Beiträge von the_seus

    Hmmmm...ich meine irgendwo gelesen zu haben das dieses Juwel auch Einfluss auf Bram Stoker und Mary Shelly hatte?

    "Dracula" erschien knapp vor "Die Drehung der Schraube". Den späteren Bram Stoker könnte die Geschichte demnach beeinflusst haben. Was für Henry James aber nicht unbedingt ein Ruhmesblatt wäre. Denn Stokers späteres Schaffen ist milde gesagt durchwachsen. Speziell die Romane sind unheimlich platt.

    Aber immerhin lief die Reihe ja ziemlich lange, interessant wäre da für mich, was letztlich zur Einstellung geführt hat.

    Zum einen weil sich die Bücher einfach nicht mehr gut genug verkauft haben. Zum anderen weil der Phantastik nach dem Tod von Siegfried Unseld, der ihr durchaus zugeneigt war, der Rückhalt im Verlag fehlte.



    Bei Franz zu Hause (also da in Niederösterreich) war ich auch mal.

    Letztes Jahr gab es im Wiener Magazin Rokkos Adventures einen Artikel über Franz Rottensteiners beeindruckende Bibliothek.

    Die vielen Rückmeldungen freuen mich sehr. Schön zu sehen, dass die Phantastische Bibliothek auch anderen neue literarische Welten erschlossen hat.


    Wenn ich mehr Zeit und Ruhe gehabt hätte, hätte ich mehr Bände herausgesucht. Wie ich sehe, fehlen auf den Fotos mit J. G. Ballard, Herbert W. Franke, den Strugatzkis oder "Phaïcon" mehrere Stützen der Reihe.





    Vor allem um Rottensteiners Lovecraft-Bände muss ich mich mal kümmern, seine internationalen Gespenstergeschichten- und Märchensammlungen bei Fischer sind schon an sich grandios.

    Gerade diese Bände werden meist vergleichsweise teuer angeboten. Schau dir mal die Angebote zu "Der Einsiedler von Providence" an...

    Am besten wäre es wohl, es direkt bei Franz Rottensteiner zu versuchen.



    Die Seite ist schon deswegen beeindruckend und hilfreich, weil bei den meisten Titeln auch die Inhaltsverzeichnisse aufscheinen. Wirklich eine Heidenarbeit, die sich Klaus Meinetsberger da angetan hat!



    Es sieht so aus, als hätten die Verdienste um diesen Autor hierzulande in den Händen von Kalju Kirde gelegen.


    An der Phantastischen Bibliothek lässt sich leicht erahnen, wie Kalju Kirde mit seiner Bibliothek des Hauses Usher weitergemacht hätte. Neben zusätzlichen Bänden von Algernon Blackwood, W. H. Hodgson, H. P. Lovecraft und C. A. Smith, gab er auch Sammlungen von Dino Buzzati, Erckmann-Chatrian, Guy de Maupassant, Henry S. Whitehead und die großartige Anthologie "Das unsichtbare Auge" heraus.

    Gerade Blackwood dürfte auch nicht schlecht gelaufen sein. "Besuch von Drüben", "Das leere Haus", "Der Griff aus dem Dunkel" und "Der Tanz in den Tod" liegen alle neben den frühen rosa/lila-Umschlägen noch in Schwarz vor. Interessanterweise nur teilweise mit neuer Nummer.

    Nachdem hier bereits an verschiedener Stelle über die Reihe diskutiert bzw. Bände daraus vorgestellt wurden auch ein eigener Thread. Verdient hat es sich die Phantastische Bibliothek allemal, ist sie doch – abgesehen von Heftromanserien – die mit Abstand umfangreichste Phantastik-Reihe im deutschsprachigen Raum. Ein kleiner virtueller Reiseführer durch den rosa-lila-schwarzen Blätterdschungel.







