U.a. schrieb er: "Unlike most in this genre, the ending is fantastic."

    Ach was. Obwohl ich nicht so ein Fan von seiner Prosa bin (möglich, dass sich das nochmal ändert), teile ich ansonsten seinen Blick auf Literatur und bestimmte Bücher. Ja, ich fand das Ende ganz schlimm. :D


    Danke für den Hinweis mit Prime - das hab ich selten auf dem Schirm, weil ich aus dem Ausland nicht darauf zugreifen kann, ebensowenig wie auf viele andere VoD-Plattformen. Sovjet Movies Online finde ich super, auch, weil die für die meisten Filme Vimeo nutzen, das eine wesentlich bessere Qualität hat als YT. Echt komisch, dass Sputnik da zu einem Error 404 führt.

    Sputnik

    Regie, Creature Design: Egor Abramenko

    Russland / Estland 2020, Länge: 113'

    Drehbuch: Oleg Malovichko & Andrey Zolotarev nach Abramenkos zehnminütigem Kurzfilm Passazhir / The Passenger (2017, Trailer)

    Mit: Oksana Akinshina (Lilja 4 Ever, Volkodav - Rise of the Wolfhound), Fedor Bondarchuk (auch Co-Produzent), Pyotr Fyodorov

    Der Film stand mit Engl. UT auf Sowjet Movies Online, dort z.Zt. noch gelistet, aber seltsamerweise offline.

    Deutsch synchronisiert (hoffentlich besser als die bescheuerte Titelwahl befürchten lässt) als Sputnik - Es wächst in dir, auf DVD/BluRay erhältlich seit 4.12.2020



    Sehr geiler Teaser OV mit Engl. UT (Die Kreatur wird gespoilert)

    Trailer OV mit Engl. UT

    Trailer deutsch synchr.

    Über 160 schöne Szenenphotos auf imdb (Spoiler)


    Sputnik lässt sich sehr passend zusammenfassen mit: Alien meets Arrival (with a twist).

    Und bis zehn Minuten vor Schluss dachte ich, es gäbe einen neuen Film unter meinen all time favs Top 10.


    Sputnik wendet diesen 'Monster-in-the-Dark / je weniger man sieht, desto besser' -Kniff zwar sehr schön an, jedoch nur in den ersten Szenen. Dann wird die Kreatur voll gezeigt bzw. wird zum gleichwertigen Protagonisten. Es ist unmöglich, viel zum Film zu sagen, ohne ständig 'Vorsicht, Spoiler!' zu schreiben.


    Ungespoilert geht es um einen Astronauten, der zu Sowjetzeiten in den 1980ern auf die Erde zurückkehrt und dabei unfreiwillig einen Passagier mitgebracht hat. Sein einzig anderer Co-Pilot hat ein blutiges Ende gefunden. Eine Psychotherapeutin, die tatsächlich zum Wohle der Patienten im Mainstream umstrittene Methoden anwendet, wird nun beauftragt, den überlebenden "Helden der Sowjetunion" zu retten.


    Der Film hat eine zum Niederknien schöne Kameraführung, Schnitt, Set Design / Optik (sehr stark angelehnt an Nordic Noir TV Serien, und mit einem schönen Colour Code) und ein absolut tolles Pacing. Anders als in unzähligen SF Filmen aus den USA wird sich nicht damit aufgehalten, 40-70 quälende Minuten lang das Familien- und Liebesleben der einzelnen Figuren auszuleuchten und dann den Aliens nur im Finale eine kleine Rolle zuzugestehen. Sputnik handelt sein Intro in dicht-persönlich erzählten 10 Minuten ab, die Hauptfigur Tatyana bekommt ein paar weitere, und dann fängt nach max. 15 Minuten sofort die Haupthandlung an. Alles sehr intelligent, es gibt 'eklige' und blutige Szenen, später einige Action.

    Alles ab jetzt Spoiler (wobei der Film nicht verliert, wenn man die kennt).



    Konstantin, der überlebende Astronaut, ist ein einer militärischen Forschungsstation eingesperrt. Schnell wird klar, dass der fremde Passagier sich in seinem Körper eingenistet hat, den es nachts verlässt, um zu fressen. Dabei betäubt es seinen Wirt, um seine Muskeln zu entspannen, Stress zu vermeiden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Konstantin in dieser Zeit komatös ist. Tatyana fällt in den ersten Evaluations-Sessions auf, dass dies unwahrscheinlich ist: sie ist überzeugt, das Alien sei kein Parasit, sondern ein Symbiot.

