Peter Straub - Geisterstunde

  • Die für mich interessantesten Bücher aus der Liste hatte ich bereits gelesen. Allerdings hatte ich noch Straubs "Geisterstunde" in der Übersetzung von Hanna Molden im Kellerregal. Nachdem mein erster Versuch in dieser Kategorie mit "Das Haus" ja in die Binsen ging, konnte es eigentlich nur besser werden... Und schon hab ich wieder den Zonk gezogen.


    Ich weiß nicht, was ich schlimmer fand. Die dümmliche Geschichte, die sich wie Kaugummi gezogen hat und welche permanent künstlich verlängert wurde, oder die vollkommen vergurkte Übersetzung. Dabei waren die ersten 100 Seiten noch ganz okay. Altbacken, aber immerhin noch nicht so kacke wie das, was da noch kommen sollte. Die Story war vollkommen unstrukturiert und eigentlich auch gar nicht vorhanden. Hier hat gefühlt ein 10jähriger versucht, einen King-Roman zu kopieren. Ohne Händchen für Story, Charaktere und Setting. Hinzu noch die hölzernen Sätze, die teils keinen Sinn ergaben oder auch zig Mal ins Leere gelaufen sind. Wenn man ausschließlich diesen Roman herauspickt muss man leider feststellen, sowohl Autor als auch Übersetzer haben ihren Beruf verfehlt. Ich frage mich echt, wieso dieses Buch auf der Liste gelandet ist. Es ist einfach nur vollkommener Müll. Definitiv eines der schlechtesten Bücher, was mir untergekommen ist. Eigentlich wollte ich das Buch schon ab ca. Seite 150 / 200 in die Ecke pfeffern. Da ich aber schon ein anderes Buch in dieser Kategorie abgebrochen hatte, zwang ich mich zum weiterlesen. Ich hatte tatsächlich körperliche Schmerzen dabei. Die letzten 100 Seiten konnte ich das Geseiere nur noch quer lesen. Schlussendlich für mich wieder mal der Beweis, Schrottbücher frühzeitig abzubrechen und die doch knappe Lebenszeit nicht mit Müll zu verschwenden.


    Sollten während der Corona-Problematik meine Klopapiervorräte aufgebraucht sein, wäre mir mein Hintern noch zu schade, ihn mit diesem Altpapier abzuwischen.


    Schulnote: 6

  • Warum solltest du das aus der Liste streichen? Gab ja wahrscheinlich eine Abstimmung und es ist ja keine Liste mit ausschließlich meinen Lieblingsbüchern. ^^


    Wobei die Liste zum Ende hin bzgl. der Relevanz doch eher der Zeit der Abstimmung geschuldet zu sein scheint. Evil und Die Insel sind damals welche der ersten Romane unter Heyne Hardcore gewesen. Rückblickend gibt es von Laymon deutlich besseres.

  • Royston Vasey , ich hatte leider ähnliche Erfahrungen mit Geisterstunde, nur, dass ICH es tatsächlich abgebrochen habe, weil ich irgendwann dieses Herumirren von Plot und Figuren nicht mehr ausgehalten habe. Doppelt bitter, weil ich einige Wochen zuvor erst meinen ersten Straub, und zwar Schattenland, gelesen und heiß geliebt habe. Aber ich habe seitdem keinen dritten mehr in die Hand genommen. Gerüchten nach soll es noch ein paar gute Bücher von ihm geben, aber Geisterstunde hat mir einstweilen den Spaß daran verdorben.

  • Ich habe "Geisterstunde" vor zwanzig Jahren mal gelesen und fand es nicht schlecht. Übrigens gibt es davon sogar eine Verfilmung ...

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    Meine aktuellen Roman-Veröffentlichungen:
    Düsterer Horror-Thriller: "Die Verschwörung der Schatten"

    Chaotische Ermittler-Krimis: „Mord mit Seeblick“ + „Mord mit Massage“
    Franken-Krimis: „Auf den Hund gekommen“ + „Auf kurze Distanz“

    Packender Thriller: „Raststopp“

    Weitere Infos unterwww.soeren-prescher.de

  • Puhh! Dann muss ich wohl mal die Gegenseite einnehmen: Nicht alles, was Mr. Straub so geschrieben hat, findet meinen Gefallen, vor allem seine "jüngeren" Werke: (Mit Büchern wie "Reise in die Nacht", "Schattenbrüder" und vor allem "Okkult", von dem ich leider die noch viel längere [und noch zähere] Originalversion "The Skylark" gelesen habe, kann ich absolut nichts anfangen.)
    Aber - und das ABER ist sehr groß geschrieben - "Geisterstunde" war damals eine lesetechnische Offenbarung für mich. Ich bin regelrecht in dem Buch versunken. Noch heute halte ich es für ein absolutes Meisterwerk. (Die Verfilmung fand ich dagegen mega-enttäuschend.) Das Wasser kann dem nur noch der (vorläufige) Abschluss der Blaue-Rose-Reihe - "Der Schlund" reichen. Zusammen mit "Koko", "Mystery", "Wenn du wüsstest", "Der Hauch des Drachen", "Schattenland" und den beiden indirekten Blaue-Rose-Nachfolgern "Haus der blinden Fenster" und "Schattenstimmen" hat Mr. Straub schon ein beeindruckend hochwertiges Oeuvre präsentiert. Nicht vergessen sollte man auch "Der Talisman", zusammen mit Mr. King geschrieben. (Über den Nachfolger möchte ich allerdings lieber den Mantel des Schweigens hüllen.)