    Hintergrund


    Die 1970er und 80er Jahre waren die goldene Ära der phantastischen Literatur am deutschsprachigen Buchmarkt. So gut wie alle größeren Verlage führten eigene Phantastik- und/oder Science Fiction-Programme. So kam man selbst im Hause Suhrkamp, ansonsten Hort des distinguiert-elitären Literaturgeschmacks, nicht umhin, seine Fühler nach der neuen Zielgruppe auszustrecken. Glücklicherweise konnte man auf die Expertise des Tochterverlags Insel und des Lektors Werner Berthel bauen. So war die Phantastische Bibliothek eigentlich die Fortführung der beiden Schwesterreihen Bibliothek des Hauses Usher (Kalju Kirde, 1969-1975) und Phantastische Wirklichkeit – Science Fiction der Welt (Franz Rottensteiner, 1971-1975) von Insel. Bei Suhrkamp erschienen zunächst ein paar Nachdrucke von H. P. Lovecraft und Stanislaw Lem als Taschenbücher. Ab 1978 mit dem Titelzusatz „Phantastische Bibliothek“ und ab 1980 dann mit Nummerierung. Da Berthel zu dieser Zeit als Cheflektor zu Fischer wechselte, schlug er Franz Rottensteiner als Betreuer der Reihe vor, da es im Haus niemanden mit profunden Kenntnissen auf diesem Gebiet gab.






    Inhalt


    Die Reihe umfasst ein denkbar breites Spektrum. Der Phantastik-Begriff wurde weit ausgelegt und berücksichtigt auch die Science Fiction mit. Von der Ratio bis in die finstersten Winkel der menschlichen Psyche ist alles vertreten, was Autoren zu inspirieren vermag. Zeitlich pflügte man quer durch die Literaturgeschichte. Von 1771 bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt lag aber am 20. Jahrhundert. Franz Rottensteiner vertrat einen internationalen Ansatz und versuchte, das durch die Dominanz der Anglosphäre verengte Blickfeld zu erweitern. So finden sich in der Phantastischen Bibliothek Autoren aus aller Herren Länder. Bis auf Afrika dürfte jeder Kontinent mehrfach vertreten sein. Manchen Ländern oder Regionen wurden gar eigene Sammelbände gewidmet. Anthologien waren überhaupt ein immanenter Teil des Programms. Beginnend mit „Blick vom anderen Ufer“- Rottensteiners Überblick über Science Fiction abseits der englischsprachigen Autoren – beinhaltet die Phantastische Bibliothek unzählige Sammlungen.

    Die vertretene Autorenschaft recht von Klassikern bis zu Zeitgenössischem. Teils lizensiert, teils Erstveröffentlichungen. Insbesondere (jungen) deutschsprachigen Schriftstellern - z. B. Barbara Neuwirth, Ady Henry Kiss, Michael Hammerschmitt, Matthias Robold - bot man gerne eine Plattform.

    Neben der Prosa machte man sich um die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung verdient. Zu einer Zeit, als die Phantastik vom akademischen Betrieb noch rigoros gemieden wurde. Rein A. Zondergeld betreute "Phaïcon, einen mehrbändigen Almanach zur Phantastik, Rottensteiner kümmerte sich parallel mit dem Pendent "Polaris" um die Science Fiction. Dazu gab es noch kritische Einzelwerke. Etwa Darko Suvins „Poetik der Science Fiction“, Martin Roda Bechers „An der Grenze des Staunens?“ oder Zondergelds „Lexikon der phantastischen Literatur“.






    Umfang


    Die Reihe brachte es auf 360 Bände. Wobei es sich nicht wirklich um 360 verschiedene Werke handelt. Mitunter erfuhren Bücher eine Neuausgabe mit neuer Nummer samt neuem Erscheinungsbild und sind demnach doppelt vertreten (siehe Cordwainer Smiths „Herren im All“, #93 und dann #180). Weiters wurden Lovecrafts längere Erzählungen später als eigenständige Titel neu aufgelegt. #360 ist eine wunderschöne, auf 1999 Stück limitierte Kassette, die alle drei Romane von Ady Henry Kiss samt einer Soundtrack-CD enthält.

    Am liebsten verlegte man Lem (41), dahinter folgen Lovecraft (30), Herbert W. Franke (23), die Brüder Strugatzki (22) und J. G. Ballard (16).