    Sie gewinnt mit ihrer harschen, realistischen no-nonsense Art Konstantins Vertrauen und er bestätigt ihren Verdacht: Das Alien und er bleiben permanent in bewusster Verbindung, beeinflussen sich emotional, sind aber unabhängige Persönlichkeiten. Tatyana ist überzeugt, dass der Plan des Militärs, Wirt und Alien gewaltsam zu trennen, zum Tod beider führen würde. Sie beschließt, Konstantin zu befreien und eine sanfte Entwöhnung zu probieren ...


    In kurzen Rückblenden wird eine zweite Geschichte eingeschoben: die eines Mädchens in einem Waisenhaus. Sie ist Konstantins sechsjährige Tochter, von der er erst am Tag des Abfluges erfahren hatte. Sein Plan war, diese Tochter anzunehmen und ihr ein Zuhause zu bieten.

    Der Film endet damit, dass Tatyana diese Rolle übernimmt. Und eben das hat mir Sputnik ganz zum Schluss arg verleidet. Es ist das, was in vierten und fünften Staffeln von Nordic Noir / Britischen TV Serien als Plotline verwendet wird, wenn die Luft ausgeht: Eine der Ermittlerinnen wird schwanger, Fragen um Abtreibung vs Kinderkriegen blablabla. Danach werden die Serien meist eingestellt. Es ist ein wahnsinnig sexistisches, langweiliges und ärgerliches Klischee, dass 'Frau' scheinbar automatisch mit 'Mutter' zu tun hat. Dies hat mir Scott & Bailey, Bron | Broen (The Bridge) und unzählige andere an sich gute Filme mit ungewöhnlichen, starken Frauenfiguren versaut. Ebenso Sputnik. Allerdings sind das dort zum Glück nur die letzten Minuten.

    Ich erwartete, dass eine emotional-intelligente Entwicklung des Aliens erzählt würde, nicht, dass auf ein menschliches Kind geschwenkt wird - das widerspricht völlig dem Aufbau des Films, der Art, wie das Alien etabliert und entwickelt wird.


    Tatyana wird von einer stark unterschätzten Schaupielerin sehr subtil, komplex und individiuell dargestellt - Oksana Akinshina ist Filmenthusiasten sicher aus Lilja 4 Ever in guter Erinnerung. Ihre Rolle hier ist ungewöhnlich selbst für die SF: harsch, selbstbewusst, realistisch, intelligent, aber auch empathisch und zudem ganz ohne Klischee-Aussehen sehr angenehm fürs Auge.



    Das Alien wird fast von Anfang an voll gezeigt, oft gut ausgeleuchtet. Ein bisschen mit der Kamera Versteck spielen darf es auch, sodass man sich dennoch überrascht fühlt, die Fremdheit bleibt. Abramenko sagt in Interviews, er habe in seiner spekulativen Welt die Existenz des Aliens und des Predators vorausgesetzt - es geht nicht darum, diese Figuren zu toppen, sondern, ein eigenständiges Konzept neben ihnen aufzubauen, und mit der Persönlichkeit des Aliens, das ähnlich wie die Besucher in Arrival auch eine Kommunikation anstrebt, ist ihm dies auch wunderbar gelungen. Dabei sieht es auch aus, als hätte sein Körperbau wirklich eine sinnvolle biologische Logik. Am Anfang noch sehr individuell, tritt es später in den Actionszenen eher generisch-bedrohlich auf.


    Zum Creature Design:

    Analyse / Skizzen (Engl.)

    Interview 1 mit dem Regisseur auf Moveable Fest

    Interview 2 auf Nightmarish Conjurings


    Mein Fazit: Ohne den Adoptions-Subplot 10/10, ansonsten 8/10.

    Wandler23 Schöne Idee, wobei ich - als Original-Leser - leider als Käufer wegfalle. Aber ich finde Alex Andreevs Bilder ganz perfekt für Buchcover dieses Genres bzw. gerade für Autoren wie Vandermeer.


    Artstation und seine Homepage für den Kontakt. Ob sein Honorar weit über denen deutschsprachiger Künstler liegt, kann ich aber nicht sagen. Viel Glück & viel Erfolg jedenfalls!


    ...und nach 200 Seiten auch schon wieder abgebrochen.

    Ein Dämon springt von Person zu Person und richtet dabei jedes Mal ein Blutbad an, während eine FBI-Agentin nach einer Möglichkeit sucht um ihn aufzuhalten - That's it. Unglaublich banal und furchtbar langweilig.

