H.G. Wells - Die Insel des Dr. Moreau

  • Edward Prendick verschlägt es nach einem Schiffbruch auf die Insel des Dr. Moreau. Dort versucht Moreau mit seinem Assistenten Montgomery Tiere durch operative Eingriffe (ohne Narkose), durch Hypnose und Suggestionen so umzugestalten, dass sie dem Menschen ähnlich werden. Ihm schwebt etwas Evolutionäres vor. Das Ergebnis sind Tiermenschen. Diese Leben in Gruppen zusammen und werden durch hypnotische Befehle, die religiösen Glaubenssätzen gleichen, unter Kontrolle gehalten.


    Es geht schief. Moreau wird von einem dieser "Tiermenschen in Arbeit" umgebracht. Die Tiermenschen verlieren zunehmend ihre "Menschenähnlichkeit" und fallen in ihr instinkthaftes und unbewusstes Verhalten zurück. Montgomery auch.


    Zum Schluss sind alle tot - außer Prendick. Er kann in einem Boot entkommen und wird von einem Schiff gerettet.


    Ins normale Leben findet er nicht mehr zurück. Mehr und mehr wird ihm bewusst, dass die normalen Menschen genauso automatenhaft an ihre Instinkte und Triebe gebunden sind, wie die Tiere. Die meisten sind reine Reiz-Reaktions-Maschinen.


    Die Zugrunde liegenden Themen sind aktuell.

    - Was ist ethisch zulässig.

    - Wo sind die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Neugier, Machbarkeit und Verantwortung.

    - Was macht den Menschen zum Mensch.


    Zitate von Moreau:

    "Das Ding, an dem man arbeitet, ist kein Tier mehr, kein Mitgeschöpf, sondern eine Fragestellung, die man lösen muss."


    Über die Tiermenschen:

    "Sie sind merkwürdig kompliziert, komplex, wie alles Lebendige. Sie haben so etwas wie Ehrgeiz, entstanden vielleicht teils aus Eitelkeit, teils aus sublimiertem Geschlechtstrieb, teils aus überschüssiger Neugier."


    Warum habe ich das Buch gelesen.

    In dem Buch "The Strange Case of the Alchemist's Daughter" von Theodora Goss gehört die Puma-Frau Catherine Moreau zu den Protagonistinnen. Sie erzählt ausführlich von ihren Erlebnissen auf der Insel, wie sie von einem Puma zu einer Frau umgestaltet wurde, wie sie Moreau umgebracht hat, die Insel verlassen konnte und über ihr weiteres Leben. Sozusagen eine erweiterte und modifizierte Version des Romans von Wells.


    Da wollte ich das Original dann doch mal lesen. Ich habe es gerne gelesen und fand es auch ganz spannend.

  • Ich habe es gerne gelesen und fand es auch ganz spannend.

    Ja, und auch bedrückend. Der angenehme Grusel tritt jedenfalls (nach meiner Lektüreerfahrung) zurück hinter den Fragestellungen, die du benennst.


    Empfehlenswert ist übrigens das von Torsten Michaelis eindringlich gelesene Hörbuch, da haben Stimme und Buch wirklich zueinander gefunden.

  • Klingt interessant... gerade der wissenschaftliche Aspekt, der auch bei dem genannten Zitat von Moreau sichtbar wird, bleibt sicherlich auch auf absehbare Zeit aktuell. Ist das Buch evtl. unter dem Eindruck der damaligen Fortschritte der Medizin entstanden, bleibt dieses Thema in Bezug auf die ethische Zulässigkeit auch heute spannend, beispielsweise im Bereich KI oder gar im Bereich der Optimierung von Menschen mit "technischen Ergänzungen".

  • "Die Insel des Dr. Moreau" ist wirklich zurecht ein Klassiker, und obwohl es den damaligen Froschritt in dieser Medizin widerspiegelt (Vivisektion) ist es in den Fragen, die er aufwirft, hochaktuell geblieben. Ich habe es als viel frischer und moderener in Erinnerung als andere Werke von Wells, insbesondere als "Krieg der Welten". Das Hörbuch schaue ... höre ich mir mal an.

  • Ich habs mal vor Jahren gelesen, als ich mich näher mit dem Werk von H.G.Wells beschäftigte, es war gelungen.

    Wer eine etwas andere Variante lesen möchte, dem sei "Morels Erfindung" von Bioy Casares empfohlen.

    Der Name Morel ist eine Anspielung auf Moreau.

  • Ich habe das Buch auch als sehr bedrückend und als von den reflexiven Fragestellungen her reizvoll in Erinnerung. Gelesen habe ich vor Jahren eine alte Übersetzung in Form eines abgegriffenen Heyne-Taschenbuches, wenn ich mich recht entsinne.


    Ich habe es als viel frischer und moderener in Erinnerung als andere Werke von Wells, insbesondere als "Krieg der Welten".

    Ich war trotz der medialen Überpräsenz des "War of the Worlds" damals dennoch überrascht, wie gut sich das Buch heute noch liest. Ein weiteres aus wissenschaftsethischer Sicht interessantes Werk müsste "Der Unsichtbare" sein.