    Aufmachung

    Zunächst erschienen die Bänder in der charakteristischen rosa Umschlagfärbung, später gesellte sich auch Lila dazu, ehe dann am Ende Schwarz dominiert. Die Umschlagsillustrationen stammten anfangs von Thomas Franke, später von Tom Breuer. Daneben griff man auch auf die Umschlagsmotive von Helmut Wenske bzw. Ute und Hans Ulrich Osterwalder aus den beiden Insel-Reihen zurück. Allerdings nicht für die entsprechenden Taschenbuchausgaben der Hardcover, sondern für ganz andere Titel. Ausnahme: August Derleths „Auf Cthulhus Spur“. Hier wurde tatsächlich das alte Motiv erneut auf’s Cover gedruckt.

    Die Typografie orientiert sich am typischen Satz der Suhrkamp-Taschenbücher dieser Zeit. Außer bei manchen Titel, die man aus den beiden Insel-Reihen übernommen hat. Hier wurde mitunter die Schriftart der Erstausgaben wiederverwendet.

    C. A. Smith von links nach rechts: „Die Saat aus dem Grabe“ Insel, „Die Saat aus dem Grabe“ Suhrkamp und „Medusa“.






    Die Auflage betrug ursprünglich 10.000 bis 15.000. Am Ende nur mehr 5000. Nur wenige Bände erreichten mehrere Auflagen. Einzelne Titel von Lem oder Lovecraft allerdings weit über 100.000 Stück.




    Vermächtnis

    Unverzichtbar ist die Phantastische Bibliothek schon alleine deswegen, weil die meisten Titel seither nicht mehr aufgelegt wurden und wohl auch so bald nicht mehr erscheinen werden. Will man Lao Shes bitterböse Dystopie „Die Stadt der Katzen“, die Erzählungen von Abe Kōbō oder Mircea Eliades Vampirroman „Fräulein Christine“ auf Deutsch lesen, muss man sich die Suhrkamp-Bände suchen.

    Obwohl seit 20 Jahren offiziell eingestellt, lebt sie in gewisser Weise doch bis heute fort. Einzelne Titel von Lem, Lovecraft und den Strugatzkis hat der Verlag bis heute im Programm. Auch wenn die Aufmachung den modernen Suhrkamp-Taschenbüchern entspricht, ist der Satz dennoch der alte. So findet man bei den aktuellen Auflagen immer noch den Titelzusatz


    Phantastische Bibliothek

    Band ...

    Besten Dank! Das muss wirklich aus "To the devil a daughter" stammen. Wie ich sehe, gibt es davon auch eine druckfrische deutsche Ausgabe. Hoffentlich in brauchbarer Übersetzung.

    Und als Draufgabe sogar eine Verfilmung aus dem Hause Hammer :love:


    Hrhr, davon gibt es jedenfalls bezahlbare Angebote, aber ich spekuliere immer noch auf die künstlichen Menschen ...

    Alle vier Anthologien sind zweifellos gut, aber müsste ich sie reihen, käme "Künstliche Menschen" auf den letzten Platz. Den Fokus fand ich etwas schwammig. Denkt man an künstliche Menschen in der Literatur, denkt man in erster Linie wohl an Frankenstein, Roboter und ähnliche Science Fiction-Elaborate. Die werden aber in der Sammlung nicht ganz konsequent ausgeklammert. So kann man dann streiten, was Ambrose Bierces "Moxons Meister" mit seiner gewalttätigen Schachmaschine denn von einer SF-Geschichte unterscheidet...

    Es liegt zwar schon Jahre zurück, dass ich das Buch gelesen habe, aber die Gerichtsprotokolle zu Gilles de Rai sind mir sehr lebhaft in Erinnerung geblieben! Ich weiß auch noch, dass ich die Geschichte von Dennis Wheatley sehr mochte und mich furchtbar geärgert habe, dass am Ende keine Quellenvermerke angeführt sind. So dass ich bis heute nicht weiß aus welchem Roman oder aus welcher Sammlung dieser Text stammt...