    Hallo dear Goblin,


    ach du grüne Neune, das klingt ja arg bescheiden. Damit geht del Toro jetzt für mich den Weg aller Shayamalans - in die Vergessenheit.

    Müsste ich mir eventuell mal wieder ansehen. Kann mich kaum noch an den Film erinnern.

    Hm, Geschmäcker sind ja verschieden. Ich denke, aus dem grandiosen Setting und der Kombi Horror & Politik ist rein gar nix gemacht worden, die 'Geisterlogik' ist nonexistent, die Schauspieler hölzern und statt Innovation / Inhalt gibt es endlos langgezogene *hust* bedeutungsvolle Einstellungen und pregnant pauses. Ich habe mich selten bei einem Film so gelangweilt und war so massiv enttäuscht, dass er es nicht mal hinbekommt, seiner eigenen Prämisse gerecht zu werden. Ich hatte regelrecht den Eindruck, die ganze Filmcrew hätte zwischendrin vergessen, was sie da eigentlich drehen wollten. Und das politische Thema wurde recht grobschlächig umgesetzt. Dabei wollte ich den Film mögen, ich hatte ihn relativ kurz nach Pan's Labyrinth geschaut.


    Ich kann mir vorstellen, dass die Qualität von letzterem gar nicht nur dem Regisseur, sondern den Produzenten zu verdanken ist. Man vergisst ja oft, was die für einen Einfluss auf den ganzen Film haben und bei Pan war gleich ein ganzes Team (einer der beiden von Devil's Backbone) und noch del Toro am Start.

    So, ich bin durch und nicht begeistert.


    Das liegt zum einen an reinen Geschmacksachen, ich mag nicht:

    - exzessive Dialoge (also einen Roman, der nur durch Zweier- oder Dreiergespräche nahezu immer der gleichen Figuren erzählt wird)

    - Erzählungen rein zur Unterhaltung, ohne Meta-Ebenen oder Verschlüsseltes

    - Unmotivierte Romantik und

    - zu viel Rumgeflapse / "lustige" Sprüche


    Und es liegt auch am Buch selbst, bzw. am Handwerklichen:

    - ständiger Erklärbär

    - die zweite Hauptperson (späterer love interest) ist eigentlich nur dazu da, dass wörtliche Rede anstatt innerner Monolog verwendet bzw. damit die Haltung / Herkunft des Protas hervorgehoben wird oder man sich - s.o. - Sachen gegenseitig erklären kann

    - In Szenen, in denen der Prota nicht vorkommt (wenn Leute vom Werwolf gejagt werden), wird aus auktorial-personaler Sicht der Beteiligten erzählt, sodass ich den Eindruck einer ruckelnden Perspektive habe

    - Zu viele Themen, die reim-dich-oder-ich-schlag-dich verknüpft wurden: Scheidungsprobleme, Drogenbosse, Erdbeben, das Problem "USA/Amis" und eben Werwölfe.

    - Unfreiwillig lustige bzw. sehr ungelenke Sprache, vor allem, wenn es um Action oder Gewalt geht

    - Comic relief an unangemessenen Stellen (meist in blutigen Szenen)


    Bei Baby Doc Duvalier muss ich mich korrigieren - ich dachte, er sei bereits vor 2014 gestorben, das muss also kurz nach Fertigstellung des Romans passiert sein. Die potentielle Storyline bleibt ungenutzt und beschränkt sich auf name dropping, ein Interview, eine Szene mit Autocorso. Da steckte ja massig Sprengstoff hinter, und Konflikte.


    Gelernt habe ich eine Sache: wie ich mir auch dachte, ist der Werwolfglaube aus Frankreich eingeschleppt worden, aber in Afrika gab es eine Wer-Hyäne, und hier im Buch ist es ein Mischwesen, also Wer-Wolfhyäne. Im Grunde eine geile Idee, weil Hyänen ja an sich schon unglaubliche Kampfmaschinen sind. Aber außer Beschreibungen, "groß", "riesiges Gebiß" und solche Floskeln, bleibt diese sehr interessante Gestalt ungenutzt.


    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Buch für Leser wunderbar funktioniert, die gern stellenweise witzigen, lockeren Horror lesen, keine besonders individuelle Sprache brauchen und einfach nur unterhalten werden wollen.


    Daher fällt mir ein Fazit echt schwer. Nach meinem Geschmack 1 Punkt, ich könnte mir aber unter anderer Sicht auch 5 oder mehr vorstellen.