  • Das kann ich fast genauso unterschreiben, Andreas. Nur mit dem Unterschied, dass ich "Reise in die Nacht" und "Schattenbrüder" gar nicht sooo schlecht fand.

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    Meine aktuellen Roman-Veröffentlichungen:
    Düsterer Horror-Thriller: "Die Verschwörung der Schatten"

    Chaotische Ermittler-Krimis: „Mord mit Seeblick“ + „Mord mit Massage“
    Franken-Krimis: „Auf den Hund gekommen“ + „Auf kurze Distanz“

    Packender Thriller: „Raststopp“

    Weitere Infos unterwww.soeren-prescher.de

  • Tut mir ja leid, dass du so ein Pech mit deiner Auswahl hast und dass du dich so duchquälen musstest - dafür finde ich deine Verrisse allerdings extrem unterhaltsam und auch sehr informativ.


    Mochtest du denn irgendwann mal andere Bücher von Straub? Ich hatte in grauer Vorzeit ein, zwei Romane angefangen und gemerkt, dass das einfach nicht mein Ding ist.

  • Mochtest du denn irgendwann mal andere Bücher von Straub? Ich hatte in grauer Vorzeit ein, zwei Romane angefangen und gemerkt, dass das einfach nicht mein Ding ist.

    Seine Zusammenarbeit mit King "Der Talisman" hatte mir damals gut gefallen. Und einen anderen Roman, dessen Titel mir nicht mehr einfällt, hat mir vor zig Jahren auch ganz okay gefallen.


    Andreas: Hast du den Roman damals im Original oder in der Übersetzung gelesen? Vielleicht liegt es nämlich wirklich an der grottigen Übersetzung. Alleine der Begriff "Altherrengesellschaft" hat schon weh getan. Ich bin aber wirklich überrascht, dass dir der Roman gefallen hat. Du bist ja doch nicht immer leicht zu beeindrucken. Mit Nevill bist du ja z. B. nie warm geworden. Da wundert es mich wirklich, dass du diesen Roman hier als "lesetechnische Offenbarung" bezeichnest. Für mich war das vor allem unstrukturiertes Durcheinander. Zusammenhänge waren ziemlich unlogisch konstruiert und die Charakterbildung nicht vorhanden. Es wurden zwar zig Namen in den Raum geworfen, aber die Personen dahinter waren allesamt austauschbar.


    Ich habe noch "Hauch des Drachen" und "Julia" im Regal stehen. Die sind nun erstmal wieder ganz nach hinten verschwunden.

  • Nein, ich habe das Buch in der ersten deutschen Fassung (als Hc bei Molden) gelesen. Okay, das ist schon ein paar Jährchen her, aber ich werde nie vergessen, wie absolut gebannt ich während der Lektüre war. Damals sagte mir der Name "Straub" übrigens noch gar nichts. Danach musste ich mir alles besorgen, was der Kerl je geschrieben hatte - und erlitt ein paar böse Bauchlandungen mit der staubtrocken-langweiligen "Julia" und dem unter falschen Etikett propagierten "Das unheimliche Mädchen". Doch Werke wie "Schattenland" und "Wenn du wüsstest" brachten mich wieder auf die richtige Fährte. Und schlussendlich die Blaue Rose-Saga überzeugte mich vollends - trotz des recht schwierigen aber lohnenden Einstiegs mittels "Koko".
    Nein, erst viel später, mit "Mystery", begann ich Straub auch und fast ausschließlich im Original zu lesen. Mit "Mr. X" und "The Hellfire Club" hatte ich dann wieder eine längere Durststrecke, bis Straub mit "Lost Boy, Lost Girl" zu Tim Underhill und damit auch wieder indirekt zur Blaue Rose-Thematik zurückkehrte. Der Nachfolger ("In the Nightroom") war leider schon wieder deutlich schwächer, aber immer noch akzeptabel, bis Straub mit "Dark Matter"/"The Skylark" unverständlicherweise wieder zu seinem schwurbelndem todlangweiligen Stil von "Mr X" + Co zurückkehrte. Tja, und seitdem fiebere ich keinem neuen Werk mehr von ihm entgegen - ganz abgesehen davon, dass er seitdem auch nichts mehr veröffentlicht hat.