    Nächster Band dann die Vampire und Menschensauger? msr1

    Ja klar! Die Gedanken sind frei ?§"

    Ich muss da immer an Herschell Gordon Lewis denken, der angesprochen auf die Interpretation seiner Filme einmal sarkastisch anmerkte "Now I know what I really meant!"


    In der Biographie von Michael Cox wird M. R. James gegenüber übernatürlicher Erscheinungen als zutiefst skeptischer Mensch beschrieben. Seine Geschichten waren weiters gewissermaßen Nebenprodukte seiner wissentschaftlichen Arbeit. Als Altertumsforscher kam er viel herum und diese Reisen bzw. seine Entdeckungen dienten ihm oft als Inspiration. So schrieb er nachdem er das opulente Glasfenster einer Privatkapelle eines englischen Landsitzes untersucht hatte neben einer entsprechenden kunsthistorischen Abhandlung auch gleich "Der Schatz des Abtes Thomas".

    Was mich persönlich von der moralischen Deutung seiner Werke abhält, ist der leicht ironischen Ton, den ich in verschiedenen seiner Erzählungen auszumachen glaube...

    Das sind zwei völlig verschiedene Bücher. Die Erstausgabe von "Der Rattenfänger" erschien ebenfalls bei Volk und Welt. Suhrkamp lizensierte die Sammlung später für die Phantastische Bibliothek. Inhaltliche Überschneidungen gibt es mit "Fandango" (Kiepenheuer, 1984).

    Ich vergebe 5 von 5 möglichen Daumen. :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

    Oh ja, Alexander Grin ist großartig. Ein später Romantiker durch und durch, aber mit feinfühligem Blick für Not und Elend seiner Zeit. Inhaltlich verwandt mit "Wogengleiter" ist "Das Purpursegel". Fast ein Kunstmärchen, in dem sich ebenfalls seine Leidenschaft für die See spiegelt.

    In der DDR gab es ein paar schöne Ausgaben von ihm, die noch gut und günstig zu bekommen sind.

    [...] aber er schrieb wohl auch Geistergeschichten als eine moralische Fingerzeig-Warnung, der die Leser unter der Drohung, sonst ähnliches erleben zu können, auf dem ‚rechten Weg‘ halten sollte.

    Okay, das würde auf jeden Fall zu seinem background passen. Möglicherweise ließ er sich von der teils paternalistischen Moral der Schauerromantik dazu inspirieren? Als Christ sind einem natürlich von Haus aus Geister nicht völlig fern.


    Gerade bei M. R. James sollte man nicht zu viel hineininterpretieren. Im Gegensatz zu schreibenden Zeitgenossen mit ausgeprägtem Interesse am Okkulten (Blackwood, Machen) oder jenen, die felsenfest von der Existenz übersinnlicher Phänomene überzeugt waren (Wakefield), hatte James mit Geistern überhaupt nichts am Hut. Er schrieb einfach aus Lust am Erzählen. Nicht nur zu Lektüre, sondern auch zum Vortag. Er erzählte seine Geschichten gerne selbst im privaten Rahmen vor Freunden oder um Pfadfinder zu erschrecken ;)

    Ja, stimmt. "Grüner Tee" wurde von Elisabeth Schnack übersetzt. Wahrscheinlich für eine Anthologie. Den Rest des Bandes hat dann Degner besorgt.


    "Carmilla" muss ich auch unbedingt noch einmal lesen. Die homosexuellen Anklänge, die in der Rezeption immer gerne herausgestrichen werden, sind mir damals entgangen. Ich habe die Beziehung eher als typische BFF-Mädchenfreundschaft in Erinnerung :rolleyes:

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    Schöner Beitrag!

    Das muss dann eine Lizenzausgabe von Diogenes sein. Dort ist in den 60ern eine Sammlung mit eben diesen vier Geschichten erschienen. Illustriert von Edward Ardizzone, übersetzt von Helmut Degner. Daneben gibt es auch noch eine ansprechende Ausgabe von "Carmilla".


    Le Fanus Dr. Hesselius ist mir einfach der liebste unter den Occult Detectives.