    Falls jemand glaubt, das Buch könnte mehr seinen Geschmack treffen, oder wer einfach neugierig ist: Ich würde es noch für einen Artikel verwenden, aber im Frühsommer verschenken (gegen Porto, ich denke so um € 5,-). Einfach PN, bitte.

    Hrhrhr, toller Tipp, Shadowman ! Eigentlich bin ich nicht so für Klamauk, aber dies ist so abgedreht und dusselig, das finde ich echt unterhaltsam. Auf YT steht die erste Episode, und wen es nicht stört, dass es keine Untertitel gibt, kann schonmal einen Blick riskieren. Die Kommode! ^^ Und der Schlauchroboter scheint nur von Frauen zu reden ... Völlig bescheuerte Serie, aber schön bescheuert. Vielleicht gehört das in dieses neue Happy Noir-Genre. [skul]

    Zwielicht 15 wurde auch von Uwe Weiher im Zauberspiegel sehr positiv besprochen.


    Sein Fazit:

    "Michael Schmidt und Achim Hildebrand haben wieder eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Ausgabe von Zwielicht vorgelegt. Obwohl sie diesmal weitgehend auf "große" Namen verzichten und dafür verstärkt auf "Newcomer" setzen, gibt es nur starke aktuelle Geschichten, die den Leser schnell in ihren Bann ziehen. Bei den Klassikern können die beiden von Matthias Käther ausgegrabenen Storys mich diesmal dagegen nicht so ganz überzeugen. Die Artikel sind sehr unterschiedlich, zwei sprechen ein allgemeines Publikum an, der dritte ist eher etwas für Spezialisten. Zwielicht 15 gehört für mich wieder zu den heißen Kandidaten für den Vincent Preis."



    Michael selbst stellt gerade ganz wunderbar alle Beiträge jeweils mit längeren Leseproben auf seiner Seite vor, Start am 30.1.2021.

    Bei mir war heute eindeutig Weihnachten! [Al4]

    Ganz heißen Dank an Arkham Insider Axel , der mir nicht nur den gewünschten Lovecrafter übersandte, sondern auch noch zwei Tafeln meiner Lieblingsschokolade (Vivani: Praline und Salzkaramel *sabber*). Und eine unglaubliche, handgezeichnete Karte war überhaupt das Highlight.


    Was für eine schöne Aktion - da liest man ein paar (größtenteils) sehr gute Bücher und bekommt auch noch Geschenke dafür. :*

    Brent Swancer ist ja enorm fleißig auf diesem Gebiet.

    Habe ich grad erst über den Online-Artikel kennengelernt. Sehr interessante Biografie auch, der Name sagte mir bislang nix. Gibt es Bücher von ihm, oder schreibt er nur online?


    Der Roman geht mir zusehends auf den Nerv, obwohl ich den Autor, seine Haltung und das Thema schon gut finde und das eigentlich alles mögen möchte.


    Das ist alles im gleichen Tempo erzählt, mit allen Details: Soundso war der Flug, dann geht's ins Taxi, ins Hotel, mit allen kleinen unwesentlichen Interaktionen, Eindrücken und Gesprächen. Nur ein Bruchteil davon vermittelt die Besonderheit des Settings (und wenn, wirkt es etwas krampfhaft hergezeigt). Ich mag ein einfach nicht, wenn mich Autoren durch jeden Moment im Leben ihrer Protas schleifen, genauso, wie die es erlebten. Obwohl der Autor creolischen Hintergrund hat, ist sein Prota - anders als ich eingangs erwartete - ein stino weißer, ignoranter Ami. Die Sicht kennt man, das ist eine echt vertane Chance, hier mal eine andere Perspektive reinzubringen.


    Dann gibt es einen ironisch-romantischen Subplot, der mich auch nervt (ziemlich an den Haaren herbeigezogen) und irgendwie scheint es - unangekündigt - Parallel History 2014 zu sein, denn Baby Doc Duvalier kehrt aus dem Exil zurück, und keiner wundert sich. Ich frage mich, ob das auf einen Zombie-Subplot hinausläuft.


    Naja, ich bleib dran, nicht nur wegen der Challenge. Einen Werwolfroman aus Haiti bekommt man nicht alle Tage ...

    Jetzt habe ich aber die Befürchtung, dass es kacke wird. Oder wir haben nur verschiedene Geschmäcker. Warum hasst du die Serie denn?

    Wenn du ein paar Episoden gesehen hast und die magst, bleibt das vermutlich dabei - ich denke, dann sind unsere Geschmäcker bzw. in diesem Fall vllt. auch Erwartungen anders.


    Ich brauchte keine Minuten, um auf Blutdruck 200+ zu kommen. ^^ Ich hatte schon Bedenken, aber immerhin ist das ein "History Channel", da kann man doch ein Mindestmaß an Historie erwarten - die Serie ist aber der allerletzte Quatsch. Nicht nur diese bekloppten Frisuren und Schminke, Kostüme wie aus den Barbarenfilmen der 70er, absurde Action, aber das mit großem Abstand Schlimmste fand ich die Dialoge. Da höre ich 1:1 das Gequatsche aus dem mitteleren Management, diese Marketing-Yuppies mit ihrem Selbstbild, ihren Zweifeln, Referenzen und v.a. Problemlösungsversuchen, die nicht nur eindeutig im 20./21. Jahrhundert zu verorten sind, sondern ganz genau zwischen 1995 und heute. Die Dialoge und Charaktere sind schlichtweg grotesk. Und massives Overacting, das kann ich überhaupt nicht ab.


    Ich weiß ein bissl was zu Nordmännern (weniger als über Kelten & Pikten), das ist aber echt kein akademisches Fachwissen und ich wäre selbst dann die Letzte, die unter Posts von LARP-Gruppen schreibt: "Humbug, das Schwert ist eindeutig aus Uppsala 1028 und nicht aus Birka 1047, woher es laut eurer Angaben kommen soll!"

    Und ich habe absolut nix gegen so einen unterhaltsamen Schund wie Pathfinder (2007), der ja auch nicht verkauft wurde mit 'historischem Re-Enactment von dem Treffen der First Nation mit Vikings', sondern einfach ein 'Frazettas Deathdealer vs. Karl Urbans Indianer' ist. Solche Filme machen totalen Spaß, weil sie eben völlig drüber sind. Sowas wie 300 oder Gladiator.


    Ach ja: Was mich auch echt aufregt, ist: Die Nordmänner in Vikings sind total verdreckt (ihre Hütten / Hallen auch), was wohl aus der Idee kommt, in der Geschichte würde immer alles besser / fortschrittlicher. Das Setting sieht nicht aus wie 900, sondern wie die Steinzeit (wenn überhaupt). Probleme mit persönlicher Hygiene gibt es aber erst seit der Christianisierung, wegen der importierten Körperfeindlichkeit. Das sage ich jetzt nicht als Antiheistin, das steht auch genau so z.B. in Trainingsmanuals der britischen Navy aus den 1940ern.


    Bei anderen Filmen/Serien - wie eben bei Black Sails - ist genug liebevolles Detail, damit suspension of disbelief klappt. Bisexuelle Piratinnen gab es tatsächlich, und vermutlich fluchten die auch ganz schön. Diese Konflikte da hängen tatsächlich mit dem historischen Setting zusammen und werden auf eine Art diskutiert, wie ich sie glaubhaft finden kann. Da schlucke ich Vanes Dreadlocks eben auch, selbst wenn die so unwahrscheinlich sind wie die Cornrow-Mohawks in Vikings.


    Was mich obendrein an Vikings ärgert, ist, dass jetzt eine Masse Zuschauer meint, die Serie sei eine Art nachgespielte, recherchierte Historie. Das beeinflußt auch bessere Filme, wie den niederländischen Redbad, der abgesehen von eben den Frisuren/Kostümen erstaunlich gut ist.


    Centurion gehört zu meinen Lieblingsfilmen, weil es da auch genug 'Echtes' gibt, um den Rest mitgenießen zu können. Dann ist die Schminke eben modern, dafür sind die Taktiken belegt. Oder 13th Warrior macht sehr, sehr viel mehr richtig, als es auf den ersten Blick scheinen mag (okay, nicht die Höhlenszene, das ist Voodoo; und nicht das Schiffsbegräbnis, was aber Ibn Fadlans Schuld ist). Oder gut ist der Indie-Streifen Beowulf & Grendel, der gar nicht krampfhaft Historie sein will und dennoch recht korrekt geraten ist.


    Keine Ahnung, ich denke, das kommt auf den Nerdigkeits-Grad bei den jeweiligen Themen an (der ist bei mir sehr hoch), und auf persönliche Vorlieben. Die sind manchmal auch gar nicht logisch - wieso finde ich in Jacksons LotR, dass Legolas' Kostüm "echt" wirkt, Arwens aber aussehen wie Polyamid-Nachthemden aus den Hammerfilmen? Wenn es Mittelerde nichtmal gibt, und alles möglich sein sollte?